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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wochenarbeitszeit als selbstständiger Hausarzt



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Aeonflux
03.09.2021, 16:35
Da ich mittelfristig die Niederlassung plane, hoffe ich hier auf ein paar echte Erfahrungen. Wieviel arbeitet ihr neben der Sprechstunde noch wöchentlich? Laut destatis arbeiten Hausärzte im Durchschnitt 51 Stunden pro Woche, aber das kann ich kaum glauben. Zumindest waren meine letzten 3 Chefs eher nicht sehr gestresst. Mein letzter Chef will jeden Tag eine Stunde Überweisungen gemacht haben, das kann ich kaum glauben. Sprechstunde hat trotz 46 Stunden Öffnungszeit keiner über 20-25 Stunden gemacht (natürlich auch deswegen, weil sie mich das stattdessen haben machen lassen). Abrechnung ist sicher ein Punkt, aber wenn ich nach jedem Patient dokumentiere und die Ziffern setze, ist doch das Meiste erledigt? Klar, Personalsuche ist nicht lustig, Renovierungsarbeiten oder Software Updates, aber das macht man doch nicht dauernd? Könnt ihr mir eure Woche etwas beschreiben? Ich wüsste gerne, worauf ich mich einlasse. Ich habe zwei kleine Kinder, die ich auch gerne noch sehen würde.

Jule-Aline
03.09.2021, 16:40
Schreibe mal Annekii an. Sie hat zwar eine Kinderarztpraxis mit einer Kollegin, kann dir aber bestimmt weiterhelfen.
Oder du schaust im Forum Treffpunkt für Niedergelassene nach.

DrSkywalker
03.09.2021, 20:17
Die Frage ist nicht wirklich sinnvoll. Genauso könntest du fragen: wird man von einem Risotto satt? Es kommt einfach darauf an. Bist du geldgeil oder hypoman unterwegs wirst du sehr viel arbeiten, willst du 5000 Euro netto und viel Freizeit reicht ein halbtags Job. Bist du ein kontrollfreak und schaust abends noch alle laborwerte und faxe an? Rufst du aktiv Patienten an, weil du dich nicht abgrenzen kannst?

Aber vergiss nicht, es hängt alles an dir, auch abends am Wochenende etc. Helferin meldest sich krank, Server schmiert ab, kv schickt nervige Anfragen, Homepage wurde gehackt, Patienten haben dich unfair bei jameda bewertet, du hast Rezepte falsch ausgestellt und musst einen Regress abwehren. Diese Liste könnte ich noch ewig verlängern...

Das gute ist, in der selbstständigkeit hat man gute Gestaltungsmöglichkeiten. Nach ein paar Jahren hat man sich alles so eingerichtet wie man es haben möchte

Aeonflux
03.09.2021, 21:28
Bist du geldgeil oder hypoman unterwegs wirst du sehr viel arbeiten, willst du 5000 Euro netto und viel Freizeit reicht ein halbtags Job.
Also für mich sind 5000 netto sehr viel Geld 🤷*♀️ Verstehe das "oder" nicht 🙃
Nein im Ernst, ich wähle bei der Auswahl gerne die Arme-Leute-Variante.

Danke für deine Antwort. Wie machst du es? Bist du der hypomane Typ? 😜 Hast du Familie? Wie klappt das?

Aeonflux
03.09.2021, 21:33
Die Frage ist nicht wirklich sinnvoll. Genauso könntest du fragen: wird man von einem Risotto satt? Es kommt einfach darauf an. Bist du geldgeil oder hypoman unterwegs wirst du sehr viel arbeiten, willst du 5000 Euro netto und viel Freizeit reicht ein halbtags Job.

Ich finde 5000 netto sind viel Geld. Also wenn das die Arme-Leute Variante ist, nehme ich die 🙃
Wie machst du es? Bist du der hypomane Typ? 😜 Hast du Familie? Wie klappt das?

Lakemond
05.09.2021, 15:47
Ich finde 5000 netto sind viel Geld.

Seit wann?

ehem-user-25-04-2022-1131
05.09.2021, 16:50
Seit wann?

Seit der Einführung des Euros am 01. Januar 2002 ...

Aeonflux
05.09.2021, 17:55
Seit wann?

Etwas überhebliche Einstellung, wenn Du mich fragst 🤷
Schön, dass Du so angenehm lebst, dass Du schon vergessen hast, wie es der anderen Hälfte geht, aber jeder von uns, der angestellt arbeitet, weiß, dass man seine Euros auch härter verdienen kann.

Lakemond
05.09.2021, 19:34
Könnte sein, dass es 2002 noch viel war...
Das letze Mal, dass ich <5000€ netto verdient habe, war im 4 WBJ. Für einen FA ist das definitiv nicht viel. Dann soll man mehr für weniger Arbeit kriegen!

Haffi
05.09.2021, 21:20
Total individuell. Mein aktueller Weiterbilder hat vier Standorte, 30 Mitarbeiter und sitzt entsprechend auch jeden Sonntag im Home Office und ist im Urlaub permanent erreichbar. Habe aber auch einen Kollegen kennengelernt, der in einer Vierer-Gemeinschaftspraxis sitzt, 20-25 h/Woche und ca. 8-10 Wo. Urlaub im Jahr macht. Der verdiente natürlich netto deutlich unter 5000.

med_in_1
06.09.2021, 09:29
Wie die Vorposts zeigen, sidn die Arbeitszeiten sehr unterschiedlich. Festzuhalten bleibt, dass die gegenüber deiner KV 25 Sprechstunden (bis zu 5 Stunden dürfen Hausbesuchszeiten sein) ausweisen musst. Gerade Dinge wie Impfungen etc. haben zumindest bei mir zu deutlich mehr Arbeit geführt.

Ich selbst sehe es so: Die Basiskosten einer Praxis sind relativ unabhängig von der Zeit, die ich arbeite. Mein Gehalt ist das, was am Ende übrirg bleibt, also versuche ich möglichst viel zu machen.
D.h. Gutachten für die Rentenversicherung, Studien, Polygrafie, 2 Lz-RR und EKG, Ergometrie, gründlich DMP etc. Das bringt mich - auf sicher extreme - tägliche Arbeitszeiten von 12 Stunden. Dafür bleibt mit 20.000 brutto / Monat auch gut etwas übrig. Allerdings muss man die 12h Tage auch wuppen - zumal ich aktuell mit 1 Schwester (3/4 Stelle) und einer Reinigungskraft (450 €) auskomme. Schön ist aber was anders.

Prinzipiell: Wenn du eine Praxis übernimmst erwarten alle Änderungen und befolgen die besser, als wenn du im Verlauf umstellst. Machst du täglich 1-2 Akutsprechstunden, 2x in der Woche eine Telefonsprechstunde zur Befundauswertung und den Rest gut getacktete Terminsprechstunden - kannst du damit schon "halbtags" ganz gut voran kommen. 1 Stunde sollte man dann für Post / Rezepte / Rehaanträge etc. einplanen. Ich brauche hier noch 1 Stunde mehr zru Auswertung einer Polygrafie, Diktieren der Ultraschallbefunde, Auswertung Langzeit-EKG und Erstellung einer Liste, welcher Patient mit welcher Info von meiner MFA anzurufen ist.
Ich habe ein Online-Schreibbüro was für kleines Geld die Diktate der Rehaanträge, Auskünfte gegenüber Ämtern etc. tippt. Daneben kann man durch klare Regeln vieles gleich am Tresen klären (lassen). Knackpunkt sind - gerade im ländlichen - Hausbesuche - die oft ein "Quatschen ins Krankenhaus" sind und wenig Sinn haben und noch weniger einbringen.
Abrechnung: Durch die Budgetierung ist das, was man abrechnet, überschaubar: ich würde grob sagen: 10 Ziffern sollte man im Kopf haben. Dann ggf. alle 2 Wochen die Fehlersuche drüberlaufen lassen (Korrektur ca. 30 min). Ich habe eine externe Abrechnungsanalyse, die zum Quartalsende fehlende Ziffern oder ICD-Codes und Potensial noch analysiert - deren Korrektur dauert 2 Stunden.

D.h.: Gelingt dir ein kleines Team, mit gut kommunizierten Regeln, kannst du mit einer 40 Stundewoche recht locker deine 5000 netto schaffen. Aber - cave - Hausbau etc. - all das also, was man sich früher mit einem Arztgehalt gut leisten konnte, sind heute exorbitant teuer.

Thomas24
06.09.2021, 11:39
Danke für deinen Input. Ich denke aber, dass User Aeonflux nicht von 40 h/Woche und 5.000 netto, sondern eher von einer 20h/ Woche => 5.000 netto ausgegangen ist.

DrSkywalker
06.09.2021, 13:45
Dieses Tool ist sehr hilfreich und auch realistisch :

https://www.hausarzt-bw.de/verdienstkalkulator

Aeonflux
06.09.2021, 17:45
Danke euch allen! @med_in_1: das sind sehr nützliche Tipps aus der Praxis, die kann ich gut gebrauchen 😊
@Thomas24 : ich weiß nicht, ob ich jetzt davon ausgehe. Mir ist schon klar, dass man für gutes Geld auch was arbeiten muss. Aber ich habe nunmal auch Familie und die sind am Ende des Tages viel wichtiger als der schnöde Mammon. Aber ich würde auch lügen, wenn ich behaupten würde, nicht von einem kleinen Häuschen zu träumen. Das ist hier in München mit einem Angestelltengehalt schonmal nicht möglich.
@Dr.Skywalker : danke! Damit habe ich schon etwas gespielt. Ich hoffe, dass das so stimmt, das wäre schon toll ❤️

nappy
06.09.2021, 19:36
med_in_1 vielen Dank für diesen detaillierten Einblick!!! Spiele gerade mit dem Gedanken von der Inneren in die Allgemeinmedizin zu wechseln und da sind solche Infos sehr wertvoll.

Denke man bei hoher Selbstbestimmung gepaart mit geschilderten Einkünften mehr Zufriedenheit erlangen als in der Klinik- zumal man als Oberarzt doch oft nachts und am Wochenende ran muss

Thomas24
06.09.2021, 19:59
Dieses Tool ist sehr hilfreich und auch realistisch :

https://www.hausarzt-bw.de/verdienstkalkulator

:-wow:-wow:-wow:-wow
Ich bin gerade sehr überrascht von den Zahlen. Insbesondere die Quote der Hausarztzentrierten Versorgung und die Höhe des Fallwerts :-((

Der typische GKV "all inklusive" Patient hat lt. Rechner ja einen fast viermal so hohen Fallwert, wie ein GKV Patient in der ambulanten Augenheilkunde in der KV Nordrhein :-notify Na, sieh mal einer an- von wegen sprechende Medizin wird nicht gut vergütet ;-)

LG
PS: trotz eures höheren fast viermal höheren Fallwerts bin ich trotzdem ganz froh, dass bei meinen Patienten die Klamotten dranbleiben ;-)

DrSkywalker
06.09.2021, 21:07
Ja, hzv ist ein echter Bringer! Gerade auf dem Land ziehen die meisten Patienten da mit. Sehr hilfreich.

Die hohen fallwerte im Vergleich zu den Fachärzten erklären sich mmn durch die wesentlich häufigeren Arzt Patienten Kontakte und auch die Pflegeheimversorgung und Hausbesuche generell. Ich sehe ja manche Patienten 10 mal im Quartal. Ihr habt wahrscheinlich deutlich höhere scheinzahlen? Kenne nur Zahlen einer derma Praxis. Die sehen die gkv Patienten wirklich im 5 Minuten Takt.

Thomas24
06.09.2021, 21:19
Ja, hzv ist ein echter Bringer! Gerade auf dem Land ziehen die meisten Patienten da mit. Sehr hilfreich.

Die hohen fallwerte im Vergleich zu den Fachärzten erklären sich mmn durch die wesentlich häufigeren Arzt Patienten Kontakte und auch die Pflegeheimversorgung und Hausbesuche generell. Ich sehe ja manche Patienten 10 mal im Quartal. Ihr habt wahrscheinlich deutlich höhere scheinzahlen? Kenne nur Zahlen einer derma Praxis. Die sehen die gkv Patienten wirklich im 5 Minuten Takt.

Naja, auch bei uns gibt es die 10x pro Quartal Patientenkontakt Patienten - die natürlich nicht vergütet sind und einfach mit durchlaufen. Ja, die niedrigere Fallwertvergütung muss dann eben über das Volumen wieder reingeholt werden. Durchschnittliche Scheinzahl einer konservativen Augenarztpraxis liegt -je nach Bundesland- bei 1,600 Scheinen im Quartal. Ich finde das sogar recht kommod. Sind vermutlich verwässerte Zahlen durch Teilzeit oder quasi-schon- im- Ruhestand und Hobbypraxen. Eine 5 - 10 min. Taktung ist bei den meisten die Regel. Bei uns ist es halt ne Mischkalkulation aus GKV, Igel, Gutachten, Selbstzahler- und P Patienten, sowie den extrabudgetären Dingen. Aus der alleinigen GKV Einnahmen könnte man bei uns vermutlich weder seine Helferinnen anständig bezahlen, noch eine halbwegs moderne Infrastruktur mit up- to - date Ausstattung aufrecht erhalten. So sehen dann auch einige Praxen aus... der letzte Eimer Farbe kam dann kurz nach der Währungsreform an die Wand und es wird noch mit Karteikarten gearbeitet ;-)

Aeonflux
07.09.2021, 19:25
Ja, hzv ist ein echter Bringer! Gerade auf dem Land ziehen die meisten Patienten da mit. Sehr hilfreich.



Wie motiviert man die? Weil, so viele Vorteile hat das ja nicht für die Patienten, mehr für den Arzt. Am Land gibt es eh nur dich oder wie? 😉

DrSkywalker
07.09.2021, 20:04
Ich arbeite nicht wirklich auf dem Land. Man muss ein gesamtangebot schaffen, dass die Leute haben wollen, einen Mehrwert. Und das gibt es dann einfach nur für hzv Patienten. Wenn es stimmt zwischen Patient und Arzt und man sich Mühe gibt wird hzv sehr gut angenommen. Und wer nicht will, der hat schon und kann gerne zum Kollegen... Wir lehnen jede Woche viele neupatienten avmb, weil es einfach mehr als reicht...