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Endoplasmatisches Reticulum
13.08.2021, 13:46
Ich habe in den letzten anderthalb Jahren dermaßen viele gezielte Unverschämtheiten gegen mich und meinen Berufsstand auf allen Ebenen und aus allen Richtungen mitbekommen und selbst erlitten, dass die Wut zunehmend einer völligen Gleichgültigkeit weicht und ich mich ernsthaft frage, warum und wie lange ich mir den Mist eigentlich noch antue. Traurig, aber wahr.

pineapple
13.08.2021, 13:48
Besonders nicht überarbeitete/ übermüdete Ärzte. Die wenigsten lassen sich gerne von halbschlafenden Leuten im Bauch herumwühlen. Muss man einfach paar polarisierende Fakten mitliefern, dann kann man vielleicht Sympathien erreichen.

DrSkywalker
13.08.2021, 14:27
Wenn ich aus seriöser Quelle wüßte welche Klinik wäre ich mir nicht zu schade, das mal an eine Stelle, die das interessieren würde, durchzustecken. Wirklich, eine bodenlose Frechheit und bezeichnend für unseren Berufsstand. Leider. Das sollte wirklich nicht hingenommen werden. Welche Begründung wohl in den Hirnen der Entscheider rumschwirren. Ich gehe davon aus: Wir haben eh zu wneig Ärzte, dann können wir denen nicht noch Urlaub geben... So dumm.

cartablanca
13.08.2021, 17:48
Man hat nochmal nachgetreten: Hier gibt es ausnahmlos für alle Mitarbeiter inklusive Verwaltung, Sekretariate etc. einen zusätzlichen Urlaubstag wegen der zusätzlichen Belastung durch die Pandemie - mit einer Ausnahme: Ärzten.
Das heißt konkret dass jeder Angestellte dieser Klinik mehr wertgeschätzt wird in Bezug auf die Arbeit während der Pandemie als Ärzte. Keine Ahnung wofür man die überhaupt gebraucht hat - wo sich COVID doch so gut durch alleiniges pflegen und verwalten behandeln lässt...

Das sind wir doch selbst schuld, dass wir diesen "Status" des Fußabtreters haben. Wie oft hab ich es erlebt, dass die ärztlichen Kollegen sich gegenseitig die Augen aushackten. Immer schön 70 Stunden pro Woche arbeiten, nicht jammern, den Kollegen das Jammern verbieten, 24 Stunden Dienste durch arbeiten, akzeptieren, dass man nicht in den OP kommt, sich am Ende Operationen und Funktionsdiagnostik aufschreiben lassen, die man nie gemacht hat usw.. Flache Hierarchien - ich liebe es, wenn alle entscheiden wollen, aber nur ich rechtlich hafte. Geile Idee.

milz
13.08.2021, 20:52
Als AA ist man leider oft der DVD und in der Abhängigkeit gefangen. Als FA kann man sich aber durchaus eine vernünftige Stelle suchen und ein angemessenes Schmerzensgeld verhandeln, am einfachsten bei einem Stellenwechsel. Das bringt mehr als irgendwelchen Almosen nachzuweinen.

mbs
14.08.2021, 01:17
Der fehlende Zusammenhalt ist sicherlich ein zentrales Problem bei der Sache. Die anderen Berufsgruppen sind in der Hinsicht nicht so "dumm". Wenn irgendwo ein Dienst besetzt werden muss überschlagen sich die Leute regelrecht den zu übernehmen. Drei Wochenenden in Folge, fünf Tage Rufdienst in Folge, "auf den Urlaub nächste Woche kann ich verzichten, den kann ich gern auch wann anders nehmen" etc. sind dabei nur Beispiele. Der psychologische Hintergrund scheint zu sein, dass jeder wichtig sein will. Vorbildlicher Mitarbeiter im Sinne von "ohne mich würde der Laden zusammenbrechen". Man wäre gern unersetzbar. Die Lichtgestalt der Abteilung.

Die Realität ist aber, dass jeder, wirklich absolut jeder, ersetzbar ist. Und ersetzt wird wenn er krank wird oder die Leistung nachlässt - oder ein neuer Chef kommt dem bestimmte Leute nicht mehr so gut in den Kram passen. Sogar wenn die entsprechenden Leute einen Kniefall machen und sich im übertragenen Sinne fast selbst prostuieren und wirklich absolut alles gefallen lassen und dabei noch lächeln und sich bedanken.

Und ja, ihr habt Recht, alle ärgern sich aber keiner lässt Konsequenzen folgen. Man könnte auch ein paar mehr Überstunden aufschreiben oder einfach den einen Tag "krank" sein. Dann würde man effektiv dasselbe bekommen. Der Punkt ist aber, dass es darum gar nicht geht. Sondern den unterschwellig kommunizierten Mangel an Wertschätzung, um nicht zu sagen Verachtung.

Man will ja nicht verachtet werden, sondern die genannte Lichtgestalt sein. Das ist doch das zentrale Problem.