Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Zweitstudium" Humanmedizin nach 1.+2. Examen Ev. Theologie
Hallo und danke fürs Lesen!
Seit mehreren Jahren habe ich den Wunsch, Medizin zu studieren.
Berufstätig als Ev. Pfarrerin.
Verheiratet.
34 Jahre alt.
2 Kinder (2 und 4).
Vermutlich keine realistischen Aussichten auf einen ZVS Zweitstudienplatz.
Überlegung ist, mich in Witten-Herdecke zu bewerben.
Finanziell mit Verschuldung/Abzahlen nach Studienende machbar.
Mich würde interessieren, was ihr von dieser Überlegung haltet.
Wir wohnen ca. 3 Autostunden vom möglichen Studienort entfernt. Um ein halbwegs funktionierendes Familienleben zu haben während der Studienzeit müsste meine Familie in der Zukunft umziehen, was aufgrund der Residenzpflicht bei Pfarrern ein ziemlich schwieriges Unterfangen ist und einen Pfarrstellenwechsel zur Folge hätte. In der Anfangszeit des Studiums ist das noch nicht realistisch, da erstmal eine Pfarrstelle in größerer Nähe zum Studienort frei werden müsste.
Konkrete Fragen: Wie viel Präsenzzeit in der Universität hat man in der Vorklinik? Wie viel "Sitzzeit" in einem Vorlesungssaal hat man täglich. Ist es möglich den Vorlesungsplan so zu straffen, dass man z.B. nur 2 oder 3 Tage leibhaftig in der Uni sitzt und den Rest der Woche am heimischen Schreibtisch?
Danke für Euren Input im Voraus!
Echinococcus
04.05.2020, 09:49
Ich habe vom Arbeitsallag einer Pfarrerin wirklich wenig Ahnung, aber so wie ich es herauslese würdest du den Job gern weiterhin während des Studiums ausüben. Ich bin ganz ehrlich, ich halte einen Vollzeitjob parallel zum Medizinstudium gerade in der Vorklinik für extrem illusorisch, da du im Schnitt an 3-4 Tagen Pflichtveranstaltungen in der Klinik haben wirst, die zu Zeiten von Laborpraktika und Anatomiekursen auch seeehr zeitaufwendig sind. Manche Unis bieten Müttern etc. spezielle Kursgruppen an, da müsstest du dich vorher informieren. Aber 3 Stunden pendeln, Arbeiten und dabei Klinik....uiuiui.
Ich will dir hier nicht das Studium ausreden, aber die Umstände die du hier präsentierst sorgen mindestens für eine spürbare Verlängerung der Vorklinikszeit.
Hallo!
Nein, den Beruf würde ich zu 100 % aufgeben. ;-)
Ich präzisiere meine Frage:
Ich würde meinen Beruf aufgeben. Ich könnte zu 100% studieren und würde keinen Nebenjob machen (mal ganz abgesehen von dem "Nebenjob" Mutter). Die Frage ist einfach, ob es realistisch ist in der Vorklinik nur an zwei bis drei Tagen präsent zu sein, bis meine Familie eventuell einen Umzug schafft. Ich weiß, es klingt alles sehr nach "wenn, hätte, könnte". Aber das sind zunächst ja logistische Fragestellungen.
Kackbratze
04.05.2020, 10:15
Meiner Erfahrung nach klappt das nur in Ausnahmefällen. Es gibt Pflichtkurse, wer nicht teilnimmt, fällt durch. Wie das in Witten geregelt ist, weiss ich nicht, ich bin damals täglich 200km gependelt, bis ich meine Wohnung hatte.
Klinikum22
16.11.2020, 22:31
Jetzt hast Du noch kleine Kinder, die werden größer und wie war das mit kleine Kinder,kleine Sorgen.. wie willst Du das denn machen? Oder hast Du einen Partner oder Eltern etc. die sich um die Kinder kümmern können ? BEides geht nicht (Studium und Familie), zumindestens nicht ohne Unterstützung...
Hallo Alm,
also das mit der Anwesenheit an zwei oder drei Tagen kann schon gehen, mit Kindern darf man sich bei uns die Kurstermine aussuchen und zusammenlegen. Ausserdem kannst Du Dir ja im Prinzip auch Zeit lassen und die Vorklinik in sechs oder acht statt vier Semestern machen, wenn es sein muss. Das kostet nicht mal mehr, auch in Witten nicht, für Dich klingt das doch eigentlich nach einer guten Möglichkeit.
Dass Studium und Familie nicht zusammengehen ist Quatsch, ich hab Kinder und muss arbeiten und studiere Medizin und das geht gut, ich bin auch nicht der einzige in der Lage und Du wirst es auch nicht sein.
Viel Erfolg!
Umziehen funktioniert nicht, weil Dein Mann ebenfalls Pfarrer ist und Ihr dessen Residenzpflicht beachten müsst? Familie alleine dürfte mit externer Hilfe (Großeltern, Babysitterin, Ganztagsbetreuung) wahrscheinlich zu wuppen sein so wie bei anderen Vollzeitjobs auch. Sehr anstrengend, da ja viel Lernerei neben den Anwesenheitspflichten an der Uni bestehen, aber grundsätzlich machbar. Diese Pendelstrecke hingegen halte ich für illusorisch durchzuhalten. Wahrscheinlich dürfte ja ein Zimmer am Studienort nicht realistisch sein für Dich, oder? Selbst 100km einfache Strecke wäre schon wirklich viel, so wüsste ich nicht, wie das funktionieren sollte, ohne nach kurzer Zeit durchzudrehen.
Arrhythmie
03.12.2020, 14:28
Also: Vieles geht, wenn man bereit ist. Aber es ist hart (gewesen):
Ich bin Zweitstudentin gewesen und bin im 2. klinischen schwanger geworden. Meine Tochter wurde in den Semesterferien geboren, lag ne Woche auf Neo und ging mit wenigen Wochen später stundenweise zur Tagesmutter. Ich selber wurde 2 Monate nach Entbindung operiert und habe 2 weitere Wochen später 6 Klausuren mitgeschrieben (alle bestanden). Mein Mann hatte damals 2 Monate "Elternzeit", wobei er da 20 % in Form von Rufdiensten gearbeitet hat.
Ich hab in Regelstudienzeit studiert und mit Baby noch meine klinische Studie (Dr. Arbeit) durchgezogen. Ich habe nie in meiner Unistadt gewohnt, musste immer 40 km pendeln (einfache Strecke). Vom Dekanat wurde ich aufgrund Schwangerschaft und dann später Kind in die Kurse eingeteilt, in die ich wollte. Da wurde man bevorzugt.
Es geht vieles. Aber man muss a.) Glück haben (und außerdem ein funktionierendes Betreuungsnetzwerk) und b.) manchmal auch sehr hart gesotten sein.
Fazit: Hat sich gelohnt, bin seit ein paar Wochen Ärztin.
Dr. mad. vet.
04.12.2020, 17:24
Ich bin Zweitstudentin gewesen und bin im 2. klinischen schwanger geworden. Meine Tochter wurde in den Semesterferien geboren, lag ne Woche auf Neo und ging mit wenigen Wochen später stundenweise zur Tagesmutter. Ich selber wurde 2 Monate nach Entbindung operiert und habe 2 weitere Wochen später 6 Klausuren mitgeschrieben (alle bestanden). Mein Mann hatte damals 2 Monate "Elternzeit", wobei er da 20 % in Form von Rufdiensten gearbeitet hat.
Wenn das ein positives Beispiel sein soll, sollten wir wohl in Zukunft alle Kinder direkt nach der Geburt an den Staat abdrücken.
Der Höflichkeit zur liebe zolle ich dir aber trotzdem Respekt für diese Doppelbelastung.
Feuerblick
04.12.2020, 18:24
Dem User wurde sehr höflich der Ausgang aus dem Forum gezeigt. :-))
VET.MAD.
04.12.2020, 18:36
Tut mir leid. @Arrhythmie Ich vergas das mein Weltbild nicht vorzeigbar ist..... :-wand
Arrhythmie
04.12.2020, 20:35
Jo, ciao kakao. :-blush *wink*
mediphys
13.12.2021, 11:26
@Arrhythmie sehr sehr cool, dass du das so durchgezogen hast! :-stud
@Alm20 wie hast du dich entschieden? Studierst du schon? Viel Erfolg auf jeden Fall :) Ich würde an eurer Stelle auch näher an den Studienort ziehen, das macht es sicher einfacher auf die Dauer. Auch wenn momentan bei uns zumindest eh so gut wie alles online ist - das wird ja vermutlich nicht so bleiben.
Der madvet hat offensichtlich noch nicht kapiert, dass es nach seiner Logik dann auch sehr verwerflich ist, als Mann einer bezahlten Arbeit nachzugehen oder etwas anderes als Kinderbetreuung und Haushalt zu machen, ehe das Kind mindestens 3 Jahre alt ist. Wie kann ein Rabenvater nur sein Kind fremdbetreuen lassen, anstatt sich mindestens die ersten 3 Jahre 24/7 aufopferungsvoll drum zu kümmern? ;-)
Zumal die Mutter schon 10 Monate 24/7 Betreuung durch die Schwangerschaft gut hat, das muss der Vater auch erstmal aufholen.
Campomaggi
13.12.2021, 14:04
Zumal die Mutter schon 10 Monate 24/7 Betreuung durch die Schwangerschaft gut hat, das muss der Vater auch erstmal aufholen.
Oh je...
Absurder ging's nicht?
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