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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Allgemeinmedizin als Alternative zur Klinik (als OA der Vizeralchirurgie)



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Thomas24
13.06.2021, 20:04
Nunja... Durchschnitt ist eben Durchschnitt:
- wie gesagt stehen dahinter tägliche Arbeitszeiten von 12 Stunden
- ich habe exakt 1 MFA mit 35h Stunden (inkl. Reinigung durch sie)
- Miete sehr günstig - stimmt
- Wareneinkauf: man kann das Papier für 30 € / 5000 Blatt einkaufen oder über eBay für ca 13-14 Euro / 5.000 Blatt u.s.w.
- mache Polygrafie, Sonografie, Ergo, Audio, LZ-Diagnostik etc (Kleinvieh macht auch Mist)
- ich schreibe die Pat. nicht nur in den Hausarztvertrag ein, sondern rechne auch damit ab (m.E. sehr aufwendig)
- quartalsweise Fehlersuche in Abrechnung durch ext. Dienstleister
- Gutachten für die RV
- etc.

=> allerdings (o.g. ist nur durch einen entsprechenden Arbeitsaufwand erreichbar, d.h. kein 8h Job, ich arbeite mehr als zu Klinikzeiten, nur eben für mich und nicht die Klinik...)

Ok, da hab ich mit meiner Annahme der niedrigen Kostenquote ja richtig gelegen. Aber wie kompensierst du das Risiko eines Ausfalls deiner einzigen MFA? Krankheit, Unfall, Schwangerschaft etc.? Möchtest du nicht eine zweite Teilzeit MFA oder eine Azubi hinzunehmen?

Feuerblick
13.06.2021, 20:10
Na, das ist fies von Dir... Du sagst doch auch nicht zum Querschnittspatienten: "Los, spring!" :D*
*Duckundweg*
Das ist aber auch nicht nett…

Thomas24
13.06.2021, 20:52
Das ist aber auch nicht nett…

Von uns beiden, bist Du die nette und Geduldige :-angel
Ich bin der Wadenbeißer, der auch mal unangenehme Dinge sagt... :-D

Feuerblick
13.06.2021, 21:09
Das lass ich mal so stehen. ;-)

mbs
13.06.2021, 21:46
Bin auch kein OA, überlege aber auch zu wechseln. Wie man es dreht und wendet, VCH erscheint mir als Lebensperspektive aus immer mehr Gründen nicht mehr erstrebenswert zu sein. Ein langjähriger OA ist neulich in die Allgemeinmedizin gewechselt, nachdem er mit über fünfzig noch rausgemobbt wurde. Und zwei der älteren OÄ hier werden vom Chef regelmäßig öffentlich niedergemacht, beleidigt und gedemütigt. Müssen immer mehr Routinekram abarbeiten und bekommen die interessanten OPs immer seltener. Und das nachdem sie sich ihr Leben lang aufgearbeitet haben für den Laden.

In einer Praxis ist man zumindest autonomer, und weniger irgendwelchen Hierarchien unterworfen. Und ob es langweilig wird hat man sicher auch ein Stückweit selbst in der Hand; wenn man immer alles gleich in die Klinik weiterschickt ist es sicher eher monoton, aber wenn man auch versucht Dinge selbst in die Hand zu nehmen und Probleme selbst zu lösen sieht es schon anders aus. Es gibt auch zig Zusatzbezeichnungen, Schwerpunkte und Zusatzleistungen mit denen man sich abheben und weiterentwickeln kann. Man kann auch Notarzt fahren nebenbei. Und wenn du endoskopieren kannst gibt es sicher MVZs die darüber sehr froh wären, wo du in dem Bereich sicher auch was machen könntest.

Und es wäre ja keine Einbahnstraße. An der letzten Klinik an der ich gearbeitet habe gab es einen OA der selbst in forgeschrittenem Alter wieder in die Chirurgie zurückgegangen ist - nachdem er davor jahrelang in einem Alternativbereich gearbeitet hat, der ihm dann aber zu langweilig wurde.

Ansonsten suchen Notaufnahmen zum Teil nach FÄ aller großen Fachrichtungen; wenn du da eine leitende Funktion hast musst du normalerweise nur in den Kernarbeitszeiten da sein. Oder du leitest eine chirurgische Intensivstation oder chirurgische Endoskopie - in diesen Bereichen gilt mancherorts das Gleiche.

Wünsche dir jedenfalls dass du etwas findest womit du auch längerfristig zufrieden bist. Und falls nicht gilt wie gesagt, dass es sich bei nichts wirklich um eine Einbahnstraße handelt - auch wenn es sich so anfühlen mag.

John Silver
13.06.2021, 22:13
Danke euch allen für eure Antworten!
@John Silver: Deine Vorschläge hören sich sehr gut an. Nur leider habe ich eher grundlegende Erfahrungen in der Proktologie und zugegebenerweise finde ich es für mich nicht ansprechend... Ich bin erst seit 2 1/2 Jahren OA und habe keine festen Schwerpunkte, aber seit gut 4-5 Jahren bin ich hauptsächlich in der Onkologischen VCH und flexiblen Endoskopie angesiedelt. Bis vor meiner sehr spontanen Ehe/Familiengründung hatte ich auch vor, mich in diesen Gebieten zu spezialisieren, um evtl. eines Tages CA zu werden. Denn an sich habe ich persönlich keine Probleme mit den Arbeitszeiten. Ich liebe meinen Job, nur es wäre egoistisch von mir, mich wegen einer Leidenschaft gewissermaßen gegen meiner Familie zu stellen (wir waren und sind nämlich unterbesetzt. Die eh in der VCH beschie**enen Arbeitszeiten sind in meiner Klinik noch beschie**ener...).
Eine Teilzeitstelle ist in meiner aktuellen Klinik angeblich zurzeit nicht möglich ("Wir können im 4. Quartal etwas aushandeln" wurde mir schon letztes Jahr gesagt...).

Ich glaube, am Ende werde ich nur über Hospitationen meinen weiteren Weg finden können.
Noch eine Frage an die Allgemeinmediziner unter uns: Wie viel verdient ihr Brutto als angestellte FAs bzw. wie hoch ist euer Reinertrag von der eigenen Praxis? Ich finde die 450k€ etwas unrealistisch, da der Bundesdurchschnitt schon bei 227k€ liegt...

Im Grunde kein Beinbruch. Proktologie lässt sich in einer spezialisierten Praxis gut erlernen, machst halt mit dem Inhaber eine überlappende Übergabe o.ä. Viele haben davon keine Ahnung, weil sie sich aus mehr oder weniger sinnfreien Gründen nicht damit beschäftigen wollen; Prokto und Hernien sind aber nunmal sehr sehr häufige Krankheitsbereiche, davon lebt man halt, nicht von Gastrektomien. Kannst machen wie Du lustig bist, aber einen FA VCH mit OA-Erfahrung an den Nagel zu hängen und mindestens 2 Jahre mit Assistentengehalt wieder das Dasein eines Nichtfacharztes fristen, um später Blutdruck und Zucker einzustellen und 90% psychosomatischen Befindlichkeitsquark und Husten/Schnupfen abzufrühstücken… Naja. Biste dafür Chirurg geworden? Ich würde eher Prokto nachholen. Viel Erfolg.

anignu
13.06.2021, 22:44
Biste dafür Chirurg geworden? Ich würde eher Prokto nachholen.
Und ich würd in Teilzeit gehen. Geht nicht? Geht schon. Gesetze und so. Dann sollen sie halt einen neuen zusätzlichen OA suchen. Wie soll es mit der Unterbesetzung sonst funktionieren?

Wenn VCH das ist was dir Spaß macht, wenn Prokto dir keinen Spaß macht, wenn du anscheinend keinen Bock auf Niederlassung hast, wenn du in der Chirurgie bleiben willst... dann mach VCH und das zu besseren Bedingungen.

John Silver
14.06.2021, 05:17
Teilzeit bedeutet weniger Kohle; man muss sich ständig gegen Überstunden wehren; das Verhältnis zum Chef wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechter, was schnell zu Mobbing führen kann; und Dienste muss man weiterhin machen.

davo
14.06.2021, 07:55
Die wesentliche Frage ist IMHO, ob Allgemeinmedizin für dich nur eine Notlösung wäre oder eine echte Alternative.

Und es klingt offen gestanden auch so, als wäre der Wunsch nach weniger Arbeitszeit nicht deiner, sondern der deiner Partnerin.

Du solltest dir IMHO überlegen, was dich auch langfristig glücklich machen würde, selbst dann, falls es die Beziehung eines Tages nicht mehr geben sollte.

John Silver
14.06.2021, 13:18
Naja, wenn man schon heiratet und ein Kind bekommt, kann man nicht mehr nur auf die eigenen Wünsche schauen ;) Die Frage ist nicht, ob man Kompromisse eingehen muss, sondern welcher Kompromiss am ehesten passt.

roxolana
14.06.2021, 15:38
Hast du schon ein Kind, OP? Dann würde ich einfach knallhart Elternzeit mit Teilzeitarbeit beantragen (mehr als 30h darf man dann ja eh nicht arbeiten).

mbs
14.06.2021, 19:42
Manche Chefs nehmen so was aber auch krumm; klingt nicht so schlimm, kann aber ein Beispiel nennen wo ein sehr erfahrener OA rausgemobbt wurde und tatsächlich dann aus dem Grund der Chirurgie ganz den Rücken gekehrt und Allgemeinmedizin gemacht hat. Manche Chefs wenden übelste Methoden an wenn sie einen OA loswerden wollen - hab da schon so manches in der Richtung mitgekriegt. Wo sich dann auch die Frage gestellt hat ob so eine Position oder VCH als Langzeitperspektive überhaupt erstrebenswert ist, oder es nicht auch positive Seiten hätte unabhängiger zu sein.

Darf ich übrigens fragen, wie groß die Klinik ist an der du angestellt bist? An kleineren Kliniken sind die Dienste sicher nicht weniger, aber häufig ruhiger, und auch die Überstunden bei der richtigen Wahl der Klinik überschaubarer. Da macht man dann zwar keinen Ösophagus oder PPPD mehr, aber das heißt auch, dass man wegen dem nicht länger bleibt. Angeblich ist es im Ausland auch besser (wobei ich das wiederum nicht beurteilen kann) - weiß nicht ob das für dich eine Option wäre.

ehem-user-02-08-2021-1033
14.06.2021, 19:54
Manche Chefs nehmen so was aber auch krumm; klingt nicht so schlimm, kann aber ein Beispiel nennen wo ein sehr erfahrener OA rausgemobbt wurde und tatsächlich dann aus dem Grund der Chirurgie ganz den Rücken gekehrt und Allgemeinmedizin gemacht hat. Manche Chefs wenden übelste Methoden an wenn sie einen OA loswerden wollen - hab da schon so manches in der Richtung mitgekriegt. Wo sich dann auch die Frage gestellt hat ob so eine Position oder VCH als Langzeitperspektive überhaupt erstrebenswert ist, oder es nicht auch positive Seiten hätte unabhängiger zu sein.

Darf ich übrigens fragen, wie groß die Klinik ist an der du angestellt bist? An kleineren Kliniken sind die Dienste sicher nicht weniger, aber häufig ruhiger, und auch die Überstunden bei der richtigen Wahl der Klinik überschaubarer. Da macht man dann zwar keinen Ösophagus oder PPPD mehr, aber das heißt auch, dass man wegen dem nicht länger bleibt. Angeblich ist es im Ausland auch besser (wobei ich das wiederum nicht beurteilen kann) - weiß nicht ob das für dich eine Option wäre.
Als furchtloser Betäuber darf ich vor der Gleichung kleines Haus = wenig Stress für den Operateur warnen... Stichwort Ileus... Dank Fallzahlen und DRG muss man operieren, was man kriegt... Und so ein verwachsenen Bauch nachts um 2 Uhr ist leider durchaus auch in der Klitsche drinnen...Kann aber nur als Zaungast davon berichten ;-)

med_in_1
14.06.2021, 20:22
Ok, da hab ich mit meiner Annahme der niedrigen Kostenquote ja richtig gelegen. Aber wie kompensierst du das Risiko eines Ausfalls deiner einzigen MFA? Krankheit, Unfall, Schwangerschaft etc.? Möchtest du nicht eine zweite Teilzeit MFA oder eine Azubi hinzunehmen?

=> prinzipiell muss ich auch aktuell bspw. Notfall-EKGs selbst schreiben oder auch mal zwischen Sprechstunde und Blutentnahme hin udn her laufen. Da der Arbeitsmarkt wirklich leergefegt ist (Bewerbungen i.d.R. 0) bietet sich diese Option nicht. Ein Kollege bspw. hat mir berichtet, dass er wegen Personaltotalausfall schon ganz allein Sprechstunde gehalten hat. Auch das wäre ein klarer Vorteil bzgl. Klinik (muss man mit leben können).

John Silver
14.06.2021, 22:11
Was soll da für ein Vorteil der Klinik sein? Man hat in der Klinik genauso einen Personalmangel bis hin zu Totalausfällen. Und man darf den Mist als Arzt genauso kompensieren.

mbs
17.06.2021, 19:30
Wenn an kleinen Kliniken nachts auch alles operiert wird - warum wird dann so verdammt viel von den genannten Krankheitsbildern an Maximalversorger verlegt? Manchmal hat man das Gefühl dass an manchen Provinzkliniken so gut wie gar nichts mehr nach einer gewissen Uhrzeit oder an Wochenenden gemacht wird und die ungefiltert alles an die nächstgrößere Klinik weiterschicken. Im Zweifelsfall hat man kein ITS Bett, keine Blutkonserven, "keinen im Haus der das versorgen kann" etc.