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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stelle in der Psychiatrie - worauf achten?



Scherbert Zitrone
13.07.2021, 16:54
(Ich hoffe, ich werde jetzt nicht gesteinigt, weil es das Thema doch schon irgendwo gab. Ich hab es auf die Schnelle auf jeden Fall nicht gefunden.)

Zur Situation: Ich komme aus der Neuro und bewerbe mich gerade für Stellen in der Psychiatrie. Gibt es hier erfahrene Psychiater (to be), die mir Tipps geben können, worauf ich bei Bewerbungen und Hospitationen achten sollte? Bzw. was die psychiatrie-spezifischen Fallstricke sind? Aus dem Kollegenkreis habe ich schon erfahren, dass man darauf achten sollte, wie die Möglichkeiten einer Psychotherapieausbildung vor Ort sind; bzw. ob die Klinik die Kosten einer externen Ausbildung mitträgt.

Über Anregungen würde ich mich freuen :)

Nefazodon
13.07.2021, 18:50
Willst Du denn Psychiater werden oder soll es nur eine Stelle für das psychiatrische Fremdjahr sein? Oder weißt Du es noch nicht und möchtest dir beides offen halten?

Neben dem Punkt mit der Psychotherapieausbildung (hier unbedingt auch die Assistenten fragen, manchmal wird auf der Hompepage mehr versprochen, als es dann in der Realität gibt; inbesondere tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapieverfahren werden m.E. seltener angeboten und sind schwerer zu bekommen) solltest Du darauf achten, dass die supervidierten Therapiestunden und die Selbsterfahrung im selben Verfahren absoviert werden müssen (VT oder PT).
Abgesehen davon solltest Du meiner Meinung nach unbedingt nach der Größe des Einzugsgebietes der Klinik bzw, des Sektors fragen, denn das bestimmt die Dienstbelastung ganz wesentlich.
Allgemein sollte man sich natürlich immer nach der Dienstbelastung erkundigen (sowohl bei dem Chefarzt im Bewerbungsgespräch, als auch bei den Assistenten).
Außerdem solltest Du fragen, wie die (psychotherapeutische) Supervision durch die Oberärzte auf Station ist. Die ist nicht gleichbedeutend mit den Supervisionsstunden die Du für den Facharzt nachweisen musst (diese werden oft extern absolviert) aber entscheidend für die Qualität deiner Ausbildung.
Frag auch, ob es einen Rotationsplan gibt, der im Vorhinein festlegt wer wo wie lange bleibt.

Das wäre das, was mir dazu einfällt

Scherbert Zitrone
18.07.2021, 19:01
Vielen lieben Dank! Das Hilft mir sehr weiter und hat auch einige Aspekte aufgezählt, an die ich so noch nicht gedacht hatte. Z.B., dass die Größe des Einzugsgebietes natürlich direkte Auswirkung auf die Dienste hat. Ich habe, wie ich es bisher aus der Neuro kannte, natürlich rumgefragt, wieviele Dienste gemacht werden, wie die so sind usw.; aber das mit dem Einzugsgebiet werde ich auf jeden Fall jetzt noch abklopfen.

Aktuell suche ich eine Stelle, die über ein Gastjahr in der Psychiatrie hinausgeht, da ich die ewigen Wechsel im Moment etwas satt habe. Ich kann mir aber gut vorstellen, später noch den Neurologen zu ergänzen.
Ich kenne aus den Kliniken, in denen ich mich bewerben werde, einige Kollegen, teils Neurologen, teils Psychiater, die ich auch schon über die Psychotherapieausbildung ausgefragt habe. Aktuell bin ich mir aber noch nicht sicher, ob ich Verhaltenstherapie oder Tiefenpsychologie interessanter finde. Verstehe ich dich richtig, dass du eine tiefenpsychologie Ausbildung machst oder gemacht hast?

Liebe Grüße

Nefazodon
18.07.2021, 20:25
Verstehe ich dich richtig, dass du eine tiefenpsychologie Ausbildung machst oder gemacht hast?


Nein leider (?!) nicht. Hatte mich seinerzeit zwar bei einer Klinik beworbe, die in ihrer Stellenausschreibung TP oder VT anbot damals, aber als ich nachgefragt habe, wie das jetzt konkret sei, wurde mit VT sehr ans Herz gelegt....wenn Du verstehst...daher mein o.g. Ratschlag.
Stimmt halt auch nicht alles was in Stellenausschreibungen steht.

Viel Glück bei der Suche!

Scherbert Zitrone
18.07.2021, 21:17
Grundsätzlich bieten die Kliniken in meiner Umgebung alle Verhaltenstherapie an. Man kann aber eine externe Weiterbildung an einer Psychotherapieschule machen, bei der die Kosten dann anteilig von der Klinik getragen werden. Die VT-Ausbildung scheint nach dem, was ich gehört habe, ganz gut zu sein.
Ich kann mir prinzipiell VT vorstellen, aber definitiv entscheiden kann ich das jetzt eh noch nicht. Aktuell bin ich auch noch ortsgebunden, von daher sind solche Überlegungen für mich eh eher theoretischer Natur.
Na, mal sehen, ich werde erstmal hospitieren und hoffe, mir selber einen Eindruck verschaffen zu können - und ein etwas glücklicheres Händchen als beim letzten Mal zu haben ;-)

Tacheles
26.09.2021, 14:41
Falls Norddeutschland eine Option ist, bei uns in Rickling wird TP und VT ausgebildet und auch die Selbsterfahrung komplett bezahlt. Ich selbst bin TPler und hatte damit auch zu kämpfen die richtige Klinik zu finden.

Auch wenn wir zu weit weg sind ;-), ich würde immer klären ob Weiterbildungs- und Zielvereinbarungsgespräche geführt werden und ob die dann auch umgesetzt werden.

PsychoFan
03.10.2021, 20:50
Achte darauf, ob die Patientenakte elektronisch oder handschriftlich geführt wird.

Das ist in der Psychiatrie mit wochenlangen Liegezeiten viel wichtiger als in der Somatik. Bei handschriftlicher Aktenführung dauert das Verfassen eines Arztbriefes auch mal 1,5 Stunden.