Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Allgemeinmedizin - Unsicherheiten
Das ist doch alles der gleiche Schrott wie auch irgendwelche Coachingtypen. Wir haben letztens den Neujahrstatort gesehen, in dem so ein Teambildungscoachingquatsch stattfand, und konnten beide durch so schreckliche leider ernst gemeinte Erfahrungen mit so was kaum weitergucken, weil dauernd Schauderpickel kamen ;-)
Feuerblick
03.07.2020, 14:01
Oh ja... kenn ich. Wobei ich aber sagen muss, dass unser letztes Teamcoaching ohne all diese Peinlich-Spielchen auskam und tatsächlich Interessantes zutage gefördert hat. War aber auch auf die konkrete Situation zugeschnitten und nicht nur einfach ein Coaching von der Stange.
WackenDoc
03.07.2020, 16:04
In den Arbeitsmedizinkursen war der Quatsch omnipräsent.
Wir hatten in fast jedem Kurs "Psychische Belastungen" (ist aktuell eines DER Arbeitsschutzthemen), egal ob das Schwerpunktthema war oder nicht.
Als Dozenten gerne irgendwelche Unternehmensberater, oder die Damen der BGW die den Kurs "systemische Unternehmensberatung" anbieten. Letztere hatten auch so ein Weichspülsprech verinnerlicht. War irgendwie nicht praxistauglich. Bei der ersten etwas ähm bissigeren Nachfrage waren sie völlig überfordert.
Ich halte solche Kurse für sehr wertvoll. Seitdem weiß ich, dass der Polytoxikomane, der nachts um halb vier die ZNA zertrümmert eigentlich nur reden will, ein metastasiertes Carcinom unheimlich viele Chancen bietet und wenn man im Nachtdienst die Arbeit vom Früh- und Spätdienst aufarbeiten darf die Schuld nicht bei den Kollegen oder dem System, sondern zuallererst bei sich selbst suchen sollte.
dass der Polytoxikomane, der nachts um halb vier die ZNA zertrümmert eigentlich nur reden will
weil der Polytoxikomane eigentlich immer jemanden bräuchte um zu reden... (?)
ein metastasiertes Carcinom unheimlich viele Chancen bietet
weil die Prioritäten einfach mal neu gesetzt werden (?)
und wenn man im Nachtdienst die Arbeit vom Früh- und Spätdienst aufarbeiten darf die Schuld nicht bei den Kollegen oder dem System, sondern zuallererst bei sich selbst suchen sollte.
weil... ???
Ja warum eigentlich?
Ich mein wenn ich so an meine Zeiten in der Notaufnahme denke dann konnte man exakt anhand des Namens des Kollegen der vorher dran war schon sagen ob viel übrig bleibt oder wenig. Egal ob ich dann Dienst hatte oder jemand anderes, egal ob es im chirurgischen Bereich oder internistischen Bereich war. Die Struktur war besch... und damit das System und es gab dann Leute die kamen damit besser zurecht als andere. Und eine Schicht von jemandem zu übernehmen der das nicht auf die Reihe bekam, was hat das dann mit der "Eigenschuld" des Kollegen zu tun? Ok, man kann sagen: selbst Schuld dass du da arbeitest. Aber ansonsten?
Frag das den Seminarleiter des Kommunikationsseminars. Der war der Meinung, dass Konflikte meistens aus kommunikativen Missverständnissen heraus bestehen, man auch beim Überbringen von schlechten Nachrichten das Positive hervorheben sollte, bei Missständen immer zunächst die eigene Rolle kritisch hinterfragen sollte usw.
Wir sind doch gerade beim Lästern über solche Seminare, oder? :-))
(Vermutlich hatte der arme Kerl im Grundsatz sogar recht. Aber wenn man hier die Beiträge so liest, scheinen solche Seminare nicht gerade beliebt zu sein. Womöglich weil in unserem Beruf oftmals kein Kommunikationsdefizit vorliegt, sondern ein strukturelles und organisatorisches - aber es halt einfacher ist, einen Nachmittag einen Kommunikationstrainer einzuladen als die notwendigen neuen Stellen zu schaffen. Dementsprechend macht man sich über solche Dinge lustig und versucht zu allem ein Gegenbeispiel zu finden.)
Stimmt schon.
Wenn die Leute dann auch glauben, dass die Probleme durch sie selbst entstehen und nicht durch strukturelle Defizite, organisatorische Defizite, Defizite der Vorgesetzten etc... dann hat es sich definitiv rentiert (Preis-Leistungs-mäßig).
Ich wurde leider schon im Studium mit Kommunikationsseminaren gefoltert. Wirklich gut waren die Seminare bei Ärzten aus der Klinik, die sich nicht an die Beispiele/Vorgaben gehalten haben. Die haben einfach gute Tipps für die Praxis gegeben und reale Beispiele gebracht. Ich mag das Sprechen mit den Patienten, aber ich habe die Simulationen gehasst. Denn ich habe immer geschauspielert, das war nicht wirklich ich. Daher fand ich es nicht sinnvoll.
Zum Ausgangsposting: Ich kann diese Unsicherheit gut verstehen. Gerade ohne langjährige Erfahrung kann man einige Dinge nicht einschätzen. Es gibt Tage, da hat man zu jedem Patienten eine Rückfrage. An anderen Tag muss man weniger nachfragen. Außerdem ist es auch abhängig davon, ob man sich gerade sicher oder unsicher fühlt. Du bist noch in der Weiterbildung, da ist es normal zu Fragen und du solltest diese Phase einfach nutzen. Du musst nicht alles wissen und du wirst auch anders bezahlt als ein Facharzt.
Bonnerin
04.07.2020, 08:41
Ich fand das Problem immer, dass das im Studium so maximal realitätsfern aufgezogen war in den „reinen“ Kommunikationskursen. Die hatten wir in Gesprächsführung (Teil der Untersuchungskurse), Palli und Pädiatrie. Da waren halt schon die Situationen so komisch konstruiert, dass ich mich gefühlt habe wie an einer Schauspielschule. Im Gegensatz dazu waren die richtigen Gespräche unter Aufsicht in Psychosomatik deutlich besser, da ist man sich auch einfach nicht so verarscht vorgekommen.
Dieses „Feedback-Sandwich“ ist ohnehin Unsinn. Ne klare Ansage ist doch eigentlich allen lieber, so habe ich das zumindest immer empfunden...wir hatten einmal auch wen in der Gruppe, der wirklich schlecht im Kommunizieren ist (und der vor Reagenzgläsern besser aufgehoben ist), dessen Gespräch in einem der Schauspielkurse so mies war, dass sowohl die Kursleiterin als auch der Schauspielpatient micht wussten, was daran positiv zu bewerten sein sollte. Letzten Endes war es glaube ich „Sie haben zwischendurch so nett gelächelt.“
Da hat man dann im Vergleich doch mehr aus den Famus und PJ mitgenommen, was Rollenvorbilder anging, sowohl positiv als auch negativ. Meine Hausärztin in der Allgemeinmedizin-Famu war da top, ein paar Internisten aus dem PJ sind mir in grausigster Erinnerung geblieben.
Feuerblick
04.07.2020, 08:49
Ich glaube, man kann einem Menschen, dem das Kommunizieren als solches schlicht nicht liegt, auch nicht beibringen, wie man kommuniziert. Zumindest nicht, ohne dass es auswendig gelernt und gespielt klingt. :-nix
Bonnerin
04.07.2020, 08:59
Ich glaube, man kann einem Menschen, dem das Kommunizieren als solches schlicht nicht liegt, auch nicht beibringen, wie man kommuniziert. Zumindest nicht, ohne dass es auswendig gelernt und gespielt klingt. :-nix
Da hast du absolut Recht.
Das erinnert mich an ne Story, die mir ein Bekannter erzählt hat, der in Hamburg studiert hat. Die hatten auch mal so ne OSCE inkl. Gesprächsführungsprüfung. Einer aus dem Semester hatte wohl auch privat miese Kommunikations-Skills. Der hat dann einfach die Fragen- und Reaktionenliste aus dem Seminar auswendig gelernt und dann runtergespult. Im Endeffekt hat ihm ein Punkt gefehlt, weil alles abgefragt wurde, die Situation aber „unangenehm“ gewirkt habe.
Choranaptyxis
04.07.2020, 09:06
Wir haben auch einen OSCE in Gesprächsführung. Das war total bescheuert. Letztendlich gibt es da auch Vorgaben, manche sind sinnvoll, manche eher weniger. Bin auch fast durchgefallen :-wow Der Patient und ich kamen super zurecht, speziell, als die Prüfung für 5min unterbrochen wurde (Sono-Gerät in der Nebenstation abgestürzt), aber es geht ja nur nach Haken an bestimmten Prüfungspunkten.
Wobei ich manche Sachen echt hilfreich fand, achte auf manche Punkte mehr, die mir sonst immer mal durchflutschen im Redefluss. Aber bei uns waren die Seminare auch immer von Ärzten gehalten, oft Niedergelassenen, die auch ehrlich ihre Meinung sagten, zu den Gesprächen und den Schemata.
Als Prüfung aber einfach ungeeignet.
Ja, das weckt unschöne Erinnerungen. Ich kann Bonnerin nur zustimmen: Am Ende schnitt man besser ab, wenn man seinen Patienten verhörte als mit einer natürlichen Gesprächsführung.
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