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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zum ersten Mal kündigen - aber wie?



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Endoplasmatisches Reticulum
03.12.2021, 11:37
Es geht ja nicht um eine strukturelle Generalkritik, sondern die fundierte Darlegung der eigenen Beweggründe und was einen persönlich gestört hat.

Typische Kündigungsgründe eines Assistenten sind doch sowas wie: Andauernde Verstöße gegegen das Arbeitszeitgesetz, mieser Mitarbeiterumgang, schlechte Stimmung im Team, Überstunden in rauen Massen, keine Überstundenabgeltung, schlechte Lehre. Was davon wäre denn keine strukturelle Kritik?

Christoph_A
03.12.2021, 12:16
Strukturelle Generalkritik = alles ist Mist.
Fundierte Darlegung der Kritik = Herausarbeiten was einem nicht gefallen hat und v.a. der Hauptgrund für den Stellenwechsel war.
War bei mir einmal z.B. der Versuch, Zusagen durch die Hintertür zu revidieren. genauso habe ich das auch kommunziert und oh Wunder, ich lebe noch und rede sogar mit meinem ehemaligen Chef, wenn ich ihn auf Kongressen treffe. Hatten damals ein recht nettes, halbstündiges Kündigungsgespräch und uns am Ende einfach kollegial die Hand gegeben.

Leucovorin
03.12.2021, 16:58
Meist liegt schon einiges im Argen, wenn man geht und den Job aufgibt. Der Chefs wollen das aber nicht gerne sehen und hören. Fühlen sich schnell beleidigt. Wenn man die Bewegunggründe aufs persönliche schiebt (Partner zieht um...blabla) kann der Chef sein Gesicht wahren. Die strukturellen Defizite und die fumdierte sachliche Kritik wird man ja bereits vor der Kündigigung angesprochen haben und auf Taube Ohren gestoßen sein (sonst hätte man ja nicht gekündigt). So kann er sein Gesicht wahren. "TOP Abteilung, aber wenn die Partnerin von XYZ weggeht...was soll man tun? Muss er mitgehen..."

Ausnahme: Keine volle WB-Berechtiging....und für den Rest muss man woanders hin. Gute Begründung, kann man nicht anders machen!

Endoplasmatisches Reticulum
03.12.2021, 17:34
Ich denke, Christoph kommt da auch eher aus der Fach- bzw. Oberarztperspektive. Da ist das vermutlich schon nochmal etwas anders. Vor allem ist es ja auch tatsächlich ein Unterschied, ob man auf Grund der Arbeitsbedingungen geht, oder eben weil Absprachen nicht eingehalten wurden. Welcher Assi hat überhaupt die realistische Möglichkeit, Nebenabreden zu treffen?

Ich bleibe dabei. Ich gewinne gar nichts, wenn ich einem malignen Chef großartig meine Beweggründe offenbare. Alles was auch nur entfernt mit Leistung zu tun hat, wird in meiner Erfahrung eben doch zu gerne mit einem Schulterzucken als individuelle Unzugänglichkeit abgetan. Folglich behalte ich für mich, was im Worst Case gegen mich verwendet werden könnte. Ist der Chef ein Guter und er fragt nach den Gründen, dann bin ich gerne ehrlich. Andernfalls? Nö.

cartablanca
03.12.2021, 17:36
Man muss sich aber auch nicht auf das Niveau des Arbeitgebers herablassen und aus Trotz den Chef nicht informieren. :-meinung
Hingehen, kündigen, durchaus die Sachen ansprechen, die eben nicht gepasst haben - damit zieht man sich viel eleganter aus der Affäre.

Du hast Recht. Man sollte immer konstruktiv und positiv bleiben.

Matzexc1
03.12.2021, 17:49
Meist liegt schon einiges im Argen, wenn man geht und den Job aufgibt. Der Chefs wollen das aber nicht gerne sehen und hören. Fühlen sich schnell beleidigt. Wenn man die Bewegunggründe aufs persönliche schiebt (Partner zieht um...blabla) kann der Chef sein Gesicht wahren. Die strukturellen Defizite und die fumdierte sachliche Kritik wird man ja bereits vor der Kündigigung angesprochen haben und auf Taube Ohren gestoßen sein (sonst hätte man ja nicht gekündigt). So kann er sein Gesicht wahren. "TOP Abteilung, aber wenn die Partnerin von XYZ weggeht...was soll man tun? Muss er mitgehen..."

Ausnahme: Keine volle WB-Berechtiging....und für den Rest muss man woanders hin. Gute Begründung, kann man nicht anders machen!




Ich bleibe dabei. Ich gewinne gar nichts, wenn ich einem malignen Chef großartig meine Beweggründe offenbare. Alles was auch nur entfernt mit Leistung zu tun hat, wird in meiner Erfahrung eben doch zu gerne mit einem Schulterzucken als individuelle Unzugänglichkeit abgetan. Folglich behalte ich für mich, was im Worst Case gegen mich verwendet werden könnte. Ist der Chef ein Guter und er fragt nach den Gründen, dann bin ich gerne ehrlich. Andernfalls? Nö.

Kann ich beides nur bestätigen, wenn du im 1 oder 2 Jahr gehst interessiert sich überhaupt keiner warum, auch wenn es indirekt die halbe Mannschaft weiss. Höflich und freundlich bleiben und wenn der Chef nachfragt auf die private Ursache beharren

Ich hab auch bei meinem damaligen Arbeitgeber noch nie so freundliche Worte gehört wie nach der Kündigung.

Feuerblick
03.12.2021, 17:57
Naja, kann auch schiefgehen. Ich hatte tatsächlich private Gründe, habe die auch genannt (wollte einfach zurück in meine Heimat), aber mein erster Chef war noch Jahre später stinkbeleidigt, weil ich gegangen bin. Der hat mich noch mehrere Jahre später auf Kongressen nur dann nicht ignoriert, wenn ich bei einem seiner Assistenzärzte stand und die Höflichkeit es geboten hat… :-nix

Welche Gründe man am Ende angibt, muss man einfach individuell abwägen. Ich war neun Monate in einem chirurgischen Fach. Es war allen klar, dass ich niemals Chirurgin werde. Entsprechend war das Kündigungsgespräch undramatisch und ehrlich.
Beim zweiten… auch ehrlich, siehe oben. Hätte ich da aus anderen Gründen gekündigt, hätte ich ihm das wohl auch gesagt. Hab ich ja auch beim Mitarbeitergespräch getan.
Und beim dritten Chef und vierten Chef war ich Fachärztin und wollte mal was anderes machen. Ehrlich gewesen - alles gut.

Leucovorin
04.12.2021, 11:54
War bei mir einmal z.B. der Versuch, Zusagen durch die Hintertür zu revidieren. genauso habe ich das auch kommunziert und oh Wunder, ich lebe noch und rede sogar mit meinem ehemaligen Chef, wenn ich ihn auf Kongressen treffe. Hatten damals ein recht nettes, halbstündiges Kündigungsgespräch und uns am Ende einfach kollegial die Hand gegeben.

Das habe ich schon so oft gehabt. Insbesondere mündliche Zusagen, wo sich geweigert wurde diese schriftlich niederzulegen, weil das "alle anderen Mitarbeiter auch nicht im Vertrag haben". Habe aktuell auch die Situation, aber werde es trotzdem noch eine Zeit so hinnehmen, auch aus verschiednen anderen Gründen und mich dann mal auf dem Markt wieder umsehen.

Seinen Chef lernt man ja erst richtig nach ein paar Monaten kennen. Oder durch Mund-zu-Mund Propaganda, wenn man schon etwas länger im Fachgebiet ist und die meisten in der Community kennt und weiß, was so geredet wird.

Letztendlich würde ich nur mit einem meiner Chefs nochmal reden, falls man sich zufällig nochmal sieht. Den Rest von meinen ehemaligen Chefs geht eh in 3-4 Jahren in Rente. Somit ist das auch nicht das Riesenproblem.



Fundierte Darlegung der Kritik = Herausarbeiten was einem nicht gefallen hat und v.a. der Hauptgrund für den Stellenwechsel war.


Wie gesagt, würde ich vor dem Stellenwechsel mal ansprechen. Vllt ändert sich ja was.
Je nach Charakter (z.B. extrem kindisch oder eingebildet) nimmt man der Chef das dann persönlich.



Naja, kann auch schiefgehen. Ich hatte tatsächlich private Gründe, habe die auch genannt (wollte einfach zurück in meine Heimat), aber mein erster Chef war noch Jahre später stinkbeleidigt, weil ich gegangen bin. Der hat mich noch mehrere Jahre später auf Kongressen nur dann nicht ignoriert, wenn ich bei einem seiner Assistenzärzte stand und die Höflichkeit es geboten hat… :-nix


Was für ein kindischer Chefarzt. Vor allem, wenn du es ja begründet hast.

Leucovorin
04.12.2021, 12:01
Ich denke, Christoph kommt da auch eher aus der Fach- bzw. Oberarztperspektive. Da ist das vermutlich schon nochmal etwas anders. Vor allem ist es ja auch tatsächlich ein Unterschied, ob man auf Grund der Arbeitsbedingungen geht, oder eben weil Absprachen nicht eingehalten wurden. Welcher Assi hat überhaupt die realistische Möglichkeit, Nebenabreden zu treffen?

Ich bleibe dabei. Ich gewinne gar nichts, wenn ich einem malignen Chef großartig meine Beweggründe offenbare. Alles was auch nur entfernt mit Leistung zu tun hat, wird in meiner Erfahrung eben doch zu gerne mit einem Schulterzucken als individuelle Unzugänglichkeit abgetan. Folglich behalte ich für mich, was im Worst Case gegen mich verwendet werden könnte. Ist der Chef ein Guter und er fragt nach den Gründen, dann bin ich gerne ehrlich. Andernfalls? Nö.


Doch Nebenabreden kann man treffen als Assi, wenn der Chef dich wirklich will und du in einer komfortablen Position bist mit mehreren Stellen zur Auswahl. Hatte so eine Kollegin, die so mit zahlreichen Sonderrechten ihre Weiterbildung durchbekam.
Es geht ja nicht darum, dass man jetzt garkeine Kritik mehr äußern darf wie in der DDR. Bei einem gütigen Chef kann man das machen. Aber man sollte schon sehr vorsichtig damit sein. Für (manche!) Chefs ist es meiner Erfahrung nach "Gott gegeben" die Option zu haben sich nicht an Absprachen zu halten. Braucht der liebe Gott ja auch nicht. Personal steht eh vor der Tür.

Endoplasmatisches Reticulum
04.12.2021, 12:23
Doch Nebenabreden kann man treffen als Assi, wenn der Chef dich wirklich will und du in einer komfortablen Position bist mit mehreren Stellen zur Auswahl. Hatte so eine Kollegin, die so mit zahlreichen Sonderrechten ihre Weiterbildung durchbekam.

Klar gibt es irgendwo in Deutschland auch mal Assistenzärzte, bei denen alle Sterne günstig stehen und wo sich dann eine Situation einstellt, die so etwas erlaubt. Das hat niemand bestritten. Aber es dürfte für die überwältigende Mehrheit nicht der Fall sein. ;)

Christoph_A
04.12.2021, 14:12
Nur zum Verständnis, das war eine schriftlich fixierte Abrede, die Verwaltung wollte, daß ich diese zurückgebe, da ich dadurch zu teuer geworden sei und ich wollte das nicht, war ja der Grund, warum ich nochmal verlängert hatte Ab da stand ich auf der Abschußliste. Als ich dann gekündigt habe, war der Kardio Chef ganz perplex, da er angeblich nichts davon gewusst hätte......

Leucovorin
04.12.2021, 14:31
Achso, das ist etwas anderes.

Ich habe eine mündliche Zusage erhalten für einen Jahresbonus, der dann doch nicht gekommen ist.
Die Mitarbeiter mit eher niedrigem Gehalt schon. Die mit hohem Gehalt nicht.
Ich habe ein hohes Gehalt. Leider haben wir weniger Patienten als ich gedacht habe und es ist nicht unbedingt immer viel zu tun. Ehrlich gesagt ist es manchmal lanhweilig. Deshalb will ich den Chef auch nicht fragen, was denn mit dem versprochenen Jahresbonus nun sei.

Da ich eigentlich gerne arbeite, es quasi keine Aufstiegschancen gibt, da die Chefvertretung bereits gut besetzt ist seit >10 Jahre, möchte ich nicht ewig bleiben. Letzendlich ein "gemütlicher Arbeitsplatz", bei dem man viele ungeliebte Aufgaben der Chefs übernimmt. Mit meinem Chef kann man nicht richtig reden. Er ist sehr selbstverliebt und eitel, man darf einen Satz sagen und sonst möchte er reden in einem "Gespräch". Zuhören ist nicht seine Stärke. Wenn man das akzeptiert, kommt man gut klar. Topmodern ist die Abteilung auch nicht, eher "wirtschaftlich" ausgerichtet das Maximum rauszuholen mit wenig Aufwand.

Wegen fehlender Entwicklungschancen werde ich mir aber doch etwas anderes suchen auf lange Sicht. So richtig beschweren über schlechte Arbeitsbedingungen kann ich nicht. Ich werde auf jeden Fall persönliche Gründe angeben bei der Kündigung. Oder macht es eurer Meinung nach Sinn zu sagen: Es gab zu wenig zu tun. Es gab keine Entwicklungsmöglichkeiten. Die Ausstattung und Behandlungsmethoden sind nicht immer "State of the Art". Mein Chef wäre höchst beleidigt und es lohnt sich wirklich nicht mit so einer "eitlen" Persönlichkeit zu streiten. Einfach Energieverschwendung.