Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Notarzt als Radiologe/Strahlentherapeut/Nuklearmediziner?
GelbeKlamotten
31.01.2021, 09:14
Genauso wie Pathologen und Mikrobiologen...
Eben nicht. Das sind beides keine Fächer der unmittelbaren Patientenversorgung.
Genau, irgendwo ausgelagert wo man sich Anamnese, klinische Untersuchung, Visite, Briefe und Probleme spart. Man macht was, oder auch nicht, wenns klappt klopft man sich auf die Schultern, wenn nicht dann ist es das Problem der bettenführenden Abteilung und ansonsten hat man nichts mit den Patienten zu tun. Schön für euch. Aber zu glauben dass man dadurch quasi "eigene Patienten" hat ist schon sehr vermessen und an der Realität vorbei.
Erstaunlich, wie du denkst von deiner persönlichen Erfahrung auf alle anderen schließen zu können. Und du erzählst was von vermessen?
Es gibt genug Kliniken, in denen die radiologischen Interventionspatienten auch stationär überwiegend radiologisch betreut werden. Das gilt insbesondere für onkologische Patienten, weniger für Gefäßpatienten. Da wird dann auch alles, was auf Station mit dem Patient passiert und über ein bisschen Novalgin hinausgeht, vom Stationsarzt mit dem Radiologen abgesprochen. Man könnte also sagen: Die bettenführende Abteilung ist in dem Fall Dienstleister für uns.
Auf der anderen Seite müsst ihr es euch schon einreden, sonst würdet ihr ja erkennen dass ihr keine Patienten habt sondern nur Dienstleister für Kollegen seid die tatsächlich Patienten haben.
Wieso sollten wir uns das einreden wollen? :-nix
Mir ist es ziemlich egal, ob ich eigene Patienten habe oder nicht bzw. eigentlich bin ich froh, wenn ich keine habe. Die ätzende Stationsarbeit ist nun wirklich nichts, was ich für mein Ego brauchen würde oder so :-keks
Auch macht ein dienstleistungscharakter einer Arbeit diese keineswegs weniger wertvoll, auch wenn du immer weider gerne versuchst es so darzustellen ("nur Dienstleister"). Z.B. in den internistischen Fachrichtungen müssen die Ärzte regelmäßig darum kämpfen, auch mal in die Funktionsdiagnostik zu dürfen und nicht nur auf Station zu versauern. Bei uns gibt es überwiegend das. Dass ihre Gefäßchirurgen aber sowieso viel toller seid als alle anderen Fachrichtungen, hast du denke ich hier im Forum schon hinreichend ort erwähnt...
Wenn man einen so feindseligen Blick auf alle anderen Fächer hat, stell ich mir die Arbeit echt extrem anstrengend vor...
nomenklatur
31.01.2021, 09:34
Regelmäßig immer dieselbe Diskussion, was die beste Fachrichtung für Notfallmedizin sei ... Die Anästhesisten sagen Anästhesie, die Internisten sagen Innere und die Chirurgen sagen Chirurgie. Dabei hat jede der Fachrichtungen Vor- und Nachteile. Die Anästhesisten können zwar gut intubieren, aber nicht mit Therapien umgehen. Die Internisten können gut mit Therapien umgehen und viele internistische Notfallprobleme lösen, aber laufen weg, sobald ein Trauma ansteht, was in D ja immerhin um die 30% der Einsätze sind. Und die Chirurgen können mit Trauma umgehen, verstehen aber wenig von Innere. So ungefähr kann man ja die Diskussion zusammenfassen.
Vielleicht wäre es besser mit anderen Ländern gleichzuziehen (z.B. UK) und einen Facharzt für Notfallmedizin zu etablieren, IMHO sogar einen zusammengeführten Facharzt für Notfallmedizin und Traumatologie/ Unfallchirurgie.
Im Übrigen: Ist z.B. der Anästhesist der bessere Notarzt, nur weil er Anästhesist ist und sich vielleicht noch nicht mal so wahnsinnig für sein Fach interessiert? Wohl kaum! Die beste Definition von Notarzt, die ich gehört habe, war: "Notarzt ist der, der Notarzt im Herzen ist." Und wenn ein Radiologe für die Notfallmedizin brennt, warum nicht? Jeder Notarzt, egal welcher Fachrichtung, sollte sich nur sicher sein, dass er internistische und chirurgische Polytraumata behandeln kann.
WackenDoc
31.01.2021, 09:34
Zur Ausgangsfrage: Als was man irgendwann arbeitet, ist nicht ganz so bedeutend für die Notarztfahrerei.
Man sollte aber vorher genug klinische Erfahrung gesammelt haben-Anästhesie/Intensiv braucht man ja eh.Notaufnahme ist extrem sinnvoll.
Die Hauptkrankheitsbilder sind nun mal internistisch- da ist die entsprechende Erfahrung schon sinnvoll.
Auch wenn hier im Forum die Meinungen auseinandergehen- gerade für die Anfänger in Exotenfächern bieten die "Buchstabenkurse" zusätzliche Sicherheit und Skills.
Es sagt auch keiner, dass man nur genau die Mindestanahl an Einsätzen fahren darf- man kann auch mehr machen. Man merkt dann schon nach und nach, ob man in den verschiedenen Situationen klar kommt.
Man kann übirgens Hauptberuflich Nortarzt sein- aber nur im Angestelltenverhältnis und davon gibt es nicht viele Stellen. Und in manchen Städten darf man nur fahren, wenn man zur Anästhesie eines der Häuser der Stadt gehört (als Honorarkraft darf man dort auch nur mit mindestens 2 Jahren Anästhesie fahren)
Ich würde echt gerne wissen, in welcher Klinik in Deutschland Radiologen auf Station arbeiten (Aufnahme, Untersuchung, Dienste machen, Briefe schreiben ...).
Im Endeffekt ist die Fachrichtung zweitrangig. Die vorgegebenen Vorraussetzungen für die ZB sind schon sinvvol. Wenn Intensiv, ZNA und stationäre Patienenversorgung abgeleistet sind, kann man auch auf jeden Fall Notarzt fahren. Durch die regelmäßige NEF-Tätigkeit und regelmäßige Fortbildungen bekommt man dann genug Routine.
Es gibt genug Kliniken, in denen die radiologischen Interventionspatienten auch stationär überwiegend radiologisch betreut werden. Das gilt insbesondere für onkologische Patienten, weniger für Gefäßpatienten. Da wird dann auch alles, was auf Station mit dem Patient passiert und über ein bisschen Novalgin hinausgeht, vom Stationsarzt mit dem Radiologen abgesprochen. Man könnte also sagen: Die bettenführende Abteilung ist in dem Fall Dienstleister für uns.
Ja die kriegen TACE, SIRT, Clipmarkierung o.ä. und dann gehen sie wieder. 1-2 Tage/zur Überwachung. Die Radiologen werden keine Chemo oder Immuntherapie regelmäßig bei einem Patienten durchführen. Auch liegt ein Patient zu 100% nicht 3-4 Wochen auf einer Radiologiestation. Wenn dann zu viele internistische Erkrankungen /z.B. dekompensierte Herzinsuffizienz, Pneumonie, das hepato-renale Syndrom) auftauchen, wird der Patient auch von den Internisten übernommen. Ebenso palliativmedizinsche Betreuung oder Sterbebegleitung. Das behandelt kein Radiologe.
Mir ist es ziemlich egal, ob ich eigene Patienten habe oder nicht bzw. eigentlich bin ich froh, wenn ich keine habe. Die ätzende Stationsarbeit ist nun wirklich nichts, was ich für mein Ego brauchen würde oder so :-keks
Yup. Diese ätzende Station....
Auch macht ein dienstleistungscharakter einer Arbeit diese keineswegs weniger wertvoll, auch wenn du immer weider gerne versuchst es so darzustellen ("nur Dienstleister"). Z.B. in den internistischen Fachrichtungen müssen die Ärzte regelmäßig darum kämpfen, auch mal in die Funktionsdiagnostik zu dürfen und nicht nur auf Station zu versauern. Bei uns gibt es überwiegend das. Dass ihre Gefäßchirurgen aber sowieso viel toller seid als alle anderen Fachrichtungen, hast du denke ich hier im Forum schon hinreichend ort erwähnt...
Radiologie ist extrem wichtig. Radiologie ist Diagnostik zum großen Teil und da brauch man keine bettenführende Station. Es gibt da auch durchaus Qualitätsunterschiede. Jeder ist dankbar, wenn ein Radiologe die Diagnostik qualitativ gut macht.
Warum nimmst du das so persönlich?
Wenn man einen so feindseligen Blick auf alle anderen Fächer hat, stell ich mir die Arbeit echt extrem anstrengend vor...
Ja, das stimmt.
GelbeKlamotten
31.01.2021, 10:36
Ich würde echt gerne wissen, in welcher Klinik in Deutschland Radiologen auf Station arbeiten (Aufnahme, Untersuchung, Dienste machen, Briefe schreiben ...).
Hat keiner behauptet, dass da dann ein Radiologe dauerhaft auf Station sitzt.
Aber es ist durchaus so, dass rein interventionell-radiologische Patienten radiologisch visitiert werden und auch der Radiologe dazugerufen wird, wenn es Probleme gibt.
Ist ja auch sinnvoll so. Der Stationsarzt kann ja auch meistens nicht wissen, was für Komplikationen bei der jeweiligen Intervention auftreten, wie viel Schmerz danach noch normal ist, usw.
Auch im Dienst wird durchaus der diensthabende Radiologe angerufen bei Problemen oder Unklarheiten.
Die Aufnahme und das Briefschreiben erfolgt bei uns nicht durch die Radiologie. Ich wüsste aber auch nicht, warum gerade das von besonderer Relevanz für eine Notarzttätigkeit sein sollte. Eine kurze Anamnese machen wir trotzdem mit jedem Patienten vor der Intervention selbst.
Und was von der Aufnahmeuntersuchung oftmals zu halten ist, wissen wir denke ich alle. Spätestens wenn ich im Untersuchungsbefund bei „Pupillen isokor und seitengleich lichtreagibel“ angekommen bin beim Patienten, der bekanntermaßen auf einer Seite ein Glasauge hat, höre ich dann auf zu lesen. Da fehlt halt vermutlich auch die Zeit oder die PJlerin macht die Aufnahmeuntersuchung (war in meinem PJ nicht anders).
Natürlich ist Stationsarbeit letztlich in aller Regel (zum Glück) kein Hauptaufgabenfeld eines Radiologen. Bei der Frage, ob es für den Notarzt angerechnet werden kann ist die eigentliche Frage, ob hier mit „stationär“ tatsächlich die Arbeit direkt auf Station gemeint ist oder ob ein Arbeiten im stationären Umfeld gemeint ist, um von rein ambulanten Tätigkeiten in Praxen oder MVZs abzugrenzen.
GelbeKlamotten
31.01.2021, 10:43
Ja die kriegen TACE, SIRT, Clipmarkierung o.ä. und dann gehen sie wieder. 1-2 Tage/zur Überwachung. Die Radiologen werden keine Chemo oder Immuntherapie regelmäßig bei einem Patienten durchführen. Auch liegt ein Patient zu 100% nicht 3-4 Wochen auf einer Radiologiestation. Wenn dann zu viele internistische Erkrankungen /z.B. dekompensierte Herzinsuffizienz, Pneumonie, das hepato-renale Syndrom) auftauchen, wird der Patient auch von den Internisten übernommen. Ebenso palliativmedizinsche Betreuung oder Sterbebegleitung. Das behandelt kein Radiologe.
Ja, das ist alles richtig (abgesehen davon, dass eine TACE auch Chemo ist).
Yup. Diese ätzende Station....
War für mich durchaus einer der Gründe, Radiologin zu werden.
Warum nimmst du das so persönlich?
Tue ich nicht. Finde es nur manchmal ärgerlich, wenn gewisse Gefäßchirurgen immer wieder mit dem gleichen Blödsinn um sich werfen.
Die ätzende Stationsarbeit ist nun wirklich nichts, was ich für mein Ego brauchen würde oder so :-keks
"Ätzend...!" Ja, das kann man auch etwas anders sagen. Es ist schwierig, weil man mit so vielen Berufsgruppen und Personen (Oberarzt, Casemanagement, Sozialarbeiter, Angehörige, Patient, Pflege) arbeitet und ihre Interessen alle unter einen Hut bringen sollte. Trotzdem lernt man unglaublich viel bei dieser "ätzenden" Arbeit für sich und fürs Leben.
Die Stationsarbeit vermittelt das medizinisch-somatische, psychologische und soziale Verständnis für die Probleme von Patienten.
GelbeKlamotten
31.01.2021, 10:57
Die Stationsarbeit vermittelt das medizinisch-somatische, psychologische und soziale Verständnis für die Probleme von Patienten. Ätzend?
Insbesondere die psychologischen und sozialen Probleme interessieren mich wenig. Von daher ja, ich fände es ätzend mich ständig damit beschäftigen zu müssen.
Insbesondere die psychologischen und sozialen Probleme interessieren mich wenig. Von daher ja, ich fände es ätzend mich ständig damit beschäftigen zu müssen.
Ich habe auch mal so gedacht.
So sind Patienten.
GelbeKlamotten
31.01.2021, 11:09
So sind Patienten.
Und deshalb bin ich Radiologin. Ist doch schön, dass wir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft leben.
Natürlich wäre es sinnvoll, wenn nur erfahrene Notfallmediziner Notärzte wären. Wenn ich die Wahl habe, möchte ich natürlich, wie wahrscheinlich fast jeder von euch, im Fall des Falles vom erfahrenen Notfallmediziner reanimiert werden, und nicht vom Gefäßchirurgen, Radiologen oder Rechtsmediziner.
Aber es gäbe dann halt viele Versorgungslücken, vor allem in weniger dicht bewohnten Gegenden. Die Weiterbildungsordnung muss also einen Kompromiss finden zwischen der Sicherstellung der fachlichen Qualität und der Sicherstellung der deutschlandweiten Versorgung. Ist in der Medizin ja oft der Fall.
Regelmäßig immer dieselbe Diskussion, was die beste Fachrichtung für Notfallmedizin sei ... Die Anästhesisten sagen Anästhesie, die Internisten sagen Innere und die Chirurgen sagen Chirurgie. Dabei hat jede der Fachrichtungen Vor- und Nachteile. Die Anästhesisten können zwar gut intubieren, aber nicht mit Therapien umgehen. Die Internisten können gut mit Therapien umgehen und viele internistische Notfallprobleme lösen, aber laufen weg, sobald ein Trauma ansteht, was in D ja immerhin um die 30% der Einsätze sind. Und die Chirurgen können mit Trauma umgehen, verstehen aber wenig von Innere. So ungefähr kann man ja die Diskussion zusammenfassen.
Da hast du ganz toll sämtliche Klischees zusammengefasst , sonst gar nichts.:-))
Viele Klischees haben einen wahren Kern...
Dass jede Fachrichtung ihre eigenen Inhalte "am besten kann" ist ja erstmal logisch.
Aber es immer wieder auf "Internisten können nicht mit Trauma umgehen und nicht intubieren, Chirurgen können mit Trauma umgehen aber sonst nichts und Anästhesisten können gut intubieren aber sonst nichts" runterzubrechen ist nunmal auch stark vereinfacht und entspricht nicht der Realität.
roxolana
31.01.2021, 12:29
Ich würde echt gerne wissen, in welcher Klinik in Deutschland Radiologen auf Station arbeiten (Aufnahme, Untersuchung, Dienste machen, Briefe schreiben ...).
In der Charité z.B. Als ich dort famuliert habe, wurden wir Studenten gefragt, wer auf der Station mit Blutabnahmen etc. aushelfen möchte. :-))
Und deshalb bin ich Radiologin. Ist doch schön, dass wir in einer arbeitsteiligen Gesellschaft leben.
Yo kann ich verstehen, das ist Radiologie. Zum Lernen der Basics auch in Hinblick auf die Arbeit in der Ambulanz ist es gut.
Dass jede Fachrichtung ihre eigenen Inhalte "am besten kann" ist ja erstmal logisch.
Aber es immer wieder auf "Internisten können nicht mit Trauma umgehen und nicht intubieren, Chirurgen können mit Trauma umgehen aber sonst nichts und Anästhesisten können gut intubieren aber sonst nichts" runterzubrechen ist nunmal auch stark vereinfacht und entspricht nicht der Realität.
Ja klar etwas klischeehaft, aber im großen und ganzen ist schon was dran ohne jmd auf den Fuß treten zu wollen.
WackenDoc
31.01.2021, 13:25
Die besten Notärzte sind dann logischerweise die Allgemeinmediziner. Die haben die breiteste Ausbildung und sind gewohnt Patienten schnell und zielgerichtet mit wenig Hilfsmitteln zu diagnostizieren und zu behandeln. Sie kennen auch das unausgelesene Patientengut und kennen sowohl kritische als auch nicht-kritische Patienten.
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