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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Spätes Medizinstudium - eure Erfahrungen



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Arrhythmie
22.12.2020, 18:19
Was Tendafil schreibt kann ich nochmal unterschreiben.

Ich war zu Beginn des Studiums auch sicher: Ich werd Chirurgin, plastische oder sowas... Ich stand nächtelang freiwillig im OP, war immer in der Klinik usw. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Hab während des Studiums mein Kind bekommen und bin nun fertig, alles noch durchgezogen inkl. Diss.
Aber jetzt hab ich grad kein Bock mehr, will meine Ruhe, will ein entspanntes Fach was mit Familie zu vereinbaren ist usw... Mein Mann (selber Arzt) sagt ich hätte mich zu 180 Grad gewandelt in dem letzten Jahr.
Tja, ist so.
Aber ist in Ordnung.

medicinentia
22.12.2020, 20:05
Zu spät für Medizin ?
Ist es eigentlich nie.

Es wird immer ein deutschsprechender Idiot gesucht der die „Drecksarbeit“ macht egal welche Note du hast und egal ob du 24 oder 60 bist.

Du wirst immer einen Job bekommen in der Medizin , das hat aber seinen Grund.

Ich würde es aus perspektivischen Gründen lassen, wenn du liest wie die Arbeitsbedingungen mittlerweile geworden sind (einfach mal hier im Forum lesen)

Bzgl der Spezialisierung die von dir gewünscht ist habe ich eher den Eindruck Psychologie Studium wäre das richtige . Würde ich auch deutlich vor Medizin bevorzugen

mbs
22.12.2020, 23:57
Ich finde das etwas arg überspitzt, auch wenn es nicht ganz aus der Luft geholt ist trifft das die Situation nur unzureichend. Nicht jede Stelle ist schlecht, und selbst die schlechten Stellen sind - je nach Chef - auch nicht automatisch einfach und in großer Anzahl zu haben. Und nicht jeder muss in der Klinik knechten, es gibt zahlreiche andere Möglichkeiten. Theoretisch kann man mit einem Medizinstudium auch direkt in die Industrie oder zu einer Unternehmensberatung gehen - wobei vor allem in letzterer die Bedingungen nicht besser sein dürften...

davo
23.12.2020, 00:21
medicinentia hat halt eine sehr stark verzerrte Wahrnehmung des Arbeitsmarktes. (Inklusive einer grenzenlos naiven Sichtweise des Arbeitsmarktes außerhalb der Medizin.) Das geht ja aus all seinen Beiträgen eindeutig hervor.

Ich glaub nicht, dass man gegen so eine Sichtweise sinnvoll argumentieren kann/soll. Wer die Welt so wahrnehmen will, wird sie auch so wahrnehmen. Da helfen keine Argumente :-))

Feuerblick
23.12.2020, 06:53
Vor allem finde ich den Teil mit „wie die Arbeitsbedingungen mittlerweile geworden sind“ tooootal niedlich... :-))

medicinentia
23.12.2020, 07:13
Klar gibt es irgendwo in Deutschland oder der Welt auch eine Stelle die ok ist aber bis man die gefunden hat - viel Spaß beim Job Hopping und Umziehen ;)

Den Grundtenor sieht man hier doch im Forum und da bin ich ja wirklich nicht der einzige , das hatten wir seitenweise schon diskutiert mit einer Vielzahl an Usern.

Und das Spiel Unternehmensberatung und Industrie OHNE Facharzt hatten wir hier schon zu genüge

vicfr12
23.12.2020, 08:17
Nochmals vielen Dank für eure Beiträge und eure Einschätzungen! Weil ich selber in meinem Bekanntenkreis kaum MedizinerInnen kenne, helfen mir diese wirklich weiter. Und ich bin mir sicher, dass sich bezüglich der Fachrichtung bzw. der Lebensplanung noch einiges ändern kann; aber dachte zumindest an die Fachrichtung. Und auch die Arbeitsbedingungen sind bzw. der Job an sich ist sicher sehr herausfordernd. Ich glaube, zumindest im Ansatz bin ich mir darüber aber im Klaren. Deshalb versuche ich diese Entscheidung auch nicht so leichtfertig zu treffen. Auf jeden Fall vielen Dank für eure Beiträge und eure Hilfe und viele Grüße!:-top

Abiturient2010
23.12.2020, 10:56
Nochmals vielen Dank für eure Beiträge und eure Einschätzungen! Weil ich selber in meinem Bekanntenkreis kaum MedizinerInnen kenne, helfen mir diese wirklich weiter. Und ich bin mir sicher, dass sich bezüglich der Fachrichtung bzw. der Lebensplanung noch einiges ändern kann; aber dachte zumindest an die Fachrichtung. Und auch die Arbeitsbedingungen sind bzw. der Job an sich ist sicher sehr herausfordernd. Ich glaube, zumindest im Ansatz bin ich mir darüber aber im Klaren. Deshalb versuche ich diese Entscheidung auch nicht so leichtfertig zu treffen. Auf jeden Fall vielen Dank für eure Beiträge und eure Hilfe und viele Grüße!:-top

Genau so habe ich in meiner jugendlichen Naivität auch gedacht.

Bitte frage dich aber, ob du damit klar kommst, wenn du im Bekanntenkreis den niedrigsten Stundenlohn hast, jedoch gleichzeitig am meisten arbeitest (und auch die größte Verantwortung hast). Mich persönlich stört das mittlerweile schon sehr.

Und bevor hier wie sonst immer nach solchen Aussagen die niedergelassenen Kollegen im Forum aufjaulen, ein Disclaimer:
Ich beziehe mich hier auf meine bisherigen Erfahrungen als fortgeschrittener Assistenzarzt (am Rande bemerkt sind die mir bekannten angestellten Fachärzte einer ähnlichen oder gar gleichen Meinung).

Thomas24
23.12.2020, 11:11
Und bevor hier wie sonst immer nach solchen Aussagen die niedergelassenen Kollegen im Forum aufjaulen, ein Disclaimer:
Ich beziehe mich hier auf meine bisherigen Erfahrungen als fortgeschrittener Assistenzarzt (am Rande bemerkt sind die mir bekannten angestellten Fachärzte einer ähnlichen oder gar gleichen Meinung).

Und auch hier tut etwas Differenzierung gut. Es kommt drauf an, welches Fachgebiet, welche Skills, und wo und wie man sich als FA anstellen lässt. In einer tariflich gebundenen Klinik? In einem Konzern? Inhabergeführtes MVZ?

Wenn ich auf die Idee käme, einem interessierten frisch - FA ein MB Tarifgehalt plus Jobticket und betrieblicher Altersvorsorge anzubieten (also wie viele Kliniken es immer noch tun), würden die Kollegen vermutlich einen Lachanfall bekommen.

Abiturient2010
23.12.2020, 11:20
Und auch hier tut etwas Differenzierung gut. Es kommt drauf an, welches Fachgebiet, welche Skills, und wo und wie man sich als FA anstellen lässt. In einer tariflich gebundenen Klinik? In einem Konzern? Inhabergeführtes MVZ?

Wenn ich auf die Idee käme, einem interessierten frisch - FA ein MB Tarifgehalt plus Jobticket und betrieblicher Altersvorsorge anzubieten (also wie viele Kliniken es immer noch tun), würden die Kollegen vermutlich einen Lachanfall bekommen.

Genau um das von dir zuletzt genannte Problem geht es mir. Es geht um FA-Kollegen in der Klinik (in unterschiedlichen Fachbereichen). Der Sprung in eine Praxis (als angestellter FA oder gar als In- oder Teilhaber) oder ein MVZ ist nicht so ohne Weiteres selbstverständlich.

Und ich betone immer wieder gerne, dass meine Meinung eine Momentaufnahme ist. Aber die letzten 4 Jahre als Assistenzarzt waren schon ziemlich ernüchternd, sowohl monetär als auch von den Arbeitsbedingungen, trotz mehrfacher Stellenwechsel.

medicinentia
23.12.2020, 13:04
Zumal der Gehaltssprung vom 6. Jahr Assistent zum 1. Jahr FA ca 150 Euro Brutto sind und die ersten drei Jahre dann gleich - absolut aberwitzig und beschämend (!) für die Mehrverantwortung !

Wirklich , der Marburger Bund sollte sich schämen Ja zu diesem Tarifvertrag zu sagen .

————

Zum Threadersteller

Ich finde es gut dass du reiflich überlegst, das wirklich heutzutage sehr sehr wichtig. Man muss einfach wissen was einen erwartet , das Medizinstudium wird oft als Privileg dargestellt davon muss man sich lösen.

Thomas24
23.12.2020, 15:55
Zumal der Gehaltssprung vom 6. Jahr Assistent zum 1. Jahr FA ca 150 Euro Brutto sind und die ersten drei Jahre dann gleich - absolut aberwitzig und beschämend (!) für die Mehrverantwortung !

Wirklich , der Marburger Bund sollte sich schämen Ja zu diesem Tarifvertrag zu sagen .

————

Zum Threadersteller

Ich finde es gut dass du reiflich überlegst, das wirklich heutzutage sehr sehr wichtig. Man muss einfach wissen was einen erwartet , das Medizinstudium wird oft als Privileg dargestellt davon muss man sich lösen.

Und auch hier stellt sich die Frage, warum man dann nicht mit den Füßen abstimmt, wenn man als FA durchaus in einigen Fächern pro Monat auch 10K (und mehr) verdienen kann- und zwar als Angestellter, mit 0 unternehmerischem Risiko.

medicinentia
23.12.2020, 17:53
Und auch hier stellt sich die Frage, warum man dann nicht mit den Füßen abstimmt, wenn man als FA durchaus in einigen Fächern pro Monat auch 10K (und mehr) verdienen kann- und zwar als Angestellter, mit 0 unternehmerischem Risiko.

Tun doch bereits sehr viele aber eine Klinik ohne Fachärzte auf Dauer kann keine Lösung sein. Da leidet die ganze Abteilung wir brauchen auch motivierte FÄ an Kliniken da sie einen wichtigen Teil zur Versorgung und Weiterbildung beitragen

tarumo
23.12.2020, 18:00
Genau um das von dir zuletzt genannte Problem geht es mir. Es geht um FA-Kollegen in der Klinik (in unterschiedlichen Fachbereichen). Der Sprung in eine Praxis (als angestellter FA oder gar als In- oder Teilhaber) oder ein MVZ ist nicht so ohne Weiteres selbstverständlich.


Schon traurig...die letzten 100 Jahre war der übliche Weg, die Klinik nach der Ausbildung zu verlassen und in die (meistens eigene) Praxis zu wechseln. Jahrelange Gehirnwäsche, sozalistische Tendenzen und die gezielte Verschlechterung der Situation der Praxen im Sinne der Lauterbach´schen Eradikationstherapie scheinen Früchte zu tragen. Dabei gibt es nun sogar noch MVZ als weitere Alternative, wo man eben nicht zum MB-Billigtarif als FA roboten muß, sofern man nicht völlig inkompetent ist.

Thomas24
23.12.2020, 18:03
Jahrelange Indoktrination bekommt man halt schlecht weg aus vielen Köpfen

davo
23.12.2020, 18:07
Tun doch bereits sehr viele aber eine Klinik ohne Fachärzte auf Dauer kann keine Lösung sein. Da leidet die ganze Abteilung wir brauchen auch motivierte FÄ an Kliniken da sie einen wichtigen Teil zur Versorgung und Weiterbildung beitragen

Hat ja auch niemand gefordert. Die Gehälter werden automatisch steigen, sobald das Arbeitsangebot sinkt. Mit oder ohne Tarifvertrag. Wer dauerhaft niemanden findet, wird einfach mehr zahlen müssen. Völlig egal was im Tarifvertrag drin steht.

Aber dieses Phänomen liegt "leider" nicht nur an der jahrelangen Polit-Indoktrination. Sondern auch daran, dass sich nur wenige junge Ärzte selbständig machen wollen. Merke ich bei meinen Kommilitonen ganz massiv. Die meisten sind - leider! - bereit, für die Bequemlichkeit einer Anstellung große Gehaltseinbußen hinzunehmen. (Dasselbe Phänomen machen sich ja auch MVZ-Betreiber und Großpraxen zunutze.) Liegt vielleicht auch einfach daran, dass Unternehmertum in Deutschland wenig verankert ist, dass BWL im Studium nie vorkommt, dass sich das Studium fast ausschließlich um das Maximalversorger-Setting dreht und man, abgesehen von der Hausarztfamulatur, ja gar nie lernt, wie die Arbeit in einer Praxis eigentlich aussieht.

tarumo
23.12.2020, 18:26
Hat ja auch niemand gefordert. Die Gehälter werden automatisch steigen, sobald das Arbeitsangebot sinkt. Mit oder ohne Tarifvertrag. Wer dauerhaft niemanden findet, wird einfach mehr zahlen müssen. Völlig egal was im Tarifvertrag drin steht..

Es stimmt eben so nicht, wie man seit Jahren sehen kann (und auch in der Impfzentrum-Diskussion nachvollziehen). Die Kliniken zahlen (zumindest für die niedrigen Chargen) lieber weiter kartellartig MB-Tarif und versuchen die resultierenden Lücken mit teils mangelhaft sprachlich und fachlich geeigneten Kandidaten zu stopfen. Teils ist der MB behilflich (z.B. mit dem ausdrücklichen Wunsch nach Zuzügen aus nicht EU-Ländern) , teils die Politik, mit großzügigem Aussetzen der verbindlichen Facharztquote in den KH (Thüringen) oder dem Aussetzen der Fachsprachenprüfung als Mindestvoraussetzung. Übrigens alles schon vor Corona....

Daß im MB jetzt eine "Gesundheitsökonomin" den Ton angibt (das sind die Jungs und Mädels, die immer alles noch billiger haben müssen) läßt nichts Gutes für die Zukunft erwarten.

davo
23.12.2020, 18:29
Ja, aber das liegt eben am noch ausreichenden Arbeitsangebot. Es gibt genug Bereitschaft, es billiger zu machen. Sowohl in den Impfzentren als auch in den Krankenhäusern. Wäre das nicht so, würden die Gehälter ganz von selbst steigen. Völlig egal was der MB macht oder nicht macht. Tarif ist ja nur die Untergrenze, mehr nicht.

Dass die Förderung des starken Zuzugs aus EU- und Nicht-EU-Ländern die Gehälter niedrig hält, ist auch logisch.

Nulllinie
23.12.2020, 21:08
Nochmals vielen Dank für eure Beiträge und eure Einschätzungen! Weil ich selber in meinem Bekanntenkreis kaum MedizinerInnen kenne, helfen mir diese wirklich weiter. Und ich bin mir sicher, dass sich bezüglich der Fachrichtung bzw. der Lebensplanung noch einiges ändern kann; aber dachte zumindest an die Fachrichtung. Und auch die Arbeitsbedingungen sind bzw. der Job an sich ist sicher sehr herausfordernd. Ich glaube, zumindest im Ansatz bin ich mir darüber aber im Klaren. Deshalb versuche ich diese Entscheidung auch nicht so leichtfertig zu treffen. Auf jeden Fall vielen Dank für eure Beiträge und eure Hilfe und viele Grüße!:-top

Ich hab mit 26 angefangen und mit 33 abgeschlossen. Bereue es nicht. Arbeite in einer internistischen Abteilung an der Uniklinik inkl. Forschung.
Einziger Nachteil auf meiner Seite war der finanzielle Aspekt. Aber die Studienschulden stören mich persönlich nicht allzu sehr.
Jedoch hatte ich den Vorteil schon jahrelang als Krankenpflegerin in der Klinik gearbeitet zu haben und wusste auf was ich mich einlasse. Sprich die Arbeitszeiten und die Bezahlung waren für mich keine Überraschung.

Würd mir an deiner Stelle einfach gut überlegen was du im und vor allem vom Leben willst ;)

tarumo
23.12.2020, 22:38
Sondern auch daran, dass sich nur wenige junge Ärzte selbständig machen wollen. Merke ich bei meinen Kommilitonen ganz massiv. Die meisten sind - leider! - bereit, für die Bequemlichkeit einer Anstellung große Gehaltseinbußen hinzunehmen. (Dasselbe Phänomen machen sich ja auch MVZ-Betreiber und Großpraxen zunutze.)

Ich halte dagegen- wenn die Benchmark ein FA-Gehalt nach MB-Tarif ohne Dienste ist, dann ist in der weit überwiegenden Anzahl eine Anstellung im MVZ oder Großpraxis eine deutliche Verbesserung. Umgekehrt führt die Bequemlichkeit zu Gehaltseinbußen bei Klinikverbleib, zumal ohne Klinikwechsel eine schnelle Beförderung zum OA oder ein AT-Gehalt eher weniger realistisch ist.
Letztendlich ist das ganze logisch: die DRG-Vergütung bleibt die annähernd die gleiche, egal welche Ärzte die Behandlung durchgeführt haben. Hat ein MVZ aber keinen Facharzt X mit Qualifikation Y auf der Position Z sitzen, dann löst man erst gar keinen Geldfluß im KV-System aus. Insofern ist da der Druck etwas höher, marktgerechte Gehälter zu zahlen. Daß ein nicht ganz unwesentlicher Teil der MVZ ebenfalls defizitär läuft, braucht an der Stelle nicht weiter vertieft zu werden.