Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Öffentliche vs private Träger?
Auch diese stundenlangen Spielereien von Assistenzärzten die endlich auch mal einen Block stechen wollen
Da müssten Anästhesisten mal im gleichen Duktus über Anfängeroperationen sprechen, da würden Chirurgen allerorten aber völlig eskalieren.
Da müssten Anästhesisten mal im gleichen Duktus über Anfängeroperationen sprechen, da würden Chirurgen allerorten aber völlig eskalieren.
Ja schreibs halt. Mir fällt halt vor allem auf wenn die Überleitungszeit mal wieder die 2h-Grenze überschreitet und dann trotzdem völlig insuffizient ist.
Ich hab nicht gesagt dass eine Anfänger-Portimplantation oder Anfänger-Vorfußamputation wenns völlig unkompliziert läuft und die 1h-Grenze deutlich überschreitet besser ist... Vor allem solange ich nicht dabei bin stört mich sowas gar nicht ;-)
Das ist dann aber auch wieder eine Frage der Organisation. Es kann trotzdem reibungslos ablaufen, obwohl der Assitent den Block sticht. Bei uns wurde das so gelöst, dass der Patient frühzeitig bestellt wird, die Pflege sich in den Saal setzt und der Assistent mit einem Oberarzt den Block/Katheter setzt.
Genau. Aber die Organisation läuft halt manchmal nicht ideal...
Das ist alles zumeist keine böse Absicht, mit dem wirtschaftlichen Druck im Hinterkopf, kann ich aber nachvollziehen, dass viele Abteilungen da dünnhäutig reagieren.
Der wirtschaftliche Druck wiederum ist bei privaten Trägen oft höher.
Das zeigt sich auch auf Station: bei privaten Trägern gibt es sehr häufig Assistenzpersonal das das ärztliche Personal entlasten soll. Bei den öffentlichen Trägern wird halt plötzlich alles Arztaufgabe was nicht explizit andere machen müssen. Und wehe es ist nur eine Person zuständig und die ist im Urlaub, dann druckt halt der Arzt wieder selbst alle Rezepte aus oder stellt sich seine Blutröhrchen selbst die er dann auch selbst abnimmt...
kartoffelbrei
08.08.2020, 13:30
Vor allem den letzten Satz würde ich so nicht unterschreiben. Es kann auch ganz entspannt sein wenn man nicht Vollgas durch das OP-Programm hetzt. Wenn ich keine so ewigen Überleitungszeiten hätte, könnte ich die anderen Dinge die ich noch zu tun habe teils gar nicht schaffen.
Wenn man vorher weiß, dass man die Zeit hat, und diese dann auch sinnvoll nutzen kann, ist es natürlich entspannt. Ich dachte mehr an die Situation, dass man fünfmal die Station anruft, weil der Patient nicht gebracht wird, und jedes Mal "wir fahren jetzt los" hört, ohne dass etwas passiert. Am Ende ist man eine halbe Stunde dumm herum gestanden, obwohl man in der Zeit auch hätte Mittagessen gehen können. Das nervt.
Oder man kommt zum nächsten unvorbereitet en Patienten, muss erst einmal Narkose aufziehen, Zugang legen, das Monitoring anbauen und dann drei verschiedene Pflegekräfte anrufen, bis man jemanden findet, der Zeit für die Einleitung hat. Und danach wird man noch vom Operateur angekackt, warum man jetzt so lange gebraucht hat.
Diese Beispiele liegen aber zum Glück schon ein paar Jahre zurück, weil mein Haus da inzwischen auch dazu gelernt hat. Ich muss insgesamt sagen, dass ich gerne bei meinem letzten öffentlichen Träger bin, aber mir manchmal wünsche, dass man sich manche Sachen aus privaten Häusern abguckt. Zum Beispiel die einfache Erkenntnis, dass man manchmal auch etwas investieren muss, wenn man ein entsprechendes Ergebnis haben möchte.
Im Gegenzug haben mir Kollegen auch schon ziemlich abschreckende Dinge aus privaten Häusern berichtet: PDK- und ZVK-Anlage vor Cystektomie funktioniert im ersten Anlauf nicht? Dann muss das halt ohne gehen... So etwas gibt es bei uns aktuell zum Glück nicht. Wobei so etwas vermutlich mehr von den Vorstellungen der jeweiligen Geschäftsführung und der Einstellung des eigenen Chefarztes abhängt als von der Trägerschaft des Hauses.
Das ist auch mein Eindruck. Die Strukturen der öffentlichen Träger wurden nicht an die Anforderungen des kommerzialisierten Gesundheitssystems angepasst. Zum einen, weil sie es nicht müssen (Unikliniken), oder weil die Strukturen so eingesessen sind, dass die Mentalität "haben wir immer schon so gemacht" aufkommt.
Mal abgesehen von den Grabenkämpfen, die
auch noch zwischen den Abteilungen ausgetragen werden...
Das kann man laut sagen. An Vorurteilen über den öffentlichen Dienst ist doch etwas Wahres dran.
PJler123
09.08.2020, 12:03
Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen kommunalen und städtischen Häusern? Und ist der Personalschlüssel bei öffentlichen Trägern besser als bei privaten Trägern?
Danke.
Auch das kann man pauschal nicht sagen. Es kommt immer auf das Haus individuell an.
Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen kommunalen und städtischen Häusern? Und ist der Personalschlüssel bei öffentlichen Trägern besser als bei privaten Trägern?
Danke.
Der Stellenschlüssel wird je nach Bundesland für Krankenhäuser sogar vorgegeben, z.B. in Thüringen, wo eine Mindestquote für Fachärzte pro Abteilung im KH gesetzlich vorgeschreiben wurde (und de facto gescheitert ist).
Ansonsten hilft ein offizieller Stellenschlüssel wenig, wenn die Stellen nicht besetzt sind. Und wie gut Stellen zu besetzen sind, hängt dann wieder vom Haus ab.
Ich vermisse aber in der Diskussion den Hinweis, daß es bei kirchlichen Trägern (hoffentlich) das Seelenheil gratis dazugibt, wohingegen sich private Träger noch nicht mal zu Vorzugsaktien für ihre MA durchringen können.
Ich vermisse aber in der Diskussion den Hinweis, daß es bei kirchlichen Trägern (hoffentlich) das Seelenheil gratis dazugibt, wohingegen sich private Träger noch nicht mal zu Vorzugsaktien für ihre MA durchringen können.
Nee besonder menschlich geht es auch nicht in kirchlichen Häusern zu.
Bei Privaten habe ich noch nicht gearbeitet. Muss laut Gerüchten große Unterschiede auch geben, selbst innerhalb eines Konzerns .
Bonnerin
09.08.2020, 20:27
Nee besonder menschlich geht es auch nicht in kirchlichen Häusern zu.
Bei Privaten habe ich noch nicht gearbeitet. Muss laut Gerüchten große Unterschiede auch geben, selbst innerhalb eines Konzerns .
Heißt doch nicht umsonst "Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott" :-D
Die Bedingungen unterscheiden sich aber tatsächlich, wie du sagst, je nach "Krankenhaus-Filiale" einer Kette. Da ist von nettem Team mit humanen Arbeitszeiten bis zum modernen Galeerensklavendasein alles vertreten.
Darum sind halt Verallgemeinerungen echt so schwer zu treffen, also für den TE Augen auf bei der Hospitation. Und wenn die Mitarbeiter bei der Frage, ob sie da nochmal anfangen würden komisch rumdrucksen und nur so ein "Joah, schon", bringen, freundlich lächeln und weitersuchen.
In meinem kirchlichen PJ-Haut waren die Ehrenämtler vom Mitarbeiterrabatt in der Kantine ausgenommen. Nächstenliebe in Reinform.
Bonnerin
09.08.2020, 21:19
In meinem kirchlichen PJ-Haut waren die Ehrenämtler vom Mitarbeiterrabatt in der Kantine ausgenommen. Nächstenliebe in Reinform.
Bei uns gab es drei Essen zur Auswahl, zwei davon waren gleich teuer, das 3. zwischen 0,20€ und 1,50€ teurer. Wenn man das 3. Menü haben wollte, das oft das einzige vegetarische war und zudem oft noch das am ehesten essbare, musste man es aber komplett selbst bezahlen. Es gab keine Verrechnung mit der Differenz zu den anderen Menüs.
Das erinnert mich an die Patienten und deren Meinung zum Krankenhaus: "das Medizinische hat eigentlich perfekt funktioniert aber das Essen. Also bei Essen muss man sagen das hat mir ja gar nicht geschmeckt. Und wenn ich an einem Tag OP hatte bin ich fast gestorben vor Hunger. Da haben die mich einfach den ganzen Tag hungrig liegen gelassen. Und nach der (Darm-)OP wars fast noch schlimmer. Da bekam ich grad noch Suppe oder so einen ekligen Brei und so. Wahnsinn was man als Patient alles über sich ergehen lassen muss."
Und klar ist es schön wenn das Essen lecker, reichlich und günstig ist. Aber ehrlich gesagt ist es mir persönlich wichtiger mit welchen Leuten ich arbeite, wie die Organisation der Abläufe ist, ob es Unterstützung gibt etc.
GelbeKlamotten
09.08.2020, 22:36
Ist finde ich eher ein gutes Zeichen, wenn das ärztliche Personal berichtet, dass das Essen in der Kantine zu teuer ist oder nicht schmeckt. Immerhin bedeutet das ja, dass man mit einer gewissen Regelmäßigkeit die Zeit hat, eine Mittagspause zu machen und was zu essen :)
Und klar ist es schön wenn das Essen lecker, reichlich und günstig ist. Aber ehrlich gesagt ist es mir persönlich wichtiger mit welchen Leuten ich arbeite, wie die Organisation der Abläufe ist, ob es Unterstützung gibt etc.
Es ist ja nicht so als ob man wählen müsste. Meist ist es doch so, dass das Essen dort besonders gut und günstig ist, wo die Mitarbeiter auch sonst gut behandelt werden. Und auch Zeit zum Essen haben - was eigentlich in jedem Krankenhaus eine absolute Selbstverständlichkeit für alle Ärzte sein sollte.
Und ja, natürlich ist das Essen ein wichtiger Teil der Lebensqualität und ein wichtiger Genuss.
Man sollte IMHO nicht nach Ausreden suchen warum alles, was an einem Krankenhaus gut sein kann, unwichtig ist. So schadet man nur den Arbeitnehmern - und somit sich selbst. Man sollte eher forcieren, dass die Dinge, die an einem Krankenhaus gut sein können, in möglichst jedem Krankenhaus gut sind.
ehem-user-21-08-2020-1502
09.08.2020, 23:08
Und auch Zeit zum Essen haben - was eigentlich in jedem Krankenhaus eine absolute Selbstverständlichkeit für alle Ärzte sein sollte.
Es gibt im Ausland (Bsp. Australien) sogar Zwangspausen während der täglichen Arbeitszeit. In Deutschland gibt es Leute, die sich die gesetzlich zustehende 30 Min. Mittagspause nicht nehmen und von den anderen erwarten, dass die sich die Pause auch nicht nehmen. Mir kommt das teilweise wie Selbstausbeutung vor.
Aber zum Thema, man muss schon zwischen Normal- und Komfortstation unterscheiden, was das Essen betrifft. Private Klinikketten scheinen aber schon mehr Wert auf qualitativ gutes Essen zu legen und oft sind die Krankenhäuser auch von innen "ansehnlicher", wobei es öffentliche KH gibt, die optisch eher an die ehemalige DDR erinnern
In Deutschland gibt es Leute, die sich die gesetzlich zustehende 30 Min. Mittagspause nicht nehmen und von den anderen erwarten, dass die sich die Pause auch nicht nehmen. Mir kommt das teilweise wie Selbstausbeutung vor.
Aber zum Thema, man muss schon zwischen Normal- und Komfortstation unterscheiden, was das Essen betrifft.
Kommt dir das so vor, ja? Nichts für ungut, aber was ist eigentlich deine Mission hier? Jeder deiner Beiträge besteht aus solchen im Tonfall großer Enthüllungen vorgetragenen Allgemeinplätzen.
ehem-user-21-08-2020-1502
09.08.2020, 23:39
Kommt dir das so vor, ja? Nichts für ungut, aber was ist eigentlich deine Mission hier? Jeder deiner Beiträge besteht aus solchen im Tonfall großer Enthüllungen vorgetragenen Allgemeinplätzen.
Eine Mission habe ich nicht. Ich tausche mich einfach nur ganz gerne über den Klinikalltag aus, um mich persönlich zu informieren und im Vorfeld zu schauen, wo für mich die Reise hingeht. Dass meine Beiträge zum Teil sehr kritisch sind weiss ich. Alle Dinge die ich schreibe beruhen aber auf eigenen Erfahrungen. Und ja, ich habe den Umgang mit den Mittagspausen so erlebt, wenn auch nur in 2 Abteilungen. Natürlich bin ich auch daran interessiert, was andere angehende und berufstätige Ärzte erleben. Es werden im AÄ-Forum ja gefühlt wöchentlich Situationen von sehr unzufriedenen Ärzten geschildert, die insbesondere die Arbeitsbedingungen und Arbeitszeiten betreffen. Viele wollen auch hinschmeissen. Da ich nicht häufig einen Stellenwechsel möchte, versuche ich herauszufinden, wie der Hase läuft um unnötigen Ärger im Vorfeld zu verhindern. Es meckern viele, dass ihre ÜS nicht dokumentiert und ihre Arbeitszeit ständig ohne Ausgleich überzogen wird. Da will ich doch vorher klären, wie man sowas am besten umgeht oder sich wehrt. 2006 sind viele auf die Strasse gegangen und ich bin jedem einzelnen dankbar dafür. Deshalb habe ich ein persönliches Interesse daran, von anderen zu erfahren, wie sie mit gewissen Situationen umgehen. Ich habe kein Interesse in einem Haus zu arbeiten, wo es ungern gesehen wird, wenn jemand seine 30 Min. Mittagspause macht. Habe ich wie geschildert persönlich erlebt und deckt sich mit den Erfahrungen vieler Kommilitonen. Ein Forum ist ja auch dafür da, Missstände anzusprechen oder davon zu berichten. Ich will auch herausfinden, warum sich manche Ärzte alles gefallen lassen und sie nicht gemeinsam darum kämpfen, dass sich an geltendes Recht gehalten wird (z.B. undokumentierte ÜS). Das habe ich aus anderen Branchen so noch nicht gehört, habe da auch nicht so den Einblick. Der MB oder der Hartmannbung mahnen ja nicht umsonst seine Mitglieder , gegen vieles vorzugehen was tagtäglich geschieht. Wen meine Beiträge stören oder nerven, kann mich spielend einfach auf die Benutzer ignorieren-Liste setzen. Dafür ist sie ja da.
Thomas24
10.08.2020, 16:18
Öffentliches Haus: desinteressierte Verwaltung, das Dienst nach 08/15 schob, chronische Unterfinanzierung, marode technische /Bausubstanz. Sehr bürokratische Abläufe- denken in Jahresbudgets, Unwillen nach links und rechts zu sehen und sich agil gegen die Wettbewerber aufzustellen. Fort- und Weiterbildungen wurden finanziell nicht unterstützt, die Effekte nahm man gerne mit.
Privates Haus: desinteressierte Verwaltung (no Shit, Sherlock), aber deutlich mehr Ressourcen vorhanden. Wenn man überzeugend darlegen konnte, wofür neues Equipment benötigt wird, schnelle Umsetzung. Großzügige Förderung von Fortbildungen und Weiterbildungen. Moderne Gebäude, moderne Software mit zeitgemäßer EDV und Arbeitszeiterfassung.
[...]
Mein Punkt war, dass du den Erklärbären spielst, aber als Student nur Binsenweisheiten beizutragen hast.
ehem-user-21-08-2020-1502
10.08.2020, 17:38
Mein Punkt war, dass du den Erklärbären spielst, aber als Student nur Binsenweisheiten beizutragen hast.
Naja, ich habe wochenlang in verschiedenen Abteilungen mit den Ärzten zusammen gearbeitet und dadurch einen Einblick in das System bekommen und mein Eindruck deckt sich mit dem, was unzählige fertige Ärzte in diesem Forum anmosern. Außerdem tausche ich mich regelmässig mit Ärzten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis aus und auch die berichten von ähnlichen Dingen. Die meisten meiner Posts sind übrigens Fragen, worin ich darum bitte MIR was zu erklären.
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