Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Familie und Karriere
tragezwerg
11.03.2021, 10:50
Mein Arbeitgeber ist auch "familienfreundliches Krankenhaus". Das merkt man im Alltag aber seltsamerweise nicht...
Klar, weiß ich doch. Die Aussage "3 Jahre Klinik sind sinnvoll" bezog sich ja auch nicht konkret auf dich. Du warst ja beim Schräge und Robert. Bei mir war's damals eigentlich genau wie bei Funkel. Bin die allermeiste Zeit am Patienten gewesen, bis auf die Zeit in der Hornhautbank (da sind die Patienten ja eher weniger gesprächig...), jedenfalls an so Sachen wie "Akten zusammensuchen" anstelle von Patientenversorgung kann ich mich auch nicht erinnern. Naja, ist wohl jedes Haus etwas anders gestrickt. LG
War halt der Klassiker: Alte nicht da? Assi muss suchen! Auf erstes "Nein" zu einem Außenliegerbett: Muss der Assi mit dem ZPM telefonieren, Akten kommen also Lose Blätter: Muss der Assi zusammenheften etc.
Espressa
11.03.2021, 13:27
Also ich hab an der Klinik durchaus sinnvolle Sachen gemacht und schon viel gelernt.
Wünschte ich wäre auch noch an ein richtig großes Haus/ Uniklinik gegangen, das hätte mir auch gut getan.
Überlege jetzt eh schon wie und wo ich mich wieder etwas fachlich auffrischen kann, meine Familienpausen bleiben nicht ohne Folgen und mit nur „normalen“ Fortbildungen hole ich nicht ganz auf, was ich vergesse. (Schamanische Vorschläge für gute Kurse, Bücher, Hospitationen oä gern per pn).
Führt zwar etwas vom Thema weg aber passt gleichzeitig auch...
War halt der Klassiker: Alte nicht da? Assi muss suchen! Auf erstes "Nein" zu einem Außenliegerbett: Muss der Assi mit dem ZPM telefonieren, Akten kommen also Lose Blätter: Muss der Assi zusammenheften etc.
hört sich berauschend an...
War zum Kotzen. Ansonsten habe ich dort eine sehr gute Ausbimdung bekommen, kann man gar nicht anders sagen. Aber das Obige hat halt diverse Stunden am Tag gefressen, die anders deutlich sinnvoller gewesen wären.
Wenn die eigene Klinik als nicht so familienfreundlich ist müsste man sie wechseln, selbst wenn man ansonsten eigentlich sehr gern dableiben würde? Ein wichtiger Faktor ist allerdings sicher auch die Stadt in der man lebt. Nicht überall gibt es Kinder-Tagesstätten mit 24h Betreuung bereits ab Säuglings/Kleinkindalter.
tragezwerg
12.03.2021, 04:53
Wenn die eigene Klinik als nicht so familienfreundlich ist müsste man sie wechseln, selbst wenn man ansonsten eigentlich sehr gern dableiben würde? Ein wichtiger Faktor ist allerdings sicher auch die Stadt in der man lebt. Nicht überall gibt es Kinder-Tagesstätten mit 24h Betreuung bereits ab Säuglings/Kleinkindalter.
Kitas mit 24h-Betreuung gibt es fast nirgendwo, erst recht nicht für Säuglinge. Eine Betreuung über Nacht ist fast immer Privatsache (Partner, Oma, Freunde, Babysitter...). Ohne Familie in der Nähe ist das schwierig.
Die einzige Kita, die hier in der Region bis 19 Uhr auf hat kostet 1200€ pro Kind pro Monat...kann man sich jetzt mal ausrechnen ob man das wieder reinarbeiten kann. Über Nacht gibt es hier gar keine Angebote.
Und ja, natürlich muss man eventuell den Job wechseln wegen der Kinder. Ich würde sagen von den Kollegen, die in meiner Abteilung gehen, gehen 75% aus familiären Gründen.
PrinzessinAmygdala
12.03.2021, 05:35
Wo ihr hier gerade so schön über Familie und Karriere sprecht: ich hätte da auch mal eine Frage. Ich werde diesen Sommer schon 33, bin aber weder verheiratet/vergeben, noch habe ich Kinder. Ich bin Ende des Jahres mit meinem Studium fertig. Glaubt ihr, es könnte für den ein oder anderen Chef ein Problem sein, wenn er sowas im Lebenslauf liest? Im Grunde werden ja dringend Ärzte gesucht, andererseits könnte ich ja bzgl. Familienplanung eine tickende Zeitbombe sein (eher als Mitte 20). Hat da jemand Erfahrungen oder mal was von Kollegen/Freunden gehört?
Wo ihr hier gerade so schön über Familie und Karriere sprecht: ich hätte da auch mal eine Frage. Ich werde diesen Sommer schon 33, bin aber weder verheiratet/vergeben, noch habe ich Kinder. Ich bin Ende des Jahres mit meinem Studium fertig. Glaubt ihr, es könnte für den ein oder anderen Chef ein Problem sein, wenn er sowas im Lebenslauf liest? Im Grunde werden ja dringend Ärzte gesucht, andererseits könnte ich ja bzgl. Familienplanung eine tickende Zeitbombe sein (eher als Mitte 20). Hat da jemand Erfahrungen oder mal was von Kollegen/Freunden gehört?
Der ein oder andere Chef hat damit sicher ein Problem, aber bei dem würde ich dann auch nicht arbeiten wollen. Das Frauen Kinder kriegen können ist halt nun mal so. Bei uns ist der Virus gerade ausgebrochen, 5 Schwangere in 3 Monaten, das bringt den Dienst- und Rotationsplan natürlich ordentlich ins Schwimmen. Aber so ist halt das Leben. Und gerade bei uns Pädiatern produzieren unsere Kolleginnen ja gerade die Kunden von morgen ;)
tragezwerg
12.03.2021, 06:08
Wo ihr hier gerade so schön über Familie und Karriere sprecht: ich hätte da auch mal eine Frage. Ich werde diesen Sommer schon 33, bin aber weder verheiratet/vergeben, noch habe ich Kinder. Ich bin Ende des Jahres mit meinem Studium fertig. Glaubt ihr, es könnte für den ein oder anderen Chef ein Problem sein, wenn er sowas im Lebenslauf liest? Im Grunde werden ja dringend Ärzte gesucht, andererseits könnte ich ja bzgl. Familienplanung eine tickende Zeitbombe sein (eher als Mitte 20). Hat da jemand Erfahrungen oder mal was von Kollegen/Freunden gehört?
Dieses Problem wird man als Frau immer haben. Erst ist man unattraktiv für Chefs weil man ja Kinder kriegen KÖNNTE, dann ist man unattraktiv weil man Kinder hat und damit weniger flexibel/karriereorientiert etc. pp. ist. Der Arbeitsmarkt ist da leider immer noch im Jahr 1950 stecken geblieben.
Aber im ubiquitären Personalmangel (in den großen Fächern zumindest) kann es sich kaum ein Chef leisten, nur Männer einstellen zu wollen.
Wird schon werden!
Wo ihr hier gerade so schön über Familie und Karriere sprecht: ich hätte da auch mal eine Frage. Ich werde diesen Sommer schon 33, bin aber weder verheiratet/vergeben, noch habe ich Kinder. Ich bin Ende des Jahres mit meinem Studium fertig. Glaubt ihr, es könnte für den ein oder anderen Chef ein Problem sein, wenn er sowas im Lebenslauf liest? Im Grunde werden ja dringend Ärzte gesucht, andererseits könnte ich ja bzgl. Familienplanung eine tickende Zeitbombe sein (eher als Mitte 20). Hat da jemand Erfahrungen oder mal was von Kollegen/Freunden gehört?
Du wirst eine Stelle finden. Wie überall - auch in der freien Wirtschaft - wird es Chefs geben, die dich diskriminieren werden.
Mein Ex-Chef an der Uni hat "unter Männern" oft über Frauen und Schwangere hergezogen. Mir hat er auch nach der Visite auf die Schulter geklopft und mir gratuliert ein Mann zu sein....
3 Monate später habe ich mich in die 14monatige Elternzeit verabschiedet. Nach 10 Monaten habe ich um ein Gespräch gebeten. Und als ich um einen Auflösungsvertrag gebeten habe, habe ich ihn das erste Mal lächeln sehen. Er war froh, dass er mich nicht in Teilzeit weiterbeschäftigen musste - ich bin Vollzeit an eine andere Klinik.
Dieses Problem wird man als Frau immer haben. Erst ist man unattraktiv für Chefs weil man ja Kinder kriegen KÖNNTE, dann ist man unattraktiv weil man Kinder hat und damit weniger flexibel/karriereorientiert etc. pp. ist. Der Arbeitsmarkt ist da leider immer noch im Jahr 1950 stecken geblieben.
Aber im ubiquitären Personalmangel (in den großen Fächern zumindest) kann es sich kaum ein Chef leisten, nur Männer einstellen zu wollen.
Wird schon werden!
Naja es gibt die einen und die anderen, manchmal werden auch Frauen bevorzugt je nach Leitung.
Wie du sagst: es KÖNNTE sein.
Feuerblick
12.03.2021, 12:46
Nun, man ist nicht verpflichtet, den Familienstand im Lebenslauf anzugeben. Und man ist auch nicht verpflichtet, auf entsprechende Fragen im Bewerbungsgespräch wahrheitsgemäß zu antworten. Denn es geht den potenziellen Chef schlicht nix an. Gleichbehandlung und so.
Die meisten Chefs wird es nicht interessieren. Es sei denn, die halbe Abteilung besteht aus Damen und davon fallen gerade 70% wegen Schwangerschaft aus.
Es ist dennoch nicht von der Hand zu weisen, dass im reproduktiven Alter Männer bevorzugt eingestellt werden.
Alle meine bisherigen Vorgesetzten träumen von männlichen Bewerbern ;-)
Dass Frauen dennoch so gute Jobchancen haben, liegt an ihrer Überzahl und dem insgesamt herrschenden Ärztemangel.
Aber die Illusion, dass man als junge Frau für den AG gleich attraktiv ist wie ein gleich geeigneter Mann sollte man sich nicht machen.
Feuerblick
12.03.2021, 13:55
Es sei denn, du überreichst beim Bewerbungsgespräch deinen Uterus in Öl... äh... Formalin :-))
tragezwerg
12.03.2021, 14:16
Es ist dennoch nicht von der Hand zu weisen, dass im reproduktiven Alter Männer bevorzugt eingestellt werden.
Alle meine bisherigen Vorgesetzten träumen von männlichen Bewerbern ;-)
Dass Frauen dennoch so gute Jobchancen haben, liegt an ihrer Überzahl und dem insgesamt herrschenden Ärztemangel.
Aber die Illusion, dass man als junge Frau für den AG gleich attraktiv ist wie ein gleich geeigneter Mann sollte man sich nicht machen.
Exakt...allein schon der prozentuale Anteil an Frauen in der Führungsebene ist Hinweis genug.
Mein Chef würde keine einzige Frau einstellen wenn ihm die Wahl bliebe. In Jobs, in denen Schwangere im Prinzip nix alleine machen können (spätestens seit Corona ist z.B
Anästhesie quasi unmöglich schwangerenfreundlich zu gestalten, sodass alle direkt ins BV geschickt werden) sind Frauen halt doch ein Unsicherheitsfaktor.
Und ja, auch ich war mal der Meinung dass das doch heutzutage nicht mehr so schlimm ist. 10 Jahre Berufserfahrung und zwei Kinder später weiß ich es leider besser. Als Frau kannst du noch so kompetent und engagiert sein, dein männlicher Vollhonk-Kollege wird trotzdem zuerst Oberarzt werden. Weil er ein Mann ist.
Alle Oberärztinnen in meiner Abteilung sind entweder kinderlos, haben den Kinderwunsch bis nach der Ernennung zur OÄ verschoben (und damit ihr erstes Kind mit 45 bekommen) oder wurden erst mit 50+ OÄ.
Die Männer sind durchschnittlich 10 Jahre jünger wenn sie Oberarzt werden, und ob die Kinder haben ist halt einfach unerheblich für den Chef, da die sich eh nicht um den Nachwuchs kümmern.
Eine Freundin von mir, die keine Kinder möchte (nie gewollt) hat im Bewerbungsschreiben die Offensive gewählt und angegeben, dass kein Kinderwunsch besteht und die Familieplanung abgeschlossen ist. Die Stelle ging an einen Mann. Wahrscheinlich hat der Chef Zweifel gehabt, dass sich nicht doch noch eine "tickende Uhr" meldet :-nix
Espressa
12.03.2021, 14:28
Das ist aber anderswo auch so; der Mann meiner Freundin nahm elternzeit, hier als halb arbeiten (+halbes EG) über 12 Monate möglich, dann auch noch zweimal hintereinander. Bei der Beförderung wurde ein junger Typ ohne annähernd die Erfahrung vorgezogen - der Bekannte hatte daraufhin gekündigt. Der junge beförderte war ganz verzweifelt, er müsse ihn doch noch anlernen und so... ähm, sicher doch...
Etwas fairer ist es hier schon, weil jedem Elternteil 6 Monate Vollzeit-elternzeit zusteht und diverse TZ-Modelle, ohne mögliche Übertragung auf den anderen. Also können Männer genauso „ausfallen“ wie die Frauen, werden aber auch genauso dafür „bestraft“ mancherorts.
Das ist aber anderswo auch so; der Mann meiner Freundin nahm elternzeit, hier als halb arbeiten (+halbes EG) über 12 Monate möglich, dann auch noch zweimal hintereinander. Bei der Beförderung wurde ein junger Typ ohne annähernd die Erfahrung vorgezogen - der Bekannte hatte daraufhin gekündigt. Der junge beförderte war ganz verzweifelt, er müsse ihn doch noch anlernen und so... ähm, sicher doch...
Etwas fairer ist es hier schon, weil jedem Elternteil 6 Monate Vollzeit-elternzeit zusteht und diverse TZ-Modelle, ohne mögliche Übertragung auf den anderen. Also können Männer genauso „ausfallen“ wie die Frauen, werden aber auch genauso dafür „bestraft“ mancherorts.
Hierzulande kannst du dir 14 Monate Elternzeit (also bezahlte Elterngeldmonate) auch frei unter den Partnern aufteilen. Dennoch machen meist die Frauen die Elternzeit und die 2 Pflichtmonate, die der Mann nehmen muss (sonst gibts ja nur 12 Monate Geld) werden parallel genommen und für Reisen und Spaß genutzt.
Ich kenne exakt einen Mann, der Elternzeit hatte, während seine Frau gearbeitet hat. Dieser berichtet von einer belastenden Einsamkeit in dieser Zeit, weil auch in seinem Umfeld nur Frauen in seiner Situation und in den Babykursen waren.
Ich selbst bin ja tatsächlich auch als junge Frau, die absehbar ausfiel (ok, etwas eher als alle erwartet haben) OÄ geworden. Aber eben hier in der Pampa in einem "Frauenfach".
Hätte es männliche Mitbewerber gegeben, wäre ich raus gewesen. Die GF hatte mich auch direkt gefragt, wie ich mein Kind denn versorgen will und wie das alles laufen soll und ob mein Mann denn so entgegenkommend wäre.... ähm hallo? Glaube nicht, dass ein Mann sowas gefragt worden wäre.
Und wie die Assistentinnen das so wuppen mit ständigen 24h Diensten juckt ja auch keinen.
Tjaja, also von Gleichberechtigung sind wir weiterhin weit entfernt.
Wobei ich letztenendes die AG Seite auch verstehen kann.
Durch die anderen OÄ wurde mir ja bereits mitgeteilt, dass doch so ein zweites Kind auch gut den Absprung aus der Klinik bedeuten kann und ich mir eine Rückkehr doch gut überlegen soll. "gerade so als Frau"....
Mein Mann hingegen wurde bei Verkündung der zweiten Schwangerschaft zwecks Urlaubsplanung direkt darauf hingewiesen, dass ja derzeit Krisenzeit in der Branche herrscht und man jetzt echt auf keinen verzichten könne, so in Richtung Elternzeit....
Colourful
12.03.2021, 15:42
Wir sind halt auch in Deutschland noch konservativer als in anderen Ländern, hier ist es noch immer klar, dass die Frau (egal wie gut ausgebildet) sich hauptsächlich um die Kinder kümmert und der Mann sich hauptsächlich im die Arbeit. Ich finde das auch zum K*****, aber es ist so.
Von daher werden auch die Vollhonks vor dir Oberarzt, weil sie Männer sind und meistens nicht Teilzeit arbeiten. Mich ärgert das richtig und ich kriege jetzt schon manchmal die Krise, wenn so ein Typ dann Oberarzt ist und mir dann etwas zu sagen hat und er keineswegs "kompetenter und besser" ist, sondern einfach nur ein Mann. Gibt auch viele gute Männer, aber ich kenne mehr gute Frauen als gute Männer in meinem Bereich.
Und auch Frauen, die VOllzeit arbeiten und deren Männer Teilzeit arbeiten oder Hausmann sind, werden nicht unbedingt so schnell OÄ.
Von daher stimmt das Argument auch nicht, dass wir nur weiter Vollzeit arbeiten müssten.
@Epeline
Ja, kann ich mir so gut vorstellen. Meinem Mann haben sie schon dazu gratuliert, dass er sich ja trotz seines Jobs (der aber auch wirklich ziemlich krass ist, zumindest momentan wegen Corona) auch für seine Familie interessiert und sogar in der Lage ist mal einen Tag sein Kind zu betreuen, während ich arbeite. Ja, mir hat noch niemand dazu gratuliert, dass ich hier 14 Monate Elternzeit mache. Und das als Ärztin.
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