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Feuerblick
19.07.2021, 19:40
Wir werden so lange hinterherlaufen, bis eine Herdenimmunität nicht mehr nötig ist, weil sich das Virus in die Reihe anderer Corona-Viren eingereiht hat und halt nur noch eine nervige, aber nicht schlimme Infektion (in den allermeisten Fällen) verursacht. Das halte ich für das deutlich realistischere Szenario. Einfach weil du für eine Herdenimmunität aktuell über 90% Menschen bräuchtest, die gleichzeitig in Bezug auf aktuell vorherrschende Mutationen (!) vollständig geimpft oder genesen und damit immun sind. Eben weil du trotz Impfung/Genesenenstatus immer noch infektiös bist. Und diesen Status kann man nicht realistisch erreichen. Es sei denn, man möchte eine Impfpflicht einführen. Freiwillig? Nie!

Kackbratze
19.07.2021, 19:42
Selbst mit Impfpflicht nicht, oder willst Du alle Tiere die Corona übertragen können auch impfen?

Feuerblick
19.07.2021, 19:58
Wir reden ja vom aktuellen Virus im momentanen Setting. Da sind meines Wissens seit Beginn der Pandemie zwar Ansteckungen von Tieren durch Menschen bekannt, aber keine Infektionen, die wieder von Tieren auf Menschen übergegangen sind. Insofern kann man das wohl vernachlässigen.

Kackbratze
19.07.2021, 20:09
Als Mutationspool, den wir ja alle fürchten, denke ich nicht.

Feuerblick
19.07.2021, 20:18
Sehe ich anders. Der Mensch ist genug Mutationspool. Das reicht schon.

roxolana
19.07.2021, 21:22
Wir werden so lange hinterherlaufen, bis eine Herdenimmunität nicht mehr nötig ist, weil sich das Virus in die Reihe anderer Corona-Viren eingereiht hat und halt nur noch eine nervige, aber nicht schlimme Infektion (in den allermeisten Fällen) verursacht. Das halte ich für das deutlich realistischere Szenario.

Dass das Virus mit der Zeit durch Mutationen harmloser wird, wurde zwar vorhergesagt, aber bislang ist das Gegenteil passiert: Alpha war tödlicher als der Wildtyp und Delta ist tödlicher als Alpha. Dass das Virus sich bald wieder "zurückentwickelt" und dann harmloser wird ist aktuell daher nicht wirklich zu erwarten.


Einfach weil du für eine Herdenimmunität aktuell über 90% Menschen bräuchtest, die gleichzeitig in Bezug auf aktuell vorherrschende Mutationen (!) vollständig geimpft oder genesen und damit immun sind. Eben weil du trotz Impfung/Genesenenstatus immer noch infektiös bist. Und diesen Status kann man nicht realistisch erreichen. Es sei denn, man möchte eine Impfpflicht einführen. Freiwillig? Nie!

Wir haben bei vielen Impfstoffen eine Impfquote von über 90%, z.B. bei Polio. Das war übrigens nicht immer so. 1962, also 1 Jahr nach Einführung der (amerikanischen) Polio-Schluckimpfung, waren nur 7% der westdeutschen Kleinkinder geimpft, während es in Dänemark 98% waren. In Westdeutschland hatte man Angst vor der "neuartigen Schluckimpfung" (https://www.br.de/nachrichten/amp/wissen/impfskepsis-auch-bei-polio-war-deutschland-spaet-dran,SNIpFpQ). Die schlechte Impfquote hatte zur Folge, dass es immer wieder zu Ausbrüchen kam, so dass sogar die DDR anbot, den Westdeutschen 3 Millionen Dosen sowjetischen Polio-Impfstoffs zu spenden (https://www.spiegel.de/kultur/aus-dem-schnapsglas-a-370f93da-0002-0001-0000-000043365110-amp), was natürlich abgelehnt wurde. Erst 1963 wurde ein Gesetz verabschiedet, das Schluckimpfungen mit Lebendimpfstoff zuließ. Heutzutage haben wir, auch durch die Einführung des Totimpfstoffs, 93% Impfrate und das ganz ohne Impfpflicht. Ich bin mir sicher, dass wir das bei Corona auch schaffen werden - vielleicht nicht in 1 Jahr und vielleicht auch nicht mit den aktuell zugelassenen Impfstoffen, aber das ist durchaus realistisch.

ehem-user-02-08-2021-1033
19.07.2021, 21:49
Polio ist im Vergleich zu Corona ein sehr gutes Beispiel. Es zeigte, dass wir in Deutschland von 1962 an bis 1992 durch konsequente Impfung sämtlicher Bevölkerungsschichten das Virus komplett in Deutschland ausrotten konnten. Diesen Erfolg konnten wir damals, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, vorallem aufgrund der konsequenten Impfung von Alten- und Pflegeheimen erzielen. Ich erinnere mich noch an die Bilder in den Geschichtsbüchern mobiler Impfteams in Altenheimen und auch den großen Impfzentren. Das war schon eine wilde Zeit!

Feuerblick
20.07.2021, 06:35
Wieso ist Delta nachweislich tödlicher als Alpha? Ich dachte, es gäbe noch gar keine Zahlen, ob Delta wirklich so schlimm ist?

Ich glaube übrigens nicht, dass man Impfquoten aus den 60ern bis 80ern irgendwie mit der heutigen Gesellschaft vergleichen kann. Querdenker, „mir doch egal“-Denker, „Ich werd nicht krank“-Denker … die hattest du damals nicht in diesem Ausmaß und vor allem nicht in dieser Vernetzung. Da war das Wort des Arztes noch was wert.
Schaut euch doch die Masernimpfungen an. Da brauchte es schon eine Impfpflicht… :-nix

ehem-user-02-08-2021-1033
20.07.2021, 06:57
Also der Durchimpfungsgrad war in den 60er bis 80ern in der Erwachsenen Bevölkerung desaströs abseits der Pockenimpfung. (Siehe Tetanusimpfung)

Endoplasmatisches Reticulum
20.07.2021, 07:02
Ich glaube übrigens nicht, dass man Impfquoten aus den 60ern bis 80ern irgendwie mit der heutigen Gesellschaft vergleichen kann. Querdenker, „mir doch egal“-Denker, „Ich werd nicht krank“-Denker … die hattest du damals nicht in diesem Ausmaß und vor allem nicht in dieser Vernetzung.
Da wäre ich mir nicht so sicher, wenn ich an die Autismus-Leier denke. Ich glaube eher, der Knackpunkt ist wie du sagst die Vernetzung. Durch Facebook, Twitter etc. bekommt man Idiotie und Verhaltensoriginalität halt auf dem Silbertablett präsentiert. Man darf auch nicht vergessen, dass die Lockdowns und die Wirtschaftslage eine deftige Schneise in die Psyche vieler Menschen geschlagen haben. Dazu das AstraZeneca-Fiasko. Irgendwann sind die Leute komplett verwirrt, überfordert und dann letztlich einfach grundsätzlich auf Anti geprimed.

Kackbratze
20.07.2021, 08:03
Und wo sind jetzt die Zahlen für die Gefährlichkeit der Delta-Variante?

Christoph_A
20.07.2021, 08:16
Die würden mich auch interessieren, zumal ja nach allem, was ich bisher gelesen habe, bis jetzt eher von einer geringeren Gefährlichkeit ausgegangen wird.
Und hier ex Ärmelo zu postulieren, man müsse unter allen Umständen eine Herdenimmunität qua Impfung erzielen und am besten auch alle Kinder zusätzlich mit einem Impfangebot einer neuartigen Impfstoffklasse versehen, welches hinten und vorne nicht evidenzunterlegt ist, ist bestenfalls als mutig zu bezeichnen.
Besonders witzig an dieser Stelle, daß von den üblichen Dauermahnern jetzt vor long covid Syndromen bei Kindern gewarnt wird, wo noch nicht einmal eine exakte medizinische Definition eines long covid Syndroms existiert und ein overlap mit anderen chronique fatigue Syndromen nach Virusinfektionen, wie Nefazodon so schön herausgearbeitet hatte, besteht.
99% der Kinder werden mit Covid 0 Probleme haben, eine Impfempfehlung für Kinder ist daher unlauter, da gehe ich vollkommen mit der STIKO d´accord.

Feuerblick
20.07.2021, 08:35
Sehe ich nach wie vor ähnlich. Ich würde es vielleicht anders sehen, wenn Kinder wirklich massenhaft schwer erkranken würden und/oder ein Impfstoff vorhanden wäre, der nicht „neu“, dafür unbedenklich und über Jahre etabliert und getestet wäre. Dann könnte man darüber nachdenken. Aber so? Auf Grundlage dieser Datenlage? Nö.
Aber wie ich schon schrieb: Ich bezweifle stark, dass man für Coronaviren eine Herdenimmunität schaffen kann. Einfach weil diese Viren etwas anders sind und weil man schon im Tierreich gegen Coronaviren nicht viel mehr tun kann als dumm gucken (Katzenbesitzer kennen das…).
Ich bezweifle aber auch, dass man diese Herdenimmunität brauchen wird, wenn man relevante Bevölkerungsgruppen ausreichend impfen kann.

ehem-user-02-08-2021-1033
20.07.2021, 09:03
Zumal eine Impfung auch nur dann ethisch vertretbar ist, wenn sie die einzige mögliche Therapieform darstellt.
Wenn ich z.B. ein Medikament habe, das Betroffenen suffizient hilft, dann wäre es unethisch Kinder und junge Erwachsene zum Schutz von Risikogruppen zu impfen.

milz
20.07.2021, 10:35
Wer von euch lässt seine Kids impfen und wer nicht? Bei mir ist K1 geimpft, auf eigenen Wunsch und weil ich das Risiko der Impfung als niedriger einschätze als das der unausweichlichen Infektion.

Christoph_A
20.07.2021, 10:44
Kind wird nicht geimpft, ist gottseidank eh zu klein, um auch in die diskutierte Gruppe zu fallen, wird sich irgendwann a-/minisymptomatisch mit Covid infizieren, Familie ist eh komplett durchgeimpft, daher keine "Gefahrenquelle" für v.a. die Großeltern.

Salzi19
20.07.2021, 12:00
Große Kinder (19 und fast 17) sind schon erstgeimpft, beim kleinen Kind (3) wird abgewartet.

McBeal
20.07.2021, 17:24
Unsere Kinder sind noch zu jung und ich schaue mir das mit den Impfungen der Jugendlichen jetzt interessiert an. Bin mir nämlich unsicher. Wie schon an anderen Stellen geschrieben, macht mir Sorgen, dass ja auch nicht bekannt ist, ob covid irgendwelche Folgeerkrankungen/Nachkrankheiten/Spätfolgen außer Long Covid und PIMS haben kann.

LG
Ally

tragezwerg
20.07.2021, 17:58
Wären meine Kids über 12, würde ich das mit ihnen besprechen und sie vermutlich impfen lassen. Sie sind ja aber noch Kindergartenkinder, sodass sich die Frage gar nicht stellt.
Ich habe bezüglich der Impfung wenig bis keine Bedenken, aber die möglichen Spätfolgen einer Infektion sind schon gruselig. Die durch Corona ausgelöste Mikroangiopathie z.B. im Gehirn oder Myokard hat ja durchaus Potential, später auch bei primär asymptomatischen Kindern Probleme zu machen.

alex1
20.07.2021, 18:49
Ich frage mich, ob die Dosen der verfügbaren Impfstoffe bei Kindern nicht eher zu hoch sind?
Ich weiss, es klingt vielleicht etwas zu einfach von der Denkweise herl, aber es gibt ein paar Berichte, die fürs durchaus weniger hohen Dosen bei den mRNA Impfstoffen plädieren (z.B. bei Moderna: https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.06.30.21259787v1 ). Vielleicht wäre der bislang gescheiterte Curevac-Impfstoff mit der mini-Dosis ein geeigneter Impfstoff für Kinder gewesen? Time will tell... Ich nehme auch an, dass Booster-Impfungen eher kleinere Dosen enthalten werden?