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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizin oder Physiotherapie?



Gschnitzer
28.11.2003, 20:02
Hallo!
Ich interessiere mich wahnsinnig für den medizinischen Bereich. Ich kann mich nur nicht entscheiden zwischen einer Ausbildung zum Physiotherapeuten und einem Medizinstudium. Vielleicht hat ja jemand von euch ähnliches bereits hinter sich und kann mir ein paar Tipps, bzw. Hilfen geben.
Wär echt nett!
Liebe Grüße
Simon

Kerstin18
28.11.2003, 23:06
Hallo Simon,

vielleicht kann ich Dir ja etwas weiterhelfen. Ich habe nach dem Abi eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht und studiere nun Medizin.
Ich sag mal so, die Physioausbildung ist gegenüber dem Studium viel praktischer orientiert. Von der ersten Woche an hatten wir damals praktische Fächer. Im Studium ist das ganz anders. Du sitzt erstmal nur über Büchern.
Trotzdem hat mir beides Spass gemacht bzw. macht es noch.
Ich habe mich damals zunächst für die Ausbildung entschieden, weil es einfach kürzer dauert und man nach 3 Jahren 'nen Abschluss hat. NAchdem ich dann ca. 2 Jahre gearbeitet habe als Physio habe ich mich doch fürs Studium entschieden, weil ich gemerkt habe, dass ich einfach mehr wissen will. Als Physio lernst Du zwar schon viel, aber halt doch nicht so genau wie im Studium. Trotzdem habe ich nicht bereut, erst die Ausbildung gemacht zu haben. Es bringt mir nun viel im Studium und ich sehe zu vielen Themen halt auch 'nen Praxisbezug, was andere Studis halt nicht können, da sie noch nie 'nen Patienten gesehen haben. Ausserdem lässt es sich ganz gut nebenher arbeiten.

Das war jetzt alles ziemlich allgemein. Ich weiss ja nicht was Dich genau interessiert. Wenn Du Fragen hast, dann werde ich gerne versuchen Dir sie zu beantworten.

Viele Grüsse und einen schönen Abend.
GRuss,
Kerstin :-)

Gschnitzer
29.11.2003, 01:17
Hallo Kerstin!
Erstmal danke für deine Antwort!
Bei mir schaut die Situation so aus, dass ich mich für das eine oder das andere entscheiden muss. Ich kann es mir aus zeitlichen Gründen einfach nicht leisten, zuerst eine Ausbildung zum Physiotherapeuten zu machen und anschließend Medizin zu studieren. Ich finde es jedoch super, dass du das machst. Ich kann mir sehr gut vorstellen dass die Physioausbildung und die Arbeit als Physio dir im Studium hilfreich sind.
Ich kann mich einfach nicht entscheiden, welchen beruflichen Weg ich einschlagen soll. Medizin reizt mich zwar, da man dort wahrscheinlich bis ins Detail alles über den menschl. Körper lernt. Was mich abschreckt ist das lange Studium. Was ich hier so mitbekommen habe, schaut die Situation nach dem Studium so aus, dass man für seinen Beruf lebt, übermäßig Überstunden macht, kaum Zeit für Familie und Hobbys hat. Das sind Dinge die mich schon ziemlich vom Medizinstudium abschrecken. Andererseits kann es passieren, dass ich nach der Ausbildung zum Physio das Bedürfnis habe, doch noch Medizin zu studieren und das ganze Wissen noch zu vertiefen, das würde sich bei mir jedoch aus privaten und zeitlichen Gründen nicht ausgehen.
So, jetzt weisst du noch ein bisschen mehr über meine Situation und kannst mir vielleicht noch nen Tipp geben. Ich danke dir jedenfalls schon jetzt dafür!
Liebe Grüße
Simon

luckyblue
29.11.2003, 01:54
Was ich hier so mitbekommen habe, schaut die Situation nach dem Studium so aus, dass man für seinen Beruf lebt, übermäßig Überstunden macht, kaum Zeit für Familie und Hobbys hat.

Ein Blick z. B. in die Besetzungslisten von Amateur-Orchestern bestätigt oft das alte Vorurteil, dass diese nur aus zwei Berufszweigen gespeist werden: Mediziner und Juristen im Verhältnis 3 zu 1. Irgendwo bietet wohl das Arztdasein auch noch Zeit für die "Steckenpferd-Stallarbeit".

cu, luckyblue

Kerstin18
29.11.2003, 12:21
Hallo Simon,
irgendwie kommt mir das alles wahnsinnig bekannt vor. Mir ging's damals genauso, bis auf die Tatsache, dass ich kein "zeitliches Problem" hatte.

Hm, ich seh schon, im Prinzip ist es halt wohl doch eher Medizin, was Dich interessiert und Physiotherapie mehr oder weniger eine Kompromisslösung (Hat auch mit Medizin zu tun, ist aber weniger zeitaufwendig, was die Länge der Ausbildung angeht). Sehe ich das richtig?

Wenn Medizin Dein Traum ist, dann mach's auch. Es gibt nichts Schlimmeres, als sich irgendwann mal vorwerfen zu müssen, es nicht versucht zu haben. Und genau aus diesem Grund studiere ich nun doch noch Medizin. Wenn Du eh schon keine Zeit hast, dann geh keine Kompromisse ein, sondern mach das, was Dein Traum ist und was Du am meisten möchtest.

Das Studium ist zwar irgendwo schon lang, aber die Zeit geht so schnell rum, das merke ich nun gerade selbst. Kaum hat man angefangen, schreibt man schon Physikum...

Und was die Arbeitssituation angeht...da kommt's sicher auch drauf an, wo man landet. Wenn Du später als Physio in 'ner Praxis arbeitest, dann hast Du auch keine so arg geregelten Arbeitszeiten. Wenn Patienten da sind, dann kannst Du auch nicht einfach um 4 Feierabend machen. Und ich denke, dass sich die Arbeitsbedingungen für Mediziner sicher verbessern werden in den nächsten Jahren. Sonst gibt's echt ein Problem, weil immer weniger als Arzt arbeiten wollen.

Letztenendes ist es aber allein Deine Entscheidung. Auch wenn Du vielleicht schon Familie hast, hör Dir die Meinungen an, aber entscheide, so wie Du denkst. DU musst dann später in Deinem Beruf arbeiten und glücklich sein!!! :-top

Viele Grüsse,
Kerstin

stez
29.11.2003, 16:43
Meine Mutter hat vor 5 Jahren noch ne Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen. Davor hat sie als Psychotherapeutin gearbeitet, ist also studierte Psychologin. Mit der ganzen "Zeit für Familie"-Sache ist das so: Du hast als Physio vielleicht etwas mehr Zeit als ein Arzt, dafür verdienst Du aber erstmal so wenig Geld, daß Du Dir davon sicher keine Familie leisten kannst!!! Ich verdiene als "nur" angelernter Pflegehelfer fast genauso viel! Das ist wirklich bitter. Hätte meine Mutter aus ihrem vorigen Beruf nicht mächtig was zur Seite gelegt, könnte sie sich ihr Leben jetzt gar nicht finanzieren. Dazu wohnt sie auch noch alleine und hat keine Kinder zu ernähren oder ähnliches! Einzige Möglichkeit: Selbstständig machen und ne eigene Praxis eröffnen. Da kannste dann wieder gut Geld verdienen, allerdings bist Du dann auch rund um die Uhr beschäftigt, ähnlich wie ein Arzt! Also das mit der Familie muss man auch mal finanziell betrachten! Es sei denn Du heiratest ne reiche Frau und kannst Dir dann trotzdem ne Familie leisten ;-) Aber ob das der Fall sein wird...

Gruss Stez :-music

ui, mein 200.er :-))

NumerusClausus
01.12.2003, 17:24
@ Kerstin18,
hi, du hast also ne ausbildung zur physiotherapeutin
gemacht! interessant...frage: mit welchem Alter hast du ABi gemacht und
wann hast du dann die Ausb. zur Physio begonnen?
Wenn du danach auch noch 2 Jahre in dem Bereich
gearbeitet hast, musst du ja relativ spät mit dem Studium
angefangen!Respekt! :-top
wie hast du das denn finanziell geregelt?nur durch nebenbei jobben? ich mein, die ausbildung
kostet ja auch n bissl was?!und auch zeitaufwendig oder?
kannst du ungefähr sagen was du dafür gezahlt hast!?
ich kann nämlich noch nicht mit medizin anfangen, weil zu schlechtes ABi... :-)) bin grad 19 geworden und mach grad praktika, muss nämlich leider kein Zivi machen :-???
willst du eigentlich hinterher in die Sportmedizin?oder weisste noch net?
Wär schön wenn du antworten würdest :-blush
LG NC

Kerstin18
01.12.2003, 18:29
Hi NC,

Abi habe ich wie fast jeder andere auch mit 19 gemacht (na ja, fast 20, bin halt im August geboren und zählte daher immer zu den "Alten";-), direkt danach dann die Ausbildung als Physio drei Jahre lang. Als ich nun letztes Jahr mit dem Studium angefangen habe war ich 25. Aber es ist bei weitem nicht so, dass ich die Älteste bin. Es gibt so viele bei uns, die vorher schon was anderes gemacht haben oder warten mussten. Ich komme mir also keineswegs alt vor. ;-)

Wenn Du die Ausbildung selbst finanzieren musst, ist das ziemlich heftig. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich unterstützt haben und ich eine Schule gefunden hatte, die nicht weit weg von zu Hause war, so dass ich nicht noch ein Zimmer brauchte. Leider gibt's ja nur wenig private Physioschulen und in die ist es ziemlich schwer reinzukommen. Meine Schule war daher 'ne private und ich musste ca. 700 DM monatlich zahlen. Schon ziemlich heftig. Kannst das dann ja mal auf drei Jahre hochrechnen...Gejobbt habe ich in der Zeit in den Ferien, die aber auch nicht gerade üppig waren. 6 Wochen im Jahr. Also kein Vergleich zur "normalen" Schule oder Uni.

Jetzt im Studium finanziere ich mich weitgehend selbst. Bis auf Krankenversicherung, das haben meine Eltern übernommen. Ich arbeite zwei mal die Woche als Physio und momentan auch als Hiwi an der Uni und dann natürlich auch in den Semesterferien. Glücklicherweise bekomme ich auch noch ein paar Monate Kindergeld. Hilft auch etwas. Klar ist es nicht immer einfach, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Alles geht irgendwie.

Was ich später mal machen will, weiss ich noch nicht genau. Sicher, Sportmedizin oder Orthopädie reizt mich schon, gerade halt auch wegen meiner Ausbildung. Aber es gibt auch viele Bereiche der Inneren Medizin, die mich interessieren und seit kurzem finde ich selbst Chirurgie gar nicht mehr sooo abwägig. Aber ich habe ja noch etwas Zeit und werde die verschiedenen Bereiche noch genauer kennenlernen und dann sehen, wo ich später wirklich mal arbeiten will.

Schade, dass es bei Dir nicht gleich mit einem Studienplatz geklappt hat. Was meinst Du denn wie lange Du voraussichtlich warten werden musst? Überlegst Du gerade 'ne Ausbildung zu machen während der Wartzeit?

Schönen Abend schon mal und viele Grüsse,
Kerstin

NumerusClausus
03.12.2003, 21:16
HI Kerstin18,

ja, erstmal ganz herzlichen dank für deine detaillierte
antwort! :-top
wenn man mit 25 medizin anfängt ist man da sicherlich
nicht alleine, da gibts ja anscheinend echt viele die so "relativ"
spät damit anfangen. ist natürlich cool wenn man schon so ne ausbildung als , sag ich mal absicherung hat!
könntest du dir gut vorstellen, wenns irgendwie doch nichts ist mit dem Studium, dass du dann bei physiotherapie hauptberuflich
bleibst, oder ist dir das nicht genug?
mit was für einem "klientel" hattest du denn hauptsächlich zu tun?
warst du in einer praxis angestellt oder wie lief das?
ich hab übrigens ja mit 18 Abi gemacht und wenn ich nächstes jahr mit ner ausbildung anfangen würde, wär das mit dem alter auch einigermaßen ok! :-meinung
bin im moment ein bisschen am schwimmen, was denn jetzt so das beste wäre. :-((
hab mit meinem abi wohl mind. 6 wartesemester vor mir.... :-(
eigentlich dacht ich dass das doch schon vorher durch losverfahren oder so klappen könnte, aber bei der derzeitigen situation muss ich mir da wohl nicht so groß hoffnung machen! :-(
man sieht ja hier auf der HP ja auch, dass die alle schon gut am wartesemester sammeln sind. da gibt es nicht mehr so schnell mal einen weg um sich reinzumogeln, auch das mit dem einklagen ´lohnt sich wohl nicht mehr. wenn man sich hier mal so die beiträge zum thema einklagen anschaut, dann baut einen das net grad auf...
naja, also ich bin grad dabei mir zu überlegen vielleicht doch ne sanitäterausbildung zu machen. vielleicht ist das ja was mit dem rettungsassistenten.
physiotherapie wollt ich malmachen, aber ich weiss nicht... ich liebe sport und würd vielleicht auch später in die sportmedizin, aber weiss net ob das reicht um ne physiotherapie-ausbildung machen zu wollen.
möcht dich nicht weiter nerve, aber wie läuft denn die ausbildung so ab? wie arbeitet man in den praktika und so?
kosten sind natürlich hoch, aber das sind se fast bei jeder ausbildung oder nicht? kann man nicht ändern!
naja, viel geschrieben,das reicht jetzt mal,
wollen ja nicht ne ganze seite für einen beitrag verbrauchen... :-))
liebe grüße von mir aus hier,
bin müde :-sleppy
ciao NC

Kerstin18
03.12.2003, 22:50
Hallo NC,

dann mal gleich zu Deinen Fragen...

Ich kann mir inzwischen nicht mehr vorstellen hauptberuflich als Physio zu arbeiten. In den Ferien schon ein paar Monate, aber halt nicht mein ganzes Leben lang bis zur Rente. Ich bin mir hundertprozentig sicher mit dem Studium und das Einzige was mich aufhalten könnte, wenn ich irgendwie krank werden würde oder so, aber dann könnte ich höchstwahrscheinlich auch nicht als Physio arbeiten.

Direkt nach der Ausbildung war ich zunächst ein halbes Jahr in den USA und habe da ein Mädchen mit einer Tetraplegie betreut. Ich war praktisch "Mädchen für alles" und dafür konnte ich bei ihr wohnen und besser englisch lernen.
Als ich wieder zurück war, habe ich in einer recht grossen Praxis gearbeitet. Wir hatten das ganze Spektrum an Patienten, was man sich in einer Physiopraxis vorstellen kann. Patienten nach OPs wie Hüfte oder Knie, viele ortophädische Fälle, auch Neurologie und Kinder. Dazu hatten wir ein Bewegungsbad, wo auch Therapie stattfand, noch dazu Babyschwimmen oder halt Einzel- oder Gruppentherapie mit den "Grossen". Alles in allem war's sehr abwechslungsreich und ich habe Einblick in viele Bereiche erhalten.

Durch das Studium bin ich nach Frankfurt gezogen und nun arbeite ich wieder in einer Praxis, allerdings ist die etwas kleiner und ist hauptsächlich orthopädisch, neurologisch orientiert.

Also wenn Du sowieso schon Sport liebst und Du Dich für Sportmedizin interessierst, was besseres wie Physiotherapie gibt's da eigentlich gar nicht. Ich habe nun schon von einigen Ärzten im orthopädischen Bereich gehört, dass sie eigentlich bereuen, nicht vor dem Studium eine Ausbildung als Physio gemacht zu haben. Du kriegst in der Ausbildung halt jede Menge Befund- und Behandlungstechniken mit, die im Studium nur ganz grob und wenn überhaupt gemacht werden. Muss man sich dann alles selbst erarbeiten.
Und wenn's fast sicher ist, dass Du mindestens drei Jahre warten musst, dann würde ich die Zeit auf jeden Fall nutzen, um eine Ausbildung zu machen. Du hast dann was in der Hand und kannst auch während dem Studium oftmals leichter Geld verdienen wie wenn Du nur irgendwo als ungelernte Kraft aushilfst. Und falls Du noch noch ganz schnell einen Platz kriegen solltest, dann kannst Du immer noch aufhören.

Na ja, was die Kosten für die Physioausbildung angeht...es gibt's andere Ausbildungen im medizinischen Bereich, wo Du von Anfang an verdienst, wie z.B. in der Krankenpflege. Ist halt schon zu überlegen, ob Du 400 Euro bezahlen willst oder lieber 500 Euro pro Monat verdienst. Aber letztendlich sollte es keine finanzielle Frage sein, was man nun macht, sondern man sollte das machen, was einen am meisten interessiert.

Die Physioausbildung läuft von Schule zu Schule verschieden ab. Aber ich kann Dir ja mal von meiner Ausbildung erzählen.
Im ersten Jahr waren wir nur an der Schule und hatten theoretische Fächer wie Anatomie, Physiologie und in den ganzen medizinischen Fachbereichen wie Innere, Chirurgie, Ortho, Neurologie, Pädiatrie, Gyn. Parallel dazu liefen praktische Kurse, in denen man gegenseitig Behandlungstechniken geübt hat wie Massage (War der genialste Kurs!!! ;-), Hydrotherapie, Elektrotherapie, Manuelle Therapie, Behandlungen im Schlingentisch und dann halt auch wieder in den verschiedenen Bereichen...

Ab dem zweiten Ausbildungsjahr war man immer abwechselnd ein viertel Jahr im Praktikum an einer Klinik und dann wieder ein viertel Jahr an der Schule. Während den Praktikas macht man auch alle Bereiche durch, so dass ich jeweils mehrere Wochen in der Chirurgie, Orthopädie, Innere/Gyn, Neurologie/Pädiatrie war. Das ganze auch in unterschiedlichen Krankenhäusern und einer Kurklinik. Zweimal war ich sogar in Frankreich an einer Klinik, da unsere Schule direkt an der franz. Grenze lag und gute Kontakte auch zu französischen Kliniken hatte.

Ich glaube, nun habe ich alle Deine Fragen beantwortet und hoffentlich nichts vergessen. Vielleicht hift's Dir ja ein bisschen.
Entscheiden musst letztendlich Du! :-top

Viele Grüße und gute Nacht (Hättest besser ein Mittagsschläfchen gemacht, so wie ich, dann wärst Du jetzt auch fit!!! ;-) )
Kerstin