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urinbeutel
15.08.2020, 13:07
Hallo,

gibs schon Neuigkeiten, ob die Weiterbildung in der Praxis tatsächlich vollständig erfolgen kann?

LG

WackenDoc
15.08.2020, 14:12
Du musst in der WBO deiner ÄK nachschauen

urinbeutel
15.08.2020, 14:44
Du musst in der WBO deiner ÄK nachschauen
Danke für die Antwort.
Es wurde die WBO 2018 bereits umgesetzt und es sind 60 Monate vorgeschrieben, womit der 2,5 Jahre Klinik-Teil wegfällt. Ich wollte primär wissen, ob es realistisch ist den Katalog auch ohne Klinik zu erfüllen.
Ich habe jetzt neuerdings eine Klinikstelle, aber es wäre ja ein gewaltiger Umbruch in diesem Fach, wenn das Nadelöhr Klinik nicht mehr besteht.

Hatte nur einmal von dem User "test" gelesen, dass es nicht klar ist, ob man nicht doch an die Klinik muss für bestimmte Inhalte. Der Katalog ist aber meines Erachtens nach sehr liberal gehandhabt und für Sachen, die eigentlich nur stationär stattfinden gibt es nicht einmal eine Richtzahl. Tumortherapie kann ja alles bedeuten.

BXL
15.08.2020, 15:55
Also ganz ehrlich, ich würde jedem Arzt empfehlen auch mal in der Klinik gearbeitet zu haben. Gerade in der derma befindet sich aktuell so viel im Wandel. In der Praxis bekommst davon erstmal nicht so viel mit. Da wird vieles so gemacht, wie es der chef schon immer gemacht hat. Außerdem sollte man auch mal gesehen haben was passiert, wenn du die Patienten dann in die Klinik schickst. Wenn du eine Stelle hast, nimm sie an und schau doch wie es dir gefällt. Eine praxisstelle findest du immer

urinbeutel
15.08.2020, 16:05
Werde auch erst mal stationär arbeiten.
Ich stelle mir die Frage auch dahingehend, welche Auswirkungen es auf den Arbeitsmarkt haben wird. Gefühlt gibt es in den Praxen enorm viele Assistenzärzte, weil jeder diese Weiterbildungsermächtigung beantragen kann. Habe nur Bammel, dass es dann in fünf, sechs Jahren keine guten Jobs mehr gibt, weil jeder Hautarzt werden kann der will.
Überlege nämlich, ob ich nicht einfach auf Allgemeinmedizin umschwenke... habe ohnehin immer mit beiden Gebieten geliebäugelt

edit: sorry, wenn ich hier so den Teufel an die Wand male. Ich weiß, man soll machen, was man gerne mag. Ich hab jetzt die Statistiken nochmal gecheckt und die Zahl der ambulanten Weiterbildungsstätten ist gedeckelt. Ich glaube meine Bedenken kommen daher, da ich wie ein Depp meinen Lebenslauf poliert hab, um an eine solche Stelle zu kommen und jetzt stellt sich heraus, dass das eigentlich nicht nötig war.

davo
15.08.2020, 16:34
Naja, die Frage ist ja grundsätzlich durchaus berechtigt. Ich hab mich auch schon bereits gefragt, was dann mit der Zahl der Derma-AÄ, und somit den zukünftigen Berufsaussichten als FA, passieren wird, wenn der Flaschenhals entfernt wird.

Glaub aber nicht, dass man darauf eine wirklich evidenzbasierte Antwort geben kann. Ich glaub schon, dass manche potenzielle Derma-Kandidaten durch die Angst vor weniger Verdienst abgeschreckt werden werden, und dann stattdessen in ein anderes Fach gehen werden. Was den Effekt dämpfen würde. Ich hab jetzt nicht den Überblick, welche Fächer alle von der Abschaffung der verpflichtenden Klinikzeit betroffen sind.

urinbeutel
15.08.2020, 16:43
Ich denke auch nicht, dass es eine dumme Frage ist. In diesem Forum werden nur solche Themen eher selten angesprochen.
Das gute ist, dass man in Deutschland noch umschwenken kann. Habe aus Interesse mir Szenarien aus Amerika durchgelesen, wo in den betroffenen Fachgebieten die Leute dann einfach unterbezahlt im Kaff arbeiten.
Betroffen sind in erster Linie Augenheilkunde und Dermatologie. Aber denke, dass es in der Dermatologie spürbarer ist, da auf eine Stelle in der Klinik unzählig viele Bewerbungen kommen und die Leute anscheinend bereit sind alles zu machen (unbezahlte Stellen, Forschung etc.).
Natürlich nur Mutmaßungen an diesem Punkt.
Ich denke aber nicht, das die Leute abgeschreckt werden, weil die meisten Leute ohnehin in Deutschland nur ein diffuses Vorstellungsvermögen von der späteren Einkommenssituation haben. Dermatologie ist ohnehin keine garantierte Gelddruckmaschine...

Wenn ich sehe, wie gut es einigen Hausärzten geht und man die Kassensitze geschenkt bekommt, bin ich nur sehr verlockt meine bisherigen Karriereträume aufzugeben.

Markian
15.08.2020, 17:00
Also meiner Meinung nach ist das Problem dann eher, dass nicht jede Praxis einfach so eine Weiterbildungsermächtigung bekommt. Von daher wird sich das Nadelöhr nicht einfach so auflösen.

urinbeutel
15.08.2020, 17:02
Kannst du das belegen? Es gibt eindeutige Kriterien, die man erfüllen muss (Scheinzahl, Spektrum, ...). Frage ist eher, ob die Stellen gefördert werden von der KV.

Clostridien
15.08.2020, 18:15
@urinbeutel Darf ich fragen, was du gemacht hast, um deine Bewerbung zu "polieren"? Bin jetzt bald im 3. klinischen Semester und seit meinem KPP in der Derma daran interessiert, dort auch meinen Facharzt zu machen. Hast du neben Famu, PJ und Promotion noch was gemacht, um an die Stelle zu kommen? Tut mir leid, falls das hier nicht in den Thread passt oder du nicht antworten willst.

urinbeutel
15.08.2020, 18:23
@urinbeutel Darf ich fragen, was du gemacht hast, um deine Bewerbung zu "polieren"? Bin jetzt bald im 3. klinischen Semester und seit meinem KPP in der Derma daran interessiert, dort auch meinen Facharzt zu machen. Hast du neben Famu, PJ und Promotion noch was gemacht, um an die Stelle zu kommen? Tut mir leid, falls das hier nicht in den Thread passt oder du nicht antworten willst.

Ich hab auch so früh wie du begonnen, weil ich damals Karriere machen wollte, aber mittlerweile bin ich nicht mehr so überzeugt davon, unter anderem auch wegen den Leuten, die Derma machen wollen haha. Ich glaub, wenn ich nochmal wählen könnte, würde ich einfach Hausarzt werden.
Ich habe Famulatur, PJ, experimentelle Promotion und ein paar Publikationen in sehr namhaften Journals. Im Endeffekt muss man aber kein Genie sein für eine Stelle. Die nichtuniversitären Häuser haben gerne jemand mit klinischer Erfahrung (also Praxis oder Innere etc.) und die Unihäuser mögen Leute mit Forschung. An der Uniklinik, an der ich vorher war, wurden die Stellen eigentlich alle aus den Arbeitsgruppen besetzt und finanziert. D.h. da macht es da Sinn sich einer Forschungsgruppe anzuschließen. Aber durch die neue WBO scheint es ja relativ viel Sinn zu machen in der PRaxis zu beginnen und da sind die Stellen wesentlich leichter zu bekommen.

Clostridien
15.08.2020, 18:33
Vielen Dank für deine Antwort! Das hilft wirklich sehr. Mein Plan war es auch, PJ, Famu und experimentelle Promotion in der Derma zu machen. Dann wollte ich mich eigentlich bei Kliniken bewerben und falls ich nichts direkt bekomme, erstmal Erfahrungen in der Inneren sammeln (bei uns in der Derma gab es einige Assistentenzärzte, die vorher in der Inneren waren und das vom Chef als Vorteil gewertet wurde).
Hab häufig gehört, dass viele, die vorher in der Praxis angefangen haben, dann keinen Job mehr in der Klinik bekommen haben.
Jetzt, wo sich die WBO geändert hat, bin ich echt gespannt, wie sich das entwickelt und auch etwas verunsichert, was meine Strategie angeht.

freak1
15.08.2020, 20:56
Ich habe Famulatur, PJ, experimentelle Promotion und ein paar Publikationen in sehr namhaften Journals.

Krasser Typ. Gibt's außer Nature, NEJM, Lancet, Heart, Circulation, Cancer und Radiology noch was, das man kennen muss?

Find's übrigens ziemlich schwach, wenn man sich ohne PD und eine nennenswerte Menge an Drittmitteln (>10 Mio in den letzten 3 Jahren) irgendwo als Assistenzarzt im 1. Jahr bewirbt. Auch ein Dr. med. ist ja wohl ein Witz; 3 Jahre an einer Ivy League Uni mit PhD sollte es da schon mindestens sein.

Wenn dieses Fach sich für so elitär hält, ist es allerhöchste Zeit, diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Da ist ein Facharzt ohne Klinikzeit wohl vermutlich ausnahmsweise mal der richtige Weg.

schnix25
15.08.2020, 21:59
Krasser Typ. Gibt's außer Nature, NEJM, Lancet, Heart, Circulation, Cancer und Radiology noch was, das man kennen muss?

Find's übrigens ziemlich schwach, wenn man sich ohne PD und eine nennenswerte Menge an Drittmitteln (>10 Mio in den letzten 3 Jahren) irgendwo als Assistenzarzt im 1. Jahr bewirbt. Auch ein Dr. med. ist ja wohl ein Witz; 3 Jahre an einer Ivy League Uni mit PhD sollte es da schon mindestens sein.

Wenn dieses Fach sich für so elitär hält, ist es allerhöchste Zeit, diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Da ist ein Facharzt ohne Klinikzeit wohl vermutlich ausnahmsweise mal der richtige Weg.

Warum so sarkastisch?
Ist doch absolut nachvollziehbar, dass sich die Chefs in einem Fach wo es deutlich mehr Bewerber als Stellen gibt die Besten raussuchen. Und, dass an der Uni Forschung erwartet wird, ist doch nichts neues.

freak1
15.08.2020, 22:19
Zwischen es wird Forschung erwartet und du musst als Berufsanfänger schon mehrere hochrangige Publikationen vorweisen gibt es einen Unterschied.

anignu
15.08.2020, 23:01
Krasser Typ. Gibt's außer Nature, NEJM, Lancet, Heart, Circulation, Cancer und Radiology noch was, das man kennen muss?
"namhaft" heißt nicht dass es diese großen allumfassenden sein müssen die sich zum großen Teil eben mit großen Themen (Krebs, Gene, Neurozeugs etc.) beschäftigen. Es gibt auch "allgemein unbekannte" Journals die trotzdem als "namhaft" gelten. Halt in ihrem Fach. Sowas wie JBJS zum Beispiel oder die beiden Journals für Gefäßchirurgen Journal of Vascular Surgery bzw. Journal of Endovascular Therapy... Das sind halt die Top1 dann in ihrem Fach.

urinbeutel
15.08.2020, 23:14
Krasser Typ. Gibt's außer Nature, NEJM, Lancet, Heart, Circulation, Cancer und Radiology noch was, das man kennen muss?

Ein Journal ist dabei...
Besonders krass ist es allerdings auch nicht, da der Erfolg nur von der Arbeitsgruppe abhängt, da man sich als sinnloser Medizinstudent da ranhängt. @Clostridien: Also vielleicht mal gucken, welche Arbeitsgruppe bei euch viel publiziert.
Ich persönlich würde es aber nicht wieder machen, da es mir im Endeffekt keinen Spaß gemacht hat und man eben in der Medizin auch mit weniger Aufwand einen schönen Job haben kann.

@freak1: Es sollte klar sein, dass die jetzige Stellensituation in den meisten Fächern zu unserem Gunsten ist. Das ist aber nicht unbedingt der Normalfall und zu Zeiten der Ärztschwemme wäre es in vielen Gebieten normal, dass man sich profilieren muss, wenn auf eine Stelle mehrere Bewerber kommen. Das ist ein großer Nachteil der nicht zentralisierten Vergabe von Weiterbildungsstellen. Wenn es nach mir gänge, hätten wir hier auch ein Match-System.
Und die Kliniken erlauben sich logischerweise das, was sie können. Sei doch froh, dass du dir deine Stelle ohne Aufwand aussuchen darfst.

Ehem-User-46687482
15.08.2020, 23:38
Wenn Dermaßen an der Uniklinik so "elitär" ist, frage ich mich, warum bei uns so wenige AÄ promoviert sind

urinbeutel
15.08.2020, 23:47
Naja es ist nicht elitär, aber selektiv. Es gibt keinen Katalog, den man zu erfüllen hat, aber als Bewerber versucht man sich gut aufzustellen. Wenn dann jemand über Vitamin B oder Sympathie eingestellt wird, dann ist das so.

Ehem-User-46687482
16.08.2020, 01:04
Es gibt keinen Katalog, den man zu erfüllen hat,

Keinen Weiterbildungskatalog? Ok, ich bin bislang davon ausgegangen, dass es in jedem Fach einen Weiterbildungskatalog gibt