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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ein kleiner Anleitungsversuch zum weniger unglücklich sein



Lina_123
06.12.2003, 11:58
Hallo an Euch alle!

Ich kann Eure Beiträger alle sehr, sehr gut verstehen! Aber dennoch denke ich mir, dass man mit der ganzen Geschichte etwas weniger emotional umgehen sollte. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sich hier so viele Frauen tummeln:). Ich bin selber Frau, habe aber meine Position zu dem ganzen gefunden und es ist echt entspannter, wenn man das Thema mal etwas entmystifizierter angeht und weniger emotional und dementsprechend auch rationalen Gedankengängen offen gegenüber steht...

1. Ich finde diese pseudo lockere Beschreibung von Studierenden Mitte 20 als Oldies oder Grufties total lächerlich. Klar, jedes Kind muss seinen Namen haben und jeder hat einen anderen Humor, aber ich glaube, dass sich manche dann tatsächlich mit diesem Begriff identifiziern und das finde ich einfach falsch.
Wenn ich mit 25/26 im ersten Semster auftauche, dann werde ich den Kontakt ganz normal zu meinen Mitstudenten suchen und nicht als Oldie da auftreten und mich auch nie so fühlen.

2. An 1. knüpft die Tatsache an, dass man sich nicht so übermässig reflektieren sollte. Vielmehr geht es darum etwas zu erlernen, was man schlicht und ergreifend für andere macht. Man selber steht bei diesem Job hinten an. Wer sich jetzt schon so wichtig nimmt, der ist vielleicht doch mehr auf einem ausgedachten Selbstverwirklichungstrip.

3. Frage mich, wo das Problem ist, wenn man erst mit 25/26 anfängt, sich super klar darüber ist, total ergebnisorientiert studiert und nebenbei ja immer schon im Krankenhaus arbeiten kann... Du erlebst ja dann schon viel von dem, was Dir Dein Job bringt... entweder ist es das, was Dir ehrlich Spass macht oder nicht... ich arbeite schon 1.5 Jahre neben meinem BWL Studium im Krankenhaus und habe dadurch halt schon viel mitbekommen.
Auch habe ich dadurch mitbekommen, dass man den Job nicht so idealisiert sehen sollte. Hoffe, dass jeder der hier schreibt wirklich schon im Krankenhaus gearbeitet hat und nicht irgendeinem Traumbild nachrennt. Wohlmöglich denkt, dass das der Schlüssel zum ganz grossen Glück ist. Es ist ein Beruf, der Dein Leben stark beeinflusst. Deshalb sollte man das Thema ein wenig mehr auf den Boden herunter holen...

4. Ein echtes Problemthema kann natürlich das Geld sein. Da sollte man auch sehr ehrlich sein und nicht irgendwelche Milchmädchenrechnungen aufstellen, die nachher zusammen fallen. Allerdings gibts ja auch immer die Möglichkeit eines Bildungskredits. Ich habe viel gespart, habe noch eine kleine Unterstützung von zu Hause im Rücken. Daher ist die Situation bei mir nicht existenziell gefährdet zu sein. Aber ich weiss, dass ich auf Luxus verzichte, auf Dinge die für andere nach einem BWL Studium dann los gehen (Geld für Reisen, chicke Wohnung, vielleicht Auto). Aber ich verzichte darauf ganz, ganz bewusst und gerne. Habe ein cooles Fahrrad:) und geniesse es einfach noch Student sein zu dürfen. Denn die ander Möglichkeit wäre, dass ich mich in einen klaren Wirtschaftsjob begebe, da Gas gebe, vielleicht auch gut wäre, aber letztlich nicht wirklich stark darin wäre. Meine Erfüllung würde ich auf jeden Fall im Privaten suchen. Was sicherlich auch seinen Reiz hat. Es ist also schon ein recht vernünftiges Abwägen, was man betreiben kann und das eben bitte ohne die rosarote Brille:).

5. Sehr gemein ist von mir sicherlich die Feststellung, dass man irgendwann vielleicht wirklich ein bisschen sehr alt für so ein Studium ist. Da gibts sicherlich dann auch wieder Ausnahmen. Aber wenn es wirklich nur reiner Selbstzweck ist und Medizin als Selbsttherapie dient, ähnlich esoterischer Aktivitäten, dann finde ichs nicht so sinnvoll - finde es aber dennoch O.K., wenn diese Person es für ihr Seelenheil tut:).

6. Ach ja, wichtig finde ich, dass man das Studium wenigstens mit der realistischen Möglichkeit anfängt, es zielstrebig durchziehen zu können. Natürlich kann einem das Leben plötzliche Hürden errichten, aber wenn man schon von Beginn an weiss, dass es kaum möglich ist die Ruhe zum Lernen zu finden etc, dann halte ich es für naiv einfach mal so anzufangen. Der Frust nachher ist sicherlich riesig...

Mh, ich habe nun genug getextet. Ich wollte einfach meine Perspektive darstellen. Jeder ist ein anderer Mensch und deshalb reagiert halt auch jeder anders auf Situationen.

Ich selber werde drei Monate vor meinem 26. :) das Medizinstudium anfangen und finde das total normal. Habe ganz bewusst mein 1. Studium zum Ende gebracht und fühle mich gut damit. Möchte mein Studium dann mit Vollgas beginnen und freue mich auf das Gefühl "Halbzeit". Wenn ich dann fertig bin, werde ich bestimmt sehr froh sein, dass ich NIE wieder studieren muss:).

Also liebe Leute... macht mal schön easy going... und seid hier und da etwas rationaler.

Alles Gute, Lina

Nico
06.12.2003, 13:04
Ich fühle mich, als wäre ich erst 20. :-))

*kicher*

Patty
06.12.2003, 15:17
Erstaunlich, was Dir so alles eingefallen ist zum Thema "etwas älter sein und dann erst dann machen, was man wirklich will".

Ich hätte da reichlich Einwände, nenne aber mal nur zwei Punkte: Zum einen, bedeutet die Bezeichnung "Oldie" meiner Meinung nach NICHT, dass man sich den jüngeren gegenüber weiser oder reifer oder überlegen fühlt.
Aber wenn Du mit Ende zwanzig im ersten Semester mit mehr 19, 20jährigen bist, als mit Leuten ab 25 aufwärts, merkst Du schon, dass Du ein paar Jährchen älter bist. Was nicht bedeutet, dass ich diese "Youngsters" deswegen meide o.ä.. Das mag es zwar unter uns "Oldies" geben (wir sind ja tatsächlich etwas älter...), aber das ist meienr Erfahrung nach nun wirklich nicht die Regel. Ganz im Gegenteil (aber Du scheinst es ja anders kennengelernt zu haben...)

Und zum Thema: Das ganze rational angehen. Ich denke, jeder Zweitstudi KANN gar nicht anders als alles durchzukalkulieren und bis ins letzte die Konsequenzen durchzuspielen. Ich kenne keinen Zweitstudi, der Hals über Kopf wieder zurück an die Uni ist. Im Gegenteil: Ein wenig Emotionalität gehört einfach dazu, wenn Du wieder für 6 Jahre an die Uni gehst, wo Du weißt, das Dich (fast nur) Lernen, Lernen, Lernen erwartet. Ohne eine Spur idealistischer Euphorie ist das doch gar nicht auszuhalten, zumal wenn Du auf einmal wieder viel weniger Geld verdienst (vorausgesetzt Du hattest vorher einen Job), aus dem ganzen üblichen Alltag rausgerissen bist, u.ä.

In diesem Sinne: Ratio und Emotion dürfen sich m.M. ruhig die Waage halten (auch bei einer BWLerin)

Cosma
12.01.2004, 22:31
hallo !

jep - kann mich patty nur anschliessen.

was das alter per se betrifft hast du natürlich recht, weil lebenserfahrung dazugekommen ist, die anlass zur nötigen ruhe geben sollte.

aber ganz so easy ist es nicht immer und deshalb gibt es wohl auch zurecht hier ein forum:

als "älterer" hab ich wie erwähnt andere "sorgen", sei es nun finanzieller, arteriosklerotischer (ich meine ausschliesslich mich), mütterlicher oder sonstiger art (da scharen sich die randgruppen *gg).

ist bei mir zumindest gepaart mit diesem studium anlass für regelmässige emotionale krisen, die sich dankbar jeden anbietenden ventiles bedienen.

:-meinung

liebe grüsse
cosma mit julian, david und göga