Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zwangsverpflichtung Katastrophenfall
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Ich glaube nicht dass die Posts hier auf einen mangelnden Altruismus schließen lassen. In der Klinik und im Rettungsdienst geht Eigenschutz immer vor, egal bei welchem Einsatz oder Prozedur. Und der ist meines Wissens nicht gewährleistet. Sich selbst fahrlässig einer Infektionsgefahr auszusetzen, deren Verlauf man momentan nicht richtig einschätzen kann ist dumm und nicht heldenhaft. Und Anweisungen von (nicht-)ärztlichen Vorgesetzen zu befolgen, die die eigene Gesundheit gefährden um einfach strukturelle Mängel auszugleichen ist ebenfalls nicht sinnvoll.
Zweitens gehen wir schon zu normalen Zeiten an unsere grenzen. Und es beunruhigt mich diese Situation auf uns zukommen zu sehen.
Zweitens gehen wir schon zu normalen Zeiten an unsere grenzen. Und es beunruhigt mich diese Situation auf uns zukommen zu sehen.
Es ist jetzt auch nicht so, daß völlig überraschend ein Vulkan ausgebrochen wäre oder sowas, vielmehr sollen diese Maßnahmen jetzt von politischem Totalversagen (heruntergewirtschaftetes Gesundheitssystem, Materialmißwirtschaft, Unterschätzung der Gefahr) ablenken. Ich kann es zumindest nachvollziehen, wenn man sich dann nicht völlig ungeschützt für die Bundeskanzler-Ambitionen von Spahn und Söder verheizen lassen will (sinnlose "Heldentote" hatten wir ja schon mal).
Und was den Altruismus und die Vorbildfunktion angeht: ich für meinen Teil werde GENAU beobachten, wer von den "Approbationsinhabern" bekannt aus Film, Funk, Fernsehen und Politik (und das sind einige, auch unter 60J) sich dementsprechend einbringt, oder noch besser, zwangsrekrutieren läßt. Irgendwelche Charity-Events sind keine medizinische Leistung. Bundestag ist im Notbetrieb, und der nächste "Tatort" kann ja auch warten. Ich vermute aber, daß in diesen Sphären Corona als Problem der "Unterschicht-ÄrztInnen" angesehen wird.
ehem-user-02-08-2021-1033
21.03.2020, 17:29
Und was den Altruismus und die Vorbildfunktion angeht: ich für meinen Teil werde GENAU beobachten, wer von den "Approbationsinhabern" bekannt aus Film, Funk, Fernsehen und Politik (und das sind einige, auch unter 60J) sich dementsprechend einbringt, oder noch besser, zwangsrekrutieren läßt. Irgendwelche Charity-Events sind keine medizinische Leistung. Bundestag ist im Notbetrieb, und der nächste "Tatort" kann ja auch warten. Ich vermute aber, daß in diesen Sphären Corona als Problem der "Unterschicht-ÄrztInnen" angesehen wird.
Der dumme Unterschichten-Arzt ist dann aber in aller Regel der in der Intensiv- oder klinischen Notfallmedizin tätige Kollege.
Es ist eine Sache, dass man im Alltag nicht die Eier hat sich gegenüber seinen Vorgesetzten abzugrenzen...
seinen Kollegen, die aber Dienst direkt am Krisenherd leisten mit solchen Aussagen in den Rücken zu fallen ist schon ein starkes Stück und zeigt wie unsolidarisch sich manche Fachgruppen verhalten.
Es ist eine Sache, dass man im Alltag nicht die Eier hat sich gegenüber seinen Vorgesetzten abzugrenzen...
seinen Kollegen, die aber Dienst direkt am Krisenherd leisten mit solchen Aussagen in den Rücken zu fallen ist schon ein starkes Stück und zeigt wie unsolidarisch sich manche Fachgruppen verhalten.
Ich glaube, da hast Du mich falsch verstanden. Ich bin der Meinung, daß diese ganzen Leute, die sich zwar je nach Thema auch gerne als "Arzt" oder "Ärztin" bezeichnen, ansonsten aber den nächsten Tatort drehen, Comedy machen, in den Vorstandsetagen der Ärztekammern die Weiterbildung erschweren, Lobbyarbeit für Rhön machen oder "Ärztehasser" Bücher schreiben, zwar auch null oder kaum Berufserfahrung haben, nicht im Traum daran denken werden, sich (und womöglich ohne Schutzkleidung) an die "Front" zu begeben (oder nur für einen kurzen Pressetermin) und sich das ganze schön aus der Ferne anschauen. Und in deren Augen sind WIR die "Underdocs" , alle Fachgruppen und mich eingeschlossen.
PS: diese Zweiteilung kann man im übrigen schön in den entsprechenden Notdienstordnungen nachlesen.
Es ist doch sinnlos jetzt einen Klassenkampf auszurufen. Wieso sollen denn ärztliche Funktionäre oder Kollegen aus patientenfernen Fächern an vorderster Front kämpfen? Das macht doch keinen Sinn und ist eher hinderlich einen Kollegen ohne entsprechende Erfahrung im Weg stehen zu haben. Sorry für den Ausdruck - nicht persönlich nehmen. Kennen die meisten auch von sich am ersten Tag auf der ITS mitten im Großbrand.
Ich mache gerne Notfall- und Intensivmedizin. Auf dem NEF waren letzte Woche noch 3 komplette PSA, die immer aufgefüllt werden. Der Vorrat schwindet aber. Seit Freitag ist die Maßgabe erlassen, dass bei jedem Einsatz FFP2/3 Masken zu tragen sind. So arbeite ich gerne an der Front.
Aber ohne adäquaten Schutz zu arbeiten ist Wahnsinn. Und infizierte Kollegen arbeiten zu lassen ebenfalls.
Das Thema Zwangsverpflichtung wird hier etwas zu hochgekocht und damit Ängste geschürt. Ich denke keiner wird von seinem Kind entrissen und auf eine ITS gesteckt. Es wird Aufrufe und genügend freiwillige geben.
ehem-user-02-08-2021-1033
21.03.2020, 18:00
Das stimmt...
Schreibtischtäter werden sich auch in der Krise die Finger nicht schmutzig machen.
Übrigens, wenn ich so etwas lese, dann frage ich mich, warum man uns in den Rücken fällt:
https://www.rnd.de/politik/gesellschaft-durch-corona-uberfordert-arzteprasident-reinhardt-warnt-ITO2SESDPBERXJNCUAWU4B36VQ.html
In meiner alten Klinik sind Internisten und Anästhesiologie ganz vorne eingeteilt. Es gibt 7x12h Schichten danach 7 Tage frei. Urologen, HNO, Augenärzte etc. haben nur wenige Patienten und unterstützen die Normalstationen der Inneren. Das ist ein sinnvolles vorgehen.
sonnenblume42
21.03.2020, 19:22
Also jetzt mal kurz ernsthaft:
Es gibt halt einige, wie mich, die haben noch ganz junge Kinder unter 6 Monaten. Die, die selber Kinder haben, wissen wohl wie das ist.
An die die keine haben: es gibt welche, die werden voll gestillt, verweigern das Fläschchen, obwohl sie ewig nichts mehr getrunken haben und schlafen evtl. Beim Papa nicht ein.
Auch ist das eben eine Zeit, in der die Mutter noch hormonbedingt emotional evtl. Noch nicht ganz auf der Höhe ist und vielleicht noch nie länger von ihrem Kind getrennt war, von evtl. Körperlichen Folgen einer komplikationsreichen Geburt mal abgesehen.
Dann gibt's halt auch noch was, was man da Bindung nennt.
Ohne Scherz, mein Kind würde sehr leiden unter einer Trennung und viele andere auch.
Es ist doch VOLLKOMMEN Klar, dass es hier nicht darum geht sich zu drücken wenn die Hütte brennt. Dann helfen wir natürlich!
Aber das sollte doch das letzte Mittel sein.
Also warum so eine drastische Trennung vonn Mutter und kleinem Baby als das normalste der Welt darstellen, bevor nicht erst mal eine ordentliche freiwillige Rekrutierung bei allen nicht ärztlich tätigen Kollegen stattgefunden hat?
Und uns dann noch vorwerfen, wir wären Schönwetterärzte?
Finde ich doof.
Also jetzt mal kurz ernsthaft:
Es gibt halt einige, wie mich, die haben noch ganz junge Kinder unter 6 Monaten. Die, die selber Kinder haben, wissen wohl wie das ist.
An die die keine haben: es gibt welche, die werden voll gestillt, verweigern das Fläschchen, obwohl sie ewig nichts mehr getrunken haben und schlafen evtl. Beim Papa nicht ein.
Auch ist das eben eine Zeit, in der die Mutter noch hormonbedingt emotional evtl. Noch nicht ganz auf der Höhe ist und vielleicht noch nie länger von ihrem Kind getrennt war, von evtl. Körperlichen Folgen einer komplikationsreichen Geburt mal abgesehen.
Dann gibt's halt auch noch was, was man da Bindung nennt.
Ohne Scherz, mein Kind würde sehr leiden unter einer Trennung und viele andere auch.
Es ist doch VOLLKOMMEN Klar, dass es hier nicht darum geht sich zu drücken wenn die Hütte brennt. Dann helfen wir natürlich!
Aber das sollte doch das letzte Mittel sein.
Also warum so eine drastische Trennung vonn Mutter und kleinem Baby als das normalste der Welt darstellen, bevor nicht erst mal eine ordentliche freiwillige Rekrutierung bei allen nicht ärztlich tätigen Kollegen stattgefunden hat?
Und uns dann noch vorwerfen, wir wären Schönwetterärzte?
Finde ich doof.
Dem schließe ich mich vollumfänglich an, auch wenn mein Baby schon 11 Monate alt ist.
schnix25
21.03.2020, 19:49
Man kann sich ja auch immer noch krank schreiben lassen. Man wird sicherlich nicht von der Polizei aus dem Bett gezerrt und in die nächste Klinik gekarrt. Falls doch, is eh alles zu spät und danach würden wohl endgültig viele Ärzte das Heil im Ausland suchen.
WackenDoc
21.03.2020, 20:00
Wieso treibt ihr eigentlich so eine Panikmache???? Ich kapier das echt nicht!
Der erste Schritt ist der Aufruf, dass sich Freiwillige melden. Wenn die nicht ausreichen gibt es die Möglicheit der Zwangsverpflichtung. Dabei wir doch nicht jeder aus dem Haus gezerrt, der nicht schnell genug "Quarantäne" schreit. Kennt ihr das nicht mehr von der Wehrpflicht?
Es gibt bei jeder Zwangsverpflichtung Priorisierungen und Ausschlüsse.
Mediana90
21.03.2020, 20:01
Dankeschön, du hast es auf den Punkt getroffen!
Würde eine verträgliche Lösung angeboten, kein Problem. Aber als Mutter ist es nun auch irgendwie natürlich, dass ich Schaden von meinem Kind abwenden möchte.
Mal ganz abgesehen davon, dass auch noch Vorerkrankungen eine Rolle spielen können... auch Altruismus kennt seine Grenzen!
sonnenblume42
21.03.2020, 20:03
WackenDoc, du hast bestimmt recht.
Es nervte mich nur, hier immer wieder zu lesen, es wäre ja bekloppt, sich um ein kleines Kind selber kümmern zu wollen oder man würde sich drücken.
Hier hat auch jemand Spass daran uns Mamas verrückt zu machen, dass ist bei unserer hormonellen Ausstattung ganz besonders unnett.
WackenDoc
21.03.2020, 20:06
Das Problem ist, dass das Sorgen um ungelegte Eier Kraft kostet, die aktuell anderweitig gebraucht wird.
Macht mal nen Realitätscheck- selbst Bundeswehrreservisten werden zur Zeit GEBETEN. Das ist doch die Gruppe, die als erstes gezogen werden würde. und auch da gelten bestimmte Spielregeln.
schnix25
21.03.2020, 20:16
Die Frage ist ja auch was man mit den ganzen Leuten will. Bei dem aktuell völlig brachliegendem Elektivprogramm gibt es doch bereits innerhalb der Kliniken genügend Personal. Abgesehen davon sind sich momentan eigentlich alle einig, dass man wenn dann in Materialprobleme kommt und keine Personalprobleme hat.
Mir stößt einfach sauer auf, dass wir Ärzte in Elternzeit explizit erwähnt werden. " Auch ältere Ärzte und Ärzte in der Elternzeit werden einbezogen."
Kein- wir rekrutieren Freiwillige, schulen Urologen um- nein, zum Teil stillende Mütter und Risikorentner. Super.
EIN einziger Coronapatient und zwei privat infizierte Ärzte haben bei uns 200 Mitarbeiter in Quarantäne geschickt, unter anderem unsere ewig unterbesetzte Station. Mein Chef würde es lieben mich zwangs- rückholen zu können- "da sind sie ja schon eingearbeitet" und eine Arbeitsplatz-Risikobewertung sagt kein Infektionsrisiko für Schwangere- denke offiziell dürfte ich da als Stillende arbeiten trotz Coronaviren exponiertem Personal und Patienten auf Station.
Relaxometrie
21.03.2020, 21:02
Ärzte in der Elternzeit werden einbezogen
Wenn eine adäquate persönliche Schutzausrüstung vorhanden ist, die Kinderbetreuung sichergestellt und Pausen zum Stillen gewährt werden, meiner Meinung nach völlig in Ordnung.
Es gilt für den Katastrophenfall. Da muß jeder aus seiner Komfortzone raus.
Wenn eine adäquate persönliche Schutzausrüstung vorhanden ist, die Kinderbetreuung sichergestellt und Pausen zum Stillen gewährt werden, meiner Meinung nach völlig in Ordnung.
Es gilt für den Katastrophenfall. Da muß jeder aus seiner Komfortzone raus.
So ein Schwachsinn!?!?!!! Da platzt mir der kragen.
Und das Kind wird zwischen den Stillpausen im schmutzraum abgestellt! Du hast doch keine Ahnung. Wahrscheinlich bist du in einer kinderlosen Komfortzone.
Adäquate persönliche Schutzausrüstung: OP-Mundschutz und Einmal-Plastikschürze reicht doch, oder?
Kinderbetreuung: ich würde jemand benötigen, der nicht nur das zahnende Stillkind betreut und zum stillen bringt, sondern auch die Geschwister 5a austickendes Kindergartenkind und sechs-Stunden-täglich-Unterrichtspflicht Grundschulkind. Ist doch sicher kein Problem!
Meinem Arbeitgeber wäre das alles komplett schnuppe, Hauptsache Arbeitskraft. Während ich hier überlege wann ich das letzte mal Duschen war.
Es geht hier um den Katastrophenfall. Ein Meteor schlägt in Berlin ein. Ein Tornado verwüstet das Ruhr-Gebiet. Eine Pandemie tötet hunderttausende von Menschen in wenigen Wochen. Nicht jeder Arzt/Ärztin in Elternzeit ist eine alleinerziehende Mutter die noch stillt. Viele nehmen die Elternzeit auch später wenn das Kind schon größer ist. Wenn es soweit ist, dass per Katastrophenschutzgesetz auch stillende Mütter zwangsverpflichtet werden müssen haben wir (und die betreffenden Kolleginnen) ganz andere Sorgen und Probleme als jetzt im Moment. Bis es soweit ist sind die meisten von uns eh schon immun...
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