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solidus
04.12.2020, 21:32
Hallo zusammen!
War jemand von euch schon Patient im eigenen Haus? Wie waren eure Erfahrungen?
Bei mir ist demnächst ne geplante OP notwendig und ich überlege gerade, wo ich es operieren lasse. Bei uns im Haus hat die Abteilung operativ nen guten Ruf, ich habe jedoch Schiss, dass ich ne MitarbeiterVIP-Behandlung kriege und dann vor lauter Eifer Dinge doch nicht normal laufen.. Und ne Narkose vom Anästhesiechef persönlich brauch ich auch nicht, er ist berühmt-berüchtigt für seinen Naloxonverbrauch:-oopss
Auf der anderen Seite wäre es tatsächlich die nächste sinnvolle Klinik mit entsprechenden OP-Fallzahlen und Verwandten o.ä. würde ich vermutlich zu unsrer Klinik raten. Ne Alternativklinik mit geringen Fall- bzw OPzahlen gäbe es in der Stadt auch, die nächste größere ist ne gute halbe Stunde entfernt.
Wie würdet Ihr entscheiden?

kartoffelbrei
04.12.2020, 21:55
Wenn die Abteilung einen guten Ruf hat, würde ich es im eigenen Haus machen lassen. Bei uns läuft das in so einem Fall so, dass derjenige sowohl Operateur als auch Anästhesist fragt, ob sie es machen würden. Das wird dann auch organisatorisch möglich gemacht. Damit würdest du dann auch dem Anästhesiechef entgehen... ;)
Das mit dem Aktionismus habe ich leider auch schon erlebt, aber in der Regel kommt das ja erst, nachdem Komplikationen aufgetreten sind, was ja hoffentlich nicht der Fall sein wird.

epeline
04.12.2020, 22:47
Ich war nur zur Entbindung im eigenen Haus. Aus den genannten Gründen habe ich auch gehadert, war aber alels top.
Bei uns bekommen Mitarbeiter per se Privatpatientenstatus. Heißt Comfortzimmer und Wahlarzt.
Ich hatte auch die Wahlhebamme ♡♡♡
Das einzig nervige war, dass dauernd Schwestern zum gratulieren ankamen.
Ansonsten würde ich es immer wieder so machen

Zu einer etwss intimeren OP war ich allerdings im Nachbarhaus. Das gab mir einfach ein besseres Gefühl. Da ging es mir aber mehr darum, dass ich nicht möchte, dass das gesamte Kollegium bestimmte Dinge über mich weiß. Vom Ablauf und der Behandlung hätte ich keine Bedenken gehabt.

Rettungshase
05.12.2020, 00:09
Ein Kollege hat sich kürzlich gegen eine OP in unserem Haus entschieden, weil er die Vorstellung fürchterlich fand, lange nackig vorm Lagern auf dem OP-Tisch vor Kollegen zu liegen.
Das hat bei mir noch mal das Bewusstsein dafür geschärft, dass medizinisches Personal (im OP) oft kein Gefühl für die Wahrung der Intimsphäre von Patienten hat. Je nachdem, um welche OP es sich handelt, würde ich das vorher noch mal deutlich ansprechen.

Wenn es ansonsten fachlich das adäquate Haus ist, würde ich das wählen.

epeline
05.12.2020, 00:12
Ein Kollege hat sich kürzlich gegen eine OP in unserem Haus entschieden, weil er die Vorstellung fürchterlich fand, lange nackig vorm Lagern auf dem OP-Tisch zu liegen.
Das hat bei mir noch mal das Bewusstsein dafür geschärft, dass medizinisches Personal (im OP) oft kein Gefühl für die Wahrung der Intimsphäre von Patienten hat. Je nachdem, um welche OP es sich handelt, würde ich das vorher noch mal deutlich ansprechen.

Wenn es ansonsten fachlich das adäquate Haus ist, würde ich das wählen.

Definitiv
Ich bin damals nackt aus der Narkose aufgewacht, im Aufwachraum. Das OP Hemd lag neben mir zusammen geknüllt, einfach irgendwie Decke drüber.
Ich fand das ganz furchtbar

Rettungshase
05.12.2020, 00:26
@ epeline: Ich kann deine Aversion gut nachempfinden.
Wieder angekleidet zu werden nach der OP, gehört mindestens mal zum guten Ton (und man fühlt sich geborgener und wird bestenfalls vom vorgewärmten OP-Hemdchen aufgewärmt).

Ich war in Asien mal bei einer Massage. Da gab es für die Kunden Einmal-Schlüpper in Schwarz. Fand ich damals super; auch im OP-Alltag wären die schön - je nach Eingriff natürlich.

Lizard
05.12.2020, 04:46
Ich habe mich am eigenen Haus operieren lassen. Natürlich fand ich Vorstellung da den Kollegen "ausgeliefert" zu sein nicht so toll, aber die Tatsache, dass ich mir Anästhesist + Pflegekraft und Operateur aussuchen konnte, hat überwogen ^^

solidus
05.12.2020, 05:30
Danke euch!
Ja, die Vorstellung, da nackt vor den Kollegen rumzuliegen ist nicht so prickelnd und ist sicher Teil der (vielleicht auch nicht ganz rationalen) Bedenken.
Ich erkundige mich nächste Woche mal, wie das mit "Wunschoperateur bzw -anästhesist" bei uns so läuft.. prinzipiell ist das natürlich schon cool, wenn man da Einfluss drauf hat.

roxolana
05.12.2020, 08:59
Während meines Chirurgie-PJ hat sich der Chirurgie-Chef beim Orthopädie-Chef unters Messer gelegt. Mit dabei war natürlich seine Lieblings-OP-Schwester. Berichten zufolge lief er noch kurz vor der Narkose im OP-Hemdchen zwischen den Sälen rum, um bei seinen Mitarbeitern nach dem Rechten zu schauen. :-))

Choranaptyxis
05.12.2020, 09:19
Wieder angekleidet zu werden nach der OP, gehört mindestens mal zum guten Ton (und man fühlt sich geborgener und wird bestenfalls vom vorgewärmten OP-Hemdchen aufgewärmt).

Wird aber oft vergessen. Kenne das ganze von zwei Knie-OPs. Da kam das Hemdchen beim Einschleusen schon weg (super fürs Gefühl). Und beim Stechen der Spinale hat die Anästhesie-Pflege wirklich kurz gebraucht, warum ich nicht einfach locker die Arme fallen lasse, die hielten nämlich die Decke fest, damit ich nicht nackt da saß. Und bis ich im Aufwachraum das Hemd wiederbekam, hat es auch gedauert ("Hitzestau" etc.), echt unangenehm, speziell wenn man wach ist durchgängig.
Da ist das Schamgefühl bei einem selbst noch vorhanden, aber der gegenüber hat das gar nicht mehr im Blick.

Absolute Arrhythmie
05.12.2020, 09:24
Ich bin im PJ zweimal in meinem PJ-Haus notfallmäßig operiert worden. Beim ersten Mal hätte ich eigentlich sogar selbst Hakenhalte-Dienst gehabt. Danach lag ich auf meiner eigenen Station. War überhaupt kein Problem, alle waren total nett und professionell.

CYP21B
05.12.2020, 09:43
Für mich würden/haben auch die Vorteile überwogen dass man sich den Operateur dadurch aussuchen kann bzw. dass man genau weiß was derjenige kann/macht. Wenn ich davon überzeugt bin, jederzeit. Es gäbe aber auch Bereiche bzw Operateure wo ich definitiv nicht hingehen würde.

Sonst kann man uU auch das sonstige Personal was im OP dabei ist etwas steuern. Wie auch beim Operateur gibt's Anästhesisten die ich definitiv nicht haben wollte. Sowas weiß man aber in einer "fremden" Klinik kaum.

Und last but not least muss man sich trotz allem bewusst sein dass es in solchen Fällen Kollegen gibt die dann in die Akte gucken auch wenn es sie nichts angeht. Wenn es also sensible Bereiche/potentiell problematische Diagnosen betrifft wäre das für mich auch ein Grund woanders hin zu gehen.

ninakatharina
05.12.2020, 12:04
Bei einer ernstzunehmenden Erkrankungen würde ich immer zu meinem Arbeitgeber gehen (Uniklinik..Ist aber auch ein Riesenhaus und man kennt sich nur bedingt untereinander).. Eine kleine ambulante OP hatte ich auch schon hier, hatte binnen Stunden die Termine für die Aufklärung in der Anä, bei der Fachärztin und dann sehr fix den Termin plus Einzelzimmer für den Tag. Das war schon gut.
Für Entbindung oder Appendektomie o.ä. würde ich an ein kleineres Haus gehen, sofern kein besonderes Risiko besteht.

h3nni
05.12.2020, 18:25
Als ich in der Anästhesie-Famulatur war, hat sich auch ein hoher Internist die Galle rausmachen lassen. Hat sich dann auch den entsprechenden Operateur rausgesucht, der nicht der Chef war usw... War aber auch die Galle und nichts intimes. Ob ich mich "untenrum" im eigenen Haus operieren lassen würde, weiß ich nicht.
Pro ist natürlich, dass man wirklich sagen kann "der soll mich operieren/narkotisieren" und das passiert dann auch so und der macht nicht nur schnell die Einleitung und verschwindet.

Kackbratze
05.12.2020, 20:03
Letztendlich muss man es (wie immer) selber wissen.
Vorteile sind Service, Wahlarzt und Kenntnis über genaue Fähigkeiten des Teams.
Nachteil ist die fehlende Intimität.

Was das Aktenstudium fremder Leute anbetrifft, das ist verboten und strafbar, dementsprechend kann man das auch verfolgen lassen.

jw
05.12.2020, 20:06
Ich war auch in meinem Haus für einen gynäkologischen Eingriff. Da hat meine Klinik einfach die beste Expertise hier im gesamten Raum. Es waren alle sehr professionell, aber auch einfühlsam bei einer leider unschönen Diagnose. Bin im Op mit Hemd und Decke eingeschlafen und warm und zugedeckt wieder aufgewacht. Die Narkose wurde zufälligerweise von meiner Lieblingsanästhesistin gemacht. Und die Beratung von den Gynäkologen war auch sehr gut.
Habe das auch so dem Beschwedemanagment zurückgemeldet, dass ich zufrieden war.
Ich würde jederzeit wieder hingehen.

epeline
05.12.2020, 20:48
Letztendlich muss man es (wie immer) selber wissen.
Vorteile sind Service, Wahlarzt und Kenntnis über genaue Fähigkeiten des Teams.
Nachteil ist die fehlende Intimität.

Was das Aktenstudium fremder Leute anbetrifft, das ist verboten und strafbar, dementsprechend kann man das auch verfolgen lassen.

Das mag ja sein. In dem Fall wäre es dann aber schon zu spät.
Ich war da im eigenen Kollegium schon Opfer und hätte weitere Schnüffeleien nicht verkraftet. Egal, ob man hinterher wen belangen kann.
Gelüftete Geheimnisse werden eben nie wieder geheim

freak1
05.12.2020, 21:06
Was das Aktenstudium fremder Leute anbetrifft, das ist verboten und strafbar, dementsprechend kann man das auch verfolgen lassen.

Ab einer entsprechenden Ebene wird da schon direkt geplant der Riegel vorgeschoben. Bei unseren Klinikdirektoren z.B. wird jeder Aktenzugriff automatisch an den Datenschutz gemeldet der da durchaus mal nachfragt warum man die Akte geöffnet hatte.

Alternativ bekommen entsprechende Personen bei uns ihre Untersuchung je nach Grund auch unter Pseudonym. Knie-MRT nach Trauma richtiger Name, Schädel- und Prostata-MRT bei V.a. NPL unter Pseudonym und als letzten Punkt des Tages im Spätdienst wenn kaum noch jemand da ist...

anignu
05.12.2020, 23:23
Ab einer entsprechenden Ebene wird da schon direkt geplant der Riegel vorgeschoben. Bei unseren Klinikdirektoren z.B. wird jeder Aktenzugriff automatisch an den Datenschutz gemeldet der da durchaus mal nachfragt warum man die Akte geöffnet hatte.
Sowas kann man bei uns in der Klinik auch einstellen. Ist im Programm ein Merkmal. Wenn man dann auf die entsprechende Person klickt bekommt man die Info dass wenn man weitermacht der Zugriff protokolliert wird und ob man sicher weiter machen wolle. Sowas finde ich ehrlich gesagt gut. Es gibt ja genug Gründe warum man auf manche Patienten klickt (Konsil, Planung eines anderen Aufenthalts, was weiß ich), aber wenn es Kollegen sind und man nur neugierig ist, dann gehört das auch protokolliert.

Alternativ bekommen entsprechende Personen bei uns ihre Untersuchung je nach Grund auch unter Pseudonym. Knie-MRT nach Trauma richtiger Name, Schädel- und Prostata-MRT bei V.a. NPL unter Pseudonym und als letzten Punkt des Tages im Spätdienst wenn kaum noch jemand da ist...
Das mit dem Pseudonym hab ich mal in einer ehemaligen Klinik kennengelernt. Da wurde eine Patientin behandelt die wie eine berühmte Schauspielerin ausgesehen hat aber nicht so hieß. Mich hat das gewundert bis mir jemand erklärt hat dass die unter ihrem Mädchennamen läuft...

freak1
06.12.2020, 00:26
So oder so wird jeder Zugriff den du machst protokolliert. Afaik ist das mittlerweile gesetzlich vorgeschrieben. Nur wird halt nicht jeder Zugriff auf Plausibilität überprüft; das wäre bei der Masse an Datenzugriffen in einem Krankenhaus auch gar nicht möglich.