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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sinnkrise - Viszeral vs. Plastische



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John Silver
13.05.2020, 18:07
Reiner Handchirurg kann sich kaum niederlassen.

Als (Allgemein-)Chirurg kann man zwar die Zusatzbezeichnung Handchirurgie erlangen, aber in kaum einer Klinik wird der Unfall- bzw. Ortho-Chef einen Assi aus der ACH oder VCH zur Weiterbildung vorlassen, denn es wird sich immer einer der eigenen Assis finden, der/die die Eingriffe haben will. Sich speziell für eine solche Weiterbildung anstellen zu lassen, dürfte utopisch sein.

Selbst wenn man als Allgemeinchirurg es schaffen sollte, diese Zusatzbezeichnung zu bekommen, muss man erstmal eine Praxis so voll bekommen, dass sie mit reiner Handchirurgie gut läuft. Dürfte ebenfalls utopisch sein. Es wird auch in D kaum eine solche Praxis geben, allenfalls als GP, in der einer der Teilhaber einen solchen Schwerpunkt hat.

Was man gut kombinieren könnte, wäre allenfalls Handchirurgie und D-Arzt, aber als Allgemeinchirurg kann man nicht mehr D-Arzt werden, nur noch als spezieller Unfallchirurg.

Als Chirurg kann man sich nur mit Hernien, Proktologie und ggf. Phlebologie gut niederlassen und ggf. eine Option auf größere OPs als Beleger suchen; alles andere ist entweder nicht genug, um eine Praxis mit gutem Ertrag aufzubauen, oder mit Hürden wie beim D-Arzt versehen.

Sait
13.05.2020, 18:12
Gibt es denn die Möglichkeit als Viszeralchirurg nebenbei noch kosmetische Op's zu erlernen und diese dann in einer Praxis anzubieten? Wenn man evtl. so etwas wie Narbenkorrektur erlernt, oder Bauchstraffen etc.?

John Silver
13.05.2020, 18:24
Grundsätzlich gibt es keine OPs, die man nicht machen darf. Der Herr Mang ist beispielsweise gar kein Chirurg, sondern HNO-Facharzt, und macht trotzdem alles mögliche wie Fettabsaugung, Brüste etc. Die Frage ist halt, ob man das wirklich will. Die Anschaffung des entsprechenden Instrumentariums für irgendwelche ästhetischen Eingriffe lohnt nicht, wenn man nur wenige OPs macht. Für medizinisch nicht indizierte Eingriffe, in welche Kategorie ästhetische Eingriffe nunmal größtenteils fallen, gelten besonders strenge Regeln und Maßstäbe, insbesondere wenn es zu einer Klage kommen sollte, was im ästhetischen Bereich relativ häufig passiert. Die Konkurrenz ist sehr groß; und nicht zuletzt sind größere Sachen wie Brustkorrekturen oder Bauchwandstraffungen ambulant gar nicht machbar.

juke5489
13.05.2020, 18:50
Was man gut kombinieren könnte, wäre allenfalls Handchirurgie und D-Arzt, aber als Allgemeinchirurg kann man nicht mehr D-Arzt werden, nur noch als spezieller Unfallchirurg.

du musst als handchirurg nicht d-arzt mit spezieller unfallchirurgie sein, um BG-fälle behandeln zu dürfen.
es gibt eine reihe an voraussetzungen, die nicht ganz unerheblich sind, aber die spezielle unfallchirurgie ist nicht erforderlich.

quelle: https://www.dguv.de/medien/landesverbaende/de/med_reha/documents/handchir_anf.pdf

Sait
13.05.2020, 19:00
Grundsätzlich gibt es keine OPs, die man nicht machen darf. Der Herr Mang ist beispielsweise gar kein Chirurg, sondern HNO-Facharzt, und macht trotzdem alles mögliche wie Fettabsaugung, Brüste etc. Die Frage ist halt, ob man das wirklich will. Die Anschaffung des entsprechenden Instrumentariums für irgendwelche ästhetischen Eingriffe lohnt nicht, wenn man nur wenige OPs macht. Für medizinisch nicht indizierte Eingriffe, in welche Kategorie ästhetische Eingriffe nunmal größtenteils fallen, gelten besonders strenge Regeln und Maßstäbe, insbesondere wenn es zu einer Klage kommen sollte, was im ästhetischen Bereich relativ häufig passiert. Die Konkurrenz ist sehr groß; und nicht zuletzt sind größere Sachen wie Brustkorrekturen oder Bauchwandstraffungen ambulant gar nicht machbar.

Ist das wirklich überall so oder speziell in Deutschland? Könnte auch gerne irgendwo anders leben, Skandinavien, Österreich/Schweiz :D

Sait
13.05.2020, 19:02
Spricht es, bricht den Tumor aus dem Becken und näht das endständige Stoma ein.
Ich kapier es nach 24h immer noch nicht :-nix

davo
13.05.2020, 19:04
Anatomische Region, grobe Chirurgie...

juke5489
13.05.2020, 19:09
Ist das wirklich überall so oder speziell in Deutschland? Könnte auch gerne irgendwo anders leben, Skandinavien, Österreich/Schweiz :D

die frage ist halt: wie willst du es lernen? dafür musst du eine entsprechende fallzahl von jemandem gesehen haben, der es selbst gut kann und dann unter entsprechender aufsicht auch nochmal eine substantielle anzahl selber operieren.
in den meisten plastisch-chirurgischen kliniken ist ästhetik in der ausbildung das absolute nadelöhr, was es schon bei fachärzten für plastische und ästhetische chirurgie so fragwürdig macht, wenn diese sich unmittelbar nach dem facharzt niederlassen und ein komplettes ästhetisches spektrum anbieten, ohne das rein realistisch so gelernt zu haben...
als nicht-facharzt wird es umso schwieriger sein diese qualifikationen und fallzahlen zu erwerben.

davo
13.05.2020, 19:22
Eben. Irgendwie passt das, was du willst, nicht zusammen. Einmal ist dir das Akademische wichtig, einmal das Idealistische, einmal das Finanzielle, einmal willst du einfach nur operieren, egal ob du es auch vernünftig gelernt hast... manchmal muss man sich glaub ich einfach entscheiden. Alles geht nicht.

Sait
13.05.2020, 19:28
Okay, ihr habt ja irgendwo recht. Aber wie sieht das denn aus, wenn man als Viszerlalchirurg wie der Kollege schon gesagt hat einfach neben kleinen ambulanten Sachen auch als Belegarzt arbeitet? Ich konnte dazu nicht wirklich etwas finden. Wie groß ist denn die Nachfrage der Kliniken und lohnt sich das finanziell?

anignu
13.05.2020, 22:23
Kann man alles machen. Die Sache ist halt: es gibt grad überall viel Wandel in der Medizin...

Ich kenn Viszeralchirurgen die arbeiten auch als Belegärzte. Die sehen in ihrer Sprechstunde ne Appendizitis oder ne Leistenhernie und operieren die dann als Belegärzte in einer Klinik.

Ich kenn aber auch wiederum Kliniken die eher die ganzen Belegärzte raus haben wollen weil die zwar OP-Kapazitäten reserviert haben wollen aber dann eher unflexibel sind und auch zu bestimmten Zeiten Urlaub haben (Stichwort Weihnachten/Jahreswechsel oder Sommerflaute). Und da sind Hauptabteilungen stabiler als Belegärzte.

Dann kenn ich wiederum Ärzte die waren erst Beleger und haben sich dann von der Klinik wieder anstellen lassen. Dann gibts die Kombination dass man als angestellter Arzt "ambulant" arbeitet (im MVZ) und trotzdem in der Klinik operiert usw.

Ich mach aktuell auch nicht genau das was ich mir mal vorgestellt hab aber es passt irgendwo sehr gut und es interessiert mich auch. Jeder Tag ist irgendwo spannend. Und damit ist die aktuelle Situation grad sehr gut so wie sie ist.

Was sollen wir dir denn schreiben??? Was willst du denn?

Und das ist halt die Frage: wenn eh alle paar Jahre sich viel ändert wie willst du denn jetzt auf den letzten Millimeter deine Zukunft planen? Macht es nicht mehr Sinn erstmal zu machen was einen interessiert und später zu schauen was in einigen Jahren damit passiert?

ehem-user-19-08-2021-1408
13.05.2020, 22:51
Was spricht eigentlich dagegen sich als Allgemein/Viszeralchirurg niederzulassen mit Anschluss an ein ambulantes OP-Zentrum oder sogar mit stationärer Versorgung (zB Appendizitis -> OP -> am nächsten Tag entlassen).
Wird in der Schweiz und hier in der USA in den kleinerer Häusern sehr oft so gehandhabt, dass private Chirurgen in den Krankenhäusern eine "chirurgische Belegstation" bilden.

Folgende Eingriffe kann ich mir dazu vorstellen:
- alle möglichen Hernien
- Cholecystectomie
- bariatrische OPs
- Proktologie
- Wunddebridements
- Magensonden/Tracheostomien für nicht-chirurgische Intensivstationen auf Konsil
- kleine Hautkrebsresektionen
- Brustbiopsien und partielle Mastektomien (gehört das in D zur Allgemeinchirurgie?)
- eventl größere Krebs-OPs (Hemikolektomie?), aber nur wenn das Haus groß genug ist dafür.

Jedenfalls sind das die typischen Sachen, die ein Allgemeinchirurg hier in den USA für sehr gutes Geld macht in der Praxis

Kackbratze
13.05.2020, 23:38
"gutes Geld" und Deutschland
Passt (noch) nicht mit der aktuellen Gebührenordnung

ehem-user-19-08-2021-1408
13.05.2020, 23:46
@ Kackbratze:

Wer macht denn dann die ganzen Tages-OPs in Deutschland (s. meine Liste)? Das sind ja alles Eingriffe, wo der Pt direkt postoperativ heimgehen kann. Gibt es da kaum niedergelassene Allgemeinchirurgen, die das in Belegkliniken machen?

Kackbratze
14.05.2020, 05:25
Gibt es fast garnicht. Andere Organisations - und Versorgungsstruktur.

John Silver
14.05.2020, 08:08
In D bekommt man für ambulante OPs lachhafte Pauschalen, für eine ambulante Leistenhernie unabhängig von der OP-Technik halt nur 450 €. Nach Abzug aller laufenden Kosten bleiben ca. 60 € brutto. Proktologische Eingriffe sind mit ca. 700 € leicht besser bewertet, aber sämtliche schmerzarmen Verfahren sind mit hohem Kostenaufwand verbunden (Stapler, Laser, Mikrowelle etc.) und lohnen sich auch nicht.

anignu
14.05.2020, 22:53
Mei, dann halt als Belegarzt und stationär. Gibt diesbezüglich genug Kooperationen die auch funktionieren.

Ich wollte nur nochmal erwähnen: das System ändert sich regelmäßig. Seine Karriere jetzt schon auf irgendeine exakte Richtung oder gar Nische auszurichten finde ich eher gewagt.

Kackbratze
14.05.2020, 23:02
Seine Karriere jetzt schon auf irgendeine exakte Richtung oder gar Nische auszurichten finde ich eher gewagt.

Zwischen dem, was zu Anfang meiner Karriere gesagt wurde, dem, was zwischendurch verändert wurde und den aktuellen Verhältnissen liegen Welten.
Zwischenmenschlich (ihr Schneeflocken :-D), medizinisch und Abrechnungs-technisch.

Sait
15.05.2020, 08:40
Ja, ich glaube ihr habt alle recht. Es macht keinen Sinn jetzt schon darüber nachzudenken was in 6 Jahren sein kann. Fakt ist, dass mir die Viszeralchirurgie sehr viel spaß bereitet und ich denke ich sollte damit weiter machen und gucken, wie ich in Zukunft das beste daraus machen kann.

mbs
07.08.2020, 21:54
Hat jemand von euch einen Wechsel in ein anderes chirurgisches Fach auch in einem späten Ausbildungsstadium (kurz vor dem Facharzt) gemacht? Theoretisch besteht ja die "Hintertür" über den Facharzt für Allgemeinchirurgie - nur kann ich mir vorstellen dass man mit dem z.B. in der Unfallchirurgie nicht wie ein Facharzt behandelt wird wenn man die meiste Erfahrung in der Viszeralchirurgie gesammelt hat...bin zur Zeit sehr stark am Überlegen ob es so spät noch "Sinn" macht doch einen anderen Facharzt anzustreben - oder auch nur ein "Fremdjahr" zu machen. Da hier so was noch keiner angestrebt hat weiß ich einfach nicht was man sich realistisch von einem solchen erhoffen kann; immerhin wird man vermutlich eher als "Gastarbeiter" betrachtet.
Oder hat jemand von euch andere Erfahrungen gemacht?