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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tag 2 A69/B34 - Konnatale Varizellen



Unregistriert
07.10.2020, 19:33
Die Dozenten halten die Antwort A für richtig, obwohl:

Konnatale Varizellen
Windpocken in den ersten zehn bis zwölf Lebenstagen werden durch intrauterine Übertragung des VarizellaZoster-Virus in der Perinatalperiode verursacht und als konnatale, im amerikanischen Schrifttum als neonatale Varizellen bezeichnet. Mit konnatalen Varizellen ist bei einer Primärinfektion in den letzten drei Wochen der Schwangerschaft zu rechnen. Der Schweregrad der Erkrankung beim Neugeborenen steht dabei in enger Beziehung zum Erkrankungszeitpunkt der Mutter, da transplazentar übertragene maternale Antikörper in der Lage sind, die Schwere der kindlichen Symptomatik abzumildern.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/17027/Varicella-Zoster-Virusinfektionen-waehrend-der-Schwangerschaft

Also im Falle einer Erkrankung der Schwangeren ist die intrauterine Infektion sehr wohl möglich.

Wenn es in dem 1. oder 2. Trimenon zu einer Infektion kommt (was ich auch unter Folgen einer primären Infektion des Feten auch verstehe) kommt es zu segmental verteilten narbigen Hautveränderungen. Also Antwort D richtig. Habe ich etwas übersehen?

Unregistriert
07.10.2020, 19:37
Nein, hast du nicht. Meine Meinung ^^

Unregistriert
07.10.2020, 20:04
Sie ist aber im 3. Trimenon

lbp76
07.10.2020, 20:13
Ich hab auch segmental narbigen Hautveränderungen gekreuzt

utopia95
07.10.2020, 20:15
Sie ist im 3. Trimenon und ich glaube, die Infektionsgefahr diaplazentar ist bei den meisten Herpesviren in der Zeit nicht mehr so hoch, die Gefahr besteht eher bei Infektion unter Geburt.

Unregistriert
07.10.2020, 20:18
Sie ist aber im 3. Trimenon

Die Frage lautet ja *Aussage zu denvFolgen einer Primärinfektion mit VZV*. Da steht nicht über den Bezug zu der Patientin aus dem Fall. Der einzige Bezug auf die ist in der Antwortmöglichkeit A. Und es ist tatsächlich so, dass wenn sie bis zur Geburt akut an Windpocken erkrankt, wird es wahrscheinlich intrauterin übertragen. Die Schwere der konnatalen Infektion wird dann durch den Zeitpunkt der Symptomeintritt bestimmt, das Neugebohre ist dann aber so oder so infiziert.

Unregistriert
07.10.2020, 20:20
Sie ist im 3. Trimenon und ich glaube, die Infektionsgefahr diaplazentar ist bei den meisten Herpesviren in der Zeit nicht mehr so hoch, die Gefahr besteht eher bei Infektion unter Geburt.

in dem verlinkten Artikel steht eindeutig *intrauterin*. Auch in den anderen Quellen.

Unregistriert
07.10.2020, 20:23
Also die tatsache ist, dass bei einer primären Infektion in SS (so ist die Frage nähmlich formuliert) zu einer Übertragung auf dem Feten kommen kann. Dies führt zum Konnatelen Varizellensyndrom (u. a. zu narbigen Hautveränderungen segmental)

Uschi92
07.10.2020, 21:26
Konnatales Varizellensyndrom (ca. 30% bei Infektion 5 Tage vor bis 2 Tage nach Geburt)

--> Letztlich kommt es auch im 3. Trimenon zur Infektion, nur werden zeitnah von der Mutter gebildete AK diaplazentar übertragen., sodass es ohne Folgen bleibt. So begründet sich auch das konnatale Varizellensyndrom: Die Rest-Schwangerschaft ist zu kurz, um die AK noch zu übertragen, nachdem das Virus bereits übergetreten ist.

AMBOSS-Kapitel zu Embryofetopathien durch Infektionserreger: https://www.amboss.com/de/wissen/Embryofetopathien_durch_Infektionserreger

--> 2. Sprechblase bei Perinatal: "Die Zeit bis zur Geburt reicht nicht aus, um ausreichend Antikörper gegen Varizellen auf das Kind zu übertragen."

Ich denke, so lässt sich die Frage problemlos anfechten. Natürlich braucht es noch eine zitierfähige Quelle, der Pathomechanismus ist aber mMn eindeutig und nachvollziehbar.

Hab da mal was vorbereitet, RKI ist ja doch recht zitierfähig: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html#fV

Und ein Artikel im Ärzteblatt, da diverse Quellen einfach nur schreiben, eine intrauterine Infektion sei selten, nicht aber, dass es deswegen selten ist, weil fast alle schon IgG gg Varizellen haben. In der PDF des Artikels auf Seite 2 stehen die Häufigkeiten in Bezug auf Schwangere mit VZV-Erstinfektion (unter der Überschrift "Konnatale Varizellen")

"Tritt die mütterliche Er-krankung innerhalb von vier bis fünfTagen vor beziehungsweise bis zuzwei Tagen nach der Entbindung auf,muß beimNeugeborenen in etwa 30Prozent der Fälle mit lebensbedroh-lich verlaufenden generalisiertenWindpocken gerechnet werden. Zudiesem Zeitpunkt wird das Kind mitder mütterlichen Virämie konfron-tiert, ohne daß schützende maternaleAntikörper vorhanden sind. Das Ri-siko schwer verlaufender generali-sierter Varizellen wird mit 20 Prozentangegeben."

https://www.aerzteblatt.de/archiv/17027/Varicella-Zoster-Virusinfektionen-waehrend-der-Schwangerschaft

Es kommt also definitiv mit NICHT GERINGER Wahrscheinlichkeit zur Infektion, nur bleibt diese folgenlos, da die Entwicklung schon abgeschlossen ist und bei noch länger bestehender Schwangerschaft die mütterlichen IgG die Krankheit limitieren.

Nachtfrost88
08.10.2020, 18:15
Da die Mutter in der 35. SSW ist und es keineswegs sicher ist, dass sie das Balg wirklich bis zur 40. SSW in sich trägt kann man über die Infektionswahrscheinlichkeit keine genauen Angaben machen. Fakt ist aber, dass WENN sich das Kind infiziert und in der Zeit keine Antikörper übertreten, Antwort D absolut korrekt ist. Antwort D schließt außerdem nicht aus, dass die Infektion möglicherweise nur in einem geringen %-Satz eintritt, sondern nur WENN --> DANN!

malikshabazz
09.10.2020, 00:08
Ich hab auch D gekreuzt. Hab allerdings gerade herausgefunden, dass das konnatale Varizellensyndrom auf der wiederholten Reaktivierung von VZV basiert (quasi Herpes Zoster im Mutterleib => segmentale Vernarbungen) und nur bei Infektion bis zur 24. SSW auftritt (laut RKI). Vielleicht finden sich aber noch Quellen, die belegen, dass es auch noch im 3. Trimenon auftreten kann.

Allerdings stimmt m.E. aber A nicht, da eine intrauterine Infektion im 3. Trimenon definitiv möglich ist, wobei das Risiko für einen schweren Verlauf beim Feten besonders hoch ist bei mütterlichem Exanthem 5d vor bis 2d nach Geburt, d.h. wenn er sich kurz vor (= also im 3. Trimenon, noch intrauterin) oder bei der Geburt ansteckt

malikshabazz
09.10.2020, 00:24
Wobei man natürlich auch anders argumentieren könnte: D lautete ja: "Bei Infektion des Feten können narbige Hautveränderungen mit segmentaler Verteilung auftreten" stimmt ja prinzipiell auch => wenn er sich kurz vor der Geburt infiziert und dann einen schweren Verlauf hat, kann er u.U. schon im 1. LJ Zoster mit narbiger Abheilung bekommen

malikshabazz
11.10.2020, 00:19
Falls hier noch jemand liest, es gibt einen neuen Thread zu dieser Frage

Also es gibt zahlreiche Quellen, die belegen, dass die Antwort A eindeutig falsch ist. Die Infektionsrate ist zum Ende der Schwangerschaft (Exanthem 5d vor bis 2d nach Geburt) am höchsten. Das Kind bekommt bei mütterlicher Infektion kurz vor der Geburt ggf. konnatale Varizellen, dh. eine intrauterine Infektion ist sehr wohl möglich und auch häufig beschrieben.

"In a large prospective study in Germany and the UK between 1980 and 1993, IgM was detected in 5%, 10%, and 25% of infants at birth, following maternal varicella in the first, second, and third trimester, respectively. These results suggest that the mother-to-child transmission rate increases with advancing gestation." https://obgyn.onlinelibrary.wiley.co...0.1002/pd.3843

D ist hingegen richtig, denn die Narben können auch bei Infektion im 3. Trimenon auftreten. Zwar deutlich seltener als bei einer Infektion im 1. und 2. Trimenon (~2% Risiko), aber es ist definitiv möglich und es sind Fälle beschrieben.

"There is no documented case of typical FVS following third trimester infection, but cases have been published of in utero skin ulcers and low birth weight, and there is potential for cerebral lesions to occur even after late in utero infection." https://obgyn.onlinelibrary.wiley.co...0.1002/pd.3843

Hier ist das Paper zu Antwort D segmentale Narben
Da erfolgte die Infektion zwar in der 28. SSW, aber immerhin im 3. Trimenon
https://www.sciencedirect.com/scienc...546?via%3Dihub

HamsterChurchill
12.10.2020, 14:20
Hat sie denn wer eingereicht?

Hoppla-Daisy
12.10.2020, 16:12
Ohne die Frage und die Antwortmöglichkeiten zu kennen: Mir wurde bei Z. n. Varizellen in der Kindheit und nicht mehr vorhandenem Titer eine Woche vor der Geburt meiner Tochter noch ein ordentlicher AK-Cocktail verabreicht, damit es nicht zu einer konnatalen Infektion des Kindes kam, nachdem ich engen Kontakt zu einem Varizellen-infizierten Kind in der Familie gehabt hatte. Wäre ohne sehr unschön ausgegangen....