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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Reicht 1 Jahr Innere für Allgemeinmedizin?



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SophaL90
08.03.2021, 08:54
Hallo,

bin in der AM-Weiterbildung und nun an der Inneren und was soll ich sagen.. es ist schrecklich. Angeboten wurde mir ein Vertrag für die ganze Weiterbildung Innere und ich glaube, vieles lernt man erst wenn man länger bleibt.
Aber durch Corona hat sich mMn die Weiterbildung und auch sonst alles in meinem Leben (durch den Job bedingt) verschlechtert, dass ich nur 12 Monate bleiben will und keinen Tag länger.
Ich glaube aber, dass man nach 12 Monaten Innere überhaupt noch nichts kann und dass ich dann vielleicht in der AM-Praxis richtig auf die Schnauze falle.

Mein Plan derzeit ist aber, AM fertig zu machen und raus aus der Patientenversorgung.

Haffi
08.03.2021, 09:43
Die Bundesärztekammer sieht nur ein Jahr vor. Entsprechend hast du deine formalen Voraussetzungen je nach LÄK erfüllt. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass du in der allgemeinmedizinischen Praxis letztlich deutlich mehr Relevantes für den allgemeinmedizinischen Alltag mitnimmst als auf irgendeiner internistischen Station.

Der Anfang ist immer hart. Plötzlich stehen Patienten mit irgendwelchen Pusteln vor dir, Schwankschwindel, Kinder mit seit sieben Wochen anhaltendem Husten. Hinzu kommen Patienten, die verärgert sind, dass sie plötzlich von einem Jüngling statt - wie immer in den letzten 20 Jahren - vom Chef gesehen werden...da helfen auch 12 oder 24 weitere Monate Innere nichts. Um ein kompletter Allgemeinmediziner zu sein, muss man vermutlich einfach mal 10 Jahre in so einer Hausarztpraxis gesessen haben.
Zur Beruhigung: Ich kenne übrigens diverse KommilitonInnen, die direkt nach dem Studium in die AM-Praxis gegangen sind und keine/r hat es bereut.

daCapo
08.03.2021, 09:52
Das kann ich voll und ganz nachvollziehen, wollte das auch maximal 1 Jahr machen, fand es absolut furchtbar.
Es gibt Verbundweiterbildungen, die etwas Struktur in die DE-Ausbildung Allgemeinmedizin bringen sollen...vllt wäre das etwas?

Evil
08.03.2021, 10:27
Die Bundesärztekammer sieht nur ein Jahr vor. Entsprechend hast du deine formalen Voraussetzungen je nach LÄK erfüllt. Ich bin mir zudem ziemlich sicher, dass du in der allgemeinmedizinischen Praxis letztlich deutlich mehr Relevantes für den allgemeinmedizinischen Alltag mitnimmst als auf irgendeiner internistischen Station.

Der Anfang ist immer hart. Plötzlich stehen Patienten mit irgendwelchen Pusteln vor dir, Schwankschwindel, Kinder mit seit sieben Wochen anhaltendem Husten. Hinzu kommen Patienten, die verärgert sind, dass sie plötzlich von einem Jüngling statt - wie immer in den letzten 20 Jahren - vom Chef gesehen werden...da helfen auch 12 oder 24 weitere Monate Innere nichts. Um ein kompletter Allgemeinmediziner zu sein, muss man vermutlich einfach mal 10 Jahre in so einer Hausarztpraxis gesessen haben.
Zur Beruhigung: Ich kenne übrigens diverse KommilitonInnen, die direkt nach dem Studium in die AM-Praxis gegangen sind und keine/r hat es bereut.
Das sehe ich anders. Bei 90% der Konsultationen geht es um Befindlichkeitsstörungen, die zu behandeln ist keine Raketenwissenschaft.
Aber die 5-10%, die dann doch eine ernsthafte Erkrankung darstellen, müssen als solche erkannt und oft auch akut behandelt werden. Dafür braucht man Erfahrung, und es müssen die Behandlungsroutinen sicher beherrscht werden. Deswegen kann ich nur davor warnen, direkt in einer Praxis die Weiterbildung anzufangen.
Wer sich langfristig nicht in einer Praxis sieht, für den spielt das dann allerdings keine Rolle.

Haffi
08.03.2021, 11:05
Das sehe ich anders. Bei 90% der Konsultationen geht es um Befindlichkeitsstörungen, die zu behandeln ist keine Raketenwissenschaft.
Aber die 5-10%, die dann doch eine ernsthafte Erkrankung darstellen, müssen als solche erkannt und oft auch akut behandelt werden. Dafür braucht man Erfahrung, und es müssen die Behandlungsroutinen sicher beherrscht werden. Deswegen kann ich nur davor warnen, direkt in einer Praxis die Weiterbildung anzufangen.
Wer sich langfristig nicht in einer Praxis sieht, für den spielt das dann allerdings keine Rolle.

Ich gebe dir da in der Sache total recht. Ich sehe nur nicht, wie 1 oder 2 weitere Jahre Innere Medizin in einer Klinik, womöglich noch auf einer Station, den Threadersteller diesbezüglich weiterbringen sollen. Lehre findet heutzutage gerade in der Inneren i.d.R. nicht statt und der Stationsalltag besteht im schlechtesten Fall aus Blutabnahmen, Briefe schreiben und einer halbherzigen Visite.

SophaL90
08.03.2021, 11:51
Danke für euren Input. :-) Das beruhigt mich schon ein wenig.

@daCapo
Diese Verbundweiterbildung ist auf jeden Fall interessant, bis dato hab ich mich aber noch nicht informiert

Das Krankenhaus, in der ich derzeit die Weiterbildung mache könnte sicher schlimmer sein. Meine KollegInnen sind wirklich nett. Mein Chef ist auch super. Aber sie sind einfach auch in dem deutschen Krankenhaussystem gefangen und können wenig ausrichten.
Ich fürchte, irgendwann finden sie überhaupt niemanden mehr, der Deutsch spricht. Auch irgendwo traurig für die medizinische Versorgung.
Und ich glaube; gäbe es derzeit kein Corona wäre ich vielleicht etwas zufriedener. Aber nachdem uns das noch einige Jahre begleiten wird, möchte ich dann Ende des Jahres aus der Inneren weggehen.

Wie würdet ihr denn sonst die noch notwendigen 2 Jahre der stationären Patientenversorgung gestalten? Pädi? Direkt bewerben und sagen, dass man nur für 6 Monate kommen möchte?

Meine KollegInnen, die schon 2-3 Jahre in der Inneren sind sind ziemlich gut mMn. Ich sehe schon, dass es natürlich nützlich wäre länger zu bleiben um diese klinische Erfahrung zu bekommen

hebdo
08.03.2021, 11:59
zum einen steht hier auch die Frage im Raum, warum Allgemeinmedizin, wenn das Ziel sowieso außerhalb der Patientenversorgung liegt. Wenn man bspw. in die Pharmabranche möchte, wäre es sinnvoller in ein Fach mit mehr Studien- oder Laborarbeit zu gehen (MiBi, Transfusionsmedizin, Pharmakologie, Labormedizin etc.). Nicht dass man dann selbst Medikamente entwickelt, aber Kentnisse im Zulasungsprozess und GCP sind sicher von Vorteil.

Zum anderen ist es eben immer schwierig von einer Stelle auf die Gesamtheit zu schließen. Ich wiederhole mich hier zum xten Mal.
Der Anfang ist immer schwierig und mit sehr viel Aufwand verbunden. Wenn die Abteilung ein organisatorisches Defizit hat, kann man diese auch wechseln. Bei der Stellensuche gibt es Hinweise auf gute/schlechte Bedingungen:

- Dienstanzahl und -belastung
- Überstundenregelung
- Rotationsplan
- Kostenübernahme von externen Fortbildungen
- Wie lange sind die Kollegen in der Abteilung
- Weiterbildung in der Regelzeit
- Passt die Abteilung fachlich in mein Weiterbildungsziel, kann man spezielle Methoden dort lernen
......

Wichtig ist auch, sich konkrete Ziele zu setzen, die Erreichung zu überprüfen und ggf. eben Veränderungen bis hin zum Jobwechsel durchzuziehen.

Ich habe mir nach 2 Jahren in einer Uni-Klinik eine Abteilung mit automatischer Überstundenvergütung, Rotationsplan, Notarzttätigkeit, pers. Fortbildungsbudget ~1000€/Jahr, DEGUMIII-Sonografie etc ausgesucht. Als dort die Bedingungen schlechter geworden sind und ich meine Ziele erreicht habe, bin ich nach 3 Jahren wieder gewechselt.

SophaL90
08.03.2021, 12:02
zum einen steht hier auch die Frage im Raum, warum Allgemeinmedizin, wenn das Ziel sowieso außerhalb der Patientenversorgung liegt. Wenn man bspw. in die Pharmabranche möchte, wäre es sinnvoller in ein Fach mit mehr Studien- oder Laborarbeit zu gehen (MiBi, Transfusionsmedizin, Pharmakologie, Labormedizin etc.). Nicht dass man dann selbst Medikamente entwickelt, aber Kentnisse im Zulasungsprozess und GCP sind sicher von Vorteil.

Zum anderen ist es eben immer schwierig von einer Stelle auf die Gesamtheit zu schließen. Ich wiederhole mich hier zum xten Mal.
Der Anfang ist immer schwierig und mit sehr viel Aufwand verbunden. Wenn die Abteilung ein organisatorisches Defizit hat, kann man diese auch wechseln. Bei der Stellensuche gibt es Hinweise auf gute/schlechte Bedingungen:

- Dienstanzahl und -belastung
- Überstundenregelung
- Rotationsplan
- Kostenübernahme von externen Fortbildungen
- Wie lange sind die Kollegen in der Abteilung
- Weiterbildung in der Regelzeit
- Passt die Abteilung fachlich in mein Weiterbildungsziel, kann man spezielle Methoden dort lernen
......

Wichtig ist auch, sich konkrete Ziele zu setzen, die Erreichung zu überprüfen und ggf. eben Veränderungen bis hin zum Jobwechsel durchzuziehen.

Ich habe mir nach 2 Jahren in einer Uni-Klinik eine Abteilung mit automatischer Überstundenvergütung, Rotationsplan, Notarzttätigkeit, pers. Fortbildungsbudget ~1000€/Jahr, DEGUMIII-Sonografie etc ausgesucht. Als dort die Bedingungen schlechter geworden sind und ich meine Ziele erreicht habe, bin ich nach 3 Jahren wieder gewechselt.

Dessen bin ich mir noch nicht so sicher. Ich könnte mir gut vorstellen, noch Arbeitsmedizin am Ende dranzuhängen, bzw einen Master in Public Health und dann ins Gesundheitsamt. Reha-Klinik wäre auch noch ganz attraktiv als FA. Alles, wo ich keine Notaufnahme betreuen muss und die 10. kardiale Dekompensation täglich behandeln muss.
Mir hatte AM während des PJs eigentlich viel Spaß gemacht. Die Freude hatte ich dann im Klinikalltag schnell verloren.
Eine Tätigkeit in der Pharmabranche schließe ich für mich aus.

Evil
08.03.2021, 12:04
Ich gebe dir da in der Sache total recht. Ich sehe nur nicht, wie 1 oder 2 weitere Jahre Innere Medizin in einer Klinik, womöglich noch auf einer Station, den Threadersteller diesbezüglich weiterbringen sollen. Lehre findet heutzutage gerade in der Inneren i.d.R. nicht statt und der Stationsalltag besteht im schlechtesten Fall aus Blutabnahmen, Briefe schreiben und einer halbherzigen Visite.
Es gibt schon noch Kliniken mit vernünftiger Weiterbildung, die Situation in den meisten Häusern ist aber sicherlich verbesserungsbedürftig.
Unabhängig davon bekommt man im klinischen Setting aber öfter mal Notfälle mit und hat ganz andere Ressourcen, diese zu versorgen. Wenn Dir auf Station mit mehreren Schwestern, Equipment und (hoffentlich) einem Oberarzt in Reichweite ein Patient kreislaufinstabil wird, ist das was anderes als in der Praxis mit 1-2 Arzthelferinnen.

Haffi
08.03.2021, 15:00
Wie würdet ihr denn sonst die noch notwendigen 2 Jahre der stationären Patientenversorgung gestalten? Pädi? Direkt bewerben und sagen, dass man nur für 6 Monate kommen möchte?


Zwei weitere Jahre in der stationären Patientenversorgung sind nach neuer WBO in der Regel nicht notwendig (korrigier mich, wenn deine LÄK hier was anderes sagt). Die Förderung für den ambulanten Bereich wurde mittlerweile ebenfalls in vielen Regionen ausgeweitet (z.B. Hessen und RP 42 Monate, Bayern sogar 48 Monate). Ich kenne ein paar KollegInnen, die jeweils ein halbes bis ein Jahr lang in einer orthopädischen oder pädiatrischen Praxis absolviert und sehr davon profitiert haben. Diese Stellen gibt es sicher nicht wie Sand am Meer, aber man findet sie mit etwas Flexibilität.

Colourful
08.03.2021, 15:07
Ich arbeite gerade in der Reha, mit auch 1,5 Jahren internistischer Weiterbildungsbefugnis - ich muss sagen, dass ich hier ganz gut die Basics lerne, gerade Notfälle und auch die Dinge, die man mit Bordmitteln lösen kann. Und die Patienten bleiben länger, da kann man einen Diabetes auch mal stationär drei Wochen behandeln und einstellen. Genauso wie den Blutdruck. Und es ist nicht so stressig. Vielleicht wäre das was?

P.S. Ich habe nichts gegen Stress, aber ich habe zu Hause auch genug zu tun.

daCapo
08.03.2021, 15:22
Wenn man öffentliches Gesundheitswesen machen möchte, dann muss man auch nicht unbedingt innere machen.

SophaL90
08.03.2021, 15:51
Ja die Reha würde mich auch interessieren, weil das irgendwie auch schon ein wenig das Setting eines Hauarztes hat (diverse Krankheitsbilder). Da werde ich mich mal umsehen/umhören.

Also in der Weiterbildungsordnung steht: 18 + 6 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung
Ich dachte ehrlicherweise, dass damit nur Krankenhäuser gemeint sind. Ich kann das also auch in der Praxis machen? Dann wär ich ja nach „nur“ 1 Jahr bereits aus der Klinik raus. Erfülle ich da die Anforderungen?

Außerdem: wenn ich nach 1 Jahr Innere das Haus verlasse, dann habe ich erst ganz wenige Nachtdienste gemacht. Muss man diese denn gemacht haben?

WackenDoc
08.03.2021, 16:39
Es gibt keine Mindestanzahl von Nachtdiensten. Lass dir nachdem jahr einfach bescheinigen, dass du regelmäßig an den Nachtdiensten teilgenommen hast.

Was für die Allgemeinmedizin sinnvoll ist, ist Oprthopädie, Anästhesie ist eigentlich nie verkehrt, Derma, vielleicht noch Psychosomatik.

Wenn du eh in die Arbeitsmedizin willst, dann macht es Sinn nach der Inneren noch ein Jahr was anderes zu machen. Und dann in die Arbeitsmedizin zu gehen.

davo
08.03.2021, 16:55
Alle Jobbeispiele, die du nennst, haben auch mit Patientenversorgung zu tun. Mit Covid-19 hast du übrigens sowohl in der Arbeitsmedizin als auch im Gesundheitsamt als auch in der Rehaklinik zu tun. Insofern wirkt das alles recht wenig überlegt.

Ich finde deine ganze Suche zu negativ orientiert. Alles geht nur darum, was du nicht willst. Ich glaub es ist sinnvoller, sich daran zu orientieren, was du willst.

Und wenn du Allgemeinmedizinerin werden willst, ist mehr als ein Jahr Innere sicher sinnvoll. Ganz egal was das Minimum lt. WBO ist.

Haffi
08.03.2021, 17:18
Also in der Weiterbildungsordnung steht: 18 + 6 Monate in der unmittelbaren Patientenversorgung
Ich dachte ehrlicherweise, dass damit nur Krankenhäuser gemeint sind. Ich kann das also auch in der Praxis machen? Dann wär ich ja nach „nur“ 1 Jahr bereits aus der Klinik raus. Erfülle ich da die Anforderungen?


Welche LÄK ist denn für dich zuständig?

Kaas
08.03.2021, 18:34
Also ich bin kein Internist, hab aber Freunde, die in der Inneren sind oder waren und teilweise jetzt ambulant hausärztlich arbeiten. In meinen Augen ist das wichtigste, dass man als Hausarzt mal einige Zeit internistisch in einer Notaufnahme gearbeitet hat. Da lernt man wahrscheinlich am besten, wen man später mal in die Klinik schicken muss. Und auch, wen man den Kollegen in der ZNA jetzt NICHT unbedingt aufs Auge drücken muss ;)

DA1994
08.03.2021, 19:36
Ich würde auch sagen, dads Notaufnahme ein unbedingtes Muss für Allgemeinmedizin ist, und zwar idealerweise internistisch und chirurgisch. Pädiatrie braucht man nur richtig auf dem Land, selbst in Kleinstädten in denen ich für Famulaturen und Blockpraktikum war sind die Eltern mit absolut allem lieber 20 km zum Kinderarzt gefahren

daCapo
08.03.2021, 23:41
Es gibt schon noch Kliniken mit vernünftiger Weiterbildung, die Situation in den meisten Häusern ist aber sicherlich verbesserungsbedürftig.


Das stimmt, etwas beschönigend gesagt



Unabhängig davon bekommt man im klinischen Setting aber öfter mal Notfälle mit und hat ganz andere Ressourcen, diese zu versorgen. Wenn Dir auf Station mit mehreren Schwestern, Equipment und (hoffentlich) einem Oberarzt in Reichweite ein Patient kreislaufinstabil wird, ist das was anderes als in der Praxis mit 1-2 Arzthelferinnen.

Das stimmt auch und wenn man dann die anderen Beiträge liest, könnte man meinen dass die WB Allgemeinmedizin feste Rotationen und Struktur bekommen sollte.

SophaL90
09.03.2021, 08:12
Naja in Österreich braucht man für AM auch nur 9 Monate..
ich lass es mir noch offen. Es geht mir auch nicht um Covid. Aber seitdem wurde die Lehre auf ein Minimum reduziert, Kurse werden abgesagt, die Arbeitsbelastung hat sich verstärkt.