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Feuerblick
19.08.2022, 19:24
Es muss ja auch nicht gleich die Uni-Augenklinik sein. Aber meines Erachtes wird man durch reine Praxis-Ausbildung halt nur Facharzt für leicht erkennbare Augenkrankheiten und schickt alles, was nicht in die Kategorie passt, ungefiltert weiter. Solche Fachärzte gab es früher auch schon. Zu Zeiten als man nur drei oder vier Jahre Weiterbildungszeit brauchte.

Meuli
19.08.2022, 19:39
Häh? Drei oder vier Jahre? Ich dachte zwei Wochen … du verwirrst mich^^

Feuerblick
19.08.2022, 19:42
Mist, ich wusste, irgendwer würde mich erwischen! :-))

runningMan18
19.08.2022, 20:27
Mein Problem aber ist, dass ich keine Lust auf 24h Dienste habe. Deswegen kommt eine Klinik einfach überhaupt nicht mehr in Frage für mich. Und ob man wirklich so viel in Kliniken lernt , stelle ich auch mal in Frage. Einige Fachärzte aus Augenpraxen, die ich kennen lernen durfte, haben mir öfters erzählt, dass dies eben nicht in der Klinik der Fall war. Ja man sieht mehr als in der Praxis, da stimme ich zu, aber es wird dir wegen der wenigen Zeit der Oberärzte eben nicht erklärt, was es genau ist. Vielleicht waren es auch nur schlechte Kliniken an denen die Ärzte waren. Ich hatte mich auch noch umgehört und erfahren, dass auch an kleinen Kliniken 4-6 mal im Monat Dienste geleistet werden müssen. Ich gehöre zu der Kategorie Menschen, die sich nicht für ihren Beruf aufopfern lassen wollen. Ich will nach 40h nach Hause gehen und gut ist. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich auch nicht noch einmal Medizin studieren würde.

@Feuerblick: Und wo bist du eigentlich jetzt tätig? Praxis, Klinik, Forschung, Uni?

Und noch was: Ich hasse mittlerweile diese Mentalität: "Ach komm, zieh die x Jahre durch, dann hast du es geschafft." Das ist meiner Meinung nach ne absolute Loser Einstellung. Gerade wir müssen doch wissen, dass das Leben so schnell vorbei sein kann. Deswegen werde ich einfach nach meinem grauenvollen PJ nie wieder meine wertvolle Zeit für einen Job verschwenden, der mich nicht glücklich macht. Ich werde trotzdem dein Tipp zu Herzen nehmen und mir trotzdem Kliniken anschauen und dort auch hospitieren, aber allein wegen den Diensten, bin ich eigentlich schon raus. Keinen Bock auf so einen scheiß.

Feuerblick
19.08.2022, 20:41
Ich weiß zwar nicht, an welcher Augenklinik du dein PJ gemacht hast, aber das Gejammere wegen 24-Stunden-Diensten (die nun wirklich in der Augenheilkunde im Vergleich zu anderen Fachrichtungen lässig sind - schon alleine, weil es keine wirklichen Notfälle gibt), ist auch wegen der Ausdrucks weise („Keinen Bock auf so einen scheiß“) schon ein klein wenig… unreif.

Natürlich wirst du immer wieder jemanden finden, der dir erzählt, wie toll Praxis ist und wie schlecht und wenig man in der Klinik lernt. Nur: In beiden Bereichen hängt es von dir ab, was du mitnimmst. Nirgendwo, auch nicht in einer tollen Weiterbildungspraxis, sitzt wer neben dir und erklärt dir die Welt. Das ist auch nicht Sinn der Weiterbildung. Du siehst etwas, dein Oberarzt sagt dir, was es ist und warum und dann setzt du dich hin und liest das nach. So läuft Weiterbildung.

In der Praxis wirst du dafür nach einer gewissen Zeit FÜNF Minuten pro Patient haben. Was du da lernst? Na, nix. :-nix Ach doch: Du lernst, wie du täglich hoffst, nichts Wesentliches übersehen zu haben. Been there…

Also vielleicht mal bisschen erwachsen werden und einsehen, dass man Weiterbildung für lau nicht bekommt? Und dich dann entscheiden, ob du Schmalspur-Augendoktor werden willst oder vielleicht doch ein kompetenter Facharzt? Ich wüsste, wie ich mich entscheide.

Holthusen
19.08.2022, 22:36
Es muss ja auch nicht gleich die Uni-Augenklinik sein. Aber meines Erachtes wird man durch reine Praxis-Ausbildung halt nur Facharzt für leicht erkennbare Augenkrankheiten und schickt alles, was nicht in die Kategorie passt, ungefiltert weiter. Solche Fachärzte gab es früher auch schon. Zu Zeiten als man nur drei oder vier Jahre Weiterbildungszeit brauchte.

Bei letzterem stimme ich zu, bei ersterem würde ich beachten, dass auch die Uniklinik Augenkliniken keine reinen "Kammern des Schreckens" sind. Man kann es sich zumindest mal anschauen und bei Missfallen dann immer noch verwerfen.

Feuerblick
20.08.2022, 08:31
Absolut. Ich war selbst an Unikliniken (weil städtische Kliniken mit dem von mir gewünschten Angebot rar waren). War absolut okay.

davo
20.08.2022, 08:43
Aus meiner Sicht ist das die falsche Entscheidung. Du sparst dir 5 Jahre lang 24h-Dienste (die in der Augenheilkunde wahrscheinlich nicht besonders anstrengend sind), aber bist dafür 37 Jahre lang ein schlechterer Facharzt. Ist aus meiner Sicht weder für dich noch für deine Patienten ein guter Deal.

Die Weiterbildungsordnungen so zu ändern, dass dies möglich ist, war aus meiner Sicht ein großer Fehler.

P.S.: Ist eigentlich logisch, dass man an kleineren Abteilungen mehr Dienste machen muss, oder?

runningMan18
20.08.2022, 13:15
Ihr habt ja Recht, ich versuche nur einen Kompromiss für mich zu finden, dass ich auch einiges in der Zeit lernen kann.
Dieses Zitat hat auch nichts mit "unreif" zu tun, sondern ist ein Ausdruck meiner Verzweiflung. Ich hasse das PJ so dermaßen, dass ich nie wieder in einer Klinik arbeiten möchte. Mir wird nämlich immer wieder gesagt, dass ich als Augenarzt in einer Augenklinik die Patienten ja auch internistisch behandeln muss. Ich kann ja nicht jedes Mal einen Internisten rufen und der übernimmt dann, oder? Ich kenne den Ablauf leider nicht. Nur vom Hören und sagen. Das was ich gesehen habe, war halt nur die Augenpraxis.

Und wenn mir dann gesagt wird, dass ich meine Patienten auf Station auch noch internistisch behandeln muss, wie viel "Augenheilkunde" hab ich dann wirklich?

Bonnerin
20.08.2022, 13:27
Das ist meiner Meinung nach kompletter Schwachsinn. Die meisten opthalmologischen Patient:innen sind extreme Kurzlieger:innen, die post-OP vielleicht 1-2 Tage maximal da sind. Da machst du nichts, außer im Zweifelsfall tatsächlich ein Konsil stellen. Wenns mehr ist, werden die Patient:innen auch eher regelhaft an die internistischen Disziplinen geturft, da es auf den meisten ophthalmologischen Stationen nicht mal ein Monitorbett gibt.
Und dass man halt mal auf die Medikationsliste schaut und zusieht, dass die Oma Erna weiter ihre vierfach RR-Medikation bekommt sollte in jedem stationären Fach der Fall sein.
Ansonsten ist in "Klinik" ja gerade in Auge (oder auch z.B. HNO) die Arbeit in den Ambulanzen inkludiert (was bei dem Durchsatz sogar eher mehr Patient:innen sind als auf Station).
1-2 Jahre Klinik sollten es schon sein, um die Erfahrung zu sammeln und die Supervision zu haben.

Unbedingt zusehen, dass du sehr zeitnah mal in ein paar Kliniken in der Nähe hospitierst!

Feuerblick
20.08.2022, 14:12
Genau so! Und ich weiß das sogar aus erster Hand.

nie
20.08.2022, 16:20
Ihr habt ja Recht, ich versuche nur einen Kompromiss für mich zu finden, dass ich auch einiges in der Zeit lernen kann.
Dieses Zitat hat auch nichts mit "unreif" zu tun, sondern ist ein Ausdruck meiner Verzweiflung. Ich hasse das PJ so dermaßen, dass ich nie wieder in einer Klinik arbeiten möchte. Mir wird nämlich immer wieder gesagt, dass ich als Augenarzt in einer Augenklinik die Patienten ja auch internistisch behandeln muss. Ich kann ja nicht jedes Mal einen Internisten rufen und der übernimmt dann, oder? Ich kenne den Ablauf leider nicht. Nur vom Hören und sagen. Das was ich gesehen habe, war halt nur die Augenpraxis.

Und wenn mir dann gesagt wird, dass ich meine Patienten auf Station auch noch internistisch behandeln muss, wie viel "Augenheilkunde" hab ich dann wirklich?

Was genau hasst du denn am PJ so? Was ist daran so schlimm? Die Arbeit? Die Betreuung? Die Inhalte?
Du wirst wenig Leute finden, die ihr PJ uneingeschränkt toll fanden, danach würde ich meine berufliche Zukunft jetzt wirklich nicht ausrichten.


Und zumindest unsere Augenärzte habe wenig Probleme damit, den Internisten zu rufen wenn es ein internistisches Problem gibt. Ich kann als Internistin auch nichts Opthalmologisches behandeln, was über Konjunktivitis hinaus geht. Dann rufe ich ja auch in der Augenklinik an. Aber was genau verstehst du denn unter "internistisch" behandeln? Der Mensch besteht nun mal aus mehr als Augen und auch wenn die Patient:innen sich gerade akut in der Augenklinik aufhalten, sollte man den Rest des Menschen nicht aus dem Blick verlieren. Dazu gehört eben auch, dass man z.B. Blutdruck- oder Blutzuckerentgleisungen nicht einfach ignoriert oder Patienten mit völlig derangierten Elektrolyten entlässt. Wir haben schließlich alle mal Medizin studiert und nicht nur unser eigenes Fach. Und wenn man sich halt nicht im Stande sieht, die Probleme selbst zu behandeln, sollte man zumindest in der Lage sein, das Problem zu erkennen und ein entsprechendes Konsil zu stellen.

dehosouzala-3483
24.11.2022, 08:56
Hallo!

Die ganze Diskussion find ich sehr interessant, aber ich wollte noch fragen, wie die Aussiechten der Lid-OP zu lernen sind? Aktuell bin ich seit 1,5 Jahr in einer Praxis und den Rest von der Weiterbildung wollte ich im Krankenhaus machen. Ich habe eine Stelle in Uni Klinik (ab Januar) gefunden, wo bei der Hospitation alles gut war, aber bei Blepharoplastik (und allgemein bei OPs) darf man als AA nichts mitmachen. Als Facharzt da zu bleiben ist auch schwer.

Ich habe gesehen, dass Assistenzärzte in manchen kliniken Bleparoplastik mitmachen dürfen. In der Zukunft wollte ich in die Richtung Schönheit-OPs an Lider gehen, deswegen ist es mir wichtig das irgendwann zu lernen. Wie sind die perspektive? Sollte ich später als Facharzt in eine kleinere Abteilung gehen, oder kann man das auch in Praxis lernen? Sollte ich ruhig warten und meine Weiterbilgun bis zum Ende da zu machen, oder sollte ich lieber schon früher eine Stelle suchen, wo ich das lernen könnte? Wie lange dauert das von eure Erfahrung, um Blepharoplastik richtig gut zu lernen?

Thomas24
24.11.2022, 17:54
Hallo!

Die ganze Diskussion find ich sehr interessant, aber ich wollte noch fragen, wie die Aussiechten der Lid-OP zu lernen sind? Aktuell bin ich seit 1,5 Jahr in einer Praxis und den Rest von der Weiterbildung wollte ich im Krankenhaus machen. Ich habe eine Stelle in Uni Klinik (ab Januar) gefunden, wo bei der Hospitation alles gut war, aber bei Blepharoplastik (und allgemein bei OPs) darf man als AA nichts mitmachen. Als Facharzt da zu bleiben ist auch schwer.

Ich habe gesehen, dass Assistenzärzte in manchen kliniken Bleparoplastik mitmachen dürfen. In der Zukunft wollte ich in die Richtung Schönheit-OPs an Lider gehen, deswegen ist es mir wichtig das irgendwann zu lernen. Wie sind die perspektive? Sollte ich später als Facharzt in eine kleinere Abteilung gehen, oder kann man das auch in Praxis lernen? Sollte ich ruhig warten und meine Weiterbilgun bis zum Ende da zu machen, oder sollte ich lieber schon früher eine Stelle suchen, wo ich das lernen könnte? Wie lange dauert das von eure Erfahrung, um Blepharoplastik richtig gut zu lernen?

Solange man nicht mit zwei linken Händen durch die Gegend läuft, sollte man die kleine Lidchirurge schon erlernen können. Entropium, Ektropium, Chalazion, ggf. Laterale Zügelplastik.

Blepharoplastik bei GKV konformer Indikation sehe ich auch kein Problem mit, auch mal den Assistenten "ran" zu lassen. Da steht schließlich der funktionelle Aspekt im Vordergrund, weniger die Ästhetik. Bei rein ästhetischer Indikation wird man sich als Klinik keinen Gefallen tun, dies die WBAs machen zu lassen- schließlich sind das Selbstzahlerleistungen. Keine Klinik kann sich unzufriedene Selbstzahler leisten, wenn Sie im Wettbewerb um eine zahlungskräftige/ willige Klientel mit dem niedergelassenen Sektor steht.

Feuerblick
24.11.2022, 19:09
Nun ist aber eine simple Blepharoplastik auch wirklich kein Hexenwerk. :-nix An denen hatte sogar ich ein wenig Spaß, wenn ich sie machen musste. :-))

USFFM
24.11.2022, 19:38
Hey, kann ich dir mal privat schreiben? Hätte eins zwei Fragen an dich, wenn das ok ist! Du müsstest nur "Private Nachrichten" aktivieren, danke dir!

Thomas24
24.11.2022, 19:59
Nun ist aber eine simple Blepharoplastik auch wirklich kein Hexenwerk. :-nix An denen hatte sogar ich ein wenig Spaß, wenn ich sie machen musste. :-))

Sag ja, im GKV Bereich überhaupt kein Problem. Hab in der Klinik meine WBAs auch gerne die Blephs machen lassen, wenn Sie Lust drauf hatten. Bei Selbstzahlern und P´s aus ästhetischer Indikation macht man es dann aber doch lieber selbst.

Mazungu
27.11.2022, 23:53
"Entweder keine Überstunden machen (ja, das geht… nur das wirklich Notwendige abarbeiten, alles andere bleibt liegen) oder kündigen. "

Ich bewundere Feuerblick, die an Unis ohne Überstunden die Arbeit schaffte.
Bei uns sind die augen-Stationen dermaßen voll, dass man mal alleine mit internistischen Problemen die ganze Zeit bis 17 Uhr verbringen kann. Ganz zu schweigen von der Notfallambulanz, wo du die schönsten Patienten so gegen 16:15 erst bekommst und dann nach Oberärzten noch ne Stunde oder mehr wartest. Schön wäre es, das liegen lassen zu dürfen:-)

Feuerblick
28.11.2022, 04:37
Nun, bei uns waren Station und Notfallambulanz getrennt. Station hatte man bis Mittag unter Kontrolle, Menschen mit schweren internistischen Problemen wurden möglichst verlegt oder bei nicht ganz so schweren Dingen, die einer OP im Weg standen, um ambulante Abklärung gebeten, weil ein Augenarzt die Probleme nicht lösen kann (Ausnahme Verschlusspatienten, aber dafür gibt es Konsile). Ich hab nie verstanden, warum sich manche Kollegen den ganzen Tag auf Station verkünstelt haben, obwohl ich mit gleichem Ergebnis UND vorbereiteten Briefen deutlich weniger Zeit gebraucht habe. Bei voller Station. :-nix
Die Kollegen machten Ambulanz und ab Dienst war der Dienstarzt für Notfälle zuständig. Dass man kurz vor Feierabend noch einen Notfall bekam, bei dem man ewig auf den OA warten musste, gab es in beiden Kliniken höchstselten. Meistens weiß man ja, ob ein Patient aufgenommen werden muss oder nicht. Dann geht der halt schon mal auf Station und der OA schaut da. Alles weiter -> Dienst.
Das meine ich mit „Organisation“. Ich muss nicht alles machen, nur weil ich es KÖNNTE. Und für manches ist eine Augenklinik nicht zuständig. Das hatten zum Glück auch unsere Chefs eingesehen und waren konsequent.

Mazungu
28.11.2022, 06:12
Hmm.. Sehr interessant. Bei uns herrscht eine Kuktur "verlege deine Aufgaben nicht auf den nächsten Dienstarzt". Und irgendwie ist es fair. Wusste gar nicht, dass es an der Uni anders sein kann. Die KollegInnen, die pünktlich gehen wären hier nicht lange geblieben.. Jedoch gesund ist es auch nicht.

P.s. Auf der Station kann die/der OA unangekündigt von 8 bis 17 Uhr jederzeit kommen.