Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umgang mit Anfeindungen
Christoph_A
14.12.2021, 17:19
Ich würde jetzt nicht behaupten, daß ich das nicht mal bei eigenen Kollegen gemacht hätte....
Die TE ist OA, da spielt der FA wohl keine so große Rolle mehr.
Als kleiner Assi wäre das sicher der falsche Weg, den eigenen Chef anzublöken, aber darum gings ja nicht, sondern um Rangkämpfe unter den " Großen"😊
3 stündige Mitarbeitergespräche in Bayern-na dann, viel Spaß dabei, da wär ich gerne Mäuschen.
Geht allerdings nicht darum, wie man Ziele erreicht, sondern wie man mit der von der TE beschriebenen Situation umgeht. Und da waren mir die Vorschläge einfach zu devot. Wie man seinen Standpunkt nun vertritt, ist ja prinzipiell egal, nur muß man ihn, siehe Dein Exchef, halt deutlich und entschlossen vertreten.
Ich bleibe dabei, wie man in den Wald ruft, kommts zurück. Und unbeantwortet anstänkern lassen, das wirds mit mir nie geben. Die Wahl der Waffen obliegt dann dem Tonfall des Gegenübers.
Oh, man kann dabei auch in Bayern ruhig und sachlich bleiben, und trotzdem den Stempel "nicht konfliktscheu" bekommen.
Ich bin in den 3 Jahren dort nur auf ein einziges Schreiduell mit dem Oberarzt gekommen ;-)
Aber es stimmt schon, man muss sich halt durchsetzen. Das erfordert nur nicht zwingend Lautstärke.
Und leider spielt das Geschlecht auch hier eine Rolle. Ein Mann, der schreit, weiß sich durchzusetzen. Eine Frau, die schreit, wird gleich zu emotional und ist dem allen dann wohl doch nicht gewachsen.
Christoph_A
14.12.2021, 21:36
Oh, man kann dabei auch in Bayern ruhig und sachlich bleiben, und trotzdem den Stempel "nicht konfliktscheu" bekommen.
Ich bin in den 3 Jahren dort nur auf ein einziges Schreiduell mit dem Oberarzt gekommen ;-)
Aber es stimmt schon, man muss sich halt durchsetzen. Das erfordert nur nicht zwingend Lautstärke.
Siehste, ganz ohne gings sogar bei Dir nicht. Wenn ich das auf die letzten 17 Jahre extrapoliere, komme ich auch auf ungefähr Deinen Schnitt, vlt. eine Nuance schlechter🤣
Wobei Dir evtl die Tatsache hilfreich sein könnte, dass Du ein austrainierter fast 2m großer Bergsportler bist ;-)
Anne1970
15.12.2021, 06:15
:grins:
Christoph_A
15.12.2021, 08:02
Wobei Dir evtl die Tatsache hilfreich sein könnte, dass Du ein austrainierter fast 2m großer Bergsportler bist ;-)
Alter Charmeur! :-blush
Und leider spielt das Geschlecht auch hier eine Rolle. Ein Mann, der schreit, weiß sich durchzusetzen. Eine Frau, die schreit, wird gleich zu emotional und ist dem allen dann wohl doch nicht gewachsen.
Eben!
Feuerblick
15.12.2021, 09:07
Ich gebe zu, ich bin da der Typ mit subtil passiv-aggressivem Verhalten. Bei Augenrollen ein freundliches „Herr Kollege… haben Sie was im Auge?“ oder ein „Möchten Sie meinen Ausführungen fachlich etwas hinzufügen?“ kommt schön erwartet weiblich naiv rüber und wirkt manchmal Wunder. Wenn die Herren meinen, eine Frau kann nichts, dann muss man mit diesem Rollenverständnis ein bisschen spielen, finde ich. Dabei kann man sowas durchaus selbstbewusst anbringen und die Attacken der Herren an sich abperlen lassen. :-meinung
Dazu würde ich das alles aber auch mit meinem Chef besprechen und ihn bitten, den Herrn Kollegen im Falle eines Anrufs mitzuteilen, dass er die Kollegin (mich) für die Tumorkonferenz/wasauchimmer vorgesehen hat und an meiner fachlichen Kompetenz nicht zu zweifeln sei. Dann ist schnell Ruhe bei den Kollegoiden.
Emotional werden und Rumschreien würde ich mir nicht geben. Gegen solche Alphatierchen zieht man im Zweifelsfall den Kürzeren in Brüllduellen und gerät in Gefahr, zu unsachlich zu werden. Denen muss man von einer anderen Seite kommen.
flopipop
15.12.2021, 09:29
Und leider spielt das Geschlecht auch hier eine Rolle. Ein Mann, der schreit, weiß sich durchzusetzen. Eine Frau, die schreit, wird gleich zu emotional und ist dem allen dann wohl doch nicht gewachsen.
das kommt drauf an, wie "wichtig" in der hierarchie der- oder diejenige ist. ein männlicher assistenzarzt, der die oberen (auch einer anderen abteilung) anschreit, gilt schnell als männliche zicke und bekommt im haus einen bescheidenen ruf. wenn hingegen eine weibliche chefärztin mit bester vernetzung u.a. zur geschäftsführung mal ihre tage hat, dann würde sie trotzdem respekt und anerkennung ernten. es sind zwar extrembeispiele, aber nicht das geschlecht spielt die entscheidende rolle, wer sich welche eskapaden erlauben darf, sondern der status eines einzelnen, der von den chefs regelmäßig verteidigt und ausgebaut wird. eine frisch gebackene oä darf und soll ihre meinung vertreten, aber nur so, dass sich die oberen in ihrem status nicht gefährdet fühlen. das problem ist oft einfach die diskrepanz um das verständnis, um was es eigentlich geht. chefs sind machtspieler und nutzen die "battles" in den konferenzen politisch zum ausbau der eigenen macht, es geht nicht primär um die sache und der patient steht auch nicht im mittelpunkt, leider. wenn einer politisch schwach (wie der frische oa ohne netzwerk) und dabei "aufmümpfig" ist, wird er abgesägt, auch wenn er in der sache recht hat - das ist dann egal. tja, recht und gerechtigkeit ist nunmal nicht das gleiche, ob uns das gefällt oder nicht. dieses "die behandeln mich schlecht, weil ich eine frau bin" bedeutet in vielen fällen einfach nur die fehlende kenntnis wie der hase in einer hierarschischen struktur läuft. und ja, wenn man meint, in der klinikkonferenz, die man nicht dominiert etwas "vertreten und durchsetzen" zu wollen, wie die te schrieb, dann ist die bruchlandung vorprogrammiert.
am einfachsten ist es, einen vom system anerkannteren, mächtigeren akteur einzubinden, der einen bei bedarf "beschützt". gleichzeitig empfiehlt es sich, unabhängig ob mann oder oder frau, den eigenen kommunikationsstil zu überarbeiten, vielleicht etwas "diplomatischer/kooperativer" werden, dann wird sich das eigene netzwerk ausbauen und man wird weniger angefeindet.
cartablanca
15.12.2021, 09:49
ein männlicher assistenzarzt, der die oberen (auch einer anderen abteilung) anschreit, gilt schnell als männliche
Für sowas fliegt man als Assistent schon mal raus.
flopipop
15.12.2021, 09:52
Für sowas fliegt man als Assistent schon mal raus.
tja was dem jupiter erlaubt ist, ist dem esel eben nicht erlaubt
tja was dem jupiter erlaubt ist, ist dem esel eben nicht erlaubt
Rindvieh, nicht Esel :-))
Loreleye
15.12.2021, 12:44
Ich bin als OÄ und FÄ in der Uni und im großen städtischen KH gut damit gefahren, immer auf der sachlichen Ebene zu bleiben und in den Tumorboards sachlich zu argumentieren, persönliche/emotionale Ebene ignoriere ich und führe Fakten, Studien etc. Ich bin in der Regel alleine und als kleines Querschnittsfach fast in allen Konferenzen zugange. Zur Not können auch 2 Meinungen im Protokoll stehen und der Patient lässt sich in beiden Abteilungen beraten. Mit der Zeit verdient man dadurch mehr Respekt auch von den anderen Teilnehmern und das ganze läuft entspannter.
nonametoo
17.12.2021, 18:33
Danke für eure vielen Antworten und Denkanstöße!
Wie einige geschrieben haben bin auch ich mir sicher, dass es um irgendwelche Macht- und Hierarchiesachen geht, die ich nicht verstehe und beherrsche. Faktisch bereite ich mich gut vor auf die Tumorboards, sehr komplexe Fälle bespreche ich auch vorher mit anderen OÄ oder meinem CA, um mir inhaltlich sicher sein zu können. Aber "das Wohl des Patienten" oder irgendwelche Daten und Studien interessieren dort nur sehr wenig.
Mit meinem CA habe ich neulich darüber gesprochen, weil er teilweise wissen wollte, was bei interessanten Fällen im Tumorboard rausgekommen ist und bemerkt hat, dass die Ansicht unserer Fachdisziplin oder auch meine Ansicht in den Beschlüssen wenig Niederschlag gefunden hat. Er ist der Meinung, dass es dazu gehört, sich als "Neuling" erst Respekt verschaffen zu müssen, solange es nicht direkt persönlich wird. Er wird auch versuchen zukünftig hin und wieder zum Tumorboard mitzukommen, wenn sich abzeichnet, dass konfliktreiche und für uns wichtige Fälle anstehen. Ich denke, dass hilft in dem Moment, aber wird mich insgesamt für die übrigen Boards, in denen ich wieder alleine sitze, kein bisschen weiter bringen.
..Auf alle Fälle liegt da noch ein steiniger Weg vor mir ;)
flopipop
18.12.2021, 15:53
Danke für eure vielen Antworten und Denkanstöße!
Wie einige geschrieben haben bin auch ich mir sicher, dass es um irgendwelche Macht- und Hierarchiesachen geht, die ich nicht verstehe und beherrsche. ... Er wird auch versuchen zukünftig hin und wieder zum Tumorboard mitzukommen, wenn sich abzeichnet, dass konfliktreiche und für uns wichtige Fälle anstehen. Ich denke, dass hilft in dem Moment, aber wird mich insgesamt für die übrigen Boards, in denen ich wieder alleine sitze, kein bisschen weiter bringen.
..Auf alle Fälle liegt da noch ein steiniger Weg vor mir ;)
das ist doch schon insgesamt ein guter ansatz - die fälle vorher zu besprechen und den chef in die konferenz mitzunehmen, dann hat man "breiteres kreuz" und erarbeitet sich so mit der zeit den respekt. der tipp, sich nur auf die sachliche ebene mit harten fakten und studien zu beschränken ist an sich ganz gut, aber wenig hilfreich, wenn die chefs ohnehin nur das ziel haben, einen jüngspund "in die schranken zu weisen". dann werden sie auch auf sachlicher ebene alles so darstellen, dass man als depp dasteht, auch wenn man eigentlich recht hätte.
das wesentliche, um was es bei den "macht - und hierarchiesachen" geht, ist, dass man die argumente so vorträgt, dass sich die alphatiere nicht in ihrem status gefährdet fühlen - also den tonfall vielleicht ein bisschen "demütiger" werden lassen, weniger "um den patienten kämpfen" oder sogar versuchen "etwas durchzusetzen"....man kann dabei ja trotzdem in der sache hart bleiben, aber wenn die anderen einen als nicht gefährlich einstufen würden, dann würde sich aus deren sicht auch die notwendigkeit erübrigen, dich immer wieder an deinen platz in der hierarchie zu erinnern. viele oa - neulinge glauben, sich auf diese weise zu profilieren und sich respekt zu verschaffen, aber meistens kommts zu einer bruchlandung, da sie vorher nicht auf höherer ebene genetzwerkt haben (woher denn auch, wenn man vorher assistent war) und das oft im alleingang und ohne die unterstütung "der eigenen leute" versuchen. das geht meistens schief.
nonametoo
03.01.2022, 17:09
Danke. Ich werde mal darauf achten, entsprechend zu formulieren. Mal sehen, wie sich das in den nächsten Wochenentwickelt...
... hierarschischen struktur ...
abgesehen von allem inhaltlichen... mal einfach nur :-D
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