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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zusatzzahlung für mehr Dienste?



miki3802
07.10.2021, 10:51
Hallo liebe Community,

ich arbeite in einer Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe in einem Haus mit 1000 Geburten im Jahr. Durch Umzüge und andere persönliche Schicksaale ist unser Assistententeam in kurzer Zeit auf 4 Vollzeitstellen geschrumpft. Der Bewerbermarkt für die Gyn ist leergefegt, eine Aussicht auf BEsserung gibt es zur Zeit nicht.

Da dieser Zustand schon seit über 6 Monaten anhält und wir zusätzlich mit steigenden Geburtenzahlen zu kämpfen haben und somit auch mit wesentlich mehr Arbeit, die durch die Unterbesetzung noch verstärkt wird, machen meine Kollegen und ich seit zwei Monaten nur die 4 Pflichtdienste im Monat (in unserem Fall 24h ohne Freizeitausgleich, also nur dem Ausschlaftag). Der Rest wird von den Honorarärzten abgeleistet. Zum Verständnis sei gesagt, dass wir dadurch zumindest im Tagdienst etwas entlastet sind. Wir sind tagsüber besser besetzt und können uns besser auf Kreißsaal/OP/Station aufteilen. Sobald jemand im Urlaub ist oder eben nach Dienst im Frei, ist hier die Hölle los.
Wie ihr verstehen könnt, sind wir zur Zeit gar nicht scharf drauf mehr Dienste zu machen. Es ist einfach ein Teufelkreis.

Nun trat die Geschäftsführung auf uns zu und möchte uns einen "finanziellen Anreiz" für mehr Dienste geben. Verständlich, ein Honorararzt kostet sie um die 1500€ pro Dienst.
Wir haben jetzt das erste Angebot von bekommen und kurzum gesagt ist es ein Schlag ins Gesicht.
300 € im Halbjahr wenn man im Schnitt über diese sechs Monate 5 Dienste geleistet hat. 500€ wenn es 6 Dienste sind. Selbstverständlich Brutto. Angebot befristet bis April 2022.
Wir hatten eine Zahlung pro Dienst ab dem 5. Zusatzdienst gefordert.

Was mich interessierten würde:

Habt ihr mit solchen Extra-Zahlungen in euren Abteilungen zu tun gehabt und wie sahen diese aus? Wir wollen einfach einen Vergleich bzw. eine Idee bekommen was die anderen Kliniken machen. Es muss auch keine Gyn-Abteilung sein.

Ich würde mich sehr über Antworten freuen. Wir haben jetzt am Montag eine Sitzung mit der GEschäftsführung und werden das großzügige "Angebot" besprechen!

Lieben Dank
Miki

Muriel
07.10.2021, 10:56
Moment mal... Es werde derzeit 15 Dienste pro Monat für jeweils 1500€ nach extrem vergeben und Euch bietet man für 6 Dienste 300€ insgesamt? Wow... Das ist.... kreativ...

morgoth
07.10.2021, 11:40
Da müsst ihr euch überlegen, ob ihr am Montag als ernsthafte Gesprächspartner auftreten wollt oder euch mit einem Taschengeld abspeisen lasst. 300€ für über 6 Monate insgesamt 6 (Zusatz-)dienste, da bleiben nach Abzug weniger als 30€ pro Dienst übrig.
Das ist einfach nur frech und sollte auch eher so rückgemeldet werden.

Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2021, 11:57
15*1.500 = 22.500 €, 300/6*15 = 750 €. Also Kostensenkung um 97 %.

Ich würde am Montag einen Gegenvorschlag machen, die Wochenarbeitszeit der Assistenten bei vollem Tariflohn von 40 auf 1.2 Stunden zu reduzieren.

Grombühlerin
07.10.2021, 12:04
Wie soll der Laden denn tagsüber laufen, wenn ihr mehr Dienste macht?
Dann würdet ihr ja auch mehr durch 'frei nach Dienst ' fehlen, oder? Das müsst ihr als Team auch noch bedenken.

Außerdem gibt es doch im Tarifvertrag eh irgendeinen Zuschlag , wenn man viele Dienste macht.
Die Details weiß ich nicht mehr, aber das stünde euch ja ohnehin zu.

Rhiannon
07.10.2021, 12:45
Außerdem gibt es doch im Tarifvertrag eh irgendeinen Zuschlag , wenn man viele Dienste macht.
Die Details weiß ich nicht mehr, aber das stünde euch ja ohnehin zu.

Den kriegen wir. Bzw den gab es natürlich bis wir uns verweigert haben mehr als die tariflich festgelegten 4 Dienste zu machen.

Und nein, das da oben ist kein Zweitaccount von mir. Wir arbeiten nur im gleichen Laden.

miki3802
07.10.2021, 12:49
Zur Klarheit: gemeint ist nicht dass das die einzige Zahlung für die Dienste ist. Es ist dann der zusätzliche Bonus nach der normalen Zahlung für die vier Pflichtdienste und dem üblichen Zuschlag, den man für die Mehrdienste bekommt (ich meine 10%).

Grombühlerin
07.10.2021, 13:50
Ich persönlich finde es ja schön ziemlich gut, dass ihr erreicht habt, nur 4 Dienste im Monat zu machen..... hab ich so noch nie erlebt, Dienste wurden halt immer verteilt, meist waren es mehr als bei Euch für Vollzeitkräfte.
Von daher weiß ich nicht, was man da fordern könnte.

Aber noch mal meine Frage von oben, wenn tags deutlich öfter als momentan jemand fehlt, ist das machbar?

Rhiannon
07.10.2021, 13:59
Aber noch mal meine Frage von oben, wenn tags deutlich öfter als momentan jemand fehlt, ist das machbar?

Das ist machbar, aber extremst stressig. Deshalb hatten wir ja unter anderem nur noch 4 Dienste gemacht.

Endoplasmatisches Reticulum
07.10.2021, 14:43
Das ändert m.E. nicht viel am Kernaspekt.

Sehr grobe Überschlagsrechnung:
Ihr fahrt ein 24h-Dienstsystem mit Ausschlaftag, also etwa 8 Stunden zusätzlich auszuzahlende Arbeit pro Dienst. Nehmen wir vereinfachend an, ihr bekommt 100 % ausgezahlt (max. Bereitschaftsstufe) und habt einen Stundenlohn von 30 €. Dann bekommt ihr pro Dienst zusätzlich 240 € brutto. Lass das den Arbeitgeber 50 % mehr kosten durch Arbeitgeberanteile, dann kostet ihn ein Dienst durch euch etwa 360 € vgl. mit 1.500 € durch den Honorararzt. Im Vergleich zum Jetzt spart der Arbeitgeber also an jedem einzelnen Dienst über 1.100 €, wenn ihr den macht, will euch aber pro Dienst mit 300/6 = 50 € an dieser Ersparnis beteiligen. Das wird auch mit den regulären Tarifaufschlägen obendrauf nicht wesentlich weniger "witzig".

Lakemond
07.10.2021, 17:26
Hallo, hier ist Gyn-Honorararzt:-) Es stimmt schon, dass wir für einen Dienst in der Woche ca. 1500€ bekommen. Die Kliniken kostet es aber schon etwas mehr (Sozialabgaben, Vermittlung). Also hier was zu tun ist. Am Montag kündigt ihr alle! Dann wird die GF mit euch bestimmt sprechen wollen. Und wenn nicht - Stellen gibt es momentan genug. Z.B. in NRW sucht fast jede Gyn-Klinik Honorarärzte!

Nefazodon
07.10.2021, 18:18
15*1.500 = 22.500 €, 300/6*15 = 750 €. Also Kostensenkung um 97 %.

Ich würde am Montag einen Gegenvorschlag machen, die Wochenarbeitszeit der Assistenten bei vollem Tariflohn von 40 auf 1.2 Stunden zu reduzieren.

Made my day!:-D


Also ich würde anstelle des TE bei dem überragenden Angebot, wie andere schon vorgerechnet haben, dankend ablehnen und bei 4 Diensten im Monat bleiben.

Markian
07.10.2021, 18:20
Da wird euch metaphorisch ins Gesicht gespuckt.

Thomas24
07.10.2021, 18:25
Nimmt eure Controlling Abteilung Drogen? Ernsthafte Frage :-slap
Oder glauben die, ihr beherrscht keine Mathematik auf Grundschulniveau??
Völlig indiskutabler Vorschlag, solltet ihr auch gemeinsam so kommunizieren.

Grombühlerin
07.10.2021, 19:32
Ich finde, nur 4 Dienste im Monat ist ein Luxus, den man unbedingt beibehalten solllte.....

husthust
07.10.2021, 19:43
In meiner ersten Klinik (katholisches Haus) gab es ab dem 4. Dienst 200€, ab dem 5. Dienst 600€ und ab dem 6. Dienst 1100€ Brutto zusätzlich zum Gehalt und der Dienstvergütung obendrauf (also pro Monat in dem die Dienste tatsächlich geleistet wurden, nicht erst nach einem halben Jahr/Mittelwert o.ä.). Hat damals tatsächlich dazu geführt dass einige Leute mehr Dienste machen wollten, jedoch lohnte es sich eigentlich erst ab dem 6. Dienst...und 6 Dienste haben letztendlich auch die Lebensqualität massiv gesenkt. Die Abteilung war auch so schlecht besetzt, dass man meistens nach dem 24h Dienst noch die Visite auf Station mitmachen musste weil diese ohne einen unbesetzt war und man somit oft eher 26-28h da war und manchmal dann nach dem "Dienstfrei" am nächsten Tag nochmal Dienst hatte...das war das bisschen zusätzliche Geld auch nicht wert.

freak1
07.10.2021, 20:18
Moment mal... Es werde derzeit 15 Dienste pro Monat für jeweils 1500€ nach extrem vergeben und Euch bietet man für 6 Dienste 300€ insgesamt? Wow... Das ist.... kreativ...

Die Differenz bekommt der geniale BWL'er, der diese Idee hatte, als Jahresbonus ausbezahlt.

Lakemond
07.10.2021, 20:25
dass man meistens nach dem 24h Dienst noch die Visite auf Station mitmachen musste

Man wollte! Nicht musste!