Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tätigkeit als Vertretungsarzt (früher Honorararzt)
Hallo,
ich habe mal eine Frage an diejenigen, die regelmäßig/ Hauptberuflich als Honorararzt tätig sind.
Ich bin Nephrologe und wollte eigentlich wegen Zusatzweiterbildungen, Fortbildungen und aus privaten Gründen für einen begrenzten Zeitraum über Agenturen flexibel arbeiten. Ich kann bis auf die großen interventionellen Sachen aus der Kardio und Gastro eigentlich alles aus der Inneren inkl Intensivmedizin. Von beiden KVen habe ich die Rückmeldung, dass ich auch Vertretungen als HA machen kann. Ich habe zwar eine "Privatpraxis" bei der Kammer regsitriert, aber für die Notarzttätigkeit fehlt mir einfach ein 20h Beschäftigung.
Ich habe zum 31.12. gekündigt und mich im September bei zunächst 3 und aktuell 5 Agenturen, mehreren Impfzentren registiert und in Vertreterpools bei 2 KVen aufnehmen lassen. Ursprünglich habe ich mich für Vertretungseinsätze im Umkreis von 100km gemeldet. Ich bekommen von den Agenturen aber nur Angebote vom anderen Ende von Deutschland.
Ich habe mir den Start in die "Honorararzttätigkeit" einfacher vorgestellt. Habt ihr ähnliche Erfahrungen, habt ihr irgendwelche Tips? Macht es Sinn, sich bei noch mehr Agenturen zu registrieren?
Ich bekomme nämlich gerade kalte Füße....
Eigentlich ist die Frage nicht an mich, da ich weder regelmäßig noch hauptberuflich als "Honorararzt" (Arbeitnehmerüberlassung) tätig bin, sondern das nur mal ein bißchen (in Absprache mit meinem Arbeitgeber) neben meiner Haupttätigkeit gemacht habe.
Vielleicht kommt es auf den eigenen Wohnsitz an, auf jeden Fall kommt es aber darauf an, was man sucht. Bin auch Internist. Einzelne Tage / Vertretungen werden mir auch mal in "fahrbarer Entfernung" angeboten, wobei unter 100 km Abstand schon eher selten ist. Für längere Einsätze, also so drei Wochen oder länger am Stück oder gar mehrere Monate muß man schon auch in anderen Bundesländern schauen. Für Wochenlöhne von 4.000 Euro finde ich das auch durchaus annehmbar. Das Angebot im eigenen Bundesland kann schon unstet sein, wenn man nicht im Osten Deutschlands wohnt. Insbesondere in der Intensivmedizin findet man aber gerade doch eigentlich immer was.
Da ich zur Zeit zum ersten Mal seit gut zwei Jahren wieder überlege, ist mir aufgefallen, dass die versprochenen Honorare im Vergleich zu von 2 Jahren tatsächlich etwas gesunken sind, insbesondere in der Intensivmedizin. Das hat mich auch ein bißchen überrascht. Meine Erfahrung vor gut 2 Jahren war allerdings ebenfalls, dass Interessensbekundungen bei besonders gutbezahlten Angeboten oft in tagelangen Hängepartien endeten, in denen der Vermittler angeblich "auf Rückmeldung wartet(e)" und am Ende nix bei rumkam. Auf der anderen Seite weiß ich aus eigener Erfahrung, dass gar nicht so wenige von den vermittelten Kollegen sich in den Einsatz-Kliniken offensichtlich fachlich oder persönlich so unterirdisch präsentiert haben, dass die nicht wieder genommen wurden und man gerade für längere Verpflichtungen gerne wieder angesprochen wurde, wenn man die Sache gut gemacht hatte.
Danke für deine Einschätzung. Das deckt sich ungefähr mit meinen Eindrücken. Ich habe erstmals 2016 damals noch als Assistenzarzt über Arbeitsvermittlung gearbeitet und ich sehe das auch so, dass das Honorar um mindestens €5-10/h niedriger ist.
Damals wie heute, glaube ich dass die Agenturen viele "Lockangebote" einstellen um an die Kontaktdaten potentieller Bewerber zu kommen. In meiner Anfangszeit habe ich gedacht es liegt daran, dass ich erst im 3 WB-Jahr gewesen bin. Aber ich merke, dass in meiner Umgebung viele Stellen in den Börsen aufgelistet sind, die definitiv nicht existieren - z.B. bei meinem aktuellen AG. Es sind auch viele Stellenbörsen auf den Agenturseiten frei zugänglich. Das war 2016 definitv nicht so. Die Angebote waren alle erst nach Registrierung sichtbar.
Auch kommt es mir vor, als ob die Vermittler einen mit einer Hinhaltetaktik vertrösten. Ob das jetzt berechnend ist oder ob die Verwaltungen der Kliniken wirklich so zögerlich sind, kann ich nicht beurteilen.
Ich merke nur gerade, dass ich etwas blauäugig an die Sache gegangen bin. Wenigstens weiß ich jetzt woran ich bin und kann mich um Alternativen kümmern. Denke mal, dass in den nächsten beiden Wochen die Auftragslage eher zurück gehen wird, weil die Personalabteilungen in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub gehen. Das medizinische Personal wird weiter an der "Front" kämpfen.
Rein finanziell lohnt es sich definitv über einen längeren Zeitraum (>1 Woche) entfernte Aufträge anzunehmen. Aber das passt für mich gerade nicht.
LasseReinböng
20.12.2021, 20:08
Hallo,
ich habe mal eine Frage an diejenigen, die regelmäßig/ Hauptberuflich als Honorararzt tätig sind.
Ich bin Nephrologe und wollte eigentlich wegen Zusatzweiterbildungen, Fortbildungen und aus privaten Gründen für einen begrenzten Zeitraum über Agenturen flexibel arbeiten. Ich kann bis auf die großen interventionellen Sachen aus der Kardio und Gastro eigentlich alles aus der Inneren inkl Intensivmedizin. Von beiden KVen habe ich die Rückmeldung, dass ich auch Vertretungen als HA machen kann. Ich habe zwar eine "Privatpraxis" bei der Kammer regsitriert, aber für die Notarzttätigkeit fehlt mir einfach ein 20h Beschäftigung.
Ich habe zum 31.12. gekündigt und mich im September bei zunächst 3 und aktuell 5 Agenturen, mehreren Impfzentren registiert und in Vertreterpools bei 2 KVen aufnehmen lassen. Ursprünglich habe ich mich für Vertretungseinsätze im Umkreis von 100km gemeldet. Ich bekommen von den Agenturen aber nur Angebote vom anderen Ende von Deutschland.
Ich habe mir den Start in die "Honorararzttätigkeit" einfacher vorgestellt. Habt ihr ähnliche Erfahrungen, habt ihr irgendwelche Tips? Macht es Sinn, sich bei noch mehr Agenturen zu registrieren?
Ich bekomme nämlich gerade kalte Füße....
Ich bin seit einiger Zeit als Honorararzt tätig, allerdings im Fach Anästhesie. Wie es für (subspezialisierte) Internisten in der Branche genau aussieht weiß ich leider nicht.
In der Anästhesie konnte ich mich über mangelnde Angebote bislang nicht beklagen, jedoch gibt es auch hier ein paar Einschränkungen, die man akzeptieren muß, v.a. bzgl. der örtlichen Flexibilität.
Nach meiner bisherigen Erfahrung ( ca. 2 Jahre dabei, bei 3 Agenturen im Verteiler) :ca. 70-80% der Angebote beziehen sich auf Kliniken im Osten Deutschlands, gefolgt von NRW ( insbes. Ruhrgebiet). Dann kommt erst mal lange gar nichts.... dann vereinzelt noch mal Kliniken in Baden-Württemberg. Ich habe bislang bis auf eine Ausnahme nur in den neuen Bundesländern gearbeitet, was für mich teilweise Anfahrtswege mit 7-8 h Bahnfahrt bedeutet hat.
Ich weiß nicht wo du deinen Lebensmittelpunkt hast, für mich im Nordwesten ist es leider nicht günstig. Nach meiner Erfahrung gibt es in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen bzw. Hamburg nur äußerst selten Angebote.
Ein weiterer Nachteil: viele Angebote beziehen sich auf kürzere Einsätze. In Kombination mit den langen Anfahrtswegen muß man sich dann überlegen, ob man z.B. für 2 Tage durch ganz Deutschland reisen möchte.
Ansonsten: für die Intensivstationen gibt es eigentlich genügend Inserate....die Vorstellung aber genügend Angebote im Umreis von 100 km zu kriegen halte ich für utopisch.
Nachtrag: ich habe bislang keine wirklich negativen Erfahrungen mit meinen Agenturen gemacht, bei Interesse einfach PN.
Habe noch eine Frage zum Lebenslauf:
Nach meinem Plan möchte ich etwa 6 Monate über Agenturen und Praxisvertretungen überbrücken. Die ersten Monate sind schon mal safe. Was schreibe ich in den Lebenslauf?
Aktuell: "Diverse Praxisvertretungen sowie Honorar- und Notarzttätigkeiten"
oder einfach "Freiberufliche Tätigkeit"
Honorararzt ist ja kein korrekter Begriff aber damit können die meisten etwas anfangen.
Ich würde die erste der beiden Optionen wählen, da nur so eindeutig ersichtlich ist, dass du ärztlich tätig bist.
nach einem holprigem Start bekomme ich jetzt doch ausreichend passende Aufträge. Mein Kalender füllt sich so langsam. Wie ist das, wenn man angenommene Aufträge wieder absagt? Zum Beispiel habe ich bereits ein Angebot für den Mai vorliegen. Wie sieht es aus, wenn ich jetzt aber ab dem 1.5. eine neue Festanstellung bekomme und deswegen wieder abspringen muss. Praktisch ist das ja Vertragsbruch und die Agentur kann Schadensersatz fordern. Hat jemand damit schon Erfahrung gesammelt?
Lakemond
12.01.2022, 01:23
Wenn du am 30.04. ohne Grund absagst, dann werden sie nicht glücklich. Wenn du jetzt aber fragst, ob es noch möglich wäre abzuspringen, wird niemand Probleme machen.
noch eine Frage an die "alten Honorarhasen":
Ich wurde positiv auf das Coronavirus getestet und konnte einen Einsatz nicht antreten. Die Agentur hat mir jetzt einen Aufhebungsvertrag zugeschickt.
Eigentlich müsste ich doch von der Agentur trotzdem ein Gehalt bekommen. Wahrscheinlich werde ich dann auch nur den "Mindeststundenlohn" bekommen und nicht den vereinbarten Satz während eines Einsatzes. Wie sind eure Erfahrungen bei Nichtantreten wegen Krankheit/ Absonderung?
Lohnt es sich das Fass aufzumachen? ich habe schon einen ordentlichen Verdienstausfall deswegen.
Anne1970
11.03.2022, 14:53
Wenn du noch länger von dieser Agentur Aufträge bekommen möchtest, solltest du kein „Fass aufmachen“. Aber in der Abrechnungsabteilung oder bei dem zuständigen Sachbearbeiter freundlich nachzufragen find ich nicht unangemessen.
Lakemond
11.03.2022, 17:24
Welche Agentur ist das? Was steht im Vertrag?
Es gibt einen Vertrag über eine Woche, in der mir ein Stundensatz von 25,xx€/h in einsatzfreien Perioden zugesichert wird. Vertragspartner ist die Agentur. Im Abschnitt „Krankheit“ steht das übliche über das umgehende Krankmelden.
Es gibt einen Anhang 1, in dem der konkrete Arbeitsort und der vereinbarte Stundensatz genannt wird.
Auch wenn ich das Geld eigentlich benötige, wird es glaube ich zu juristischen Auseinandersetzungen kommen. Denke nicht, dass die Agentur freiwillig zahlt obwohl sie alles wegen der Absonderung durch den Bund erstattet bekommt.
Ich halte die Chance, dass die einfach nur doppelt kassieren wollen, vom Auftraggeber + vom Bund, ohne dich am Kuchen teilhaben zu lassen, für nicht gering. Weiß nicht, ob so eine Agentur sich so einen Betrug leistet, aber in diversen Firmen lief / läuft es ja auch so ab, dass man in der Absonderung im Home Office weiter gearbeitet hat und der AG sich die Kosten trotzdem vom Bund wieder geholt hat. Okay, einen Aufhebungsvertrag unter den Tisch fallen zu lassen ist vielleicht nochmal was anderes, aber naja auch als Arzt weiß man ja, was Verwaltungen so alles unabsichtlich "passiert", wenn es um Geld geht.
MyMilkyWay
29.01.2023, 14:48
Gibt es hier jemanden, der direkt mit einer Klinik einen Vertrag als Honorararzt abgeschlossen hat, also ohne eine Vermittlungsfirma? Habt ihr zufällig Tipps, auf was man achten sollte? Gerne auch per pn. Ach ja und ginge dann um die Zeit frisch nach der Facharztprüfung🙃
Vielen Dank schonmal 😊😊
Gibt es hier jemanden, der direkt mit einer Klinik einen Vertrag als Honorararzt abgeschlossen hat, also ohne eine Vermittlungsfirma? Habt ihr zufällig Tipps, auf was man achten sollte? Gerne auch per pn. Ach ja und ginge dann um die Zeit frisch nach der Facharztprüfung🙃
Vielen Dank schonmal 😊😊
Ja mache ich ausschließlich so. Wenn ich weiss dass dort Leute gesucht werden, einfach ansprechen. Vertrag über Pauschal 90-110 Euro je nach Quali egal wann geleistet (nacht/bd/etc), 6 Monate Vertragslaufzeit, Rahmenvertrag. Gibt aber auch andere Möglichkeit mit nur 2 Wochen vertrag.
Isg günstiger so - hier zahlt der AG keine Provision.
juliane_c
21.02.2023, 10:49
Weiss jemand wie es sich mit der Bezahlung verhält, falls man sich mal krank melden muss?
Weiss jemand wie es sich mit der Bezahlung verhält, falls man sich mal krank melden muss?
Hängt von der Firma ab, es wird höchstens ein minimaler Betrag als "Krankengeld" gezahlt. Das ist eben das Risiko, wenn man ansonsten sehr hohe Summen verdient (bei mir momentan 13k netto inklusive jeder Überminute).
Was noch wichtig ist: Angebote nicht einfach so annehmen, sondern je nach Qualifikation und Erfahrung höhere Entlohnung fordern, funktioniert bestens.
MyMilkyWay
22.02.2023, 20:10
Ja mache ich ausschließlich so. Wenn ich weiss dass dort Leute gesucht werden, einfach ansprechen. Vertrag über Pauschal 90-110 Euro je nach Quali egal wann geleistet (nacht/bd/etc), 6 Monate Vertragslaufzeit, Rahmenvertrag. Gibt aber auch andere Möglichkeit mit nur 2 Wochen vertrag.
Isg günstiger so - hier zahlt der AG keine Provision.
Ganz ganz lieben Dank für Deine Antwort! Noch eine Frage hierzu, wenn man einen Rahmenvertrag mit der Klinik hat, wie ist das dann bzgl Versicherung etc. Ich glaube wenn man über eine Agentur angestellt ist, zahlt man das ja sozusagen selber, das heißt, von dem hohen Grundgehalt geht einiges wieder weg. So hat es mir eine Freundin zumindest erklärt. Wenn ich über die Klinik angestellt bin, ist es dann wie unter normalen Bedingungen angestellt nur halt zu besseren Konditionen? 1000 Dank für Deine Hilfe :-top
Ganz ganz lieben Dank für Deine Antwort! Noch eine Frage hierzu, wenn man einen Rahmenvertrag mit der Klinik hat, wie ist das dann bzgl Versicherung .... :-top
Du bist voll Sozialversicherungspflichtig angestellt. Das freiberufliche ist ja seit Jahren nicht mehr möglich ausser glaube ich bei Notarzt Fahrten.
Also ich habe zB nen 6 Monats Vertrag wo drinsteht " Chef und AN vereinbaren Dienstzeiten, Lohn X Euro pro Stunde."
Du hast dann zB 100 Stunden a 100 Euro gearbeitet, dann ist dein Monats brutto eben 10000 und davon wird deine Sozialversicherung bezahlt wie beim festangestellten. Kriegste dann halt 6400 oder so raus. Rente, kranken, etc. - alles bezahlt.
Theoretisch kannste dich auch krank melden oder Urlaubsanspruch verlangen - nur das macht keiner natürlich, weil du dann natürlich nie wieder dort arbeiten wirst. Das ist quasi das gentlemans agreement.
Für Fachärzte vorrübergehend ist es ganz nett wenn man kein problem hat Wochenweise im Hotel zu schlafen (wird übernommen) und keine Familie hat.
Man sollte nur nicht zu lange drin bleiben, wenn man irgendwann nochmal vor hat wie ich nen 2. Facharzt bzw. Ne Zusatzbezeichnung zu machen.
Daher nur 1 Jahr um zB was anzusparen oder so.
Gruss
MyMilkyWay
24.02.2023, 08:09
Du bist voll Sozialversicherungspflichtig angestellt. Das freiberufliche ist ja seit Jahren nicht mehr möglich ausser glaube ich bei Notarzt Fahrten.
Also ich habe zB nen 6 Monats Vertrag wo drinsteht " Chef und AN vereinbaren Dienstzeiten, Lohn X Euro pro Stunde."
Du hast dann zB 100 Stunden a 100 Euro gearbeitet, dann ist dein Monats brutto eben 10000 und davon wird deine Sozialversicherung bezahlt wie beim festangestellten. Kriegste dann halt 6400 oder so raus. Rente, kranken, etc. - alles bezahlt.
Theoretisch kannste dich auch krank melden oder Urlaubsanspruch verlangen - nur das macht keiner natürlich, weil du dann natürlich nie wieder dort arbeiten wirst. Das ist quasi das gentlemans agreement.
Für Fachärzte vorrübergehend ist es ganz nett wenn man kein problem hat Wochenweise im Hotel zu schlafen (wird übernommen) und keine Familie hat.
Man sollte nur nicht zu lange drin bleiben, wenn man irgendwann nochmal vor hat wie ich nen 2. Facharzt bzw. Ne Zusatzbezeichnung zu machen.
Daher nur 1 Jahr um zB was anzusparen oder so.
Gruss
Du bist super!!!! Ganz ganz lieben Dank :) Jetzt sind all meine Fragen beantwortet *gefaelltmir*
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