PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chancen direkt als Assistenzarzt an einer Uniklinik anzufangen?



Seiten : [1] 2 3

MedKrone
27.05.2020, 23:08
Hallo an alle,

wie sind die Chancen als frischer deutscher Absolvent direkt an einer Schweizer Uniklinik anzufangen (Zürich etc.).
Habe ich da überhaupt Chancen? Uniklinik wäre mir wichtig, da ich großes Forschungsinteresse habe.

Ich habe leider keine AHnung wie die Stellenlage in der Kardiologie an Schweizer Unikliniken ist.

Ich habe auch ein gemischtes Bewerbungsprofil. Meine Noten sind nur durchschnittlich (M2 mit einer glatten 3 bestanden, aber dafür gute Noten in den internistischen und chirurgischen Einzelfächer)
Habe Auslandsaufenthalte in New York, Duke und Yale und dort auch etwas geforscht und USMLE solide bestanden.

Ich hatte Vorstellungsgespräche an deutschen Unikliniken. Diese haben mich jedoch auf menschlicher Ebene sehr verunsichert. Ich habe zwar die Zusage, aber bin von den Abteilungen nicht überzeugt.
Habe von der Uni Zürich nur positive Aussagen gehört und wollte es direkt mal probieren.

Wie stehen meine Chancen ? Hoffe auf eure ehrlichen Antworten :)

VG,
Krone

Mr. Pink online
27.05.2020, 23:17
Wieso bewirbst du dich nicht einfach und versuchst es rauszufinden? Am besten lässt du vielleicht davor noch einen erfahrenen Kollegen auf deine Unterlagen schauen. Referenzschreiben wirst du ja sicher haben. Kannst uns ja dann erzählen wie es war.

davo
28.05.2020, 04:33
Aus meinem Semester haben es vor einigem halben Jahr ein paar geschafft, auch in sehr beliebten Fächern.

Wie es in der Kardio ist, kann ich dir nicht sagen. Du solltest es wohl tatsächlich einfach probieren ;-)

Shairon
28.05.2020, 05:31
Schau dir mal die Facharztausbildung in der Schweiz genauer an - es ist dort nicht möglich, die gesamte Facharztausbildung an einer Uniklinik (= A-Spital) zu machen, sondern du musst auch zusätzlich noch an kleinere B/C-Spitäler gehen. Daher ist es unter Umständen sinnvoller, erstmal ein Jahr in einem kleineren B-Spital anzufangen und erst danach mit etwas Erfahrung an die Uniklinik (A-Spital) zu wechseln.

MedKrone
28.05.2020, 11:03
Aus meinem Semester haben es vor einigem halben Jahr ein paar geschafft, auch in sehr beliebten Fächern.

Wie es in der Kardio ist, kann ich dir nicht sagen. Du solltest es wohl tatsächlich einfach probieren ;-)

Danke für den Tipp. Ich werde es schon bald probieren :)

MedKrone
28.05.2020, 11:03
Schau dir mal die Facharztausbildung in der Schweiz genauer an - es ist dort nicht möglich, die gesamte Facharztausbildung an einer Uniklinik (= A-Spital) zu machen, sondern du musst auch zusätzlich noch an kleinere B/C-Spitäler gehen. Daher ist es unter Umständen sinnvoller, erstmal ein Jahr in einem kleineren B-Spital anzufangen und erst danach mit etwas Erfahrung an die Uniklinik (A-Spital) zu wechseln.

Danke für den Tipp. Das ist auch eine gute Idee!

ProximaCentauri
30.05.2020, 23:05
Ja, üblicherweise fängt man in der Schweiz in einer B/C-Klinik an. Eigentlich alle die ich kenne die Kardiologie machen machen auch erst die 3 Jahre Innere Medizin und wechseln dann, damit sie auch beide Fachärzte dann bekommen können. Direkt auf der Kardiologie an einer Uniklinik halte ich für etwas schwierig.

MedKrone
30.05.2020, 23:41
Ja, üblicherweise fängt man in der Schweiz in einer B/C-Klinik an. Eigentlich alle die ich kenne die Kardiologie machen machen auch erst die 3 Jahre Innere Medizin und wechseln dann, damit sie auch beide Fachärzte dann bekommen können. Direkt auf der Kardiologie an einer Uniklinik halte ich für etwas schwierig.

Danke für die Info. Also ist es eher unwahrscheinlich direkt eine Assistelle an der Uni zu bekommen !?
Überlege aktuell mich direkt an einer deutschen Uniklinik zu bewerben oder direkt Schweiz, da ich nur positives gehört habe.
Geplant war eigentlich erstmal Post-Doc / Reserach fellowship zu machen und bisschen mehr zu forschen und gut zu publizieren, aber bin da noch unentschlossen und auch unsicher aufgrund der "Situation" mit Corona.

Ich werde es einfach mal den Schweizer Unis probieren und gucken was rauskommt.

davo
31.05.2020, 07:24
Im Prinzip hättest du all das durch eine Forensuche leicht rausfinden können. Dieses Thema wurde ja schon etliche Male diskutiert.

Also nochmal im Detail: In manchen Fächern ist es in der Schweiz üblich, an einer Nicht-A-Klinik anzufangen, oder zumindest an einer nichtuniversitären A-Klinik anzufangen, und die (universitären) A-Kliniken schnappen sich dann die bereits perfekt eingearbeiteten Leute zur weiteren Spezialisierung. So z.B. in den Spezialgebieten der Inneren Medizin.

Das Weiterbildungsprogramm für den Facharzt für Kardiologie (sic) schreibt übrigens auch ganz explizit, dass man für den Facharzt 2 Jahre Allgemeine Innere Medizin und 3-4 Jahre Kardiologie braucht.

In manchen Stellenangeboten für Spezialgebiete der Inneren Medizin an Schweizer Unikliniken steht deshalb ganz explizit, dass man Arbeitserfahrung in der Allgemeinen Inneren Medizin haben muss, manchmal sogar mit konkreter Angabe einer Mindestdauer.

In anderen Fächern, wie z.B. der Herzchirurgie, der Psychiatrie oder der Radiologie, kann man durchaus auch gleich am Anfang eine Stelle an einer (universitären) A-Klinik finden. In der Psychiatrie und der Radiologie liegt das wahrscheinlich auch daran, dass das Weiterbildungsprogramm keinen allgemeinen Teil kennt, in der Herzchirurgie (in der das Weiterbildungsprogramm sehr wohl einen allgemeinen Teil kennt) wahrscheinlich daran, dass man spezialisiert ausgebildete Leute, die 6 Jahre Herzchirurgie gemacht haben, gegenüber Leuten, die zuerst, was lt. Weiterbildungsprogramm durchaus möglich wäre, 2 Jahre allgemeine Chirurgie an einem kleineren Haus und dann erst die verpflichtenden 4 Jahre Herzchirurgie gemacht haben, bevorzugt.

Sinnvoll wäre es deshalb IMHO, die Stellenanzeigen aufmerksam zu lesen und dich dann mehrgleisig zu bewerben. Mit dem SIWF-Weiterbildungsstättenregister ist das ja leicht. Sogar das Kantonsspital Aarau ist z.B. in der Kardiologie eine B-Klinik. Und die haben immerhin 18 Ärzte in der Kardiologie, Coro, MitraClip, TAVI, uvm.

ProximaCentauri
31.05.2020, 08:50
Danke für die Info. Also ist es eher unwahrscheinlich direkt eine Assistelle an der Uni zu bekommen !?
Überlege aktuell mich direkt an einer deutschen Uniklinik zu bewerben oder direkt Schweiz, da ich nur positives gehört habe.
Geplant war eigentlich erstmal Post-Doc / Reserach fellowship zu machen und bisschen mehr zu forschen und gut zu publizieren, aber bin da noch unentschlossen und auch unsicher aufgrund der "Situation" mit Corona.

Ich werde es einfach mal den Schweizer Unis probieren und gucken was rauskommt.

Es macht halt nicht viel Sinn. Du brauchst (wie davo unten schreibt) mindestens 2 Jahre AIM, wobei die meisten gleich 3 Jahre machen um dann den Internisten auch führen zu können. Es macht wesentlich mehr Sinn, dies am Anfang der Weiterbildung zu absolvieren als nach 4 Jahren Kardiologie dann noch zwei Jahre Innere nachholen zu müssen. Es gibt auch an "kleineren" Kliniken wie z.B. Solothurn, Aarau (siehe davo) Innere und Kardiologie. Man muss ausserdem immer mindestens einmal Weiterbildungsstelle wechseln, d.h. wenn man das dann auch schon in der kleineren Klinik gemacht hat ist das vom Tisch.

Und aus eigener Erfahrung: viele Chefs fordern erst den Facharzt bevor man "richtige" Forschungsförderung bekommt. Natürlich leckt sich jeder die Finger danach einen Research Fellow zu haben, realistischerweise kriegt man aber die Karriereförderung oft erst ab Oberarztstufe, weswegen es häufig (gerade in Fächern wo zwei Fachärzte zum Standard gehören) Sinn macht die klinische Weiterbildung einmal voranzutreiben.

Irgendeine Stelle findest du vermutlich, die Frage ist halt immer, wie sinnvoll der Karriereplan dann ist.

Me1ster
14.06.2020, 22:38
Wäre es also sinnvoll bzw. möglich nach 2 jährige Arbeit an einem Maximalversorger in Deutschland in die Schweiz zu wechseln, sich den Abschnitt anerkennen zu lassen und dann die restlichen 4 Jahre an einem Unispital zu absolvieren?

ProximaCentauri
15.06.2020, 21:07
Da musst du die Bestimmungen lesen, es gibt für gewisse Fachärzte Limiten wie viel der Facharztausbildung im Ausland absolviert werden kann. Ausserdem musst du sowohl für den Internisten 1x wechseln, wie auch für den Kardiologen, das musst du auch im Kopf behalten. Zusätzlich denke ich ist es manchmal auch hilfreich in einem kleineren Krankenhaus die Gegebenheiten eines anderen Systems kennen zu lernen, an der Uni musst du häufig halt von Tag 1 an funktionieren. Ausserdem fand ich es als AA an einem kleinen Spital manchmal krass die Arroganz/Idiotie von Maximalversorgungsleuten zu hören wenn man für Verlegungen etc. angefragt hat. Im Allgemeinen halte ich es für schlau wenn man verschiedene Erfahrungen macht, das Maximale ist nicht immer das Beste.

Me1ster
15.06.2020, 21:18
Ok vielen Dank für die Antwort. Die Bestimmungen sind auch auf der siwf Seite zu finden? Bei mir ginge es um UCH, Uro, HNO. Macht aber wahrscheinlich kaum Unterschied nehme ich an?

ProximaCentauri
17.06.2020, 09:28
Ja, genau, steht alles beim SIWF auf der Seite. Ich kenne die Bestimmungen in der Chirurgie nicht, weil ich mich darüber nie informiert habe, aber bei allen die ich gesehen habe ist mindestens ein Wechsel Pflicht. Der Unterschied ist halt dass Uro, HNO, Unfallchirurgie kaum an kleineren Spitälern gemacht wird mit Weiterbildungsstellen, da wirst du tatsächlich an die grossen Häuser müssen. Und ich meine dass es bei uns keinen alleinigen Facharzt für Unfallchirurgie gibt.

Me1ster
17.06.2020, 13:44
Danke :)!
Weißt du oder jemand anderes ungefähr wie die stellensituation in der Schweiz in Unfall/Ortho, HNO, Uro ist ? Ähnlich wie in Deutschland ?

Eilika
17.06.2020, 15:01
Unfall/Ortho läuft meist über Allgemeinchirurgie. Und da ist die Stellensituation sicher eher unproblematisch. Uro und HNO sind gefragt, es gibt eher wenig Ausbildungsstellen und daher läuft es meist auch über zunächst 2 Jahre Allgemeinchirurgie und dann den Wechsel.

Traumt?nzer
17.06.2020, 19:22
Unfall/Ortho läuft meist über Allgemeinchirurgie. Und da ist die Stellensituation sicher eher unproblematisch. Uro und HNO sind gefragt, es gibt eher wenig Ausbildungsstellen und daher läuft es meist auch über zunächst 2 Jahre Allgemeinchirurgie und dann den Wechsel.

Meinst du, es ist besser, erst das Fremdjahr zu machen, als im Wunschfach (z.B. Uro) in einer B-Klinik anzufangen? Was wird von den A-Kliniken lieber gesehen?

ProximaCentauri
19.06.2020, 09:39
Im Allgemeinen macht es Sinn das Fremdjahr schon gemacht zu haben.

Kaido0098
27.09.2020, 18:47
Weiß jemand wie die Stellensituation für Herzchirurgie an den SChweizer Unikliniken ist bzw. wie schwer es ist den Common Trunk Chirurgie an einer Uni zu bekommen?
Habe zwar schon eine sehr gute Stelle für Herzchirurgie in Deutschland, würde mir aber die Option offen halten wollen.
VG, Kaido

Melina93
28.09.2020, 14:25
Ich kann nur für die Uni in Zürich sprechen und die nehmen bevorzugt Leute, die vorher an einem B-Spital waren. Aber an B-Spitälern selbst dürfte der Common Trunk gut gehen und dann kann man problemlos an die Uni (falls man sich das antun möchte btw)