Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Eigene Praxis = Schlaraffenland?
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Ich stelle ein Job-Schlaraffenland, Stand jetzt, in etwa so vor:
9:00 -12:00 Sprechstunde (=15 Sprechstunden pro Woche)
12:00-12:30 Mittagspause
12:30-14:00 entspannt die angefallene Bürokratie abarbeiten und Befunde durchgucken
Nachmittags/Abends mit Freunden Angeln oder Golfen gehen. Mit ca 100k im Jahr ein privilegiertes Leben führen.
Warum setzt ihr euch mit sowas auseinander?
Ziemlich eindeutig ein Troll, hoffentlich.
Ansonsten sind fast BWLer noch realitätsresistenter als von mir befürchtet....
Möchte ein paar Dinge zu bedenken geben:
- Das Einkommen niedergelassener Ärzte ist tatsächlich sehr, sehr gut, bei guter Work-Life-Money-Balance, egal, wie man es dreht und wendet. Kaum ein Betriebswirt verdient jemals sechsstellig. In der BWL ist die Verteilung einfach wesentlich breiter: Die Top-Absolventen werden Investmentbanker oder Unternehmensberater und steigen mit Oberarztgehalt ein (allerdings auch bei 60-80h-Wochen). Die schlechteren mit unbeliebten Spezialisierungen laden in Gehaltsbereichen, die bei uns eher mit der Pflege vergleichbar sind, und werden Mühe haben, sich da rauszukämpfen.
- Es wird zunehmend schwerer, sich niederzulassen. Ich bin selbst WBA in der Inneren in der Uniklinik und überlege mir nach jedem Dienst (wie heute :D ), ob ich nicht besser Allgemeinmediziner werde, einfach weil die Niederlassung wesentlich einfacher ist und ich auch die Perspektive OA aktuell nicht attraktiv finde (das Fass will ich jetzt nicht aufmachen). Im Prinzip funktioniert der "Markt" bei Niederlassungen wie das Zunftsystem im Mittelalter mit künstlich erzeugter Knappheit. Da zunehmend Kassensitze von Großpraxen und MVZ mit Beteiligung von PE-Fonds aufgekauft werden, schwinden die Perspektiven für Jungärzte, sich niederzulassen, immer weiter. Ich bin mir nicht mal mehr sicher, ob es in 11-12 Jahren, wo der TE soweit wäre, selbst als Allgemeinmediziner noch so ohne Weiteres möglich ist, sich niederzulassen. Dass die Ärztevertretungen dagegen nicht vorgehen (mutmaßlich aus kurzfristigen Gewinninteressen von deren Entscheidungsträgern) ist in meinen Augen deren größtes Versagen. Der Arzt der Zukunft ist Angestellter und arbeitet (indirekt) für Private-Equity-Investoren.
- Niederlassung ist Selbstständigkeit light. Man hat weniger Abwärtspotential, weil man fast schon ein garantiertes Kontigent an Patienten hat (Stichwort Kassensitze und künstliche Knappheit), aber auch nicht die betriebswirtschaftlichen Spielräume nach oben, sein Angebot auszuweiten.
- Der Arztjob macht, trotz aller Widrigkeiten, Spaß und hat inneren Sinn. Ist für mich nach wie vor das Hauptargument. Wenn ich, wie einzelne Studienfreunde von mir, in die Wirtschaft gegangen wäre und Tag-ein-Tag-aus Powerpoint-Buzzword-Bullshitbingo spielen würde, würde ich mich erschießen.
Thomas24
28.09.2021, 12:58
Ich stelle ein Job-Schlaraffenland, Stand jetzt, in etwa so vor:
9:00 -12:00 Sprechstunde (=15 Sprechstunden pro Woche)
12:00-12:30 Mittagspause
12:30-14:00 entspannt die angefallene Bürokratie abarbeiten und Befunde durchgucken
Nachmittags/Abends mit Freunden Angeln oder Golfen gehen. Mit ca 100k im Jahr ein privilegiertes Leben führen.
Damn! Wo ist mein Popcorn? :-oopss
@Feuerblick es ist doch völlig egal ob Kassenpatienten oder Privatpatienten kommen oder pauschal oder leistungsgerecht vergütet wird, etc - wenn im Durchschnitt 170k verdient werden, wird man als durchschnittlicher Arzt auch in etwa in diesem Bereich verdienen.
... am besten karamelisiert, und Showtime! :-))
Feuerblick
28.09.2021, 14:46
Au ja, gibst du was ab? :-)
MissUmbrella
28.09.2021, 18:02
.....
Möchte ein paar Dinge zu bedenken geben:…..
Deinem Beitrag stimme ich zu 99% zu. Persönlich finde ich den Beruf aber nicht mehr so sinnstiftend aus folgenden Gründen:
- wirtschaftlicher Druck der bis auf den untersten Ebenen zu spüren ist mit bekannten Folgen für die Arbeitsbedingungen
- teilweise unverschämtes Anspruchsdenken der Patienten
- rechtliche Rahmenbedingungen (habe gerade 2 Wochen mit KV-Beratung hinter mir)
Ansonsten finde ich den Ton der letzten Beiträge mit diesem inflationären „Troll-Blaming“ absolut unangebracht. Jeder hat seinen Standpunkt dargelegt. Der TE wird in 10 Jahren sehen wie es ist.
Thomas24
28.09.2021, 21:14
- Es wird zunehmend schwerer, sich niederzulassen. Ich bin selbst WBA in der Inneren in der Uniklinik und überlege mir nach jedem Dienst (wie heute :D ), ob ich nicht besser Allgemeinmediziner werde, einfach weil die Niederlassung wesentlich einfacher ist und ich auch die Perspektive OA aktuell nicht attraktiv finde (das Fass will ich jetzt nicht aufmachen). Im Prinzip funktioniert der "Markt" bei Niederlassungen wie das Zunftsystem im Mittelalter mit künstlich erzeugter Knappheit. Da zunehmend Kassensitze von Großpraxen und MVZ mit Beteiligung von PE-Fonds aufgekauft werden, schwinden die Perspektiven für Jungärzte, sich niederzulassen, immer weiter. Ich bin mir nicht mal mehr sicher, ob es in 11-12 Jahren, wo der TE soweit wäre, selbst als Allgemeinmediziner noch so ohne Weiteres möglich ist, sich niederzulassen. Dass die Ärztevertretungen dagegen nicht vorgehen (mutmaßlich aus kurzfristigen Gewinninteressen von deren Entscheidungsträgern) ist in meinen Augen deren größtes Versagen. Der Arzt der Zukunft ist Angestellter und arbeitet (indirekt) für Private-Equity-Investoren.
Sehe ich generell positiver: zum einen haben auch PE Investoren und Ketten Probleme, die vorhandenen Sitze tatsächlich zu personell zu bespielen. Insbesondere bei hohem Wachstum ist es nicht einfach, allen KV- und sonstigen Anforderungen ausreichend schnell nachzukommen, zum einen, weil es das Personal nicht gibt (sowohl auf FA Ebene, als auch bei qualifizierten MFAs etc.), zum anderen, weil die vorhandenen Kräfte die Auswahl haben -sofern Sie etwas mobil sind- wo Sie arbeiten möchten. Und da ist der Trend zur Arbeit in der Ballungsregion/ Speckgürtel ungebrochen. Für mein Fach haben wir derzeit 3 größere und mehrere Mittelgroße Akteure auf dem Markt und Sie alle haben zwar Zugang zu günstigem Kapital und Know How, aber Probleme, ihre Standorte in adäquater Zahl und Qualität zu besetzen. Bedenke: eine MFA/Optiker/Optometristengeneration kann man frühestens in 3 Jahren bekommen, Fachärzte frühestens in 11 und unbegrenzte weitere Aufnahme von ausländischen Kräften wird es auch nicht geben, wenn die Attraktivität des deutschen Gesundheitssystems in Relation zu anderen Systemen weiter nachlässt.
Was die Selbstverwaltung/ Ärztevertretungen angeht: ich sehe weniger kurzfristiges Gewinnstreben auf seiten der KV etc. (wieso auch, sind ja Aufsichtsorgane und Körperschaften des öffentlichen Rechts), sondern mehrere Faktoren. Zum einen haben sich die Werte etwas gewandelt. Es gibt einfach nicht mehr dieselbe Nachfrage nach selbständiger Tätigkeit, wie vor ein, zwei Generationen. Der "ich muss alles alleine" lösen Einzelkämpfer ist ebenfalls auf dem Rückzug. Die nachfolgenden Generationen möchten tendenziell eher in kooperativerer Form (als BAG etc.) zusammenarbeiten (hat ja auch viele fachliche und organisatorische Vorteile), sich im Job nicht zu Tode schuften, sprich: Work- Life Balance haben, etc. Medizin wird zunehmend weiblicher und muss zeitlich flexibleres arbeiten ermöglichen etc.
Praxen, die ohne einen Nachfolger zu finden, geschlossen werden müssen oder für einen symbolischen Betrag verschenkt werden, wird es in Zukunft nicht mehr nur in der Peripherie geben. Auch Praxen, die als "KV Eigenbetrieb" von der KV selbst betrieben werden, könnten zahlenmäßig zunehmen. Nicht vergessen: der Großteil der ambulanten Kollegen ist derzeit 54 Jahre alt. Ich sehe da momentan keinen Nachwuchs in adäquater Zahl nachwachsen. Sicher ist: in Zukunft wird es flexiblere Versorgungsformen als jetzt geben, mit einem steigenden Anteil an telemedizinischen Konsultationen und auch zunehmender Autonomie von paramedizinischen Hilfs- und Heilberufen, die dann ein zunehmendes Selbstbewusstsein bekommen werden. Siehe Richtung "Nurse Practitioner", "Optometrists" usw, die es ja in anderen Systemen neben dem Arzt gibt und sicher auch in Deutschland eine wichtigere Rolle spielen werden, vor allem vor dem Hintergrund, dass politische Entscheidungsträger glauben könnten, damit Kosten einsparen möchten ("billiger" als ein Arzt.).
Was tatsächlich ein Problem darstellen könnte, ist das Exit/ Buy in- Szenario in ca. 20 Jahren. Traditionellerweise würde die abgebende Generation von etablierten Großpraxen etc. an die nachwachsende Generation von Kollegen und Teilhabern ihre Anteile abgeben. Meistens jenseits des 55 Lebensjahres, weil es den Steuervorteil auf die vergünstigte Besteuerung bei Veräußerung einmalig im Leben gibt. Aber derzeit sind die Zinskonditionen so günstig für hochgehebelte PE Investoren, dass Sie einem Abgeber den Faktor 5- 7,5 auf ihren Jahresgewinn für den Verkauf der Anteile bieten können. Das macht es potentiellen interessierten Jungärzten, die selber im Unternehmen mitarbeiten, schwierig mitzuhalten wenn einer der Seniopartner ausscheidet und einen großen Anteil am Unternehmen verkaufen will. Das sollte man bei seinem Einstieg in eine BAG etc. gut verhandeln und sich mit den Seniorkollegen, die einige Jahre vor euch ausscheiden möchten, ein Vorkaufsrecht im Gesellschaftsvertrag zu fairen Konditionen zusichern lassen. Nichts ist blöder, als selbst noch Kredite bedienen zu müssen- die Gesellschaftsmehrheit wurde vom ausscheidenden Senior teuer an einen Investor verkauft- und zack, du als Junior Gesellschafter bist plötzlich nicht mehr Herr im eigenen Laden, musst aber weiterarbeiten, wie bisher, weil du noch zu hohe Verbindlichkeiten (Haus, Praxis, Familie) hast...
Andererseits ist unklar, ob die Zinslage in 15 - 20 Jahren derartige Exzesse bei den Kaufpreisen überhaupt noch zulassen wird.
Patienten schätzen eine kontinuierliche und persönliche Betreuung aus einer Hand. Ständig wechselndes Personal, das zwischen den Standorten tageweise hin- und hergeschoben wird, oft fremdsprachig, ist da nur die zweite Wahl. Zweitens: ein Angestellter, egal, wie gut bezahlt und motiviert, wird niemals denselben Einsatz einbringen, wie ein Selbständiger. Wer Kunden-, Service- und Qualitätsorientiert unterwegs ist, und unternehmerisch denkt, wird selbst in einem Umfeld mit vielen Ketten sein gutes Auskommen haben. Genauso wie es einen Kunden für einen Massenprodukt von McDonalds und Maredo gibt, gibt es ebenso einen Markt für gute Restaurants mit individuellem Service. In der Medizin ist es nicht anders.
Jedem, der Bock auf Selbständigkeit hat, kann ich nur aufmunternd zurufen: nur zu! Es ist nicht alles Gold, was glänzt- es ist ein A*sch voller Arbeit und Verantwortung, die politische und gesellschaftliche Wertschätzung nimmt ab. Aber am Ende ist es wesentlich besser, sein eigener Herr zu sein, als für jemand anders zu arbeiten (zumindest für mich).
PS: Vormittags gechillt etwas Praxis und nachmittags auf dem Golfplatz ...nun ja. Wirst du ja sehen.
danke miked und thomas24 für die Beiträge.
Krokodil97
28.09.2021, 23:15
@Wiwi18 danke für den Beitrag, sehe es 1:1 genauso!
und @Thomas24 , danke auch für deinen Beitrag.
Also ich finde es schon bisschen verkehrte Welt, dass man, wenn man sich vor Beginn seines Studiums in einem Online Forum zu seinem potentiell zukünftigen Beruf informieren will, ohne ersichtlichen Grund als Troll angegangen wird. Mit einigen kommt auch gar keine konstruktive Debatte zu Stande. Stattdessen gibt es nur solche nichtssagenden Kommentare wie:
PS: Vormittags gechillt etwas Praxis und nachmittags auf dem Golfplatz ...nun ja. Wirst du ja sehen.
Damn! Wo ist mein Popcorn?
Perfekt. Geh in den Osten als Landarzt! Das Schlaraffenland wartet nur auf dich.
Absoluter Troll.
Im Nachhinein ist die Reaktion ja auch nicht überraschend. Ich kenne wenige bis keine, die von sich behaupten in ihrem Beruf zu viel Geld für zu wenig Arbeit zu bekommen. Ich werde auch vollkommen falsch verstanden, ich gönne es den Ärzten nach ihrer langen Ausbildung und aufgrund ihrer verantwortungsvollen Arbeit. Aber wenn man berücksichtigt dass eben nur 3,5% in Deutschland über 100k verdienen und man ein solches Gehalt als Mediziner mit 20-30 Wochenstunden erreichen kann, kann man sich doch ruhig mal eingestehen, dass man ziemlich privilegiert ist. Unabhängig der genannten Kritikpunkte, wie sich das Geld zusammensetzt und dass 1/3 der Wochenstunden aus Bürokratie bestehen.
Einzelne Forenteilnehmer bestätigen doch auch mein Rechnung:
die Inhaber, die von einer gemütlichen 40 h woche sprachen, lagen meist bei ca. 140-150 k/Jahr
Das sind, im Gegensatz zu den ganzen Troll Callern, belastbare Zahlen die zudem auch im Einklang mit den offiziellen Statistiken stehen.
@Feuerblick, weil du ja am lautesten schimpfst.. Du kannst mir ja gerne mal erklären warum man mit 20-30h pro Woche deiner Meinung nach keine 100h verdient als niedergelassener Arzt... Btw. dein Argument mit den Kassenpatienten, auf welchem du so rumreitest, ist für mich grundlegend unlogisch. Mag ja sein, dass man wenn man nur Kassenpatienten behandelt keine 170k+ verdient wie der Durchschnittsarzt. Aber es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass man nur Kassenpatienten behandelt. Es ist viel mehr davon auszugehen, dass der Anteil der Privatpatienten genauso hoch ist wie beim Durchschnittsarzt.
Lg
Krokodil
Krokodil97
28.09.2021, 23:20
Generell wäre ich dankbar, wenn ein paar weitere Niedergelassene einfach einmal schreiben könnten wie viele Wochenstunden sie arbeiten, wie sich diese grob zusammensetzen und wie hoch hier jährlicher Reingewinn in etwa ausfällt. Insbesondere die Kritiker und Troll Caller würde ich gern dazu einmal hören.
Lg
Krokodil
Aber wenn man berücksichtigt dass eben nur 3,5% in Deutschland über 100k verdienen und man ein solches Gehalt als Mediziner mit 20-30 Wochenstunden erreichen kann, kann man sich doch ruhig mal eingestehen, dass man ziemlich privilegiert ist.
Hast du den Beitrag von miked gelesen? Also dass 100k verdienen als Angestellter was anderes ist als 100k Gewinn in einer Praxis? Thema Nebenkosten, Altersvorsorge und die ganzen Sachen? Ich seh das halt ein bissl weniger rosig.
Und man muss es mögen, diese Selbständigkeit.
Krokodil97
29.09.2021, 00:20
Hast du den Beitrag von miked gelesen? Also dass 100k verdienen als Angestellter was anderes ist als 100k Gewinn in einer Praxis? Thema Nebenkosten, Altersvorsorge und die ganzen Sachen? Ich seh das halt ein bissl weniger rosig.
Und man muss es mögen, diese Selbständigkeit.
Ja den Beitrag habe ich gelesen und der Beitrag war echt gut. Das relativiert zugegebener Maßen die Zahlen etwas. Im Prinzip trägt man als Selbstständiger halt zusätzlich den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben. Dieser beträgt bei gesetz. Krankenversicherung und gesetz. Rentenversicherung + Arbeitslosenversicherung + Pflegeversicherung bei einem Brutto Einkommen von 170k ca. 14.000€. Da die Abgaben gedeckelt sind, betragen sie auch bei 100k Einkommen ca 14.000€. ich muss also Miked zumindest ein bisschen korrigieren, dass 100k Gewinn nicht 70k gehalt eines Angestellten entsprechen, sondern eher 86k. Außerdem kann man natürlich hinterfragen ob man als niedergelassener Arzt eine Arbeitslosenversicherung brauch oder ob sich die private Krankenversicherung beim gesetzlichen Höchstsatz tatsächlich mehr lohnt. Außerdem hat man als selbständiger dafür andere Steuervorteile und kann zb. Leasing Raten eine Autos vom Gewinn abziehen. Wenn man davon ausgeht, dass man sich in Gehaltsklassen bewegt wo der Steuersatz 42% (evtl bald mehr) beträgt, spart man so natürlich auf der anderen Seite auch eine Menge Geld.
Ja den Beitrag habe ich gelesen und der Beitrag war echt gut. Das relativiert zugegebener Maßen die Zahlen etwas. Im Prinzip trägt man als Selbstständiger halt zusätzlich den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben. Dieser beträgt bei gesetz. Krankenversicherung und gesetz. Rentenversicherung + Arbeitslosenversicherung + Pflegeversicherung bei einem Brutto Einkommen von 170k ca. 14.000€. Da die Abgaben gedeckelt sind, betragen sie auch bei 100k Einkommen ca 14.000€. ich muss also Miked zumindest ein bisschen korrigieren, dass 100k Gewinn nicht 70k gehalt eines Angestellten entsprechen, sondern eher 86k. Außerdem kann man natürlich hinterfragen ob man als niedergelassener Arzt eine Arbeitslosenversicherung brauch oder ob sich die private Krankenversicherung beim gesetzlichen Höchstsatz tatsächlich mehr lohnt. Außerdem hat man als selbständiger dafür andere Steuervorteile und kann zb. Leasing Raten eine Autos vom Gewinn abziehen. Wenn man davon ausgeht, dass man sich in Gehaltsklassen bewegt wo der Steuersatz 42% (evtl bald mehr) beträgt, spart man so natürlich auf der anderen Seite auch eine Menge Geld.
Hmm, da kennst du dich als bwler wahrscheinlich besser aus, ich habe meine infos von dieser seite, ich hoffe, der link ist erlaubt: https://steuerwelle.de/bruttonetto2017/
Da sind die Zusatzbelastungen schon deutlich höher, insgesamt bis zum netto 55 %; dann bleiben bei 150000/ jahr ca. 5650 netto pro monat als selbständiger; als angestellter mit steuerklaase 1 müsste man hierfür 120000 brutto/ jahr verdienen.... Kannst du aufschlüsseln wie du auf die 14.000 kommst?
Möchte ein paar Dinge zu bedenken geben:
- Das Einkommen niedergelassener Ärzte ist tatsächlich sehr, sehr gut, bei guter Work-Life-Money-Balance, egal, wie man es dreht und wendet. Kaum ein Betriebswirt verdient jemals sechsstellig. In der BWL ist die Verteilung einfach wesentlich breiter: Die Top-Absolventen werden Investmentbanker oder Unternehmensberater und steigen mit Oberarztgehalt ein (allerdings auch bei 60-80h-Wochen). Die schlechteren mit unbeliebten Spezialisierungen laden in Gehaltsbereichen, die bei uns eher mit der Pflege vergleichbar sind, und werden Mühe haben, sich da rauszukämpfen.
- Es wird zunehmend schwerer, sich niederzulassen. Ich bin selbst WBA in der Inneren in der Uniklinik und überlege mir nach jedem Dienst (wie heute :D ), ob ich nicht besser Allgemeinmediziner werde, einfach weil die Niederlassung wesentlich einfacher ist und ich auch die Perspektive OA aktuell nicht attraktiv finde (das Fass will ich jetzt nicht au.....
- Niederlassung ist Selbstständigkeit light. Man hat weniger Abwärtspotential, weil man fast schon ein garantiertes Kontigent an Patienten hat (Stichwort Kassensitze und künstliche Knappheit), aber auch nicht die betriebswirtschaftlichen Spielräume nach oben, sein Angebot auszuweiten.
- Der Arztjob macht, trotz aller Widrigkeiten, Spaß und hat inneren Sinn. Ist für mich nach wie vor das Hauptargument. Wenn ich, wie einzelne Studienfreunde von mir, in die Wirtschaft gegangen wäre und Tag-ein-Tag-aus Powerpoint-Buzzword-Bullshitbingo spielen würde, würde ich mich erschießen.
Wenn ich deinen beitrag lese, bekomme ich ein dejavu, vor ca. 5 jahren ; ums mit den worten von michi beck (oder wars thomas d?) zu formulieren: "und jetzt schau dich an, wo bist du hingekommen..;-).. " wie anignu schon sagte: es ist nicht alles gold, was glänzt in der niederlassung und diesen satz habe ich schon oft von kollegen gehört, die vom kh in die niederlassung gingen; manche bleiben trotzdem da, weil für SIE die vorteile überwiegen, die anderen gehen zurück oder ziehen weiter; aber probiers einfach aus, der weg in die klinik zurück ist möglich; den anderen von dir genannten punkten würde ich teilweise zustimmen, wobei klar sein dürfte, warum einer von millionen "fh-gerade-so-den-bachelor-geschafft-bwler" nicht den traumjob ergattert.... Und generell gilt natürlich für alle (auch die mediziner) "tell me why, tell me why, tell me why the grass is always greener on the other side...."
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Du kannst mir ja gerne mal erklären warum man mit 20-30h pro Woche deiner Meinung nach keine 100h verdient als niedergelassener Arzt... Btw. dein Argument mit den Kassenpatienten, auf welchem du so rumreitest, ist für mich grundlegend unlogisch. Mag ja sein, dass man wenn man nur Kassenpatienten behandelt keine 170k+ verdient wie der Durchschnittsarzt. Aber es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass man nur Kassenpatienten behandelt. Es ist viel mehr davon auszugehen, dass der Anteil der Privatpatienten genauso hoch ist wie beim Durchschnittsarzt.
Lg
Krokodil
Weil der "Gesundheitsmarkt" kein richtiger Markt ist:
1. Du kannst den Preis deiner Leistung nicht festlegen - Stichwort EBM und GOÄ
2. Du kannst auch nicht frei bestimmen, welche Leistung du anbietest - Auch EBM und GOÄ
3. Du kannst die Menge deiner Leistung nicht x-beliebig steigern - Stichwort Plausibilitätsprüfung
4. diverse weitere kleine Fesseln und Daumenschrauben
Das wurde aber eigentlich schon erwähnt.
FirebirdUSA
29.09.2021, 07:10
Ja den Beitrag habe ich gelesen und der Beitrag war echt gut. Das relativiert zugegebener Maßen die Zahlen etwas. Im Prinzip trägt man als Selbstständiger halt zusätzlich den Arbeitgeberanteil der Sozialabgaben. Dieser beträgt bei gesetz. Krankenversicherung und gesetz. Rentenversicherung + Arbeitslosenversicherung + Pflegeversicherung bei einem Brutto Einkommen von 170k ca. 14.000€. Da die Abgaben gedeckelt sind, betragen sie auch bei 100k Einkommen ca 14.000€.
Nur bist du nicht in der DRV sondern im Versorgungswerk, meines will z.B. bis 500.000 Euro 12% haben. So Nebenposten wie Berufshaftpflicht sind insbesondere bei "schneidenden" Kollegen auch nicht zu verachten.
Krokodil97
29.09.2021, 08:55
Weil der "Gesundheitsmarkt" kein richtiger Markt ist:
1. Du kannst den Preis deiner Leistung nicht festlegen - Stichwort EBM und GOÄ
2. Du kannst auch nicht frei bestimmen, welche Leistung du anbietest - Auch EBM und GOÄ
3. Du kannst die Menge deiner Leistung nicht x-beliebig steigern - Stichwort Plausibilitätsprüfung
4. diverse weitere kleine Fesseln und Daumenschrauben
Das wurde aber eigentlich schon erwähnt.
ja, wurde schon erwähnt - ist aber wie ebenfalls schon erwähnt - doch kein Argument weshalb 100k bei 20-30h pro Woche unrealistisch sein sollen. Egal wer festlegt welche Leistungen zu welchem Preis und in welchem Umfang erbracht werden dürfen, der durchschnittlich erzielte Reingewinn liegt, trotz der genannten Kritikpunkte, bei 170k+.
Feuerblick
29.09.2021, 09:01
Du willst es nicht verstehen, oder? Obwohl dir mehrere erklärt haben, wie das System funktioniert. Du willst dich auch nicht einlesen und nachschauen, welche Pauschalen (!) dir pro Patient und Quartal (nicht pro Vorstellung bei dir) gezahlt werden würden. In meinem Fach sind das pro Patient (!) und pro Quartal (!) zwischen 13 und 17 Euro.
Nochmal: Die „Scheinanzahl“ ist gedeckelt. Du musst für Kassenpatienten eine bestimmte Sprechstundenanzahl anbieten. Pro Patient und Quartal bekommst du in vielen Fällen nur eine Pauschale, die du unter Umständen durch weiterführende Untersuchungen erhöhen kannst (wenn du diese abrechnen darfst).
Wenn du doch BWL studiert hast, warum bist du dann nicht in der Lage, das mal konkret auszurechnen?
Ehrlich, bei soviel Meinung trotz völliger Ahnungslosigkeit ist jedes weitere Wort sinnlos.
Du solltest dir eins merken: Wenn du eine Frage stellst, solltest du die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass deine vorgefasste Meinung eben nicht der Wirklichkeit entspricht. Ansonsten kannst du dir das Fragen sparen.
Krokodil97
29.09.2021, 09:04
Hmm, da kennst du dich als bwler wahrscheinlich besser aus, ich habe meine infos von dieser seite, ich hoffe, der link ist erlaubt: https://steuerwelle.de/bruttonetto2017/
Da sind die Zusatzbelastungen schon deutlich höher, insgesamt bis zum netto 55 %; dann bleiben bei 150000/ jahr ca. 5650 netto pro monat als selbständiger; als angestellter mit steuerklaase 1 müsste man hierfür 120000 brutto/ jahr verdienen.... Kannst du aufschlüsseln wie du auf die 14.000 kommst?
Ich hab einfach die Sozialabgaben im Brutto Netto Rechner (https://www.brutto-netto-rechner.info/) einmal für 100k und einmal für 170k berechnet. Man bekommt zwar nur den Arbeitnehmeranteil angezeigt, aber der Arbeitgeberanteil ist nochmal genauso hoch. Aber @FirebirdUSA hat recht, dass man nicht in der gesetzl. RV sondern in einem Versorgungswerk versichert ist. War mir nicht bewusst, laut kurzer Internetrecherche ist das aber relativ irrelevant, die Beitragssätze sind wohl die gleichen wie in der gesetzl. RV.
Krokodil97
29.09.2021, 09:16
Du willst es nicht verstehen, oder? Obwohl dir mehrere erklärt haben, wie das System funktioniert. Du willst dich auch nicht einlesen und nachschauen, welche Pauschalen (!) dir pro Patient und Quartal (nicht pro Vorstellung bei dir) gezahlt werden würden. In meinem Fach sind das pro Patient (!) und pro Quartal (!) zwischen 13 und 17 Euro.
Nochmal: Die „Scheinanzahl“ ist gedeckelt. Du musst für Kassenpatienten eine bestimmte Sprechstundenanzahl anbieten. Pro Patient und Quartal bekommst du in vielen Fällen nur eine Pauschale, die du unter Umständen durch weiterführende Untersuchungen erhöhen kannst (wenn du diese abrechnen darfst).
Wenn du doch BWL studiert hast, warum bist du dann nicht in der Lage, das mal konkret auszurechnen?
Ehrlich, bei soviel Meinung trotz völliger Ahnungslosigkeit ist jedes weitere Wort sinnlos.
Du solltest dir eins merken: Wenn du eine Frage stellst, solltest du die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass deine vorgefasste Meinung eben nicht der Wirklichkeit entspricht. Ansonsten kannst du dir das Fragen sparen.
Naja, wie du argumentierst ist halt einfach nicht logisch. Du sagst 100k sind bei 20-30h aufgrund der von dir genannten Gründe unrealistisch, obwohl laut offiziellen Statistiken der Reingewinn pro Praxisinhaber durchschnittlich 170k+ beträgt. Das lässt nur 2 Erklärungen zu, entweder die offiziellen Statistiken sind gefälscht, oder deine Argumentation stimmt halt einfach nicht.
Lg
Krokodil
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