CiaoKakao
06.02.2021, 17:57
Liebe Kollegen,
Dieses Thema wurde sicherlich schon 100x mal aufgegriffen, aber ich benötige nun dringend einen Rat bezüglich meiner weiteren Laufbahn. Seit Monaten zermürbe ich mir den Kopf über meine berufliche Zukunft und muss mich nun zügig umorientieren, um die Lust an der Medizin nicht gänzlich zu verlieren.
Ich habe vor knapp einem Jahr angefangen in der Inneren Medizin zu arbeiten an einem Maximalversorger und finde es inzwischen schrecklich. Im Studium hatte ich 2 gröbere Interessen. Zu Beginn die UnfallCH bzw Orthopädie. Ich wollte Action/NEF/Akutversorgung. Im Nachhinein eine naive Betrachtungsweise. Gegen Ende des Studiums kam mein Interesse für Neurologie dazu (Epilepsien, Schlaff., Hirntumore, ZNS Entwicklung, Neurodeg), ich wurde Neurotutor. Mein Wahltertial absolvierte ich in der Anästhesie, um meinen Horizont zu erweitern. Mir fehlte hier aber die Patientenbegleitung und das Gefühl, meine Patienten zu behandeln. Nach dem Studium und 3 Hospitation in der Neuro war ich desillusioniert. Ich wollte mehr als Schwindel, Demenz und Stroke (bitte nicht falsch verstehen), mir fehlte vor allem das Behandlungspotential. Ich begann also in der Inneren um mir etwas Zeit zum Nachdenken zu verschaffen. Inzwischen halte ich diesen ganzen z.T. unbezahlten Überstunden, stressigen Dienste, der hohen Verantwortung, den undankbaren/uneinsichtigen Patienten, der fehlenden Lehre, dem massiven Leistungs- und Erbringungsdruck nicht mehr Stand. Ich habe das Gefühl, die Leute manchmal schlechter entlassen zu müssen als sie gekommen sind, nur um die Verweildauern einzuhalten – unglaublich frustran. Ich habe mein Privatleben an diese Klinik verloren und zunehmend verliere ich meine Freude an der Medizin. An sich liebe ich es, mich in Themen reinzufuchsen, weshalb ich mir auch ziemlich viele Fachrichtungen prinzipiell vorstellen kann (und bestimmt schon jedes Fach im Kopf durchgegangen bin). Eine Nische wäre toll, bei der eine Spezialisierung im Vordergrund steht und trotzdem der Patient ganzheitlich „drumherum“ behandelt werden kann. In der Inneren packt mich keine Spezialisierung (vor allem unter Betrachtung der Arbeitskonditionen später). Meine neuste zarte Idee ist daher die Neuropädiatrie, mit der Hoffnung, meine Neuroaffinität hier ausleben zu können und trotzdem eine breite medizinische Ausbildung genießen zu können. Dann noch ab und an ein Kinderlächeln, stelle ich mir in der Theorie fantastisch vor (mal neben der möglichen Niederlassung als Exit-Strategie). Leider hatte ich bis auf eine Famulatur in der Kinderradio kaum Berührungspunkte mit Kindern. Ich habe auch keinen „typischen?“ Kinderfaible, ich mag sie genauso wie ich eine rüstige (kooperative) Rentnerin als Patientin mögen würde (auch wenn Kids schon niedlicher sind). Ich würde einfach drauf pokern, dass ich als (vor der Inneren) fröhliche, ruhige und bedachte Person gut bei den Kids ankomme. Ich habe allerdings auch großen Respekt vor den Pädiatern (und Bammel vor der Neonatologie), weshalb ich meine Bewerbung mit leicht zittriger Hand schreibe.
Ich würde mich freuen, wenn ein paar Pädiater mir ein Feedback zu meinem Vorhaben geben könnten (zu illusionierte Vorstellungen von der Neuropäd. oder doch eine echte Chance?)
Gibt es hier noch andere die den Quereinstieg Pädiatrie gewagt haben? Wenn ja was waren eure Erfahrungen (Stellensuche, Umstrukturierung im Alltag)?
Vielen Dank!:-bee
Dieses Thema wurde sicherlich schon 100x mal aufgegriffen, aber ich benötige nun dringend einen Rat bezüglich meiner weiteren Laufbahn. Seit Monaten zermürbe ich mir den Kopf über meine berufliche Zukunft und muss mich nun zügig umorientieren, um die Lust an der Medizin nicht gänzlich zu verlieren.
Ich habe vor knapp einem Jahr angefangen in der Inneren Medizin zu arbeiten an einem Maximalversorger und finde es inzwischen schrecklich. Im Studium hatte ich 2 gröbere Interessen. Zu Beginn die UnfallCH bzw Orthopädie. Ich wollte Action/NEF/Akutversorgung. Im Nachhinein eine naive Betrachtungsweise. Gegen Ende des Studiums kam mein Interesse für Neurologie dazu (Epilepsien, Schlaff., Hirntumore, ZNS Entwicklung, Neurodeg), ich wurde Neurotutor. Mein Wahltertial absolvierte ich in der Anästhesie, um meinen Horizont zu erweitern. Mir fehlte hier aber die Patientenbegleitung und das Gefühl, meine Patienten zu behandeln. Nach dem Studium und 3 Hospitation in der Neuro war ich desillusioniert. Ich wollte mehr als Schwindel, Demenz und Stroke (bitte nicht falsch verstehen), mir fehlte vor allem das Behandlungspotential. Ich begann also in der Inneren um mir etwas Zeit zum Nachdenken zu verschaffen. Inzwischen halte ich diesen ganzen z.T. unbezahlten Überstunden, stressigen Dienste, der hohen Verantwortung, den undankbaren/uneinsichtigen Patienten, der fehlenden Lehre, dem massiven Leistungs- und Erbringungsdruck nicht mehr Stand. Ich habe das Gefühl, die Leute manchmal schlechter entlassen zu müssen als sie gekommen sind, nur um die Verweildauern einzuhalten – unglaublich frustran. Ich habe mein Privatleben an diese Klinik verloren und zunehmend verliere ich meine Freude an der Medizin. An sich liebe ich es, mich in Themen reinzufuchsen, weshalb ich mir auch ziemlich viele Fachrichtungen prinzipiell vorstellen kann (und bestimmt schon jedes Fach im Kopf durchgegangen bin). Eine Nische wäre toll, bei der eine Spezialisierung im Vordergrund steht und trotzdem der Patient ganzheitlich „drumherum“ behandelt werden kann. In der Inneren packt mich keine Spezialisierung (vor allem unter Betrachtung der Arbeitskonditionen später). Meine neuste zarte Idee ist daher die Neuropädiatrie, mit der Hoffnung, meine Neuroaffinität hier ausleben zu können und trotzdem eine breite medizinische Ausbildung genießen zu können. Dann noch ab und an ein Kinderlächeln, stelle ich mir in der Theorie fantastisch vor (mal neben der möglichen Niederlassung als Exit-Strategie). Leider hatte ich bis auf eine Famulatur in der Kinderradio kaum Berührungspunkte mit Kindern. Ich habe auch keinen „typischen?“ Kinderfaible, ich mag sie genauso wie ich eine rüstige (kooperative) Rentnerin als Patientin mögen würde (auch wenn Kids schon niedlicher sind). Ich würde einfach drauf pokern, dass ich als (vor der Inneren) fröhliche, ruhige und bedachte Person gut bei den Kids ankomme. Ich habe allerdings auch großen Respekt vor den Pädiatern (und Bammel vor der Neonatologie), weshalb ich meine Bewerbung mit leicht zittriger Hand schreibe.
Ich würde mich freuen, wenn ein paar Pädiater mir ein Feedback zu meinem Vorhaben geben könnten (zu illusionierte Vorstellungen von der Neuropäd. oder doch eine echte Chance?)
Gibt es hier noch andere die den Quereinstieg Pädiatrie gewagt haben? Wenn ja was waren eure Erfahrungen (Stellensuche, Umstrukturierung im Alltag)?
Vielen Dank!:-bee