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Trüffel
29.08.2020, 21:11
Wie habt ihr damals angefangen?
Einfach machen. Man findet rein. Wichtig: Biometrie-Beratung in Anspruch nehmen, bevor das Projekt los geht! Nicht erst am Ende. Die sollen und werden dir nichts vorrechnen. Aber sie können dir wertvolle Tips geben, wie du häufige und üble Fallstricke im Vorfeld vermeidest. Das kann langfristig viel Frust und zusätzliche Arbeit ersparen.


manchmal unterhalten sich dann andere in Seminaren an der Uni darüber wieviel Paper sie schon verfasst haben (im 5.Semester)
So etwas kannst du getrost ignorieren. Entweder sie lügen, oder aber sie reden von Papern, die sie aus ihrem PhD vorm Medizinstudium mitgebracht haben.


Und wie habt ihr euch in die Statistik eingearbeitet? Mit Büchern oder gabs bei euch an der Uni Seminare oä? :-lesen
Ich weiß nicht, wie die Biometrielehre an deiner Uni ist. Bei uns war sie für die Dokorarbeit komplett unbrauchbar. Das muss aber nicht überall so sein. Kurse können grundsätzlich schon ein ganz netter Einstieg sein, aber du lernst dort wirklich nur die absoluten Basics. Mehr geht auch gar nicht in ein paar wenigen Tagen. Wenn du einen Kurs gratis mitnehmen kannst, mach das ruhig!

Ansonsten musst du ein bisschen wissen, was genau du in deiner Arbeit für Methoden benutzen willst. In die Richtung beliest du dich dann. Es gibt hervorragende Bücher zur Einführung in Angewandte Statistik. Da fängst du mit den Einführungskapiteln an und je mehr du weißt, desto eher gewinnst du Orientierung und entwickelst einen Plan, wo und wie du deine Kenntnisse vertieft. Ich empfehle Discovering Statistics Using R. Gibts auch für SPSS. R hat den Nachteil, dass es sich rasant weiterentwickelt und viele Bücher schnell veralten, d.h. die Code-Beispiele laufen auf modernen Systemen nicht mehr und du musst viel in Foren und den Dokumentationen der Packages selbst herumwühlen. Das ist aktuell umso relevanter, weil vor wenigen Monaten R 4.0 erschienen ist. Das hat viele neue Inkompatibilitäten mitgebracht. Irgendwann löst du dich dann von den Lehrbüchern und arbeitest eher mit Papern aus den Bereichen Mathematik, Statistik, Informatik und Psychologie. Vor allem moderne softwaregestützte Methoden werden vorrangig außerhalb der medizinischen Sphäre publiziert.

Oder du machst es so, wie Bibo hier lamentiert: Haust deine Excel-Tabelle in SPSS, lässt ohne Beteiligung deines Frontallappens nen T-Test rechnen, reichst Schrott ein und wirst mit rite durchgewunken. Das Endresultat auf Karriereebene ist vermutlich dasselbe. Die Frage ist, ob du die Arbeit als reines Mittel zum Doktorgrad siehst, oder ob du etwas dabei lernen und dich weiterentwickeln willst.

izzy17
29.08.2020, 23:40
Biometrie hab ich Anfang nächstes Semester, aber keine Ahnung ob das gut ist, das werd ich dann mal abwarten


Und ‚Wissenschaftlichkeit im Studium‘ wird bei uns an der Uni ganz ‚groß‘ geschrieben :-)) heißt man hält in irgendwelchen Seminaren Referate

Das bringt dann vielleicht denen was die mal auf Kongresse gehen wollen aber ich fand es jetzt nie wirklich hilfreich (man hat nicht mehr mitgenommenste man schon aus der Schule über Referate wusste) und wissenschaftlichkeit wurde da auch eher nicht so vermittelt :-))


Ich strebe jetzt nach dem Studium keine Forschungskarriere an aber wenn ich eine Doktorabreit mache ist es schon mein eigener Anspruch dass es kein totaler Quatsch ist der rauskommt :-))

Danke auf jeden Fall für die Tipps :-)

Mr. Pink online
30.08.2020, 07:43
Wer total stolz darauf ist, Monate oder Jahre seines Lebens im Labor für eine medizinische Doktorarbeit verbracht zu haben, der tut mir einfach nur leid. Ist natürlich schön ein tolles Paper schon während des Studiums zu publizieren, bringt aber leider überhaupt nichts. Wer Bock auf eine universitäre Karriere hat muss sich für die Habil so oder so nochmal ordentlich knechten und die zweijährige experimentelle Diss lässt sich dafür leider nicht anrechnen. Da ist es schlauer möglichst schnell mit dem Studium fertig zu werden, damit man nicht noch bis 40 an seinem Postdoc sitzt, während anderer Kollegen schon ihre Asche als OA oder in der Praxis machen.

GelbeKlamotten
30.08.2020, 13:47
Wer total stolz darauf ist, Monate oder Jahre seines Lebens im Labor für eine medizinische Doktorarbeit verbracht zu haben, der tut mir einfach nur leid. Ist natürlich schön ein tolles Paper schon während des Studiums zu publizieren, bringt aber leider überhaupt nichts. Wer Bock auf eine universitäre Karriere hat muss sich für die Habil so oder so nochmal ordentlich knechten und die zweijährige experimentelle Diss lässt sich dafür leider nicht anrechnen. Da ist es schlauer möglichst schnell mit dem Studium fertig zu werden, damit man nicht noch bis 40 an seinem Postdoc sitzt, während anderer Kollegen schon ihre Asche als OA oder in der Praxis machen.

Stolz auf eine Leistung darf man auch sein, ohne dass sie karriereförderlich ist. Da muss dir nichts für irgendjemanden leid tun.

Noch mal machen würde ich das aber auch nicht. War wohl fehlgeleiteter jugendlicher Eifer, inzwischen weiß ich meine Zeit besser einzusetzen.

ehem-user-02-08-2021-1033
31.08.2020, 19:48
Noch mal machen würde ich das aber auch nicht. War wohl fehlgeleiteter jugendlicher Eifer, inzwischen weiß ich meine Zeit besser einzusetzen.

Zeit in jungen Jahren bietet immer wunderbare Möglichkeiten. Das schätzt man zu diesem Zeitpunkt wirklich meist nicht.

Ich ärgere mich heute oft, dass ich im Studium zu sehr auf Leistung fixiert war.

Trüffel
03.09.2020, 09:34
Wer total stolz darauf ist, Monate oder Jahre seines Lebens im Labor für eine medizinische Doktorarbeit verbracht zu haben, der tut mir einfach nur leid.
Leistung ist Arbeit pro Zeit. Bei Doktorarbeiten, wo sich die Menschen intuitiv Dauer und Seitenzahl für ihren virtuellen Schwanzvergleich um die Ohren schlagen, wird das gerne vergessen. Die Dauer der Arbeit sagt nichts über ihre Qualität aus, und die Qualität der Arbeit sagt nicht unbedingt viel über die dahinter stehende Leistung aus. Wer lange forscht, kann ein geiler Forscher sein, kann lange forschen müssen, weil er ein grottiger Forscher ist, kann aus Bequemlichkeit absichtlich lange forschen, oder kann einfach eine gehobene Empfänglichkeit für professorale Verarsche besitzen.

Bei mir im Jahrgang gab es einige wenige Überflieger, die haben sehr aufwändig im Labor promoviert und sind mit mehreren Papern und Summa rausgegangen. Das hat sich aber nicht in 2 Jahren Laborarbeit wiedergespiegelt, sondern maximal in einem Jahr, während dem sie dann quasi im Labor gelebt haben. Das Gros der Laborpromovenden waren aber eher sehr mittelmäßige Studenten, die als Grund für ihre Laborarbeit vor allem angegeben haben, sich noch zu jung für die Arztrolle zu fühlen oder weil sie mal raus aus dem ewigen Prüfungstrott wollten, um durchzuatmen und sich zu orientieren.

Das ist ja auch legitim. Aber ob "ich promoviere im Labor, damit ich ein Jahr länger auf Papis Kreditkarte mein Studentenleben genießen kann" jetzt unbedingt Ausdruck von High Performance ist, wage ich zu bezweifeln.

nfu44
07.09.2020, 10:57
Hallo zusammen :-)

bei mir ist es jetzt auch soweit, dass ich mich um eine Doktorarbeit kümmern will...
bin auch noch ziemlich ohne plan und heb etwas Angst wenn ich mich ins blaue bewerbe, dass dann zwar einige zusagen, es aber trotzdem nicht wirklich läuft

wie erkenne ich ob ein Thema Chancen auf Erfolg hat? (vorausgesetzt natürlich es hängt nicht an mir)

GelbeKlamotten
08.09.2020, 12:56
Hallo zusammen :-)

bei mir ist es jetzt auch soweit, dass ich mich um eine Doktorarbeit kümmern will...
bin auch noch ziemlich ohne plan und heb etwas Angst wenn ich mich ins blaue bewerbe, dass dann zwar einige zusagen, es aber trotzdem nicht wirklich läuft

wie erkenne ich ob ein Thema Chancen auf Erfolg hat? (vorausgesetzt natürlich es hängt nicht an mir)


Wenn es nur um den erfolgreichen Abschluss geht: Klar definierte Fragestellung, Ethikantrag bereits zugestimmt oder wird durch Betreuer erledigt, keine methodischen Anpassungen notwendig, sondern reine Anwendung bestehender Methoden.
Letzteres ist allerdings oft ein Ausschlusskriterium für eine Note, die besser ist als ein „cum laude“.

Trüffel
08.09.2020, 13:27
Wenn es nur um den erfolgreichen Abschluss geht: Klar definierte Fragestellung, Ethikantrag bereits zugestimmt oder wird durch Betreuer erledigt, keine methodischen Anpassungen notwendig, sondern reine Anwendung bestehender Methoden.
Stimme zu. Etwas verallgemeinern würde ich es noch auf: Keine oder nur minimale Abhängigkeit von der Zuarbeit Dritter. Egal, ob es um die Ethik geht, das Beschaffen von Archivakten, die Terminierung von OPs, die Rekrutierung von Patienten, das Verabreichen irgendwelcher Medikamente etc.

Ich würde auch immer mit Alt-Doktoranden des Betreuers und/oder Doktorvaters sprechen, sofern möglich. Die können dir teilweise Schauergeschichten vorreiten, die du nach dem besten Erstgespräch nie geahnt hättest; oder eben bestätigen, dass die Betreuung gut ist.