PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Systematische Übersichtsarbeit (systematic review)



Seiten : 1 [2]

Moni Ka
24.05.2020, 07:44
Ich habe mich für einen Kurs im Dezember 2020 in Freiburg angemeldet EBM, den ich selbst bezahlen werde. Ich hoffe das bringt mich weiter

Mr. Pink online
24.05.2020, 10:02
Es ist einfach so herrlich deutsch: vor einem Autokauf wird jede Schraube umgedreht, aber bei einer Doktorarbeit wird einfach mal blind drauflos "geforscht" ohne sich zu fragen, ob der Betreuer überhaupt irgendeinen Plan hat.
@Moni Ka: habt ihr an eurer Uni eine Betreuungsvereinbarung? Ob und wie eine Dissertation als solche angenommen wird, hängt von den Kriterien deiner Uni ab, da kann man nicht pauschalisieren. Aber in der Regel meldet man seine Diss ja gleich zu Beginn an, dann wird man sehen was das Promotionsbüro davon hält.

PS Ich kenne mindestens eine Person, die eine Meta-Analyse gemacht hat und die als Diss angenommen wurde, ohne das vermutlich die Mehrheit der genannten Qualitätskriterien erfüllt war. Wurde aber auch nicht publiziert.

Moni Ka
24.05.2020, 10:29
Ich habe auch nicht vor die Diss zu publizieren.

Ja an der Uni akzeptieren sowohl systematische Review als auch Meta_Analyse und wie gesagt nur Rite.

Genau die Qualität meiner Arbeit wird wohl gegen 0 sein, weil ich wohl die Studie als einzige Reviewer machen werde.

Ich werde mich bemühen Bücher zulesen sowie Kurse zubesuchen damit ich weiter kommen kann.

Ich habe mit dem Vorsitzenden des Promotionsbüro telefoniert und er meinte dass solche Arbeiten werden aufgenommen aber halt mit schlechte Note bewertet. Er wusste aber nicht, dass meinen Betreuer solche Arbeit noch nie betreut hat.
Ich muss morgen früh mit dem Betreuer sprechen er ist nämlich meinen OA und ich sehe ihn oft :)

Endoplasmatisches Reticulum
24.05.2020, 10:38
Ich würde mich dem Risiko nicht aussetzen. Du willst viel Zeit und Arbeit in ein Projekt zu investieren, dass von vornherein methodisch schlicht falsch konzipiert wird. Selbst wenn du aktuell denkst, das das keine Probleme macht und "nur" mit einer schlechten Note abgestraft wird: Welche Argumentationsgrundlage hättest du, wenn es am Ende doch Probleme gibt? Vergiss außerdem nicht, dass wir im digitalen Zeitalter leben und du die Arbeit auch immer noch vor fremden Gutachtern verteidigen musst. Ich kenne außerdem viele Ärzte, bei denen die E-Version ihrer Doktorarbeit gleich als erstes Ergebnis aufploppt, wenn man ihre Namen googelt. Deine Arbeit repräsentiert dich. Geringe Stichproben, fehlende Signifikanzlevel und letztlich selbst geringen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn kann man immer irgendwie weg argumentieren oder als Erkenntnisgrundlage für nachfolgende Studien verkaufen. Aber eine wissenschaftliche Publikation, die ganz grundsätzlich wissenschaftlich falsch angelegt ist, würde ich nicht als Aushängeschild mit meinem Namen assoziiert haben wollen. Nicht einmal, wenn es nur darum geht, den akademischen Grad abzugrasen.

Autolyse
24.05.2020, 11:18
Ich war für ein paar Jahre WiMi, deswegen kenne ich mich ein wenig aus.;-)

Die Grundbedingungen stimmen schon einfach nicht. Man kann sowas nicht machen, wenn man völlig ahnungslose Betreuer hat, aber nur weil das in der Medizin üblich ist, ist es nicht richtig.

A mistake in the operating room can threaten the life of one patient; a mistake in statistical analysis or interpretation can lead to hundreds of early deaths. So it is perhaps odd that, while we allow a doctor to conduct surgery only after years of training, we give SPSS to almost anyone. Quelle (https://doi.org/10.1038/ncpuro0294).

Deine Überlegungen gehen vom "falschen" Ansatzpunkt her aus, denke ich. Du fragst Dich, ob es die Möglichkeit hat angenommen zu werden und wie es dann benotet wird. Die Notenskala sagt aber nichts darüber aus wie die konkrete Arbeit bewertet wird. Es ist schon lange nicht an allen Universitäten so, dass der Betreuer/Doktorvater der Erstgutachter ist. Wenn man dann eine ungünstige Konstellation zwischen den Instituten hat, dann werden solche Einladungen den anderen Institutsleiter einmal volley zu nehmen gerne angenommen...

Klar kannst Du auch "Glück" haben und eine qualitativ miserable Arbeit wird trotzdem angenommen. Die Frage dabei ist nur wie viel Geld und vor allem Lebenszeit (Opportunitätskosten -> was hätte ich stattdessen mit der Zeit anfangen können?) Du am Ende in eine Titelpromotion investiert hast. Die zwingende Frage ist also, ob Du nicht gerade versuchst ein totes Pferd weiter zu reiten. Für eine reine Titelpromotion gibt es jedenfalls einfachere Wege. Das Ergebnis taugt bestenfalls als Beispiel warum Mediziner und ihre Promotionen zu Recht den Ruf der wissenschaftlichen Dünnbrettbohrer haben.

Abgesehen davon weiß man nie wie das Leben so spielt. 20 Jahre später sitzt Du im Gemeinderat und man bewirft sich gegenseitig mit Dreck. Irgendwann fangen die Leute an zu suchen und wenn Du nicht die Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten und mit einem aktiven Professor verheiratet bist, dann ist der Ausgang möglicherweise schlechter...

Autolyse
19.06.2020, 21:13
Vielleicht sollten wir unter Berücksichtigung dieser Promotion (https://ediss.sub.uni-hamburg.de/volltexte/2020/10343/pdf/Dissertation.pdf) unsere Aussagen noch einmal revidieren, anscheinend ist einem als Gutachter für LOM nichts zu peinlich.

Shizr
19.06.2020, 21:32
Die Diss ist schon krass.

Am Bemerkenswertesten finde ich ja, dass...
- sie den Mittelwert des Publikationsjahrs errechnet hat (S. 32), übrigens 2006,86, mit einer Standardabweichung von 6,781
- sie einen klaren Zusammenhang zwischen Publikationsort und Effekt festgestellt hat (die Studien aus Indien zeigten eine höhere Verbesserungsrate als die anderen, was sicherlich nichts mit den einschlägigen methodischen Schwächen in angeblich Homöopathie-positiven Studien zu tun hat)
- sie die EPHHP-Checkliste nach meinem Dafürhalten falsch anwendet (unverblindete Studien bewertet sie als "moderat" im Hinblick auf Verblindung, eine probandenverblindete, therapeuten-nicht-blinde Studie als "stark"...)

Da fragt man sich, ob die bislang außer der Autorin irgendjemand gelesen hat.

Autolyse
19.06.2020, 23:22
Wenn man die Homepage der Promovendin (https://www.hanna-maria-betthausen.de/) anguckt wird einem auch einiges klar.

Sehr schön auch:
Die "Kinder- und Judenpsychiatrie" (S. 49).
Das Lesen von 200 Einträgen bei Google Scholar mit nachfolgendem Querlesen jeder dritten Folgeseite (S. 73).
Die gültigen Prozente in den Tabellen (S. 35, 37, 40, 41).
Die mittlere Probandenzahl von 38,71 mit einer Standardabweichung von 29,955 (S. 34).
Die nicht existenten Ein- oder Ausschlusskriterien.
Wie aus 1.010 Datenbanktreffern und 16.407 Treffern in Google Scholar nur durch Deduplikation 541 Einträge verbleiben können (S. 17).
Das referieren von p-Werten ohne jeglichen Sinn und Verstand.

GelbeKlamotten
20.06.2020, 11:18
„ Body Detox
Mit einem speziellen Konverter werden im Salzwasser (Sole) des Fußbades negativ geladene Ionen erzeugt, die über die Fußsohlen mit dem Körper in Resonanz treten.“

Werde mir gleich einen Termin ausmachen :)

Wenigstens macht sie offenbar keine Facharztausbildung, sondern widmet sich direkt nur ihrer Paramedizin. Gefährlicher sind die, die sich trotz ihrer völlig absurden Vorstellungen und Überzeugungen irgendwie bis zum Facharzt für Innere o.ä. durchmogeln.

Mr. Pink online
20.06.2020, 20:09
Wäre es nicht so unglaublich peinlich für meinen Berufsstand, könnte ich vielleicht über diese Geschichte lachen...

pineapple
20.06.2020, 23:10
Wozu Facharzt. In Fort- und Weiterbildungen im Bereich Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung konnte sie schließlich viel Erfahrung sammeln. Na wenn das nicht als Arzt qualifiziert, dann weiß ich auch nicht. Wobei, der FA / Zusatzbezeichnung für Homöopathie könnte das noch toppen :D