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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zahnmedizin weiter studieren? Perspektive?



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Julian98
08.09.2021, 00:29
Hallo,
Ich bin momentan 23 Jahre alt und zerbreche mir momentan den Kopf über meine Situation. Ich hatte vor ca. 1,5 Jahren einen schweren Verkehrsunfall, welcher mehrere Operationen nach sich gezogen hat. In dieser Zeit habe ich das Studium schleifen lassen und habe vergessen mich für einige Klausuren abzumelden. Letztendlich habe ich eine Klausur endgültig nicht bestanden und konnte daher Humanmedizin nicht mehr in Deutschland weiter studieren. Daraufhin habe ich mich für Zahnmedizin eigeschrieben, da ich das Physikum bereits bestanden hatte, konnte ich mir 1,5 Jahre voll anrechnen lassen. Zudem habe ich in den letzten beiden Semestern bereits einige praktische Kurse für Zahnmedizin absolviert, ich könnte somit das Zahnmedizinstudium in ca. 3 Jahren beenden. Parallel dazu habe ich dieses Jahr den MedAt gemacht und einen Humanmedizinstudienplatz in Österreich erhalten.

Interesse habe ich an beiden Studiengängen, habe auch häufig mit dem Gedanken gespielt MKG zu machen, als ich noch Humanmedizin studiert habe.
Mein Ziel ist bei beiden Studiengängen definitiv die Selbstständigkeit, bei Zahnmedizin wäre der Weg dorthin deutlich kürzer 3 Jahre Studium +2 Jahre Assistenzzeit, während ich bei Humanmedizin noch 6 Jahre Studium und 5 bis 6 Jahre Weiterbildung vor mir hätte.

Ich will jetzt auch kein Blatt vor dem Mund nehmen, in erster Linie geht es mir darum später sehr gutes Geld zu verdienen, wenn ich als niedergelassener Zahnarzt oder Oralchirurg ähnlich gut wie ein niedergelassener Humanmediziner verdienen würde, würde ich wahrscheinlich dabei bleiben, weil bei einem Studium in Österreich mehrere Belastungen auf mich zukommen würden (kein Bafög, Krankenkasse, etc.).

Bedenken habe ich bei Zahnmedizin noch, weil man in der Assistenzzeit relativ wenig verdient (2000- 3000 brutto) und als Angestellter kein Tarifvertrag vorhanden ist.
Ich würde mich über euren Input freuen.

Viele Grüße
Julian

Endoplasmatisches Reticulum
08.09.2021, 07:06
Bedenken habe ich bei Zahnmedizin noch, weil man in der Assistenzzeit relativ wenig verdient (2000- 3000 brutto) und als Angestellter kein Tarifvertrag vorhanden ist.2 Jahre brauchbarer, aber alles andere als üppiger, Verdienst stören dich an Zahnmedizin, wenn die Handlungsalternative Humanmedizin dir im Vergleich 3 komplett unbezahlte Jahre bietet? Ich habe von den Arbeitsbedingungen als Zahnarzt wenig Ahnung, aber so Scherze wie 24-Stunden-Dienste, Centzuschläge für Wochenendarbeit und Gehaltsabzug für Nachtarbeit dürfte es da auch ohne Tarif nicht in der Form geben. So etwas solltest du bei deinen Überlegungen zumindest mit berücksichtigen.

bipoka
09.09.2021, 07:38
"Im Schnitt lag das Durchschnittseinkommen im Jahr 2015 – den aktuellsten Zahlen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung – bei 157.300 Euro"

Wenn's dir ums Geld geht, würde ich das weiter machen.
Humanmedizin dauert 1 Jahr länger (mein letzter Stand), die Facharztausbildung dauert 5 Jahre (oft auch länger) und der Verdienst ist fachabhängig. Das Fach würde ich primär aus Interesse wählen statt nur aus monetären Gründen.

Julian98
19.09.2021, 20:51
Erstmal vielen Dank für die beiden Kommentare. Ich habe jetzt die letzten Tage nochmal intensiv überlegt.
Also mein Zukunftsplan wäre in beiden Fälle so:
Zahnmedizin --> Studium beendet (26 Jahre) --> Weiterbildung (allgemeiner Zahnarzt 2 Jahre, bei Oralchirurgie 4 Jahre) -->Niederlassung mit ca. 30

Humanmedizin --> Studium beendet mit 30 Jahren (weil nichts angerechnet wird) --> 5 Jahre Weiterbildung --> Niederlassung mit Mitte-Ende 30

@Endoplasmatisches Retikulum: In erster Linie geht es mir um die langfristige Perspektive. Dauerhaft würde ich mich als Humanmediziner nicht im Krankenhaus sehen.

@bipoka: Ich habe hier mal einen Artikel gefunden https://www.zm-online.de/news/nachrichten/verfuegbares-einkommen-je-kassenzahnarzt-86600-euro/
Hier wird von ca. 175.000€ Reinertrag gesprochen (Stand 2016)

Als ich noch Humanmedizin studiert habe, hätte ich wahrscheinlich etwas in die Richtung Allgemeinmedizin, Innere oder Chirurgie (besonders MKG) gewählt. Den großen Vorteil den ich bei Humanmedizin sehe ist, dass man hier immer den Tarifvertrag und eine Anstellung im Krankenhaus als Backup hat (vernünftige Bezahlung, mit viel Stress). Ansonsten macht mir das Zahnmedizin Studium Spaß und ich würde mich auch als relativ handwerklich geschickt bezeichnen.
Die Frage ist, ob ich als Humanmediziner in einer der oben genannten Fachrichtungen deutlich besser dastehen würde, da das Studium in Österreich mit deutlich höheren Opportunitätskosten für mich verbunden wäre.

Edit. Mir ist noch aufgefallen, dass man in der Zahnmedizin häufig auf Zuzahlungen von Patienten angewiesen ist, während man z.B. als Hausarzt auch nur von GKV Patienten relativ gut leben kann.

Ich würde mich auf jeden Fall über weitere Kommentare freuen, da dies häufig nochmal einen anderen Eindruck als irgendeine Statistik im Internet vermittelt. Bis zum Ende der Woche habe ich noch mit der Entscheidung Zeit.

Dogs4Life
20.09.2021, 08:42
Am Ende musst du dich fragen, was dir wirklich Spaß macht. Siehst du dich eher als jemand, der viele Möglichkeiten (verschiedene Fachrichtungen, höhere Lernceiling, gute Verdienstmöglichkeiten) haben will oder der eher ein bisschen einspurig fahren will und damit zufrieden ist.

Alle die von dir erwähnten Fachrichtungen haben ein Potential zu hohem Einkommen, wobei MKG -wenn es dir vor allem um den monetären Aspekt geht - nicht das Schlaueste ist (besonders aufgrund der noch längeren Weiterbildung, da wärst du wohl mit Ende 30 erst so weit, dass du in die Niederlassung gehen kannst).

Mit Allgemeinmedizin und Innere machst du nichts falsch und es sind sehr sehr hohe Gewinne möglich. Das kannst du in etlichen anderen Threads nachlesen.

Am Ende sollte es aber wirklich eher an deinen Interessen liegen. Wenn du in deinem Fach motiviert bist, hast du vermutlich überall die Möglichkeit gut zu verdienen.

bipoka
20.09.2021, 19:27
Als ich noch Humanmedizin studiert habe, hätte ich wahrscheinlich etwas in die Richtung Allgemeinmedizin, Innere oder Chirurgie (besonders MKG) gewählt. Den großen Vorteil den ich bei Humanmedizin sehe ist, dass man hier immer den Tarifvertrag und eine Anstellung im Krankenhaus als Backup hat (vernünftige Bezahlung, mit viel Stress). Ansonsten macht mir das Zahnmedizin Studium Spaß und ich würde mich auch als relativ handwerklich geschickt bezeichnen.


Ich würde nicht das Krankenhaus mit viel Stress als Back-Up mit Tarifvertrag sehen in Bezug auf Innere / Chirurgie.
Arbeitslosigkeit wird dir in der Humanmedizin nicht drohen. Da gibt's zahlreiche ruhigere Optionen auch mit TV.




Hier wird von ca. 175.000€ Reinertrag gesprochen (Stand 2016)

.

The more the better...und mit ewiger Studierei und langer FA Ausbildung wird's auch nicht mehr. Humanmedizin würde ich nur machen bei echtem Interesse.

Cor_magna
21.09.2021, 09:10
Ich würde nicht das Krankenhaus mit viel Stress als Back-Up mit Tarifvertrag sehen in Bezug auf Innere / Chirurgie.
Arbeitslosigkeit wird dir in der Humanmedizin nicht drohen. Da gibt's zahlreiche ruhigere Optionen auch mit TV.


Die wären? Ausser Labor fällt mir da eher wenig ein, zumindest ohne Facharzt.

bipoka
21.09.2021, 12:23
Die wären? Ausser Labor fällt mir da eher wenig ein, zumindest ohne Facharzt.


Arbeitsmedizin, Transfusionsmedizin, Reha, Nuk, Labor (wie du sagtest)...selbst in Weiterbildung und mit TV.
Ich hatte gedacht mit Facharzt. Der klassische Zahnarzt macht seinen FA. Ewig Weiterbildung machen oder ohne FA arbeiten ist um ehrlich zu sein von abzuraten. Der wird jeder sich fragen, warum die Person nicht irgendwannmal nen FA gemacht hat.
Mit FA: MDK, Bundesagentur für Arbeit, Vertretungen, oder ein guter Job im eigenen Fach?!

Julian98
26.09.2021, 10:26
Ich würde nicht das Krankenhaus mit viel Stress als Back-Up mit Tarifvertrag sehen in Bezug auf Innere / Chirurgie.
Arbeitslosigkeit wird dir in der Humanmedizin nicht drohen. Da gibt's zahlreiche ruhigere Optionen auch mit TV.

The more the better...und mit ewiger Studierei und langer FA Ausbildung wird's auch nicht mehr. Humanmedizin würde ich nur machen bei echtem Interesse.

Ich meine damit man kann als Humanmediziner auch im angestellten Verhältnis ein gutes Gehalt erreichen, beispielsweise als Oberarzt oder als angestellter im MVZ.
Genau, so richtig Lust auf nochmal komplette 6,5 Jahre zu studieren und dann noch die Facharztausbildung zu machen, hab ich nicht, bzw. würde ich nur machen, wenn sich der Praxisreinertrag signifikant unterscheidet. Hab hier nochmal zwei ähnlich aufgebaute Studien von der Apobank gefunden, da wird von 183.000 bei Zahnärzten und 196.000 bei selbstständigen Fachärzten gesprochen.
(Quelle: https://www.apobank.de/wissen-news/karrierekompass-heilberufler/zahnarzt/gehalt https://www.apobank.de/wissen-news/karrierekompass-heilberufler/arzt/gehalt-arbeitszeit )

Julian98
27.09.2021, 19:23
Falls noch jemand Gedanken dazu hat, würde ich mich über euer Feedback freuen.

Cor_magna
27.09.2021, 19:27
Falls noch jemand Gedanken dazu hat, würde ich mich über euer Feedback freuen.

Mach das Fach worauf du später als (Zahn)Arzt mehr Bock hast. Mehr kann man dazu eigentlich nicht sagen.

Julian98
29.09.2021, 10:54
@Cor_magna: Ist schwierig zu sagen, welches Fach ich machen möchte, ich kann aber sagen, welche Fächer ich nicht machen möchte und welche Rahmenbedingungen ich mir vorstelle.
Welche Fächer ich nicht machen möchte:
- Neurologie und Psych-Fächer
- Gyn und Uro
- Labormedizin und Pathologie
- Allgemein- und Viszeralchirurgie
- HNO

Interesse hätte ich an:
- Auge, Oralchirurgie / MKG, Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Kardiologie, Orthopädie

Mein Wunschvorstellung wäre ein Fach bei dem man sich gut niederlassen kann, ideal wäre die Kombination aus konservativer und operativer Tätigkeit, sodass man quasi kleine ambulante Eingriffe in der Praxis durchführt. Die Arbeit dürfte gern relativ monoton sein, dagegen hätte ich nichts einzuwenden. Finanziell sollten es in der Niederlassung schon >160k sein, ideal wären um die 200k. An die Work-Life Balance habe ich keine große Ansprüche, ich hab keine großen Hobbies und hätte kein Problem damit viel zu arbeiten. Eine gewisse geografische Flexibilität bei Praxissuche wäre mir noch wichtig, damit meine ich, dass man nicht quer durch die Republik ziehen muss, um eine freien Kassensitz zu finden.

ehem-user-25-04-2022-1131
29.09.2021, 11:46
200K :-)) :-)) :-))

Julian98
29.09.2021, 21:27
200K :-)) :-)) :-))

Was ist denn so lustig?

Julian98
29.09.2021, 21:30
Falls noch jemand auf die Ausgangsfrage eingehen möchte, wäre ich sehr dankbar.

davo
29.09.2021, 23:02
Interesse hätte ich an:
- Auge, Oralchirurgie / MKG, Zahnmedizin, Allgemeinmedizin, Kardiologie, Orthopädie

Mein Wunschvorstellung wäre ein Fach bei dem man sich gut niederlassen kann, ideal wäre die Kombination aus konservativer und operativer Tätigkeit, sodass man quasi kleine ambulante Eingriffe in der Praxis durchführt.

Fällt dir nicht auf, dass da einiges nicht zusammenpasst?

Wahrscheinlich passt Zahnmedizin besser zu deinen Vorstellungen. Humanmedizin würde dich deutlich mehr Zeit kosten, bei fraglichem Nutzen. Außerdem sind die von dir erwähnten Nachteile von Zahnmedizin IMHO irrelevant.

Julian98
30.09.2021, 21:34
Fällt dir nicht auf, dass da einiges nicht zusammenpasst?

Wahrscheinlich passt Zahnmedizin besser zu deinen Vorstellungen. Humanmedizin würde dich deutlich mehr Zeit kosten, bei fraglichem Nutzen. Außerdem sind die von dir erwähnten Nachteile von Zahnmedizin IMHO irrelevant.

Zunächst mal vielen Dank für deine Antwort. Was genau meinst damit, dass einiges nicht zusammenpasst. Mir ist natürlich klar, dass Oralchirurgie ein Fachzahnarzt ist, für die restlichen Fachrichtungen müsste ich Humanmedizin studieren. Ich werde natürlich auch keinen MKG mehr machen (ähnelt Oralchirurgie in der Niederlassung), ich wollte damit in erster Linie einen groben Einblick geben, welche Fachrichtungen ich interessant finde.

Ja, der zeitliche Aspekt spricht ganz klar für Zahnmedizin. Zudem kommen viele andere Aspekte hinzu, wie etwa Krankenkassenbeiträge, Miete (kann in meiner Unistadt momentan mietfrei wohnen), deswegen möchte ich mich hierzu möglichst ausführlich informieren. Ich würde mich freuen, falls du deinen Beitrag noch ein wenig ausführen könntest.

Julian98
05.10.2021, 21:04
Falls noch jemand aus der Praxis berichten kann, würde ich mich freuen.

Krokodil97
10.10.2021, 00:15
Du hast das schon gut analysiert. Der Verdienst des niedergelassenen Allgemeinmediziners ist statistisch etwas höher, dafür dauert das Studium etwas länger. Finanziell dürfte es sich also nicht besonders viel nehmen. Andere Fachrichtungen der Humanmedizin zu vergleichen macht keinen richtigen Sinn, weil die Niederlassung da nicht so problemlos möglich ist.

Ich habe keinen Überblick über die durchschnittliche Arbeitszeit eines Zahnarztes, bei Allgemeinmedizinern liegt die bei ca 50h. Ich glaube mal gelesen zu haben, dass die bei Zahnärzten geringer sein soll. Wenn es dir nur um das Gehalt geht, hast du als Humanmediziner theoretisch auch die Option ne private Praxis für Schönheitsoperationen zu machen. Das dürfte der Beruf als Mediziner sein, indem man am meisten Geld verdient. Allerdings ist das Risiko auch am größten und es man sollte vorher genug Erfahrung gesammelt haben. Aber long term sicher die rentabelste Option.

Nefazodon
10.10.2021, 10:08
Wenn es dir nur um das Gehalt geht, hast du als Humanmediziner theoretisch auch die Option ne private Praxis für Schönheitsoperationen zu machen. Das dürfte der Beruf als Mediziner sein, indem man am meisten Geld verdient. Allerdings ist das Risiko auch am größten und es man sollte vorher genug Erfahrung gesammelt haben. Aber long term sicher die rentabelste Option.

Theoretisch.....Praktisch sind die Hürden dann doch etwas höher...
Es fängt damit an, dass man, wie Du schon sagst, Erfahrung braucht und ein "Händchen" für solche OPs...
Dann braucht man noch die Kooperation mit einem Anästhesisten und zuletzt dürfen auch die Patienten nicht ausbleiben....

Ich finde es ja schön, dass Du andere zu ihren beruflichen Möglichkeiten berätst, Krokodil, aber wenn wir ehrlich sind, hast Du keinerlei tatsächliche Erfahrung dazu.
Wie wäre es, wenn Du erstmal anfängst, Medizin zu studieren, um einen Einblick in die ärztliche Arbeitswelt zu bekommen?

Just saying...