Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Macht" der einzelnen Facharztgruppen in der KV
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Wenn dich der sture Mensch von der Gehaltsabrechnung dann erst als FÄ in die PKV lässt statt im 2. Weiterbildungsjahr, dann klaut er dir ungefähr 15.000 Euro netto. Oder anders gesagt: weil dir die Gehaltsabrechnung nicht einen dreizeiligen Wisch ausdruckt, arbeitest du quasi ein halbes Jahr umsonst.
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Da sich ja der Arbeitgeber sowohl bei GKV als auch bei PKV anteilig an den Beiträgen beteiligt, schädigt er sich selbst, wenn er dem Arbeitnehmer den Wechsel zu günstigeren Konditionen erschwert.
Daher sollte es normalerweise keine Probleme mit der Personalabteilung geben. Der entsprechende Passus ist ja auch ziemlich salopp formuliert, daß man auch "zukünftig voraussichtlich (...) erreichen wird" und so.
Was im konkreten Fall vorgefallen ist, wissen wir natürlich nicht. Vielleicht gab es hinter den Kulissen Ärger, weil zuviele AN wieder unter die Versicherungspflichtgrenze gefallen sind, z.B. durch das neu eingeführte Nichtausbezahlen von Überstunden o.ä. , was dem AG ja vorab bekannt gewesen sein müsste.
Oder der Personaler ist frustriert und WILL seinen Arbeitgeber schädigen. Oder, oder...
GelbeKlamotten
09.08.2020, 13:44
Da sich ja der Arbeitgeber sowohl bei GKV als auch bei PKV anteilig an den Beiträgen beteiligt, schädigt er sich selbst, wenn er dem Arbeitnehmer den Wechsel zu günstigeren Konditionen erschwert.
Daher sollte es normalerweise keine Probleme mit der Personalabteilung geben. Der entsprechende Passus ist ja auch ziemlich salopp formuliert, daß man auch "zukünftig voraussichtlich (...) erreichen wird" und so.
Was im konkreten Fall vorgefallen ist, wissen wir natürlich nicht. Vielleicht gab es hinter den Kulissen Ärger, weil zuviele AN wieder unter die Versicherungspflichtgrenze gefallen sind, z.B. durch das neu eingeführte Nichtausbezahlen von Überstunden o.ä. , was dem AG ja vorab bekannt gewesen sein müsste.
Oder der Personaler ist frustriert und WILL seinen Arbeitgeber schädigen. Oder, oder...
Ich finde es auch verwunderlich, aber offensichtlich ist es kein Einzelfall, dass der Arbeitgeber sich da querstellt.
Ich glaube in meinem Fall war es reine Sturheit seitens der Gehaltsabrechnung. Ob es sich für den AG insgesamt positiv auswirkt oder nicht, ist dem Sachbearbeiter in der Gehaltsabrechnung wahrscheinlich ziemlich egal. Veränderungen in den Abrechnungsmodalitäten gab es in meinem Haus in den letzten Jahren jedenfalls keine.
Übrigens sind ausbezahlte Überstunden per Definition Zahlungen, die nicht regelmäßig anfallen (dürfen). Die zählen somit definitiv nicht mit rein wenns um das erreichen der JAEG geht. Ebenso nicht vertraglich garantierte Poolzahlungen. Es ist nur die Argumentation über Dienste möglich, die auch zukünftig mit absehbarer Regelmäßigkeit anfallen. Zur Leistung von (Bereitschafts-)diensten ist man in der Regel vertraglich verpflichtet, da ist es meiner Meinung nach eindeutig, dass die Zahlungen daraus regelmäßig anfallen und somit berücksichtigt werden müssen.
schnix25
09.08.2020, 14:33
In meinem Umfeld haben sich in den letzten Monaten mehrere Ärzte beklagt, dass die PKV zunehmend Probleme macht bzgl. Immuntherapie. Dinge, die bei der GKV teils ohne Probleme übernommen werden, werden von der PKV erstmal verweigert. Ich habe hierzu leider keine näheren Informationen. Weiß dazu zufällig wer mehr? Wenn teure Behandlungen von der PKV erstmal abgelehnt werden, wäre es ein Argument mehr für GKV.
Es ist eine Binsenweisheit, daß auch die PKVen zunehmend Schwierigkeiten machen in der Erstattung von Therapien. Das hat man sich von der GKV abgeschaut, wo man seit Jahren damit durchkommt, ohne daß es größeren Gegenwind von Patienten- und Ärzteseite geben würden. Soweit, so schlecht.
Du schränkst auch gleich schon wieder ein mit dem Wort "erstmal" . Erstmal heißt, daß eine in Deutschland anerkannte Therapie durch die Versicherung übernommen werden muß, und man gute Chancen hat, damit vor einem Gericht durchzukommen. Auch wenn die Versicherung erst mal mauert, aber das kennt man aus der Autobranche.
Ein GKV-Mitglied hat aber kaum eine Chance, eine anerkannte Therapie zugeteilt zu bekommen, wenn diese nicht nicht in der Liste der vom GBA genehmigten Therapien befindet. Über etwaige Klagen würde auch nicht ein normales Gericht entscheiden, sondern ein Sondergericht gem. SGB, wo die Kassen das Vorschlagsrecht für die Richter haben.
Das GKV-Mitglied bekommt also die Therapie gar nicht erst nicht und ein PKV-Versicherter hat nach der Therapie eventuell Meinungsverschiedenheiten mit der Versicherung, jedoch mit einer guten Chance vor Gericht, falls es soweit kommt.
Kleiner, aber feiner Unterschied.
Es ist übrigens nett, daß die Ärzte sich Gedanken machen über die Versicherung des Patienten, im Falle der PKV ist der Vertragspartner und Zahlungspflichtige jedoch der Patient und nicht die Versicherung.
Und was die GKV vor ein paar Jahren zu biologicals sagte, solltest Du vielleicht auch mal lesen, bevor Du was zu wird "ohne Probleme übernommen" sagst.
Übrigens: unter "übernommen" verstehe ich eine kompromisslose Bezahlung einer erbrachten Leistung. Nicht dazu gehört, hinterher ....gnihihi....den Arzt zu regressieren für teure Medikamente, oder den Apotheker zu retaxieren (bitte auch mal mit Apothekern unterhalten) oder den Medikamentenpreis so weit zu drücken, bis die Industrie nicht mehr liefern will.
Von der GKV neu "übernommen" in den letzten Jahren wurden z.B. Knochendichtemessung per DXA oder PET-CT, dummerweise halt nur zu einem Drittel der vorherigen Vergütung. Als Resultat gibt es jetzt halt eben kaum noch Anbieter.
Im Gegensatz zur PKV übernimmt die GKV auch check-ups. Zu einem Check -up ab 35 Jahren gehören folgende Laborwerte:
Untersuchung bestimmter Blutwerte (Gesamtcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyceride) und des Nüchternblutzuckers
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/checkup.html
Also kein Langzeitblutzucker und kein einziger Tumormarker. Toller check-up.
Und natürlich wird auch ein Hautkrebsscreening "übernommen". Aber bitte beim Hausarzt und nicht beim Hautarzt, und Lupe ist auch verboten.
Ich nenne "wir übernehmen" in vielen Fällen einfach grandios Veraxxxe.
GelbeKlamotten
09.08.2020, 15:46
Du schränkst auch gleich schon wieder ein mit dem Wort "erstmal" . Erstmal heißt, daß eine in Deutschland anerkannte Therapie durch die Versicherung übernommen werden muß, und man gute Chancen hat, damit vor einem Gericht durchzukommen.
Allerdings auf eigenes Risiko, mit der Aussicht ggf. auf den Kosten sitzenzubleiben. Und bis eine Entscheidung erwirkt wurde, ist es für die Therapie oft schon zu spät.
Ein GKV-Mitglied hat aber kaum eine Chance, eine anerkannte Therapie zugeteilt zu bekommen, wenn diese nicht nicht in der Liste der vom GBA genehmigten Therapien befindet. Über etwaige Klagen würde auch nicht ein normales Gericht entscheiden, sondern ein Sondergericht gem. SGB, wo die Kassen das Vorschlagsrecht für die Richter haben.
Auf der anderen Seite hat der GKV-Versicherte nicht nur eine Medizin-Flatrate, sondern auch eine Klage-Flatrate. Die Klagen vor dem SGB laufen ja auch alle auf Kosten der Allgemeinheit. Und es gibt nicht selten Leute, die das nutzen, um sich ständig alle möglichen Dinge zu erklagen. Gerade bei z.B. Hilfsmitteln oft auch bei den absurdesten Sachen mit Erfolg. Auf eigene Kosten würde das keiner machen und es würde auch keine Rechtsschutzversicherung mitmachen.
Es ist übrigens nett, daß die Ärzte sich Gedanken machen über die Versicherung des Patienten, im Falle der PKV ist der Vertragspartner und Zahlungspflichtige jedoch der Patient und nicht die Versicherung.
Das ist nicht "nett", das ist in erster Linie eigennützig. Was wird wohl passieren, wenn der Arzt mit der Immuntherapie einfach mal loslegt und die PKV dann nicht zahlt? Überweist dann der überwiegende Anteil der Privatpatienten die 50.000 Euro einfach brav trotzdem selbst vom eigenen Konto? Wohl kaum. Es folgen Zahlungsausfälle und langwierige Gerichtsverfahren. Das kann sich kein Onkologe und kein Krankenhaus leisten.
Das ist nicht "nett", das ist in erster Linie eigennützig. Was wird wohl passieren, wenn der Arzt mit der Immuntherapie einfach mal loslegt und die PKV dann nicht zahlt? Überweist dann der überwiegende Anteil der Privatpatienten die 50.000 Euro einfach brav trotzdem selbst vom eigenen Konto? Wohl kaum. Es folgen Zahlungsausfälle und langwierige Gerichtsverfahren. Das kann sich kein Onkologe und kein Krankenhaus leisten.
Natürlich ist das eigennützig, man will ja 1) keinen Zahlungsausfall und 2) daß der Patient wiederkommt. Die allerwenigsten Patienten bedürfen jedoch einer so teuren Therapie, womöglich noch mit ungeklärtem Status (off label? experimentell?) so daß ein Gespräch nur mit KH-Ärzten dieses Sektors vielleicht die Wahrnehmung verzerrt. Bei KH-Aufenthalten kann man das KH direkt mit der PKV abrechnen lassen und ist dann auch diese Sorge los.
Was man aber sicher sagen kann, ist, daß den GKV-Mitgliedern derartige Therapien viele Jahre nicht nur in Einzelfällen, sondern generell versagt wurden und daß niedergelassene Ärzte einschlägiger Richtungen (Rheumatologie, Neurologie) mit einer Regresskeule überzogen wurden, sofern sie mehr als 0815 Therapie verordneten.
Es stimmt, dass es zu viele Krankenkassen gibt und deren Verwaltungsapparat aufgebläht ist. Veränderungsbedarf besteht auch bei der KV. Da könnte reformiert werden. Wie bereits mehrfach erwähnt richtet sich das Hamburger Modell an Geringverdiener....also ein Nischenangebot.
Die Tatsache, dass mehr Geld zur Verfügung steht (sprich auch niedrigere Beiträge möglich sind) , wenn junge, wohlhabende Leute ohne Krankheiten in eine System gehen und zahlen, sagt einem bereits der gesunde Menschenverstand.
Gerade bei omkologischen austherapierten Fällen klammert sich Behandler und Patient an jeden Strohhalm, für viele Indikationen ist eine Immuntherapie wie Nivolumab (mit relativ hohen Kosten) ja bereits zugelassen aufgrund der Studienlage. Wenn es jedoch garkeine Studien gibt, ist das eine Einzelfallentscheidung.
GelbeKlamotten
09.08.2020, 23:24
Immuntherapien mit Nivolumab u.a. Mitteln „von der Stange“ werden längerfristig kein Unlösbares Kostenproblem verursachen, weder bei der GKV, noch bei der PKV.
Dass neue Medikamente (vor allem in der Onkologie) teuer sind, ist ja nichts neues. Hier geht es ja wie üblich in erster linie darum, dass hohe Entwicklungs- und Zulassungskosten wieder eingespielt werden müssen. Die reine Produktion eines monoklonalen Antikörpers ist kaum ein Kostenfaktor. Das wird sich also letztenendes regeln lassen.
Interessanter wird es bei individuellen Therapien, die in Zukunft sehr stark an Bedeutung gewinnen werden. Bei einer Krebstherapie, bei der zB das Genom der Tumorzellen analysiert wird und dann Immunzellen des Erkrankten genetisch so verändert werden, dass sie genau diesen Tumor angreifen, wird die Therapie nicht nur anfangs teuer sein, sondern sie wird auch teuer bleiben.
Das wird ein Problem für GKV und PKV. Ich bin mir sicher, das hier eine Zeit auf uns zukommen wird, in der medizinisch sinnvolle / „notwendige“ Behandlungen aufgrund der Kosten wieder öfter limitiert sein werden. Im Interesse der Versichertengemeinschaft, denn sonst wird bald niemand mehr seine Krankenkassenbeiträge zahlen können.
Das wird ein Problem für GKV und PKV. Ich bin mir sicher, das hier eine Zeit auf uns zukommen wird, in der medizinisch sinnvolle / „notwendige“ Behandlungen aufgrund der Kosten wieder öfter limitiert sein werden. Im Interesse der Versichertengemeinschaft, denn sonst wird bald niemand mehr seine Krankenkassenbeiträge zahlen können.
Das glaube ich auch nicht, wie bei der KI, die den Radiologen ablöst.
Evidence based
10.08.2020, 11:03
Interessanter wird es bei individuellen Therapien, die in Zukunft sehr stark an Bedeutung gewinnen werden. Bei einer Krebstherapie, bei der zB das Genom der Tumorzellen analysiert wird und dann Immunzellen des Erkrankten genetisch so verändert werden, dass sie genau diesen Tumor angreifen, wird die Therapie nicht nur anfangs teuer sein, sondern sie wird auch teuer bleiben.
Das ist nach heutiger Studienlage vollkommener Schwachsinn. Präzisionsmedizin kommt aktuell für ca. 1 % der Tumorpatienten infrage, Studien die einen höheren Nutzen belegen, existieren nicht. Die letzte große Studie zur Präszisionsonkologie, die national lung matrix trial, ist krachend gescheitert.
Ich verweise da auch immer gerne auf die Publikationen, sowie den Podcast von Vinay Prasad. Aktuell ist diese Präzisionsgeschichte nichts anderes als cleveres Marketing.
Dass neue Medikamente (vor allem in der Onkologie) teuer sind, ist ja nichts neues. Hier geht es ja wie üblich in erster linie darum, dass hohe Entwicklungs- und Zulassungskosten wieder eingespielt werden müssen. Die reine Produktion eines monoklonalen Antikörpers ist kaum ein Kostenfaktor. Das wird sich also letztenendes regeln lassen.
Primär geht es darum, denn Aktionären Geld zu machen. :-micro
Thomas24
10.08.2020, 15:57
Es stimmt, dass es zu viele Krankenkassen gibt und deren Verwaltungsapparat aufgebläht ist. Veränderungsbedarf besteht auch bei der KV. Da könnte reformiert werden. Wie bereits mehrfach erwähnt richtet sich das Hamburger Modell an Geringverdiener....also ein Nischenangebot.
Die Tatsache, dass mehr Geld zur Verfügung steht (sprich auch niedrigere Beiträge möglich sind) , wenn junge, wohlhabende Leute ohne Krankheiten in eine System gehen und zahlen, sagt einem bereits der gesunde Menschenverstand.
1. Das könnte man annehmen... wenn pauschal mehr "Geld im System" gleichbedeutend wäre, dass tatsächlich mehr Geld für die Versicherten zur Verfügung steht. Da die Sozialversicherungssysteme aber gerne als Verfügungsmasse für irgendwelche Querfinanzierungen (verniedlichend "Versicherungsfremde Leistungen") missbraucht werden, wäre ich sehr skeptisch dem Staat einfach noch mehr Geld zur Verfügung zu stellen unter der Prämisse, dass es tatsächlich auch für die Beitragszahler verwendet werden würde... die BRD hat da einen ganz schlechten Track Record mit dem Geld der Versicherten umzugehen-
2. für die Ex- PKV Mitglieder würden dann ja auch die Spielregeln der GKV gelten müssen. D.h. Beitragsfreie Mitversicherung von Familienmitgliedern, keine eigenen Rückstellungen für die Zukunft, Kontrahierungszwang der Versicherung etc. Im Grunde genommen würdest du ältere -kranke und daher kosteninstensive- PKV Mitglieder, sowie PKV Mitglieder mit mehreren Kindern, die bislang jedes Kind einzeln versichern mussten, finanziell entlasten. Naja, Solidaritöt geht dann mal in die andere Richtung, ist auch ok.
3. Was ist denn nun mit dem 1.000 Kilo rosa Elefanten im Raum (die fehlende Nachhaltigkeit eines reinen Umlagesystems, deren Beitragszahler nie geboren wurden...), auf den Evil dich mehrfach hingewiesen hat?
Selbst wenn die Reserven der PKV und ihrer Mitglieder ins GKV System kommen würden und selbst wenn diese zusätzlichen Finanzreserven nicht prompt von der Politik für andere Dinge verfrühstückt werden (und das sind schon zwei recht große "wenns"), wäre das ein One off Effekt. Es wurden immer noch jahrelang nur ca. 1,6 Kinder pro Frau im gebärfähigen Alter geboren. Die kritische Grenze ist aber 2,1. Was kommt nach der einmaligen Finanzspritze?
Thomas24
10.08.2020, 16:02
Primär geht es darum, denn Aktionären Geld zu machen. :-micro
Und das ist auch richtig so.
1. Ein Unternehmen, dass keinen Gewinn erzielen möchte, hat eigentlich keine Existenzberechtigung.
Auch wenn wir in einer Zeit leben, in denen Staaten und Zentralbanken meinen, die Marktwirschaft und Preisfindungsmechanismen außer mit Fake Money außer Kraft setzen zu müssen.
2. Und wem steht der Gewinn dann zu? Den Eigentümern, die ihr Kapital zur Verfügung stellen. Das sind nunmal "die Aktionäre". Das muss kein fieser Gordon Gekko Typ sein. Aktionäre können auch deine Lebensversicherung, deine Rentenkasse, Du, Mitarbeiter des Unternehmens, Patienten oder sonstwer sein.
Evidence based
10.08.2020, 16:20
Und das ist auch richtig so.
1. Ein Unternehmen, dass keinen Gewinn erzielen möchte, hat eigentlich keine Existenzberechtigung.
Auch wenn wir in einer Zeit leben, in denen Staaten und Zentralbanken meinen, die Marktwirschaft und Preisfindungsmechanismen außer mit Fake Money außer Kraft setzen zu müssen.
2. Und wem steht der Gewinn dann zu? Den Eigentümern, die ihr Kapital zur Verfügung stellen. Das sind nunmal "die Aktionäre". Das muss kein fieser Gordon Gekko Typ sein. Aktionäre können auch deine Lebensversicherung, deine Rentenkasse, Du, Mitarbeiter des Unternehmens, Patienten oder sonstwer sein.
Natürlich sollen und müssen Unternehmen Gewinn erwirtschaften. Die Frage ist eher, ob dafür alle Mittel recht sind, aus welchem Topf die Gewinne erwirtschaftet werden und ob die Höhe der Gewinne gerechtfertigt ist.
Die Pharmaunternehmen, insbesondere in der Onkologie, bekommen Zulassungen für Medikamente auf Basis von Studien, die von Anfang an so angelegt sind, dass kein adäquater Vergleich möglich ist. Natürlich immer zugunsten der neuen Intervention. Damit wird eine Überlegenheit suggeriert, die in einer adäquat geplanten Studie womöglich gar nicht existiert. Für diese Medikamente werden dann Mondpreise verlangt, die sich in keinster Weise in einer besseren Behandlung der Patienten widerspiegelt, aber das 100fache kosten. Zu Lasten aller Beitragszahler.
Das Geld wird dann benutzt, um noch mehr Personen mit Reichweite zu schmieren und möglichst alle kritischen Stimmen zu unterdrücken. Ich finde, das darf und sollte man kritisieren, vorallem weil dem in anderen Branchen längst ein Riegel vorgeschoben wurde (Stichwort Anwendungsbeobachtung).
Trotzdem ist es fragwürdig ein Medikament wie Zolgensma (ohne wirkliche Therapiealternativen) für 2 Mio / Dosis festzusetzen. :-top
Evidence based
10.08.2020, 16:27
Trotzdem ist es fragwürdig ein Medikament wie Zolgensma (ohne wirkliche Therapiealternativen) für 2 Mio / Dosis festzusetzen. :-top
Danke. Haben die nicht zuletzt sogar 100 Dosen verlost? Da platzt einem echt die Hutschnur. Völlig unethisch.
Thomas24
10.08.2020, 16:34
Natürlich sollen und müssen Unternehmen Gewinn erwirtschaften. Die Frage ist eher, ob dafür alle Mittel recht sind, aus welchem Topf die Gewinne erwirtschaftet werden und ob die Höhe der Gewinne gerechtfertigt ist.
Die Pharmaunternehmen, insbesondere in der Onkologie, bekommen Zulassungen für Medikamente auf Basis von Studien, die von Anfang an so angelegt sind, dass kein adäquater Vergleich möglich ist. Natürlich immer zugunsten der neuen Intervention. Damit wird eine Überlegenheit suggeriert, die in einer adäquat geplanten Studie womöglich gar nicht existiert. Für diese Medikamente werden dann Mondpreise verlangt, die sich in keinster Weise in einer besseren Behandlung der Patienten widerspiegelt, aber das 100fache kosten. Zu Lasten aller Beitragszahler.
Das Geld wird dann benutzt, um noch mehr Personen mit Reichweite zu schmieren und möglichst alle kritischen Stimmen zu unterdrücken. Ich finde, das darf und sollte man kritisieren, vorallem weil dem in anderen Branchen längst ein Riegel vorgeschoben wurde (Stichwort Anwendungsbeobachtung).
Ich wäre da ganz pragmatisch.
Nenn mir mal bitte die Pharmafirmen mit den entsprechenden Blockbustermedikamenten. Wenn das ganze so einfach liefe, wie von Dir geschildert (einfach die Opinion leader schmieren, äh, beeinflussen)- kaufen wir einfach die Aktien und setzen uns reich zur Ruhe. Geht nicht? Dann ist die Masse der Abnehmer (sprich die verschreibenden Kollegen), vielleicht doch nicht so doof, um sich von "nicht Unterlegenheitsstudien" zum x fachen Preis -hinters Licht führen zu lassen :-))
Und einen Martin Shkreli (ihr erinnert euch an die Preissteigerung von Daraprim?)hat man auch schon verhaftet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Shkreli
Thomas24
10.08.2020, 16:36
Danke. Haben die nicht zuletzt sogar 100 Dosen verlost? Da platzt einem echt die Hutschnur. Völlig unethisch.
Das war wirklich grenzwertig- durch die Verlosung wurde versucht, über die Eltern/ Selbsthilforganisationen + Social Media so viel Druck auf die nationalen Zulassungsorganisationen auszuüben, dass der europäische Markt schnell geöffnet werden sollte.
Die "denkt denn niemand an die Kinder?!" Karte auspielen zu wollen, hat in diesem Fall aber zum berechtigen Aufschrei geführt.
Danke. Haben die nicht zuletzt sogar 100 Dosen verlost? Da platzt einem echt die Hutschnur. Völlig unethisch.
Zumal wir hier ja nicht von einem experimentellen Medikament für ein fortgeschrittenes Malignom bei 70+ Patienten (mit so oder so deutlich eingeschränkter Lebenserwartung) reden, sondern von einem (potentiell) lebensrettenden Medikament für Säuglinge und Kleinkinder... Finde ich persönlich nochmal besonders unappetitlich.
Ist dir ein Kinderleben etwa keine 2 Mio wert?
Was genau ist denn der Kritikpunkt? Was wäre denn ein "angemessener" Preis?
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