Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Richtig Geld verdienen in der Praxis - mein Umsatzziel 2021
annae827
30.03.2021, 11:54
Hi, mich würde Eure Meinung interessieren.
Ich bin niedergelassen im HNO Bereich, habe eine mega volle Praxis, aber ich verdiene einfach nicht genug.
Ich will jetzt für alle meine Privatpatienten eine Honorarvereinbarung einführen.
Dann kostet eine Beratung statt 10,72 für 10 Minuten ab dann EUR 46,60. Zehnfacher Satz, davon werden die Leute 16,31 von ihrer PKV/Beihilfe erstattet bekommen, den Rest zahlen sie selbst. Wem's zu teuer ist, der kommt halt nicht mehr und macht mir wieder die volle Sprechstunde frei.
Damit will ich meinen Umsatz von 130.000 Euro für dieses Jahr auf 200.000 Euro anbheben! Und endlich mal ausreichend Geld auf dem Konto haben.
Was denkt Ihr dazu?
Um dauerhaft 3,5 überschreiten zu können, musst du der Rechtssprechung entsprechend auch eine außergewöhnliche Qualität oder einen besonderen Aufwand leisten bzw. darlegen können.
"Auf vorformulierte Honorarvereinbarungen, die nicht ausgehandelt werden, sind die Kontrollbestimmungen für allgemeine Geschäftsbedingungen anwendbar. Der Arzt muss ein berechtigtes Interesse an der Überschreitung des Gebührenrahmens darlegen können. Die Rechtsprechung nimmt dies an, wenn der Patient Leistungen von außergewöhnlicher Qualität oder mit einem besonderen Aufwand in Anspruch nimmt. Denn dann besteht kein schützenswertes Interesse daran, diese Leistungen nur in dem vom Normgeber vorgegebenen „üblichen“ Rahmen, also dem einfachen bis 3,5-fachen Steigerungssatz vergütet zu bekommen. Eine herausragende akademische Qualifikation des Arztes allein stellt keinen Rechtfertigungsgrund für die Überschreitung des Gebührenrahmens dar."
Ein besonders geschäftstüchtiger Zahnarzt hat das bei mir mal mit Faktor 7,5 versucht. Anschließend die Rechnung (und Behandlungsdokumentation diesbezüglich) geändert. Hab das ganze dann an die Zahnärztekammer und die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum übergeben und afaik hatte der Verband der PKV mehrere ähnlich gelagerte Fälle von dem Herren vorliegen.
Weiß nicht wie das ganze für ihn ausgegangen ist. Vermutlich darf er weiter praktizieren, aber so eine Praxisdurchsuchung durch die Schwerpunktstaatsanwaltschaft ist glaube ich eher als ungeil zu bezeichnen.
Das ist doch ein Troll, auf solche unternehmerisch dilettantischen Ideen kommt doch kein niedergelassener Arzt mit eigener Praxis...
Christoph_A
30.03.2021, 12:31
Ich denke, wir sollten das trollen lassen, mit ner HNO Praxis nur 130000 Euro Umsatz zu erzielen ist etwas unterdurchschnittlich, dann hat man entweder zu wenig Privatpatienten oder zuwenig Durchsatz, mit ner Steigerung des Beratungssatzes größer 3,5 wirst Du nix erreichen, zumal freak1 schon richtig angeführt hat, daß Du da sehr schnell die Staatsanwaltschaft im Haus haben dürftest und die PKV Dich zusätzlich mit Regressen bombadieren wird.
annae827
30.03.2021, 12:51
Das ist doch ein Troll, auf solche unternehmerisch dilettantischen Ideen kommt doch kein niedergelassener Arzt mit eigener Praxis...
Du, ich habe 1/2 KV-Sitz. KV-Umsatz kann ich nicht steigern. Und ohne mehr zu arbeiten, kann ich meine PKV-Umsatz auch nicht heben.
Jedenfalls habe ich in meiner Sprechstunde immer viel zu tun, mache Überstunden und komme kaum pünktlich dazu, mein Kind vom Kindergarten abzuholen.
Danke für den Hinweis mit dem Steigerungssatz. Ich würde aber tatsächlich die Honorarvereinbarung persönlich aushandeln, damit müsste es gehen.
annae827
30.03.2021, 12:54
Ein besonders geschäftstüchtiger Zahnarzt hat das bei mir mal mit Faktor 7,5 versucht. Anschließend die Rechnung (und Behandlungsdokumentation diesbezüglich) geändert. Hab das ganze dann an die Zahnärztekammer und die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum übergeben und afaik hatte der Verband der PKV mehrere ähnlich gelagerte Fälle von dem Herren vorliegen.
- Er hat Dir das vorgeschlagen, Du hast das unterschrieben und ihn dann angezeigt? Ehrlich?
- Oder er hat Dir das vorgeschlagen, Du hast das abgelehnt und er hat es trotzdem abgerechnet?
- Oder er hat nichts gesagt und einfach 7,5 abgerechnet?
Nur in den letzten beiden Fällen könnte ich Dein Verhalten verstehen.
annae827
30.03.2021, 13:01
Ich denke, wir sollten das trollen lassen, mit ner HNO Praxis nur 130000 Euro Umsatz zu erzielen ist etwas unterdurchschnittlich, dann hat man entweder zu wenig Privatpatienten oder zuwenig Durchsatz, mit ner Steigerung des Beratungssatzes größer 3,5 wirst Du nix erreichen, zumal freak1 schon richtig angeführt hat, daß Du da sehr schnell die Staatsanwaltschaft im Haus haben dürftest und die PKV Dich zusätzlich mit Regressen bombadieren wird.
Wie soll denn das mit dem PKV-Regress gehen? Also, mein Patient unterschreibt die ausgehandelte Honorarvereinbarung. Ich schicke ihm eine Rechnung, die zahlt er an mich. Er reicht sie seiner PKV ein, die schreibt, dann sie keine Honorarvereinbarungen bezahlt und mein Patient nur 2,3-fachen Satz erstattet bekommt. Oder, wenn ich eine Begründung dazu geschrieben habe, vielleicht noch 3,5-fachen Satz.
Und welche Straftat soll das sein? Ich muss doch Vertragsfreiheit haben und mich nicht für 10,72 Euro für 10 Minuten Rat zu einer der zig Tausend "Kann es Corona-sein?"-Erkältungenskonsultationen versklaven lassen? Es ist ja nicht so, dass ich das für akute Schmerzen erzwingen würde. Ich will nur, dass ich besser vergütet werde.
GelbeKlamotten
30.03.2021, 13:02
Als Privatpatient bekommt man in der Regel auch in einer anderen Praxis ohne größere Probleme einen Termin. Wenn du keine ganz besondere Expertise hast, warum sollte noch jemand zu dir kommen, wenn er bei dir den größten Teil der Rechnung selbst zahlen muss? Noch dazu bei einer Leistung, die es für die Kassenpatienten ohne Zuzahlung gibt? Mal abgesehen von den wenigen, deren Versicherung auch über die Höchstsätze der GOÄ hinaus erstattet, aber auch da wirst du und/oder der Patient ohne hinreichende Begründung Probleme bekommen.
Du kannst es ja mal versuchen. Ich finde es an sich legitim, dass du deinen Gewinn steigern willst. Aber ich als Privatpatientin würde keinen Fuß mehr in deine Praxis setzen. Ich glaube am Ende wirst du nur deine Privatpatienten und deinen Ruf verlieren.
Ich muss doch Vertragsfreiheit haben
Vertragsfreiheit als Ärztin in Deutschland? :-)) Guter Witz.
Warum machst du es nicht wie 95% der anderen HNO-Ärzte und bietest jede Menge IGEL-Leistungen an? Ist doch üblich, dass man in HNO-Praxen direkt an der Anmeldung direkt 3-5 Bögen in die Hand gedrückt bekommt, auf denen man diese und jene Sonderleistung "bestellen" kann. Dabei wird dann ein bisschen Angst gemacht, was es alles für schreckliche Erkrankungen gibt, gegen die man damit vorsorgen kann und schon läuft das Geschäft.
- Er hat Dir das vorgeschlagen, Du hast das unterschrieben und ihn dann angezeigt? Ehrlich?
- Oder er hat Dir das vorgeschlagen, Du hast das abgelehnt und er hat es trotzdem abgerechnet?
- Oder er hat nichts gesagt und einfach 7,5 abgerechnet?
Nur in den letzten beiden Fällen könnte ich Dein Verhalten verstehen.
Er hat nichts gesagt, 7,5 abgerechnet und als ich ihn darauf hingewiesen habe, dass das nicht geht, stattdessen die Positionen auf der Rechnung geändert (einfach die Anzahl mehr als verdoppelt). Zusätzlich waren die ursprünglichen Positionen (die ich schwarz auf weiß habe!) auch in der vom Gutachter angeforderten Behandlungsdokumentation nirgendwo mehr ersichtlich. Afaik war damals schon eine manipulationssichere Software vorgeschrieben, die Änderungen anzeigt; warum das trotzdem nicht der Fall war, weiß nur der Kollege. ;-)
Dazu noch vielfach Sachen abgerechnet die einfach nicht erbracht worden sind bzw. laut der Gutachter nicht abgerechnet werden dürfen.
Mir ist das ja prinzipiell egal was die PKV zahlt (hätte sie sogar getan), aber wenn man mir für 4-6 Füllungen eine Rechnung jenseits der 4k€ schickt hörts bei mir auf.
Da ich in der Vergangenheit schon mehrfach schlechte Erfahrungen mit niedergelassenen Zahnärzten gemacht hab (ich habe da einfach kein Händchen für; und die Studienfreunde die Zahnmedizin gemacht haben wohnen zu weit weg), gehe ich jetzt in die Zahnklinik wo der mich behandelnde keinen Cent mehr davon hat, egal was er mit mir macht...
Ich will auch besser vergütet werden. Aber wenn ich meinem Patienten ans persönliche Säckel gehe, dann erwartet er auch was außergewöhnliches oder er geht woanders hin... und gerade im deutschen Gesundheitssystem, wo die Forderung nach Leistung groß und die Bereitschaft zu zahlen dafür klein, wirst Du im besten Fall Dich dann weiterhin nur noch mit deinen KV Patienten begnügen dürfen...
annae827
30.03.2021, 13:12
Als Privatpatient bekommt man in der Regel auch in einer anderen Praxis ohne größere Probleme einen Termin. Wenn du keine ganz besondere Expertise hast, warum sollte noch jemand zu dir kommen, wenn er bei dir den größten Teil der Rechnung selbst zahlen muss? Mal abgesehen von den wenigen, deren Versicherung auch über die Höchstsätze der GOÄ hinaus erstattet, aber auch da wirst du und/oder der Patient ohne hinreichende Begründung Probleme bekommen.
Du kannst es ja mal versuchen. Ich finde es an sich legitim, dass du deinen Gewinn steigern willst. Aber ich als Privatpatientin würde keinen Fuß mehr in deine Praxis setzen. Ich glaube am Ende wirst du nur deine Privatpatienten und deinen Ruf verlieren.
Vertragsfreiheit als Ärztin in Deutschland? :-)) Guter Witz.
Warum machst du es nicht wie 95% der anderen HNO-Ärzte und bietest jede Menge IGEL-Leistungen an? Ist doch üblich, dass man in HNO-Praxen direkt an der Anmeldung direkt 3-5 Bögen in die Hand gedrückt bekommt, auf denen man diese und jene Sonderleistung "bestellen" kann. Dabei wird dann ein bisschen Angst gemacht, was es alles für schreckliche Erkrankungen gibt, gegen die man damit vorsorgen kann und schon läuft das Geschäft.
Danke für Deinen Rat!
Du, es geht mir auch darum, meine Sprechstunde etwas leerer zu bekommen. Dazu ist eigentlich einkalkuliert, dass ich einen Teil meiner PKV-Patienten verliere, und der Rest zahlt eben mehr, weil er eben zu mir und nicht irgendwo hin will :-)
annae827
30.03.2021, 13:16
Ich will auch besser vergütet werden. Aber wenn ich meinem Patienten ans persönliche Säckel gehe, dann erwartet er auch was außergewöhnliches oder er geht woanders hin... und gerade im deutschen Gesundheitssystem, wo die Forderung nach Leistung groß und die Bereitschaft zu zahlen dafür klein, wirst Du im besten Fall Dich dann weiterhin nur noch mit deinen KV Patienten begnügen dürfen...
Richtig! Aber ich will nicht für die Krankenkasse der Leute arbeiten, sondern für die Patientin.
Was wollen die mit einer ausgebrannten HNOlerin anfangen, die jeden Pfennig umdrehen muss, weil ich will den Mädels auch auch ein anständiges Gehalt zahlen, und nichtmal richtig ordentlich in Urlaub fahren kann.
Wenn meine Patientin mich für jeden Tag frisch und kompetent da zu sein nicht anständig bezahlen wollen, dann halt eben nicht.
Aber es ist doch jetzt nicht unabständig, 46 Euro für einen guten Ratschlag zu zahlen. Mein Steuerberater nimmt deutlich mehr dafür, und trotzdem zahle ich ihn aus eigener Tasche!
Wenn du das wirklich ernst meinst dann such dir einen guten (und wahrscheinlich entsprechend teuren) Anwalt, der das Konstrukt mit dir ausarbeitet. Einfach so aus der Hüfte heraus würde ich das alleine nicht probieren...
annae827
30.03.2021, 13:21
Wenn du das wirklich ernst meinst dann such dir einen guten (und wahrscheinlich entsprechend teuren) Anwalt, der das Konstrukt mit dir ausarbeitet. Einfach so aus der Hüfte heraus würde ich das alleine nicht probieren...
Mein Bruder ist Anwalt. Der hat mich erst auf die Idee gebracht und gesagt, der Moment, wo ein Mandant bei ihm die Tür zur Erstberatung reinkommt, sind 120 Euro fällig. Er meint, wenn die Leute das unterschreiben, könnte man bis 15-fachen Satz reinschreiben. Erst danach wäre es vielleicht Wucher.
OK, aber dann sehe ich es so, dass eigentlich die Kassen und das System das Problem sind, aber nicht ich, die 70.000 Euro mehr im Jahr haben will für meine Arbeit.
Mein Bruder ist Anwalt. Der hat mich erst auf die Idee gebracht und gesagt, der Moment, wo ein Mandant bei ihm die Tür zur Erstberatung reinkommt, sind 120 Euro fällig. Er meint, wenn die Leute das unterschreiben, könnte man bis 15-fachen Satz reinschreiben. Erst danach wäre es vielleicht Wucher.
Der letzte Anwalt für Medizinrecht, der das probiert hat, hat mich nicht als Mandanten bekommen. Auch gute und seriöse Anwälte machen sowas nicht...
GelbeKlamotten
30.03.2021, 13:39
Wenn du das wirklich versuchst, würde ich es zumindest im Voraus sehr offen kommunizieren. Also nicht nur bei der Sprechstundenhilfe irgendeinen Bogen unterschreiben lassen, auf dem irgendwas mit Faktoren und GOÄ draufsteht, das 95% der Patienten weder lesen noch verstehen, sondern ganz offen sagen, dass du mehr abrechnest als andere und die PKV deswegen aller Voraussicht nach einen großen Teil davon nicht erstatten wird. Möglichst schon am Telefon. Dann kommen wirklich nur die, für die das Okay ist (ich denke die Zahl wird recht überschaubar sein).
Wenn du die Privatpatienten damit überraschst, dann wird es Probleme hageln. Und massig schlechte Bewertungen im Internet geben. Auf letzteres wirst du dich sowieso einstellen müssen. Aber es gibt Anwaltskanzleien, die darauf spezialisiert sind, solche Bewertungen verschwinden zu lassen. Die Kosten dafür kannst du ja direkt mit einkalkulieren.
annae827
30.03.2021, 14:04
Wenn du das wirklich versuchst, würde ich es zumindest im Voraus sehr offen kommunizieren. Also nicht nur bei der Sprechstundenhilfe irgendeinen Bogen unterschreiben lassen, auf dem irgendwas mit Faktoren und GOÄ draufsteht, das 95% der Patienten weder lesen noch verstehen, sondern ganz offen sagen, dass du mehr abrechnest als andere und die PKV deswegen aller Voraussicht nach einen großen Teil davon nicht erstatten wird. Möglichst schon am Telefon. Dann kommen wirklich nur die, für die das Okay ist (ich denke die Zahl wird recht überschaubar sein).
Wenn du die Privatpatienten damit überraschst, dann wird es Probleme hageln. Und massig schlechte Bewertungen im Internet geben. Auf letzteres wirst du dich sowieso einstellen müssen. Aber es gibt Anwaltskanzleien, die darauf spezialisiert sind, solche Bewertungen verschwinden zu lassen. Die Kosten dafür kannst du ja direkt mit einkalkulieren.
Danke für Deinen Rat!
Also mein Plan ist, die Honorarvereinbarung mit allen bestehenden Patienten erst zu besprechen, und dann erst zu deren nächsten Termin zu aktivieren.
So dürfte es keine Problem geben und es kommt nur, wem ich das auch wert bin.
200.000 Euro, ich kommt :-)
Don't feed the troll. Die Idee ist für jeden, der tatsächlich Praxisinhaber ist, aus verschiedenen Gründen so hanebüchen, das kann nicht ernst gemeint sein.
Cingulum123
30.03.2021, 14:43
Mal ganz doof gefragt: sind 120 000 Euro für einen halben KV sitzt für eine scheinbar konservative Praxis (lese nichts von OP) wirklich so schlecht? Wieviel kommt denn da monatlich/jährlich aufm Konto an?
GelbeKlamotten
30.03.2021, 15:00
Mal ganz doof gefragt: sind 120 000 Euro für einen halben KV sitzt für eine scheinbar konservative Praxis (lese nichts von OP) wirklich so schlecht? Wieviel kommt denn da monatlich/jährlich aufm Konto an?
120.000 Euro Umsatz wäre nicht besonders viel. Da wird nach Abzug aller Kosten weniger als ein Assistenzarzt-Tarifgehalt übrig bleiben. Ich fürchte aber die Threaderstellerin kann Umsatz und Gewinn gar nicht unterscheiden und hat wohl auch eher keine Praxis.
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