Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinstudium: Fehler meines Lebens
Um welches Thema geht es hier mittlerweile eigentlich vorrangig? Und was ist das Fazit aus der ganzen Diskussion? Dass man nicht Medizin studieren und nicht als Arzt arbeiten sollte? Als was dann? Und vorher weiß man dass das dann wirklich "besser" wäre? Was ist "besser"?
Mr. Pink online
02.10.2020, 05:18
Das Fazit ist, dass es keinen Konsens gibt. Das Leben ist eine Pralinenschachtel.
Spriggan
02.10.2020, 10:34
Fazit ist das man sich vor einem potentiell krank machenden Beruf auf Dauer selbst schützen muss, da es sonst keiner macht (Stichwort Opt Out).
Das ist kein Jammern auf hohem Niveau sondern es geht ja um die ganz essentielle Patientenversorgung. Nicht ohne Grund gibt es genug welche irgendwann nur noch aus der Klinik raus wollen. Das es aber inzwischen leichter ist, Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben anstatt die Bedingungen auf einen Standard des 21. Jahrhunderts anzupassen wird man wohl in der Zukunft noch viel öfter sehen.
medicinentia
02.10.2020, 16:17
Ich persönlich würde aufgrund der vielen Missstände aktuell KEINEM empfehlen Medizin zu studieren. Es gibt zuviele bessere Alternativen.
Besser gleich etwas anderes studieren, da muss man sich auch nicht mit dem NC etc rumplagen. Hatten im PJ schon Krankenpflegepraktikanten mal angeboten mit uns zu laufen um sich das anzusehen - Fazit : 3/5 haben danach ihr Medizinstudium nicht angetreten oder abgebrochen. Vielen fehlt die Realität zu Beginn des Studiums was sie später erwartet . WOHER soll die auch kommen, im Fernsehen wird alles in Seifenopern beschönigt , Arztsendungen en masse mit Scheinwelten und an der Uni wird den Studenten eingetrichtert, dass sie privilegiert sind überhaupt Medizin studieren zu dürfen , da muss ich echt lachen.
MissGarfield83
02.10.2020, 16:37
Ich persönlich würde aufgrund der vielen Missstände aktuell KEINEM empfehlen Medizin zu studieren. Es gibt zuviele bessere Alternativen.
Besser gleich etwas anderes studieren, da muss man sich auch nicht mit dem NC etc rumplagen. Hatten im PJ schon Krankenpflegepraktikanten mal angeboten mit uns zu laufen um sich das anzusehen - Fazit : 3/5 haben danach ihr Medizinstudium nicht angetreten oder abgebrochen. Vielen fehlt die Realität zu Beginn des Studiums was sie später erwartet . WOHER soll die auch kommen, im Fernsehen wird alles in Seifenopern beschönigt , Arztsendungen en masse mit Scheinwelten und an der Uni wird den Studenten eingetrichtert, dass sie privilegiert sind überhaupt Medizin studieren zu dürfen , da muss ich echt lachen.
Warum hast du dann nix anderes studiert? Oder warst du auch gerne privilegiert?
Kackbratze
02.10.2020, 17:17
Weniger Konkurrenz um die begehrte Oberarztstelle.
Ich persönlich würde aufgrund der vielen Missstände aktuell KEINEM empfehlen Medizin zu studieren. Es gibt zuviele bessere Alternativen.
Würde davon nicht abraten. Wer an Medizin Interesse hat und sich vorstellen kann später auch beruflich im medizinischen Bereich tätig zu sein (vom Labor, Patho, Arbeitsmedizin, Augenheilkunde, Radio, Chirurgie...bis Innere) soll es studieren. Gut wäre es, wenn man das Studium schneller durchziehen könnte bei entsprechender Motivation. Die Missstände finden sich in an vielen (nicht allen) Krankenhäusern, vor allem für nachrangige Krankenhausärzte im Bereich Innere Medizin.
Wer vor allem das schnelle Geld sucht, dem würde ich abraten.
Tätigkeiten in Praxen, Institituten sind je nach Fachrichtung/Organisation attraktiv und interessant. Die Oberärzte und Praxisinhaber hier im Forum sind zufriedener denn je, die Ärzte in Weiterbildung....zum Teil.
juristin878787
03.10.2020, 12:22
Vorweg, ich habe nur die ersten ca 10 Seiten gelesen, aber möchte euch mal in Hinblick auf Jura beruhigen - seit froh, dass ihr Medizin studiert habt und nicht Jura - der Verdienst mag zwar gut sein, wenn man zu den besseren 50% gehört, aber die Tätigkeit ist einfach unglaublich langweilig und öde.
Ja das ist meine subjektive Meinung, aber glaubt es mir, viele Juristen denken genau so.
Es ist doch tausend Mal spannender sich mit Krankheitsbildern, Diagnosen, Operationsmethoden, usw. zu befassen, als mit § 21 Art 8 Abs 2 lit c der Gewerbeordnung...
Zudem wird die Arbeit als Jurist in höherem Alter nicht weniger, als Partner in einer Großkanzlei arbeitest du genauso noch deine 60 Stunden, während man als Oberarzt sich auch mal einen gemütlicheren Job suchen kann und trotzdem noch gut verdient (Teilzeit, Niederlassung, Reha-Klini,...).
Last but not least, als Jurist bist du quasi an DE gebunden, als Mediziner stehen einem viele Länder der Erde offen (Sprachkenntnisse vorausgesetzt).
Mir ist schon klar, dass das Leben als Krankenhausarzt nicht immer ein Zuckerschlecken ist, aber das Gesamtpaket stimmt bei Medizin einfach so viel mehr als bei Jura imho.
Mr. Pink online
03.10.2020, 12:35
Hier ging es aber nie darum, wie spannend ein Job ist, sondern wie der Verdienst im Vergleich zur Arbeitszeit ist. Ich finde unser Tarifvertrag ist fair, wird aber zum einen nicht immer von Arbeitgeberseite umgesetzt und zum anderen ist da ein besseres Gehalt nur durch hohe Dienstbelastung bzw. Schichtdienst zu erreichen. Zumindest in den ersten 5-6 Jahren. Damit hat sich der Jurist und der Ingenieur halt nicht rumzuschlagen. Am Ende soll jeder das machen was einen glücklich macht, aber das Argument "dein Job ist spannender, also nimm unbezahlte Überstunden, Nachtarbeit und geringeres Gehalt in Kauf" lasse ich nicht gelten. Und von wegen es stehen einem so viele Länder offen: Österreich und Schweiz vielleicht, bei den meisten anderen europäischen Ländern wird es dann schon deutlich schwieriger, vor allem vor dem FA. Von USA/Kanada mal ganz zu schweigen. Du sprichst vermutlich aus einer Juristenperspektive, die in gleichem Maße wie die Medizinerperspektive das Gras auf der anderen Seite grüner empfindet.
Heerestorte
03.10.2020, 12:38
Und von wegen es stehen einem so viele Länder offen: Österreich und Schweiz vielleicht, bei den meisten anderen europäischen Ländern wird es dann schon deutlich schwieriger, vor allem vor dem FA.
???
EU-Approbation und so? Das einzige Problem ist halt die Sprache, ansonsten gibt es doch in der EU keine Hürden.
Mr. Pink online
03.10.2020, 12:50
???
EU-Approbation und so? Das einzige Problem ist halt die Sprache, ansonsten gibt es doch in der EU keine Hürden.
Dein Ernst? Die EU-Approbation ist ein Witz. In den für uns Deutsche attraktiveren Ländern gibt es Grundvorraussetzungen die erfüllt werden müssen um in den Zyklus der FA-Weiterbildung zu kommen. Norwegen, Schweden, GB, Frankreich, Spanien nur als Bsp. Grade in Skandinavien besteht ein Bedarf in ländlichen Regionen und eher "unbeliebten" Fächern. Wem es taugt ok, aber ist nicht für jedermann. In Spanien und Frankreich darf man erst mal einen nationalen Test durchlaufen. Erfahrungsgemäß landen EU Ausländer auf den hinteren Rängen und müssen was Ort und FA angeht nehmen was übrig bleibt. Nicht umsonst bleiben viele der Deutsche doch lieber hier, oder gehen nach Östereich oder in die Schweiz. Wie es nach dem FA ist weiß ich nicht, aber das ist vermutlich sogar noch komplizierter als FA in ein System einzusteigen das man von Grund auf nicht kennt.
Mr. Pink online
03.10.2020, 12:52
Wenn man unter "keine Hürden" verstehen will, dass man nicht grundsätzlich ausgeschlossen wird, dann gebe ich dir Recht. Aber es ist keinenfalls so attraktiv, wie es im vorherigen Post dargestellt wurde.
Heerestorte
03.10.2020, 12:58
Wenn man unter "keine Hürden" verstehen will, dass man nicht grundsätzlich ausgeschlossen wird, dann gebe ich dir Recht. Aber es ist keinenfalls so attraktiv, wie es im vorherigen Post dargestellt wurde.
Ja, nur das meinte ich. Mit dem Rest gehe ich d'accord. Gebe zu, habe mich sehr undifferenziert ausgedrückt :-))
pineapple
03.10.2020, 13:00
Vorweg, ich habe nur die ersten ca 10 Seiten gelesen, aber möchte euch mal in Hinblick auf Jura beruhigen - seit froh, dass ihr Medizin studiert habt und nicht Jura - der Verdienst mag zwar gut sein, wenn man zu den besseren 50% gehört, aber die Tätigkeit ist einfach unglaublich langweilig und öde.
Ja das ist meine subjektive Meinung, aber glaubt es mir, viele Juristen denken genau so.
Es ist doch tausend Mal spannender sich mit Krankheitsbildern, Diagnosen, Operationsmethoden, usw. zu befassen, als mit § 21 Art 8 Abs 2 lit c der Gewerbeordnung...
Zudem wird die Arbeit als Jurist in höherem Alter nicht weniger, als Partner in einer Großkanzlei arbeitest du genauso noch deine 60 Stunden, während man als Oberarzt sich auch mal einen gemütlicheren Job suchen kann und trotzdem noch gut verdient (Teilzeit, Niederlassung, Reha-Klini,...).
Last but not least, als Jurist bist du quasi an DE gebunden, als Mediziner stehen einem viele Länder der Erde offen (Sprachkenntnisse vorausgesetzt).
Mir ist schon klar, dass das Leben als Krankenhausarzt nicht immer ein Zuckerschlecken ist, aber das Gesamtpaket stimmt bei Medizin einfach so viel mehr als bei Jura imho.
Aha. Und du bist Stationsarzt und findest es so spannend, als menschliche Schreibmaschine den ganzen Tag Briefe zu schreiben, Reha Anträge auszufüllen, Viggos zu legen, Untersuchungen anzumelden, Befunde bei Arztpraxen anzufordern etc. Na dann herzlichen Glückwunsch.
cartablanca
03.10.2020, 13:14
Man muss sagen, dass sich natürlich hier vorwiegend welche sammeln, die unzufrieden sind.
Ich möchte an der Stelle meine Erfahrung teilen. Nachdem ich viele Jahre in Kliniken mit beschissenen Arbeitsbedingungen verbracht habe bin ich jetzt in einer Klinik angekommen wo es geregelte Arbeitszeiten und ordentliche Pausen gibt. Die Tätigkeit ist auch interessanter als das Buchhalterleben wie ich es aus der Inneren kannte. Innere ohne Interventionen ist eigentlich mit einem Buchhalterjob vergleichbar.
Bei meiner internistischen Stelle davor hab ich mind. 13 Stunden pro Tag ohne Pause durchgearbeitet und das sechs bis sieben Tage die Woche.
Man sollte also nicht die Hoffnung aufgeben.
Vorweg, ich habe nur die ersten ca 10 Seiten gelesen, aber möchte euch mal in Hinblick auf Jura beruhigen - seit froh, dass ihr Medizin studiert habt und nicht Jura - der Verdienst mag zwar gut sein, wenn man zu den besseren 50% gehört, aber die Tätigkeit ist einfach unglaublich langweilig und öde.
Möglicherweise hast du dann das nicht optimale Studium ausgesucht.
Ich finde es spannend die ganzen Urteile von BAG und EuGH zu lesen und zu sehen, wie im KH versucht wird, das alles zu unterlaufen mit allen möglichen legalen Mitteln. Wir haben noch bis Juni 2020 auf A3 Zetteln die Dienste dokumentiert, wie 1982. Jetzt musste das KH doch umrüsten wegen den neuen Tarifverträgen.
Letztendlich gibt es auch im Krankenhaus und in Praxis sehr viel Routinetätigkeit und Wiederholung. Wenn man die Möglichkeit praktisch tätig zu sein (OP, Intervention), ist es jedoch immer wieder toll.
Die TOP bezahlten Jobs in den Großkanzleien sind hart und sehr arbeitsintensiv.
Es ging hier auch garnicht um das Grundgehalt, sondern die Dienste, die schlecht vergütet sind, wenn man den Zeiteinsatz betrachtet (Offzeiten, Zeiten zur Erholung).
???
EU-Approbation und so? Das einzige Problem ist halt die Sprache, ansonsten gibt es doch in der EU keine Hürden.
Ja das war ein guter Witz, Mr. Pink hat alles bereits gesagt. In GB oder NL kriegt man nicht so einfach eine WB Stelle nachgeworfen wie hier. In Frankreich und Spanien erwartet einen Concours und MIR. Übrigens wird auch mancher FA nicht im EU Ausland anerkannt. Der deutsche Allgemeinmediziner gilt z.B. in GB nicht als GP.
Wie es nach dem FA ist weiß ich nicht, aber das ist vermutlich sogar noch komplizierter als FA in ein System einzusteigen das man von Grund auf nicht kennt.
Yo muss man sich einarbeiten. In Frankreich und GB habe ich einige kennengelernt, die später dorthin sind.
Man muss sagen, dass sich natürlich hier vorwiegend welche sammeln, die unzufrieden sind.
Ich möchte an der Stelle meine Erfahrung teilen. Nachdem ich viele Jahre in Kliniken mit beschissenen Arbeitsbedingungen verbracht habe bin ich jetzt in einer Klinik angekommen wo es geregelte Arbeitszeiten und ordentliche Pausen gibt. Die Tätigkeit ist auch interessanter als das Buchhalterleben wie ich es aus der Inneren kannte. Innere ohne Interventionen ist eigentlich mit einem Buchhalterjob vergleichbar.
Überhaupt ist die Tätigkeit auf einer internistisch geprägte Station eine Art Verwaltung von vielen sozialen, medizinischen und organisatorischen/strukturellen Problemen. Auf die Dauer auch nix für mich.
Bei meiner internistischen Stelle davor hab ich mind. 13 Stunden pro Tag ohne Pause durchgearbeitet und das sechs bis sieben Tage die Woche.
Hört sich nicht sehr erstrebenswert an.
Autolyse
03.10.2020, 23:54
Vorweg, ich habe nur die ersten ca 10 Seiten gelesen, aber möchte euch mal in Hinblick auf Jura beruhigen - seit froh, dass ihr Medizin studiert habt und nicht Jura - der Verdienst mag zwar gut sein, wenn man zu den besseren 50% gehört, aber die Tätigkeit ist einfach unglaublich langweilig und öde.
Ja das ist meine subjektive Meinung, aber glaubt es mir, viele Juristen denken genau so.
Es ist doch tausend Mal spannender sich mit Krankheitsbildern, Diagnosen, Operationsmethoden, usw. zu befassen, als mit § 21 Art 8 Abs 2 lit c der Gewerbeordnung...
Zudem wird die Arbeit als Jurist in höherem Alter nicht weniger, als Partner in einer Großkanzlei arbeitest du genauso noch deine 60 Stunden, während man als Oberarzt sich auch mal einen gemütlicheren Job suchen kann und trotzdem noch gut verdient (Teilzeit, Niederlassung, Reha-Klini,...).
Last but not least, als Jurist bist du quasi an DE gebunden, als Mediziner stehen einem viele Länder der Erde offen (Sprachkenntnisse vorausgesetzt).
Mir ist schon klar, dass das Leben als Krankenhausarzt nicht immer ein Zuckerschlecken ist, aber das Gesamtpaket stimmt bei Medizin einfach so viel mehr als bei Jura imho.
Nun ja, man hat selbst im Magic Circle schon länger die Möglichkeit mit fest vereinbarter Stundenzahl zu arbeiten und sobald man sich genug durch abgesoffene Proberichterdezernate gekämpft und persönlich unabhängig geworden ist, gilt schließlich immer noch: "Ich bin R1, ich bleibe R1, ich geh um 1". Dann ist das Beamtennetto als Stundenlohn durchaus erträglich.
Mr. Pink online
04.10.2020, 12:33
Ich möchte an der Stelle meine Erfahrung teilen. Nachdem ich viele Jahre in Kliniken mit beschissenen Arbeitsbedingungen verbracht habe bin ich jetzt in einer Klinik angekommen wo es geregelte Arbeitszeiten und ordentliche Pausen gibt.
Das freut mich für dich, bestätigt ja aber im Grunde genau das, was wir hier x-mal schon durchgekaut haben: überwiegend war es doch suboptimal. Und mehrfach wechseln während der Weiterbildung ist auch nicht Sinn der Sache. Aber ist wohl nötig, auch um die "Weiterbilder" ein Stück weit abzustrafen.
Relaxometrie
04.10.2020, 13:15
Nachdem ich viele Jahre in Kliniken mit beschissenen Arbeitsbedingungen verbracht habe bin ich jetzt in einer Klinik angekommen wo es geregelte Arbeitszeiten und ordentliche Pausen gibt. Die Tätigkeit ist auch interessanter als das Buchhalterleben wie ich es aus der Inneren kannte.
In welchem Fachgebiet arbeitest Du jetzt?
cartablanca
04.10.2020, 14:03
In welchem Fachgebiet arbeitest Du jetzt?
In einem chirurgischen Fach. Man kommt auch meistens pünktlich nach Hause.
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