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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Facharztwahl Chaos



lillilee
01.03.2021, 19:13
Liebe Forengemeinde,
Irgendwie bin ich in einer verzwickten Lage und hoffe auf Denkanstöße, Erfahrungen, Tipps,....
Ich bin eigentlich seit Beginn des Studiums unsicher gewesen bzgl der Fachwahl und leider hat sich das jetzt auch nach dem Studium und mit etwas Berufserfahrung nicht geklärt. Ich würde sagen ich hab vielseitige und auch unterschiedliche Interessen, aber leider nicht das eine Fach, was mich total überzeugt. Interesse hatte ich sowohl an klinisch theoretischen Fächern, Anästhesie, Chirurgie, Gyn, Päd, Psychofächer. 2 der Fächer (Chirurgie und Psycho) hab ich jetzt ausprobiert, war aber in keinem so richtig glücklich. Jetzt frage ich mich, ob ich noch was drittes ausprobieren soll oder da bleiben wo ich jetzt bin oder einfach dann doch in die Allgemeinmedizin, um das ganze sinnvoll zu nutzen. Irgendwann sieht es ja dann schon komisch aus und die Chancen auf ne Stelle sinken dann vielleicht doch wenn der Lebenslauf zu bunt wird? Allerdings weiß ich eigentlich jetzt schon, dass mir Allgemeinmedizin auf Dauer wahrscheinlich nicht taugen würde...
Eine gewisse Work Life Balance ist mir schon wichtig, aber es sollte mich schon auch wenigstens bisschen begeistern. Aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt?
Würde mich jedenfalls freuen, wenn mir jemand helfen kann...

][truba][
01.03.2021, 19:25
Du schreibst zwar, dass dich Chirurgie und Psychiatrie nicht überzeugt haben aber nicht, was genau dich gestört hat. Was war es denn, was nicht gut gewesen ist?

Was interessiert dich denn? Handwerkliches? Theoretisches? Dabei muss man sagen, dass "Chirurgie" ja sehr weit gefasst ist. Es gibt etliche Subspezialisierungen. Vielleicht ein eher kleines Fach?

epeline
01.03.2021, 19:45
Ich finde, die Entscheidung operieren oder nicht ist doch eigentlich nicht so schwierig.
Würde es dir fehlen oder ist es dir eher lästig?
Ich für mich habe mich im OP immer sehr unwohl gefühlt.

Und dann: du lebst nicht für den Lebenslauf. Du musst in dem Job noch ein paar Jahrzehnte lang machen. Also such dir was aus, was du so lange auch machen willst

lillilee
01.03.2021, 20:39
Danke erstmal.
Also ich hab Allgemeinchirurgie gemacht und das handwerkliche Arbeiten hat mir total Spaß gemacht. Aber ich fand es sehr stressig (viele Dienste, Personalmangel, teilweise chauvinistische Oberärzte, ...) und die Langzeitperspektive (fehlende Niederlassungsmöglichkeit) fand ich nicht so toll. Psycho: nettes Team, gute Arbeitsbedingungen, auch Interesse vorhanden, aber irgendwie seh ich mich da langfristig nicht und ich vermisse die Somatik...
Die Frage OP oder nicht finde ich übrigens nicht so einfach zu beantworten. Mir hats Spaß gemacht aber ich vermisse es auch nicht so wirklich derzeit...

lillilee
01.03.2021, 20:45
Und mir geht es nicht um den Lebenslauf an sich, sondern um die Sorge, ob man mit zu vielen Fachwechseln noch genommen wird, zumal ja schon auch zumindest ein beliebtes Fach in der Auswahl ist...und andere fragen hier im Forum, ob 3 Stellenwechsel ( im selben Fach!) bis zum Facharzt komisch aussehen.... und ich bin die einzige in meinem Bekanntenkreis, die nicht beim ursprünglichen Fach geblieben ist, koste es was es wolle...aber das ist ein anderes Thema

freak1
01.03.2021, 20:50
Fachwechsel kommen imho weniger komisch rüber als Wechsel der Klinik innerhalb des selben Fachs. Bei ersterem kannst du ja (wahrheitsgemäß) immer anführen, dass das Fach dir letztlich nicht gelegen hat. Wenn du 5 mal die Klinik im selben Fach wechselst, scheint ja irgendwas bei dir nicht zu passen.

anignu
01.03.2021, 22:25
Die Frage OP oder nicht finde ich übrigens nicht so einfach zu beantworten. Mir hats Spaß gemacht aber ich vermisse es auch nicht so wirklich derzeit...
Wenn du für dich selbst keine Niederlassungsperspektive siehst (niedergelassene Chirurgen gibt es und werden auch gesucht) und du den OP nicht vermisst dann lass es.
Ich persönlich vermisse den OP schon sehr (als Gefäßchirurg). Ein/zwei Tage in der Klinik ohne OP geht schon, aber dann? Nur Papierkram/Diagnostik/Gespräche etc? Nicht meins. Dann lieber bissl OP, bissl endovaskulär, bissl Wunden kratzen, bissl was machen. Gute Sonographie macht mir auch Spaß, aber nicht dieses "Kontrolle" eines beschwerdefreien Patienten der nix hat oder "Ausschluss pAVK" der nix hat oder "schwere Beine, Ursache?" wo man sich denkt dass nicht nur die Beine schwer sind.

docdean
01.03.2021, 22:59
Orthopädie und Unfallchirurgie? Niederlassungsmöglichkeit, etwas weniger dringende Notfälle, etwas weniger morbide Patienten, je nach Klinik relativ entspannte Atmosphäre im Team.

rafiki
02.03.2021, 06:09
Danke erstmal.
Psycho: ... und ich vermisse die Somatik...


Auch, wenn ich das schon vielfach gesagt habe: In keinem anderen Fach hat man so viel Zeit, sich mit dem Pat. klinisch-somatisch (handwerklich, ohne großartige Geräte) zu beschäftigen - wenn man denn will.

Nessiemoo
02.03.2021, 09:24
Also ich fand es auch sehr schwer einen Fach auszusuchen, habe dann aber doch entschieden dass ich OP eher lästig finde, habe Neuro gewählt, und habe es nie wirklich bedauert seitdem.
Was ist denn mit Gyn? Gute Niederlassungsmöglichkeiten, kannst auch vielleicht deine Zeit in der Chirurgie anrechnen lassen?

davo
02.03.2021, 09:32
Du solltest strukturiert an diese Fragestellung herangehen.

Operieren ja/nein?

Viel Patientenkontakt ja/nein?

Klinik vs. Niederlassung?

Spezialisiert vs. breit?

Lange vs. kurze Arbeitszeiten?

Viel vs. wenig Gerätemedizin/Technik?

Und natürlich auch versuchen zu analysieren, was genau dir an Chirurgie und an Psychiatrie gefallen hat. Und was genau nicht. Und was genau du dir von den anderen von dir genannten Fächern erhoffen würdest.

abi07
02.03.2021, 13:39
Liebe Forengemeinde,
Ich würde sagen ich hab vielseitige und auch unterschiedliche Interessen, aber leider nicht das eine Fach, was mich total überzeugt. [...] oder einfach dann doch in die Allgemeinmedizin, um das ganze sinvoll zu nutzen. Irgendwann sieht es ja dann schon komisch aus und die Chancen auf ne Stelle sinken dann vielleicht doch wenn der Lebenslauf zu bunt wird? Allerdings weiß ich eigentlich jetzt schon, dass mir Allgemeinmedizin auf Dauer wahrscheinlich nicht taugen würde...
Eine gewisse Work Life Balance ist mir schon wichtig, aber es sollte mich schon auch wenigstens bisschen begeistern. Aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt?

Und warum würde dir die Allgemeinmedizin nicht taugen?

Ich frage deshalb, weil mich der erste Teil deiner Schilderung sehr an mich selbst erinnert hat - ich mochte schon immer mehrere Gebiete, konnte mich nie so richtig entscheiden, auch nach Famulaturen, PJ etc. nicht. Wollte irgendwie von allem ein bisschen. Allgemeinmedizin hatte ich für mich immer als "zu langweilig" abgehakt, nur der Zuweiser für andere sein, die dann "echte" Medizin machen dürfen...was man halt so denkt nach einer sehr kliniklastig geprägten Ausbildung bzw. Studium.

Ich hab es dann aber trotzdem gewagt und bin nach 2 Jahren Innere in die allgemeinmedizinische Praxis. Die beste Entscheidung überhaupt. War dann im Rahmen der Weiterbildung nochmal in Neuro und Psychiatrie, zudem nochmal in der Inneren. Die Ausflüge haben mich nur in meiner Entscheidung bestätigt, die ich nie bereut habe.
In der Allgemeinmedizin hast du genau das: du hast von allem ein bisschen. Musst nicht engstirnig sein, es wird nie, wirklich nie langweilig. Ich hatte noch keinen langweiligen Tag, es kommt immer irgendwas Unerwartetes um die Ecke. Und Niederlassung, was du offensichtlich anstrebst, ist ja fast obligatorisch, die Möglichkeiten sind gut.
Zu mir hat mal eine Allgemeinärztin gesagt, dass ja das Schöne an der Allgemeinmedizin ist, dass man alles machen kann, was einem Spaß macht - und den Rest überweist man halt großzügiger. Du kannst auch viel praktisch machen, Nähen, Wundbehandlung, kleine Chirurgie...auch mit Psych bist du da sehr gut aufgestellt. Wenn du noch ein bisschen Action haben willst, machst du halt noch nen Notarztschein.

Ich kann es nur empfehlen, gerade für jemanden, der breit aufgestellt ist, vielseitige Interessen hat und sich letztlich niederlassen will.

lillilee
02.03.2021, 17:50
Gyn ist ja tatsächlich auch in der Auswahl, bin aber unsicher weil es halt eine pragmatische Entscheidung wäre. Weiß nicht ob das ausreicht?

lillilee
02.03.2021, 17:52
Und warum würde dir die Allgemeinmedizin nicht taugen?

Ich frage deshalb, weil mich der erste Teil deiner Schilderung sehr an mich selbst erinnert hat - ich mochte schon immer mehrere Gebiete, konnte mich nie so richtig entscheiden, auch nach Famulaturen, PJ etc. nicht. Wollte irgendwie von allem ein bisschen. Allgemeinmedizin hatte ich für mich immer als "zu langweilig" abgehakt, nur der Zuweiser für andere sein, die dann "echte" Medizin machen dürfen...was man halt so denkt nach einer sehr kliniklastig geprägten Ausbildung bzw. Studium.

Ich hab es dann aber trotzdem gewagt und bin nach 2 Jahren Innere in die allgemeinmedizinische Praxis. Die beste Entscheidung überhaupt. War dann im Rahmen der Weiterbildung nochmal in Neuro und Psychiatrie, zudem nochmal in der Inneren. Die Ausflüge haben mich nur in meiner Entscheidung bestätigt, die ich nie bereut habe.
In der Allgemeinmedizin hast du genau das: du hast von allem ein bisschen. Musst nicht engstirnig sein, es wird nie, wirklich nie langweilig. Ich hatte noch keinen langweiligen Tag, es kommt immer irgendwas Unerwartetes um die Ecke. Und Niederlassung, was du offensichtlich anstrebst, ist ja fast obligatorisch, die Möglichkeiten sind gut.
Zu mir hat mal eine Allgemeinärztin gesagt, dass ja das Schöne an der Allgemeinmedizin ist, dass man alles machen kann, was einem Spaß macht - und den Rest überweist man halt großzügiger. Du kannst auch viel praktisch machen, Nähen, Wundbehandlung, kleine Chirurgie...auch mit Psych bist du da sehr gut aufgestellt. Wenn du noch ein bisschen Action haben willst, machst du halt noch nen Notarztschein.

Ich kann es nur empfehlen, gerade für jemanden, der breit aufgestellt ist, vielseitige Interessen hat und sich letztlich niederlassen will.

Vielen Dank, ich erkenne mich da auch echt wieder und tatsächlich sind es die Gründe, die du genannt hast. Ich hab Sorge, dass es zu langweilig ist und man den ganzen Tag mit Schnupfen und Rückenschmerzen zu tun hat und immer wenn es interessant wird weiterschickt....
Aber dein Erfahrungsbericht lässt mich das nochmal überdenken....

lillilee
02.03.2021, 17:53
Du solltest strukturiert an diese Fragestellung herangehen.

Operieren ja/nein?

Viel Patientenkontakt ja/nein?

Klinik vs. Niederlassung?

Spezialisiert vs. breit?

Lange vs. kurze Arbeitszeiten?

Viel vs. wenig Gerätemedizin/Technik?

Und natürlich auch versuchen zu analysieren, was genau dir an Chirurgie und an Psychiatrie gefallen hat. Und was genau nicht. Und was genau du dir von den anderen von dir genannten Fächern erhoffen würdest.

Danke, das ist sicher hilfreich! Wird gemacht 😊

Locutus001
02.03.2021, 19:13
Liebe Forengemeinde,
Irgendwie bin ich in einer verzwickten Lage und hoffe auf Denkanstöße, Erfahrungen, Tipps,....
Ich bin eigentlich seit Beginn des Studiums unsicher gewesen bzgl der Fachwahl und leider hat sich das jetzt auch nach dem Studium und mit etwas Berufserfahrung nicht geklärt. Ich würde sagen ich hab vielseitige und auch unterschiedliche Interessen, aber leider nicht das eine Fach, was mich total überzeugt. Interesse hatte ich sowohl an klinisch theoretischen Fächern, Anästhesie, Chirurgie, Gyn, Päd, Psychofächer. 2 der Fächer (Chirurgie und Psycho) hab ich jetzt ausprobiert, war aber in keinem so richtig glücklich. Jetzt frage ich mich, ob ich noch was drittes ausprobieren soll oder da bleiben wo ich jetzt bin oder einfach dann doch in die Allgemeinmedizin, um das ganze sinnvoll zu nutzen. Irgendwann sieht es ja dann schon komisch aus und die Chancen auf ne Stelle sinken dann vielleicht doch wenn der Lebenslauf zu bunt wird? Allerdings weiß ich eigentlich jetzt schon, dass mir Allgemeinmedizin auf Dauer wahrscheinlich nicht taugen würde...
Eine gewisse Work Life Balance ist mir schon wichtig, aber es sollte mich schon auch wenigstens bisschen begeistern. Aber vielleicht ist das auch zu viel verlangt?
Würde mich jedenfalls freuen, wenn mir jemand helfen kann...

Ein Vorredner hat es schon ganz gut geschrieben:
Geh pragmatisch ran!
Ist Dein Einkommen, soll nicht unbedingt Dein Lebensinhalt sein. Wenn Du nicht Deine Passion entdeckst, dann nimm etwas was für Deine Lebensvorstellung sinnvoll ist.
Das kann Allgemeinmedizin im Angestelltenverhältnis sein, das kann Arbeitsmedizin sein, das kann natürlich auch ein klinisches Fach sein, aber in der Klinik, wenn das nicht wirklich Dein Fach ist... na ja ich hätte keine Lust drauf, sagen wir es so.

Das beste Fach ist ja sowieso Laboratoriumsmedizin ;-P Dicht gefolgt von Mikrobiologie ^.^
(so als Denkanstoß haha, da kannst Du dann nochmal ein Jahr Innere oder Pädiatrie vor machen, braucht mann dann sowieso als Teil der WB (kann man ja auch beides theoretisch für die Allg.-Med. brauchen, v.a. Innere ist ja auch ein MUSS gell) und joa... weitere Möglichkeiten sich zu entwickeln, bei Unklarheit über Facharztrichtung).

Ganz wichtig: Soll Arbeit Dein Hauptlebensinhalt sein oder Dein Brotverdienst. Finde ich eine der wichtigsten Fragen überhaupt. Danach kommt der Rest: Patienten mehr/weniger, Operieren mehr/weniger, blablabla mehr/weniger.
Und ist auch schön, wenn man flexibel ist (einigermaßen).
Und klar, die Frage nach der Selbstständigkeit mit Niederlassung (selbst und ständig...) ist auch eher in der oberen Kategorie. Wenn Du Dich selbstständigmachen willst unbedingt, dann sind einige Fächer einfach raus.

Viel Erfolg!

WackenDoc
02.03.2021, 19:40
Im Zweifel macht man ja nichts verkehrt, wenn man mal mit Innere anfängt. Braucht man eh für die Allgemeinmedizin (und für die Arbeitsmedizin ist es in vielen Bundesländern zwar nicht mehr zwingend gefordert, aber praktisch).

Nessiemoo
05.03.2021, 20:29
Gyn ist ja tatsächlich auch in der Auswahl, bin aber unsicher weil es halt eine pragmatische Entscheidung wäre. Weiß nicht ob das ausreicht?

Also mir hat es geholfen irgendwannmal so zu denken: es gibt für mich keine perfekte Fachrichtung. Bei jedem Facharzt gibt es Vorteile, Nachteile, Aspekte die mich mehr oder weniger interessieren. Mit jedem Wahl verzichte ich auf etwas, die mich bei anderen Fachrichtungen reizt. Also irgendwannmal muss man einfach entscheiden und manchmal können es auch sehr banale Sachen sein. (Ich mag kein Mundschutz tragen --> kein OP. Ja ich weiss, hat sich gelohnt jetzt :D)