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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : wohin geht die Reise als Neurologe?



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tarumo
05.12.2020, 16:03
Das Panel wurde von der gleichen Institution in Auftrag gegeben wie das Gutachten. Beides KBV. Warum die KBV bewusst viel zu hohe Zahlen veröffentlichten soll, verstehe ich definitiv nicht.

Die KBV hätte zumindest ein sehr starkes Motiv, die Zahlen nach "oben" zu schönen. Per Gesetz ist sie (die Länder-KVen) nämlich nicht nur für die Honorarverteilung, sondern auch für die "Sicherstellung" zuständig.
Wenn sich da jetzt Lücken auftun, müßte man ja zugeben, daß man nicht mehr derart adäquate Honorare auszahlen kann, um den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen oder an unpopuläre Orte zu ziehen. Und somit das eigene Versagen zugeben was, da die KV-Chefs persönlich für ihre Amtsführung haften, durchaus ernste Konsequenzen haben könnte. Das Ergebnis sieht man, wenn beim Thema "Ärztemangel" immer von fehlenden Kultureinrichtungen etc. geschwafelt wird. Eine nicht marktgerechte Honorierung als eine Ursache für den Mangel wird offiziell nie in Erwägung gezogen. Bitte mal darauf achten. Seltsamerweise ist, wenn es um den Ärztemangel in Berlin oder Hamburg geht, vom fehlenden Theater oder Schulen nie die Rede.

ehem-user-15-12-2020-1454
05.12.2020, 17:05
Die KBV hätte zumindest ein sehr starkes Motiv, die Zahlen nach "oben" zu schönen.

Dann ist es aber verwunderlich, dass die so ein Gutachten in Auftrag geben. Wie schon erwähnt habe ich sichere Quellen, die zeigen, dass die Praxis-Panel-Zahlen nicht ganz so falsch sind. Zusätzlich sind die ja vom Steuerberater bestätigt.
Das das nicht für jeden Arzt gilt ist klar. Aber was sollen denn die in der Studie auch erwähnten Anwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sagen, die im Schnitt schlechter dastehen? Und ja, es gibt auch Einkommensmillionäre bei Anwälten

tarumo
06.12.2020, 08:19
Dann ist es aber verwunderlich, dass die so ein Gutachten in Auftrag geben. Wie schon erwähnt habe ich sichere Quellen, die zeigen, dass die Praxis-Panel-Zahlen nicht ganz so falsch sind. Zusätzlich sind die ja vom Steuerberater bestätigt.
Das das nicht für jeden Arzt gilt ist klar.

Ich habe auch nicht behauptet, daß die Zahlen falsch sind, sondern daß die KV ein starkes Interesse daran hätte, die Zahlen zu beschönigen. Daß Gutachten gerne im Sinne des Auftraggeber ausfallen, ist ja nun eine Binsenweisheit.
Daß das nicht für *jeden* Arzt gilt, ist genau das Problem. Man weiß nämlich nicht, zu welcher Gruppe man gehören wird. Das war früher eben anders. Daher auch die Zurückhaltung bzgl. Niederlassung. In den 70er Jahren ist man als Niedergelassener im wesentlichen nur in finanzielle Schwierigkeiten geraten, wenn die Abschreibungsfirma vorzeitig pleite ging und dann die Million Einlage futsch war plus Steuernachzahlung....

Die anderen Freiberufler sind auf jeden Fall weniger abhängig von staatlichen Eingriffen- und ein Anwalt, der zu 90% Pflichtverteidiger (das Äquivalent zum Kassenarzt) ist, dem muß es schon sehr schlecht gehen.

Wenn Du die "verlässliche" Quelle für Deine Zahlen noch konkretisieren könntest, dann würde man auch noch einschätzen können, ob hier ein bias vorliegt. Die ganzen Klein- und "Hobbypraxen" werden kaum die Dienste einer großen Steuerkanzlei, eines Praxismaklers oder einer Privatbank mit 1,5 Mio. Mindesteinlage in Anspruch nehmen.

Apropos bias: die KV hat natürlich KEINE Daten über die Privat- und sonstigen Einnahmen (Gutachten usw.) einer Praxis. Genausowenig wie die GKVen als Kostenträger. Wie gehen diese Zahlen denn ein? Einfach mal "schätzen"? Oder weglassen? Und schwupps, ist die Statistik wieder falsch. Gerade die Privateinnahmen entscheiden oft über Sein oder Nicht-sein.
Und zu den immer mehr werdenden reinen Privatpraxen haben sowieso nur das Finanzamt und die Ärztekammer valide Daten- erst recht, wenn der/die Praxisinhaber/in Umfragen a la ZI-Panel in die Rundablage beförderte...

Es wird auch immer wieder vergessen: ein Anwalt kommt in finanzielle Schwierigkeiten, wenn er zuwenig Klienten hat.
Die Arztpraxen, die sich finanziell nicht tragen, haben genau das eher nicht als Problem (genausowenig wie das Drittel der KH, das insolvenzbedroht ist, keine Pat. hat). Im Gegenteil werden im aktuellen System nämlich *zuviele* Patienten das Problem, nämlich wenn sie über allerlei Tricks der Krankenkassen (Budgets, Fallzahlenstaffelung, Quartalspauschalen, Plausiprüfungen, Regresse on top usw.) nicht mehr bezahlt werden. Daher werden auch die Sprechstunden für GKV-Mitglieder tendenziell eher eingeschränkt. Ein Anwalt würde sich freuen, wenn die Bude voll ist.

Und: Es ist natürlich keine valide Statistik. Aber im aktuellen Bezirksärzteblättchen stehen diesen Monat weitere 16 Praxen zur Abgabe (vom Verkauf ist teilweise schon keine Rede mehr) an- gesucht wird dagegen nur 2x, und das vom gleichen Makler, also letztendlich 1x, und ob dann jedesmal ein Deal zustande kommt? Und so geht das schon seit Jahren. Einfach mal im Organ der Wahl die Kleinanzeigen nachzählen.

Popliteus
06.12.2020, 15:33
Laut diesem Gutachten sollte sich dann auch kein Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Rechtsanwalt etc. selbstständig machen (siehe Tabelle) mit anderen freien Berufen. Die Ausbildung ist definitiv nicht einfacher. Einen wirklichen Abstand gibt es nur zu Notaren und Patentanwälten. Wenn man sich die Grundgesamtheit im Praxis Panel ansieht, wird deutlich, dass das Soll-Honorar sehr wohl von vielen Ärzten erreicht wird. Gerade von den beschriebenen Orthopäden und Urologen. Das genannte angemessene Arzteinkommen ebenso. Ich weiss aus sehr verlässlicher Quelle, das auch ein Allgemeinmediziner ohne nennenswerten Privatanteil dass "angemessene Arzteinkommen" von 159.544 erreichen kann. Natürlich nicht jeder. Aber im Vergleich zu Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern stehen Ärzte ja gut da. Da gibt es auch Angestellte bei den Big4 die deutlich mehr als die Selbstständigen verdienen

Unabhängig der allgemeinen Diskussion um die Erträge der Niedergelassenen sieht es bei Neurologen aber nach dem ZI-Panel düster aus: Ca. 40% der Grundgesamtheit haben KV-Honorare <210k, und bei Kostenquoten von 40-50% damit diese keinen Reinertrag über OA-Niveau aus GKV-Einnahmen. Das ist noch vorsichtig ausgedrückt, da nicht alle in dieser Gruppe ca. 200k KV-Honorar erreichen und die relative Kostenquote bei niedrigem Umsatz geringer ist (Aufwendungen werden im ZI-Panel im Schnitt mit 142k ausgewiesen).

Bei Allgemeinmedizinern kenne ich anekdotische Zahlen, die teils deutlich über denen der Neurologen liegen.

Popliteus
06.12.2020, 15:34
Sollte heißen: ...und bei Kostenquoten von 40-50% haben diese damit keinen Reinertrag über OA-Niveau aus GKV-Einnahmen

ehem-user-15-12-2020-1454
06.12.2020, 16:13
Sollte heißen: ...und bei Kostenquoten von 40-50% haben diese damit keinen Reinertrag über OA-Niveau aus GKV-Einnahmen

Ich wollte damit auch nicht sagen, dass es allen Neurologen gut geht. Meine Intention war eher, dass es in der "besseren Hälfte" der verschiedenen Fachgebiete auch viele Ärzte gibt, die die im Gutachten geforderten Honorare bekommen. Die Aussage des Gutachters, dass quasi keine Praxis wirtschaftlich ist wird durch das Praxis Panel ja widerlegt. Und das es genug andere Freiberufler gibt, die deutlich weniger verdienen. Die müssten dann ja laut der Studie auch nicht wirtschaftlich sein (z.B. Steuerberater, die eine schwierige Ausbildung und einen stressigen Beruf haben). Die "untere" Hälfte der Anwälte verdient auch nicht über 200k. Ich würde aber niemals meine Fachrichtung nur nach dem Einkommen wählen. Macht unglücklich.
Es ist auch keiner gezwungen sich niederzulassen. Oberarzt ist ja auch nicht schlecht. Oder Honorararzt.

Interessanterweise ist der Chefarztposten bei vielen nicht mehr das Hauptziel. Da gibt es eine (auch nicht valide) Befragung von Medizinstudierenden vom Hartmannbund.

Popliteus
07.12.2020, 21:48
Evtl. kommt auch eine Anstellung in einer spezialisierte Ambulanz in Frage, als ambulante Tätigkeit aber eben an ein Krankenhaus angeschlossen?

Habe ich mir auch überlegt und sehe hier im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:
1) Uniklinik, meistens inkl Forschung, befristete Verträge etc. -> keine langfristige Lösung
2) Nicht-universitär, dann bleiben in der Breite MS-Ambulanzen an größeren Häusern. Sonst kenne ich keine neurologische Krankheit, die außerhalb der Unikliniken regelmäßig eine Ambulanz die ganze Woche füllt. Ist halt etwas speziell, aber machbar.