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Thomas24
26.09.2021, 09:54
Die Diskussion ist aus 2 Gründen müßig:
- erstens wird es sowieso auf eine Ampel oder auf Jamaika hinauslaufen, und dann nützt Lava oder daCapo das FDP-Bashing eh nix mehr, genausowenig wie das selbstgerechte "wir sind die Besseren, weil wir ja nicht nur an uns sondern auch an unsere Kinder denken"
- zweitens, und das ist viel schwerwiegender, wird durch diese Lagerbildung und das vorherige Verunglimpfen der Gegenseite die Kooperation unnötig erschwert.

Ich persönlich halte durchaus die nationale "Worst Case Koalition" RGR noch für möglich, auch wenn Scholz und ca. 30% seiner Wähler mit den Linken nichts anfangen können. Die Linke hat in den letzten Wochen immer offenere Avancen in Richtung Rot - Grün lanciert, und würden im Falle der Option auf eine Regierungsbeteiligung durchaus Forderungen wie "Ende der Nato" usw. sang- und klanglos fallen lassen. In Sachen Umwelt- Wirtschafts- und Sozialpolitik hat man eh einen großen gemeinsammen Nenner (einfach noch mehr Geld umverteilen und noch mehr "Vater Staat kümmert sich um euch"). Es wäre ihm ein leichtes, sich im Nachgang vor die Wählerschaft zu stellen und zu behaupten, man habe sich wirklich ernsthaft um die FDP bemüht, aber sei leider, leider an den inhaltlichen Differenzen zur Finanz- Wirtschafts- und Haushaltspolitik gescheitert.


Habt Ihr es immer noch nicht begriffen? Keine Partei oder Gruppierung hat DAS Erfolgsrezept, da sind überall Pferdefüße. Wir können die anstehenden Probleme nur in gemeinsamer Kooperation lösen, und das gilt nicht nur für die BRD. Und deswegen bringt streberhaftes Vorpreschen genausowenig wie Thunbergsches in-Panik-ausbrechen-und einfach-mal-irgendwas machen.

Du siehst doch, wie sehr sogar hier im Forum bei einigen Teilnehmern Lagerdenken und Emotionen hochkochen- die Fakten (beispielsweise zur Verfügbarkeit kritischer Ressourcen für die Elektrifizierung, Ausbaugeschwindigkeit der Transmissionskapazitäten, regulatorisches Framework usw. pp.) sind schon lange aus dem Fenster geflogen und werden trotzdem entweder verleugnet, oder sogar anerkannt, aber dann kleingeredet (sinngemäß: Na dann schalten ein paar Fabriken eben ab wegen Lastabwurf, oder wir haben halt mal stundenweise Brownouts im Netz, klar wird alles teurer- aber 75 Euro gibt´s ja wieder zurück...).

Das Realpolitik das Ausloten der Möglichkeiten und Kompromisse und- manchmal eben auch die Auswahl aus verschiedenen schlechten Möglichkeiten- ist, blenden einige aus. Da versprechen sich einige wirklich mehr, als ein kleines Land wie Deutschland überhaupt zu leisten fähig wäre, ohne sich komplett blank zu machen.





Und an all die, die immer wieder meinen, Deutschland würde hier allein die Welt retten wollen. Dem ist einfach nicht so. China hat beschlossen, keine Kohlekraftwerke mehr zu bauen. Ich glaube viele Länder haben erkannt, dass es so nicht mehr weiter geht. Wenn wir jetzt erstmal darauf warten, was die anderen machen, hängen wir uns selbst an.

Lava, bitte richtig zitieren. Behauptung: China baut keine Kohlekraftwerke mehr.
Tatsache: China hat bislang nur angekündigt ab 2033 keine Kohlekraftwerke außerhalb Chinas mehr bauen zu wollen. China selbst baut munter 43 weitere Kohlekraftwerke und zusätzliche 18 Hochöfen zu Ende. Außerdem werden die begonnenen Projekte im Ausland zu Ende geführt.

Derzeit bezieht China 1050 GW Energie aus Kohlekraft und allein 2020 wurden neue Kohlekraftwerke für weitere 38,4 GW in Betrieb genommen (Mal zur Perspektivischen Einordnung... Rest der Welt in 2020: 11,9 GW neue Kohleenergie. China hat also alleine im letzten Jahr dreimal so viel neue Energie aus Kohlekraft in Betrieb genommen als der Rest der Welt zusammen). Mal wieder zeigt sich: weniger auf politische Statements auf einer Pressekonferenz achten, und mehr darauf, was Politiker dann im wirklichen Leben auch tatsächlich tun.

Kackbratze
26.09.2021, 10:05
"wissenschaftliche Basis" und "Projektionen für die Zukunft des Weltklimas" sind ein grosser Unterschied.
Die Projektionen bei Corona waren schon erweitertes Kaffeesatzlesen, wie sollen wir das Klima in 20 Jahren vorhersagen können?
Die Malediven sind weiterhin nicht untergegangen, die entvölkernden Hungernöte durch Dürre in Afrika sind ausgeblieben, wir wohnen in Überflutungsgebieten und wundern uns, wenn was Wasser kommt.
Aber eine 18 jährige Asperger-Patientin und ein Politiker mit einem Film erklären uns die Welt und unsere Jugend hüpft lieber rum anstatt zu lernen, wie man Technik für die Zukunft entwickelt.
Immerhin konnte ich durch die Spritpreiseerhöhung nochmal Himbeeren ernten und eine weitere Ladung Heu auf der Wiese bekommen.

China baut keine Kohlekraftwerke in der Zukunft, weil sie AKW bauen. Wir bauen ab und bauen den Abgabenapparat auf.

Ich diskutiere gerne mit Kommunisten, die stehen wenigstens konsequent zu Ihren Thesen und können sogar Schwachpunkte ertragen und drüber nachdenken, mit Öko-Faschisten zu diskutieren, ist wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Am Ende ist alles scheiss3, weil ich weiss bin oder angeblich Flüchtlinge nicht mag. Hat zwar dann nix mit dem Thema zu tun, beendet dann aber einfach die unangenehme Diskussion über bestehende Tatsachen und den Blödsinn, der sich aus den aktuellen Massnahmen in der Zukunft ergibt.

Lava
26.09.2021, 10:20
Schade, dass ich gerade das Buch "Was, wenn wir einfach die Welt retten" verliehen habe, sonst könnte ich nochmal drin nachschlagen.
Es gibt ja nicht das EINE Szenario und die EINE Prognose. Es gibt verschiedene von - bis. Die schlimmste davon sagt quasi den Untergang der Zivilisation bis 2100 voraus, die beste sagt, dass wir die Kurve nochmal kriegen. Und das sagen nicht Grünen oder Greta oder Al Gore, das steht im IPCC Bericht. Aber OK, wenn ihr meint "wird schon nicht so schlimm werden", steht euch zu.

Und wozu diese Anfeindungen mit "Asperger Patientin"? Hat das irgendwas mit dem Thema zu tun?

Thomas24
26.09.2021, 10:33
Aber eine 18 jährige Asperger-Patientin und ein Politiker mit einem Film erklären uns die Welt und unsere Jugend hüpft lieber rum anstatt zu lernen, wie man Technik für die Zukunft entwickelt.


Die Angst eines "neurodiversen" schwedischen Teenagers zu instrumentalisieren war wirklich unter aller Sau. Sagt sogar einer der größten Manipulatoren unserer Zeit, der sich mit Desinformation und psychologischer Kriegsführung wirklich auskennen muss. https://www.youtube.com/watch?v=PK1ht85izTc


China baut keine Kohlekraftwerke in der Zukunft, weil sie AKW bauen. Wir bauen ab und bauen den Abgabenapparat auf.

China baut sowohl Kohle- als auch Atomkraftwerke auf. Wir, und damit meine ich den woken Westen von US über Europa, sind fröhlich dabei unsere eigene Energieinfrastruktur um ein vielfaches teurer, instabiler und gleichzeitig unzuverlässiger zu machen. Das hat auch geopolitische und sicherheitspolitische Aspekte, die hier im Wahlkampfforum noch nicht mal angesprochen worden sind. Das nimmt man in China und Russland erfreut zur Kenntnis.


Ich diskutiere gerne mit Kommunisten, die stehen wenigstens konsequent zu Ihren Thesen und können sogar Schwachpunkte ertragen und drüber nachdenken, mit Öko-Faschisten zu diskutieren, ist wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Am Ende ist alles scheiss3, weil ich weiss bin oder angeblich Flüchtlinge nicht mag. Hat zwar dann nix mit dem Thema zu tun, beendet dann aber einfach die unangenehme Diskussion über bestehende Tatsachen und den Blödsinn, der sich aus den aktuellen Massnahmen in der Zukunft ergibt.

Fairerweise muss man ja sagen, dass nicht alle Grün Wähler fanatische "Öko- Faschisten" oder Tagträumer sind. Sind ja durchaus auch vernünftige Leute dabei, die die Grenzen des technisch machbaren, finanzierbaren und sozial und politisch verantwortbaren anerkennen. Es ist sicherlich auch innerhalb der Grünen Anhängerschaft nur eine lautstarke und radikale Minderheit, die mit einer De- Industrialisierten Gesellschaft kein Problem hätten- der sicherlich weit überproportionale Rest macht sich eben genuine und in Teilen durchaus gerechtfertigte Sorgen um die Lebensgrundlagen unserer Gesellschaft und empfindet das Thema nicht ausreichend addressiert- aber ohne gleich in Weltuntergangsphantasien abzudriften.

Und da die Grünen keine absolute Mehrheit erringen werden, sondern mit anderen Partnern koalieren müssen, die ebenfalls nicht zu 100% Ideologen bestehen, sondern auch gerne in 5 Jahren Wärme und Licht zu Hause haben wollen, wird es kein "Finis Germaniae" oder Selbstmord aus Angst vor dem Tod werden.

DrSkywalker
26.09.2021, 10:49
Um es mit Rudi Völler zu sagen : der Thread erreicht einen tiefpunkt und dann einen tieferen tiefpunkt und dann einen noch tieferen tiefpunkt! Ihr sitzt wohl vorm Rechner und habt drei weizenbier getrunken oder was?

milz
26.09.2021, 11:00
Ich bin im Herzen auch "grün" und sehe den Klimawandel und die ganzen ökologischen Probleme als sehr dringlich an.
Umso mehr verstehe ich nicht, warum die Grünen dann ihren Wählern ans Bein treten wollen. Abschaffung Ehegattensplitting (es hat meist einen Grund, wenn einer zuhause bleibt), m. E. Abschaffung Minijobs, progressive Besteuerung von Kapitalerträgen. Und das obwohl man jetzt schon das halbe Jahr für den Staat arbeiten geht. Da lohnt sich arbeiten und privat vorsorgen auch immer weniger!

PS: Gibt es eine Partei, die sich mal eine Begrenzung der Steuerverschwendung (riesiger Bundestag, ausufernde Beratungsaufträge, Vetternwirtschaft) zum Ziel gesetzt hat? Wohl eher nicht. In diesem Sinne kann immer noch mehr Steuern zahlen nicht die Lösung sein.

Partyarthy
26.09.2021, 12:24
Du siehst doch, wie sehr sogar hier im Forum bei einigen Teilnehmern Lagerdenken und Emotionen hochkochen- die Fakten (beispielsweise zur Verfügbarkeit kritischer Ressourcen für die Elektrifizierung, Ausbaugeschwindigkeit der Transmissionskapazitäten, regulatorisches Framework usw. pp.) sind schon lange aus dem Fenster geflogen und werden trotzdem entweder verleugnet, oder sogar anerkannt, aber dann kleingeredet (sinngemäß: Na dann schalten ein paar Fabriken eben ab wegen Lastabwurf, oder wir haben halt mal stundenweise Brownouts im Netz, klar wird alles teurer- aber 75 Euro gibt´s ja wieder zurück...).



Da du dem Lagerdenken nicht zum Opfer gefallen bist, deine Emotionen nicht hochkochen und du nüchtern allein auf die Fakten guckst, erklär doch mal wie Union/FDP ihre Wahlprogramme finanzieren wollen. Wirtschaftsforscher (z.B. Marcel Fratzscher) sehen da eher schwarz... Oder wissen die Politiker etwas, was die Wirtschaftsforscher nicht wissen? :-nix




PS: Gibt es eine Partei, die sich mal eine Begrenzung der Steuerverschwendung (riesiger Bundestag, ausufernde Beratungsaufträge, Vetternwirtschaft) zum Ziel gesetzt hat? Wohl eher nicht. In diesem Sinne kann immer noch mehr Steuern zahlen nicht die Lösung sein.
All diese Dinge machen die Reichen noch reicher. Auch die Politik der Union/FDP würde die Reichen noch reicher machen. Kann also auch nicht die Lösung sein.

Zum Thema Egoismus vs. Altruismus: Falls wir als Gesellschaft weiterhin in einem sicheren und reichen Land leben möchten, müssen wir darauf achten, dass die soziale Ungerechtigkeit nicht noch weiter steigt, denn so etwas kann ganz schnell nach hinten losgehen für uns alle. Und ja, dazu gehört z.B., dass ich nicht für eine Politik stimme, die mich vermögender machen würde und die Armen ärmer (reiner Egoismus).
Momentan ist unsere Demokratie in Schieflage, weil es ca. 14 mio. Nicht-Wähler gibt. Das ist ein großen Problem. Denn für den Großteil dieser Menschen wird keine Politik gemacht. Den Vermögenden reicht es nicht aus die Union/FDP zu wählen; sie schreiben an Gesetzen mit, sind eng mit der politischen Kaste verflochten. Wie viele von den Hartz4-Empfängern, von den in Armut lebenden Rentnern oder den Alleinerziehenden, die sich die Miete nicht mehr leisten können, schreiben ebenfalls an Gesetzen mit? Die haben einfach keine Lobby. Die oberen 10% müssen vor diesen Menschen keine Angst haben, denn diese gehen schon lange nicht mehr wählen...
Meiner Meinung nach bräuchten wir ganz dringend eine Wahlpflicht. Dann kommt in alle Parteien Bewegung rein, denn dann müsste man plötzlich für ALLE Politik machen und die besten Ideen gewinnen = Konkurrenz belebt das Geschäft und so (quasi ein feuchter Traum aller Liberalen ;-))

So und nun geh ich mal meine Kreuzchen machen... :-dance

Nefazodon
26.09.2021, 12:40
Meiner Meinung nach bräuchten wir ganz dringend eine Wahlpflicht. Dann kommt in alle Parteien Bewegung rein, denn dann müsste man plötzlich für ALLE Politik machen und die besten Ideen gewinnen = Konkurrenz belebt das Geschäft und so (quasi ein feuchter Traum aller Liberalen ;-))

So und nun geh ich mal meine Kreuzchen machen... :-dance

Ein gruseliger Gedanke.

Wie würdest Du das kontrollieren wollen? Und wie sanktionieren?

Ich bin der Meinung, alle die sich nicht für Politik interessieren sollen mal lieber zuhause bleiben....
das verhindert, dass Parteien Einfluss erlangen, in dem sie Protestwähler mit billigen Parolen und "Anti-Stimmung" ködern
Und: die Stimmen all jener die WÄHLEN WOLLEN, zählen dann mehr....und so sollte es sein.

Wählen ist ein Privileg. Eine PFLICHT sollte es nie werden. Dabei kommt nur Unsinn raus.

Partyarthy
26.09.2021, 13:36
Ein gruseliger Gedanke.

Wie würdest Du das kontrollieren wollen? Und wie sanktionieren?


Naja, es gibt ja eine Liste, auf der man sieht, wer wählen war und wer nicht. Über das sanktionieren kann man diskutieren (z.B. eine Art Gebühr).
Und damit es eben keine (erfolgreichen) Parteien gibt, die "Protestwähler mit billigen Parolen und "Anti-Stimmung" ködern", müssen sich die etablierten Parteien mehr Mühe geben und vor allem Politik machen, die mehr Menschen zugute kommt und nicht nur der eigenen wohlhabenden Klientel. Oder will man mir erzählen, dass unsere Regierung sich Tag und Nacht Gedanken darüber macht, wie man das Auseinanderklaffen der Gesellschaft verhindert und das beste Ergebnis ist die Politik der letzten Jahre? :-nix



Und: die Stimmen all jener die WÄHLEN WOLLEN, zählen dann mehr....und so sollte es sein.
Ich finde das ist ein gruseliges Verständnis von Demokratie: Die reiche Minderheit geht wählen und ihre Stimme zählt mehr.

Thomas24
26.09.2021, 13:59
Da du dem Lagerdenken nicht zum Opfer gefallen bist, deine Emotionen nicht hochkochen und du nüchtern allein auf die Fakten guckst, erklär doch mal wie Union/FDP ihre Wahlprogramme finanzieren wollen. Wirtschaftsforscher (z.B. Marcel Fratzscher) sehen da eher schwarz... Oder wissen die Politiker etwas, was die Wirtschaftsforscher nicht wissen? :-nix

Erstmal: danke für deinen Beitrag. Ich teile bereits die Prämisse (anstehender Weltuntergang in wenigen Jahren, letzte Generation, die "Kipppunkte" noch abwenden kann usw.) nicht, infolgedessen teile ich auch nicht die vorgeschlagene Problemlösungen aus dem linken Parteienspektrum nicht. Das hindert mich aber nicht daran, anzuerkennen, dass es andere Meinungen im politischen Spektrum gibt, die auch ihre Berechtigung haben. Verlust der Biodiversität etc. ist tatsächlich ein Problem. Aber sehen wir doch mal den bisher erzielten "Erfolgen" ins Auge. Wir haben bislang knapp 600 Mrd. Euro in die Energiewende gesteckt- und versuchen zeitgleich aus Atomenergie und Kohleenergie auszusteigen. Dafür zahlen wir die höchsten Energiekosten in Europa. Derzeit gehen die Erdgas und Kohlepreise durch die Decke. Andere europäische Partner haben nicht vor, denselben Weg zu gehen wie wir (wie neulich in Italien, Frankreich und gesamt Osteuropa zu sehen)- und außerhalb Europas schon mal gar nicht. Und dennoch wollen wir unbeirrt diesen Kurs fortsetzen. Das ganze hat auf mich schon was von, wie Kackbratze es so schön formuliert hat: Clont hilft nicht- also nehmen wir mehr Clont.


All diese Dinge machen die Reichen noch reicher. Auch die Politik der Union/FDP würde die Reichen noch reicher machen. Kann also auch nicht die Lösung sein.

Wer sind denn diese ominösen Reichen, von denen immer die Rede ist? Das ist doch wohl abhängig vom Kontext.
Auch die Lebensumstände eines Deutschen Harz IV Empfänger sehen in gewissen Ecken der Welt sehr verlockend aus. Und vor 100 Jahren hätten noch nicht mal die reichsten Deutschen im Traum daran gedacht, dass es mal Zeiten geben würde, in denen sogar den "Ärmsten" Unterkunft, Ernährung und sogar die ärztliche Versorgung im Krankheitsfall zustehen würde.
Im Zweifelsfall trifft die ganzen "die Reichen sollen mehr zahlen" Rethorik nicht Milliardäre etc. Es trifft konkret dich: die obere Mittelschicht. Wie gesagt: wir verlieren konstant seit mehreren Jahren über 200.000 Deutsche jedes Jahr. Auch in deinem Umfeld wird es Menschen geben, die für sich in Deutschland keinen fairen Deal mehr sehen- es sind nicht unsere Faulsten und Dümmsten, die seit Jahren mit den Füßen abstimmen. Oder Sie reduzieren bei noch stärkeren Belastungen ihre Arbeitszeit und widmen sich ihrer Freizeit, Freunden, Familie und Hobbies. Selbst Marcel Fratzscher hat neulich zugegeben, dass die Gefahr besteht, dass auf steigende Belastungen theoretisch die Anzahl der Höchststeuerzahler, die noch in Vollzeit arbeiten wollen, weiter abnehmen könnte.


Zum Thema Egoismus vs. Altruismus: Falls wir als Gesellschaft weiterhin in einem sicheren und reichen Land leben möchten, müssen wir darauf achten, dass die soziale Ungerechtigkeit nicht noch weiter steigt, denn so etwas kann ganz schnell nach hinten losgehen für uns alle. Und ja, dazu gehört z.B., dass ich nicht für eine Politik stimme, die mich vermögender machen würde und die Armen ärmer (reiner Egoismus).

Und du siehst da keinen Widerspruch drin, den Verursachern in Politik und Zentralbanken noch mehr Macht und Möglichkeiten in die Hand zu geben? Und du hast auch keine Bauchschmerzen dabei, eine Politik zu unterstützen, die z.B. über eine um mehrere Jahre vorgezogene forcierte CO2 Bepreisung etc. die Lebensumstände der von Dir genannten Armen eben noch stärker unter Druck setzen würde, als uns? Die Lasten eines "Green new Deal" werden alles andere als fair verteilt werden, glaub mal.


Momentan ist unsere Demokratie in Schieflage, weil es ca. 14 mio. Nicht-Wähler gibt. Das ist ein großen Problem. Denn für den Großteil dieser Menschen wird keine Politik gemacht. Den Vermögenden reicht es nicht aus die Union/FDP zu wählen; sie schreiben an Gesetzen mit, sind eng mit der politischen Kaste verflochten. Wie viele von den Hartz4-Empfängern, von den in Armut lebenden Rentnern oder den Alleinerziehenden, die sich die Miete nicht mehr leisten können, schreiben ebenfalls an Gesetzen mit? Die haben einfach keine Lobby. Die oberen 10% müssen vor diesen Menschen keine Angst haben, denn diese gehen schon lange nicht mehr wählen...

Sagen wir mal so: in Sachsen und Thüringen hat die AfD eine gute Chance auch bereits jetzt die demokratischen Parteien auf die Plätze zu verweisen. Und um den Nachwuchs müssen die sich ebenfalls keine Sorgen machen- die U 18 Wahl hat die AfD auf Platz 1 gesehen (Grüne Platz 6). Ja, die Nicht- Wähler stellen ein Problem dar. Für sich genommen, wären die Nicht- Wähler sogar die stärkste politische Kraft. Unsere existierende Parteiendemokratie hat anscheinend erheblich an Strahlkraft verloren.



Meiner Meinung nach bräuchten wir ganz dringend eine Wahlpflicht. Dann kommt in alle Parteien Bewegung rein, denn dann müsste man plötzlich für ALLE Politik machen und die besten Ideen gewinnen = Konkurrenz belebt das Geschäft und so (quasi ein feuchter Traum aller Liberalen ;-))

So und nun geh ich mal meine Kreuzchen machen... :-dance

Von einer Wahlpflicht halte ich persönlich nichts (es sei denn, es gäbe ein: "Ich halte von euch allen nichts!" Feld). Aber Konkurrenz belebt tatsächlich das Geschäft- und der Bedarf an neuen politischen Ideen ist groß. Wir haben es doch am Aufstieg (und Abstieg) von Piratenpartei, AfD etc. gesehen, wie groß die Unzufriedenheit mit dem vorhandenen politischen Angebot ist. Auch hier im Forum heißt es immer: das kleinere Übel nehmen bzw. taktisch wählen.

Evil
26.09.2021, 14:24
Du siehst doch, wie sehr sogar hier im Forum bei einigen Teilnehmern Lagerdenken und Emotionen hochkochen- die Fakten (beispielsweise zur Verfügbarkeit kritischer Ressourcen für die Elektrifizierung, Ausbaugeschwindigkeit der Transmissionskapazitäten, regulatorisches Framework usw. pp.) sind schon lange aus dem Fenster geflogen und werden trotzdem entweder verleugnet, oder sogar anerkannt, aber dann kleingeredet (sinngemäß: Na dann schalten ein paar Fabriken eben ab wegen Lastabwurf, oder wir haben halt mal stundenweise Brownouts im Netz, klar wird alles teurer- aber 75 Euro gibt´s ja wieder zurück...).
Hmm, beim Lagerdenken machst gerade Du keine Ausnahme, das ist Dir schon klar, oder? ;-)
Du verleugnest zwar keine Fakten, lässt sie nur unerwähnt, um dann die, die Deinen Standpunkt unterfüttern, eloquent und mit viel klug klingenden Fachausdrücken auszuwalzen. So ein bisschen Blendwerk ist da schon dabei :-))

Der Klimawandel ist Realität, und der menschliche Anteil daran weitgehend sicher belegt.
Zwar saufen die Malediven nicht ab, aber der Schneeferner wird kaum die nächsten 10 Jahre überleben und die Pasterze auch nicht viel länger. Die daraus und aus der Dürre resultierende Trockenheit wird mittelfristig problematisch werden, insofern ist es mehr als sinnvoll, jetzt mal dagegen zu steuern. Und das war jetzt nur ein Beispiel.
Allein, die Vorschläge und den Habitus der Grünen halte ich für genausowenig durchdacht und effektiv wie das verkappte "weiter so" der anderen.

Thomas24
26.09.2021, 14:36
Hmm, beim Lagerdenken machst gerade Du keine Ausnahme, das ist Dir schon klar, oder? ;-)
Du verleugnest zwar keine Fakten, lässt sie nur unerwähnt, um dann die, die Deinen Standpunkt unterfüttern, eloquent und mit viel klug klingenden Fachausdrücken auszuwalzen. So ein bisschen Blendwerk ist da schon dabei :-))

Na, bei so viel attraktiver Auswahl zwischen den Geschmacksrichtungen "meh", "will ich nicht" und "will ich schon mal gar nicht- und kommt rechnerisch auch nicht hin"- tja da entscheide ich mich eben für "meh" :-D

Wie gesagt, ich sehe durchaus den Bedarf für eine neue politische Kraft mit frischen Ideen, Inhalten und Personen- außerhalb der bisher vertretenen Parteien. Haben wir aber nicht im Angebot, dann wird es eben "meh" (Und nein, die Alternative in ihrem derzeitigen Zustand und personellen Zusammensetzung, ist keine Alternative).

Partyarthy
26.09.2021, 14:48
Erstmal: danke für deinen Beitrag. Ich teile bereits die Prämisse (anstehender Weltuntergang in wenigen Jahren, letzte Generation, die "Kipppunkte" noch abwenden kann usw.) nicht, infolgedessen teile ich auch nicht die vorgeschlagene Problemlösungen aus dem linken Parteienspektrum nicht.
Ich finde es schade, dass du nicht auf meine Frage eingegangen bist. Ich bin by the way auch nicht Feuer und Flamme für die anderen Parteien. (Habe heute keine der im Bundestag vertretenen Parteien gewählt.)



Wer sind denn diese ominösen Reichen, von denen immer die Rede ist? Das ist doch wohl abhängig vom Kontext.
Auch die Lebensumstände eines Deutschen Harz IV Empfänger sehen in gewissen Ecken der Welt sehr verlockend aus. Und vor 100 Jahren hätten noch nicht mal die reichsten Deutschen im Traum daran gedacht, dass es mal Zeiten geben würde, in denen sogar den "Ärmsten" Unterkunft, Ernährung und sogar die ärztliche Versorgung im Krankheitsfall zustehen würde.
Also, das ist nun wirklich ein Paradebeispiel für Whataboutism. Jetzt sollen die Menschen, die von profitgeilen Immobilienfirmen aus ihren Wohnungen gedrängt werden, einfach mal dankbar sein, dass sie nicht im Deutschland vor 100 Jahren bzw. in anderen "gewissen Ecken der Welt" leben... Ein Totschlagargument für alles. Wenn man aber den Reichen (wer soll das überhaupt sein, gibt es überhaupt reiche Menschen in Deutschland?) sagt, sie werden schon nicht am Hungertuch nagen müssen, wenn sie 3% von ihrem Einkommen abgeben, dann geht gleich morgen das Abendland unter.


Im Zweifelsfall trifft die ganzen "die Reichen sollen mehr zahlen" Rethorik nicht Milliardäre etc. Es trifft konkret dich: die obere Mittelschicht.
Was meinst du mit es "trifft" mich? Werde ich mir meine Miete nicht mehr leisten können, muss ich am Ende des Monats jeden Euro zweimal umdrehen, wenn ich Lebensmittel einkaufen gehe?




Und du siehst da keinen Widerspruch drin, den Verursachern in Politik und Zentralbanken noch mehr Macht und Möglichkeiten in die Hand zu geben?
Das musst du mir mal erklären.



Von einer Wahlpflicht halte ich persönlich nichts (es sei denn, es gäbe ein: "Ich halte von euch allen nichts!" Feld).
Es darf natürlich niemand gezwungen werden, eine gültige Stimme abzugeben. Von daher gibt es dieses "Ihr könnt mich mal"-Feld. Dass dadurch die AfD extrem an Macht gewinnt, glaub ich nicht mal. Menschen, die sie wählen wollen, tun das auch. Sie sind nicht dumm, sehen sich nur, zu Recht, nicht mehr adäquat repräsentiert. (Wie z.B. Feuerblick, bevor die AfD aufkam, wenn ich mich recht entsinne.)

Partyarthy
26.09.2021, 15:08
Na, bei so viel attraktiver Auswahl zwischen den Geschmacksrichtungen "meh", "will ich nicht" und "will ich schon mal gar nicht- und kommt rechnerisch auch nicht hin"- tja da entscheide ich mich eben für "meh" :-D

Wie gesagt, ich sehe durchaus den Bedarf für eine neue politische Kraft mit frischen Ideen, Inhalten und Personen- außerhalb der bisher vertretenen Parteien. Haben wir aber nicht im Angebot, dann wird es eben "meh" (Und nein, die Alternative in ihrem derzeitigen Zustand und personellen Zusammensetzung, ist keine Alternative).
Wir sind uns also alle einig, dass die Politik der letzten Jahre "meh" war. Das ist doch schon mal eine gute Basis.
Mir persönlich geht nun wirklich keiner ab, wenn die Reichen mehr mehr besteuert werden sollen. Und mag sein, dass nicht die Summe der Steuereinnahmen das Problem ist, sondern deren Verteilung. Ich bin kein Finanzexperte o.ä. Aber ich gucke mir an, wer für diese fehlerhafte Verteilung verantwortlich ist (Spoiler: die Regierung) und ziehe daraus meine Schlüsse.
Wenn man nicht gerade als Lobbyist tätig ist, bleibt einem nur die Wahl um die Regierung abzustrafen. Wenn die Angst vor der AfD, dem Kommunismus etc. so groß ist, dann sollte man seine Politik etwas abändern und nicht nur auf die Konkurrenz verweisen nach dem Motto "die sind noch schlimmer als wir".

McLaren422
26.09.2021, 16:09
https://www.youtube.com/watch?v=Zsoa0EXkNxU

weils grad so gut passt :D

Salzi19
26.09.2021, 16:13
Gab es bei euren Wahllokalen heute auch Sicherheitspersonal davor? :-nix

Partyarthy
26.09.2021, 16:25
Nö, nix gesehen.

McLaren422
26.09.2021, 17:14
Prognose 15% bei den Grünen, immer noch 10,1% zu viel, aber nicht mehr ganz so schlimm wie noch vor paar Monaten :D

Bonnerin
26.09.2021, 17:24
AFD schwankt um die 10%, das ist immer noch zu viel aber besser als letztes Mal.
Dank abgestürzter Linkspartei ist Rot-Rot-Grün wohl gar keine Option (zum Glück!), das freut mich auch sehr!

Da sicherlich keiner Neuwahlen will und CDU/CSU und SPD sicher nicht nochmal 4 Jahre zusammen regieren wollen...tja, da müssen SPD und Grüne wohl ein paar Zugeständnisse machen für ne Ampel unter Scholz.

McLaren422
26.09.2021, 17:26
Dass die AFD 10-12% kriegt, war schon seit Monaten klar, wundert mich 0, die mobilisieren halt ihr Klientel, aber auch nicht mehr und nicht weniger.

Aber warten wir erst mal die Hochrechnungen ab, nicht, dass wir uns zu früh bzgl RRG freuen...