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anignu
29.06.2021, 01:13
Radiologie ist seit der neuen WBO ein Fach der unmittelbaren Patientenversorgung ;)
Nicht in Bayern.

Nachdem man ja als FA mit Diensten einen gewissen finanziellen Standard gewohnt ist, wollte ich einmal fragen, wie ihr die Chancen seht, ein halbwegs vergleichbares Gehalt wie das tarifliche FA-Grundgehalt heraus zu handeln? In der Klinik sollte das (meiner Recherche nach zumindest) ja eigentlich kein größeres Problem sein, bei den Praxen scheint das sehr variabel zu sein.
Bzgl. Klinik: Das ist ein wenig Verhandlungssache, also ob im Arbeitsvertrag die Einstellung als Assistenzarzt oder Facharzt erfolgt.
Auf der anderen Seite: nach Tarifvertrag müssen dir ja als Assistenzarzt die Zeiten ärztlicher Tätigkeit angerechnet werden, du müsstest also mindestens Stufe 5 eher Stufe 6 bei Eingruppierung in Gruppe I eingestuft werden. Sooo viel Unterschied ist da nach Abzug der Steuern auch nimmer zu Facharzt Stufe 1. Von den guten 150€ bleiben ja nicht mal 100€ übrig.
Bzgl. Praxis: da gibt es die wüstesten Spannen was bezahlt wird und für wieviele Stunden. Aufgrund der Förderung für Allgemeinmediziner scheint das echt lukrativ zu sein sich einen WBA einzustellen dass der Verhandlungsspielraum je nach Region, Bewerberlage, Vorerfahrungen und Praxisinhaber ziemlich groß ist.

Fr.Pelz
29.06.2021, 07:40
Ui, wenn das natürlich einen Unterschied von >2J ausmachen würde, machts vielleicht Sinn das Bundesland zu wechseln?

Auf jeden Fall kannst du deinen Einzelfall von deiner ÄK prüfen lassen und dann geben die dir schriftlich, welche Fächer/Bereiche sie von dir möchten.

Fiorella
30.06.2021, 08:47
Hallo zusammen!

Herzlichen Dank für eure schnellen und hilfreichen Antworten!
Ich habe zwischenzeitlich mit der Bayerischen LÄK gesprochen - diese zeigt sich genau so unnachgiebig und unflexibel wie erwartet.
Es ist tatsächlich keinerlei Anrechnung möglich :(
Schon unglaublich, dass die einzelnen Landesärztekammern bei solchen fundamentalen Beschlüssen ohne Grund ihr eigenes Süppchen kochen dürfen. Während ich in nahezu allen anderen Bundesländern in 2 Jahren durch wäre, würde ich hier also quasi mit einem Anfänger, frisch von der Uni gleich gestellt und müsste die vollen 60 Monate ableisten...Da fehlen mir schon ein wenig die Worte!

Jetzt hilft ja aber bekanntlich alles Jammern und Ärgern nicht weiter, daher frage ich mich, wie ich jetzt weiter machen sollte - im Herbst diesen Jahres findet wohl die ärztliche Tagung der BLÄK statt und ich meine gehört zu haben, dass eine neue WBO für nächstes Jahr geplant ist.
Ich könnte jetzt also darauf spekulieren, dass auch Bayern den FA Radiologie zukünftig anerkennt - alternativ könnte ich jetzt anfangen, befürchte allerdings, dass ich dann in der alten bzw. jetzigen WBO hängen würde, wenn o.g. Fall eintreten sollte.
Habt ihr vielleicht noch einen Rat?

Liebe Grüße und einen schönen Tag!

vanilleeis
30.06.2021, 09:11
Was Du noch versuchen könntest, ist ein Antrag auf Einzelfallprüfung.

Ach so, und wenn die WBO während einer laufenden WB wechselt, kannst Du immer freiwillig in die neue WBO wechseln.

Jule-Aline
30.06.2021, 12:49
Wohnst Du in Pendelnähe zu Hessen, Thüringen, Sachsen oder Baden- Württemberg?
Da könntest du sonst die Weiterbildung machen.

Bonnerin
30.06.2021, 14:32
Ganz doofe Frage, korrigiert mich bitte, wenn ich fasch liege: Es zählt doch für die Prüfung nur die letzte Kammer, in deren Bezirk man gearbeitet hat, oder?

Wäre es da nicht möglich, von den 24 Monaten Allgemeinmedizin einfach 21 in Bayern und zu machen und dann für 3 Monate dann in einem der von Jule-Aline genannten Bundesländern mit Zweitwohnsitz zu leben? Dort dann die Prüfung machen und anschließend Zweitwohnsitz weg und wieder komplett nach Bayern?

Jule-Aline
30.06.2021, 16:22
Genau, es zählt, wo du arbeitest. Ansonsten der Wohnort wenn man keine Stelle hat.

Fiorella
30.06.2021, 16:55
Was Du noch versuchen könntest, ist ein Antrag auf Einzelfallprüfung.

Ach so, und wenn die WBO während einer laufenden WB wechselt, kannst Du immer freiwillig in die neue WBO wechseln.

Das ist eine superwichtige Info, vielen Dank dafür!! Dann würde ich ja auf keinen Fall etwas verlieren, falls ich zeitnah anfange :)
Leider ist Pendeln keine Option und ein Umzug durch Haus und Familie kommt auch nicht in Frage :-winky

Bonnerin
30.06.2021, 19:19
Wobei man trotzdem überlegen sollte, ob 3 Monate lang ein 2. Wohnort möglich wäre. Alternative wären ja mehrere Jahre u.a. auch in der Inneren im Krankenhaus mit Nacht-/Bereitschaftsdiensten mit gegebenenfalls auch Gehaltseinbußen.

Fiorella
30.06.2021, 22:11
Hallo Bonnerin,

Das ist ein sehr guter Punkt! Vielen Dank, ich behalte die Möglichkeit definitiv auf dem Schirm. Da hätte ich schon etwas im Kopf, wie das klappen könnte!

Wie schätzt ihr in der Allgemeinmedizin tätigen Kolleginnen und Kollegen die Sache eigentlich ehrlich ein?
Denn jetzt zugegeben lernt man in der Radiologie weder das Management eines Herzinfarktes, einer hypertensiven Krise oder aller sonstigen internistischen Akutfälle - auch wenn man an diesen mal mehr, mal weniger beteiligt ist.
Würdet ihr es unter diesen Bedingungen als großen Nachteil sehen, das Jahr Innere im KH nicht gemacht zu haben? Gibt es vielleicht direkte Erfahrungen von Quereinsteigern?
Ich wäre nicht traurig, wenn ich mir das Jahr Innere bzw. die 18 Monate an der Klinik sparen könnte, wenn es aber mit sehr großen fachlichen Einbussen einhergehen würde, dann würde ich mich da schon durchbeissen :-nix

Fr.Pelz
01.07.2021, 07:36
Hm, also ich sehe es jetzt bei mir schon als noch notwendig an, dass ich noch Innere lerne. Vieles hab ich theoretisch eben schon öfter durchgekaut (gibt ja auch diverse Überschneidungen mit der Chirurgie und gerade in der Notaufnahme musst du ja auch bei den vorsortierten chirurgischen Patienten Innere-Diagnosen erkennen) - aber die praktische Durchführung von z.B Diabetes- und Hypertonie-Einstellung fehlt mir - und das ist ja wahrscheinlich ein nicht unerheblicher Punkt in der Praxis.

mbs
01.07.2021, 20:00
Man muss wahrscheinlich wie bei jedem Fach erstmal Erfahrung sammeln. Die Praxis ist immer anders als die Theorie. Viel besteht sicher auch aus Soft Skills - was nutzt die beste Medikamenteneinstellung wenn der Betroffene diese nicht nimmt weil sie zu groß oder zu viele sind, oder mehr oder weniger eingebildete Nebenwirkungen verursachen. Man soll nicht zu viel in die Klinik schicken, darf aber auch keine gravierenden Dinge übersehen, und das obwohl man kaum Diagnostik zur Verfügung stehen hat. Der Ansatz "in einer Stunde haben wir das Labor, wenn was auffällig ist fahren wir ihn schnell durchs CT" steht dann einfach nicht mehr zur Verfügung.
Wenn man Blutdruck, Blutzucker oder ähnliches einstellt kann man ja auch nicht mehrfach am Tag messen - man muss es managen dass der Betroffene entweder zuverlässig selbst misst und dokumentiert oder irgendwie zusehen dass man so was stationär organisiert kriegt - was abrechnungstechnisch je nach Träger der nächsten Klinik mittlerweile oft fast unmöglich sein dürfte. Vieles dürfte aus Organisation und Kommunikationstalent, vielleicht auch betriebswirtschaftlichem Know-How, bestehen.

Das sagen zumindest die Allgemeinmediziner die ich kenne. Manche finden das gut, manche eher weniger. Aber auch in der Klinik besteht nicht alles aus Medizinischem.

Für einen Einstieg und Überblick finde ich übrigens AMBOSS ganz gut. Und die Webinare von medizintogo. Sicher etwas oberflächlich, aber wenn man erstmal in viele neue Themen reinfinden muss ist zu viel Information am Anfang auch nicht unbedingt zielführend. Ab und an findet man auch bei coliquio mal einen guten Artikel, auf jeden Fall ist jeder Beitrag sehr kurz und übersichtlich - allerdings ist deren Seite heftig mit Werbung überladen.

Haffi
03.07.2021, 05:58
Ich bin derzeit ohne Internistische Erfahrung als WB-Assi in einer Hausarztpraxis und vermisse sie auch nicht. Die Ausbildung in meiner Praxis ist im Vergleich zu meinen bisherigen Klinik-Erfahrungen auf einem (im positiven Sinne) völlig anderen Niveau, sodass ich viel vor Ort lerne. Wenn du irgendwie um die stationäre Innere Zeit herum kommen kannst: Nutze das! Ich muss leider noch ein Jahr hinter mich bringen und bin mir jetzt schon sicher, dass ich anschließend genau so schlau sein werde wie vorher.

dgy999
04.07.2021, 11:32
Hallo Leute,

ich habe ebenfalls interesse daran Allgemeinmediziner zu werden. Ich selber arbeite in der Klinik als Chirurg (assistenzarzt) und so langsam bin ich den Klinikalltag satt, vor allem dass ich z.B. 4 Wochenenden hintereinander Dienst hatte. MUss sagen, dass meine Mutter eine gut laufende Allgemeinmedizinerpraxis hat und ich halt die Chance habe, diese zu übernehmen.

Sind die Weiterbildungsverordnungen der einzelnen Bundeslänger gleich? Gibt es ein Bundesland in dem es zeitlich gesehen, günstiger ist die WEiterbidung zu machen? Mir fehlt halt das Jahr Innere, welches ich gerne umgehen will. Was ich von anderen Freunden noch aus dem Studium gehört habe bzgl. der Ausnutzung und den Arbeitsbedingungen in der Innren wiederstrebt es sich mir dort anzufangen.

Kann jemand eine Innrere Medizin Abteilung empfehlen die ganz gut ist in sachen Weiterbildung und Bezahlung?

Grüße und Danke

cartablanca
04.07.2021, 12:59
Ist schon schade, dass immer wieder Chirurgen am Ende Allgemeinmediziner werden. Seh es auch in meinem Umfeld. Vergeudetes Wissen und Können.

Evil
04.07.2021, 13:42
Warum genau vergeudet? Bist Du der Meinung, daß Allgemeinmedizin eine anspruchslose Tätigkeit ist?

cartablanca
04.07.2021, 14:04
Nein natürlich nicht. Allgemeinmedizin ist ein sehr vielseitiges schönes Fach, das innere Medizin, Pädiatrie, HNO, Dermatologie, kleine Chirurgie, Psychosomatik, u.v.m. vereint. Nur die speziellen chirurgischen Fertigkeiten, die man erlernt hat, werden am Ende nicht mehr genutzt. Das war gemeint.

DrSkywalker
04.07.2021, 16:33
Tja, es hat ja gute Gründe, warum alle in die Allgemeinmedizin flüchten. Wenn die Chirurgen ihren Nachwuchs behalten wollen sollten sie sich überlegen welche Arbeitsbedingungen noch adäquat sind.

mbs
04.07.2021, 17:06
Auch in der Chirurgie muss man zunehmen mehr über andere Fachgebiete wissen, mit bestimmten internistischen Erkrankungen umgehen. Und man lernt aus jedem Konsil, vor allem wenn man es immer per Telefon erledigt. Man ist nur in einer sehr engen, straffen Hierarchie gefangen. Keine Wertschätzung, begrenzte Möglichkeiten selbst zu entscheiden. Teilweise werden sogar die Entscheidungen langjähriger Oberärzte hinterfragt und revidiert; inklusive einer Standpauke vor versammelter Mannschaft. Hinterher wissen es immer alle besser. Das ist keine Perspektive die man sich ernsthaft langfristig antun will.

Als Allgemeinmediziner ist man da eher sein eigener Herr. Nicht der Depp vom Dienst, der Diener von anderen. Kann sein, dass das eine überromantisierte, unrealistische Vorstellung meinerseits ist. Dass die Allgemeinmediziner die ich kenne ihren Job in der Hinsicht übermäßig positiv präsentieren.

Markian
04.07.2021, 17:23
Ich glaub um das Jahr Innere sollte man sich auch nicht drücken. Auch wenn ich nahezu jede Minute unter Stress bin lernt man doch viele nützliche Sachen. Diese werden mir dann später als Allgemeinarzt durchaus sehr helfen. Bei mir ist es eher, dass ich keinen Chirurgieteil machen will, aber mir schon bewusst ist, dass es insbesondere auf Wundversorgung etc. keine besonders gute Idee ist. Mich würde mal von den erfahrenen Allgemeinmedizinern hier interessieren wie oft ihr die Stelle gewechselt habt?