Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Impfung - Arterie getroffen
Test2710
22.12.2021, 12:33
Hallo zusammen.
Ich arbeite in einer Impfpraxis und habe vor ein paar Tagen einen jungen Mann geimpft (i.m., deltoideus) und dabei scheinbar eine Arterie getroffen, es gab eine leicht spritzende Blutung.
Ich hatte sowas noch nie und bin mir nicht sicher was ich da falsch gemacht habe. Habe an der richtigen Stelle geimpft und eine Aspiration wird ja nicht mehr empfohlen. Ich hatte auch nicht den Eindruck deutlich zu tief zu stechen.
Habe draufgedrückt und es hat nach sehr kurzer Zeit nicht mehr geblutet.
Nun meine Fragen dazu:
1) wie kann ich das beim nächsten mal verhindern? Doch aspiration? Oder war das einfach der „1 in a Million-Fall“
2) Passiert das vielleicht häufiger und ich hab’s einfach noch nie mitbekommen?
3) Kann da irgendwas passieren? Ich weiß ja nicht ob ich vielleicht intraarteriell geimpft habe oder so - mich beschäftigt das jetzt schon seit einigen Tagen ob ich der Person geschadet haben könnte.
Vielleicht könnt ihr mir die Sorge ja etwas nehmen
LG
Mr. Pink online
22.12.2021, 13:30
Durch die Verletzung des vermutlich kleinen arteriellen Gefäße dürfte dem Patienten kein großer Schaden entstehen. Im schlimmsten Fall ein kleines Hämatom. Würde die Blutung nicht sistieren, hätte er sich schon längst gemeldet. Die Tatsache, dass es gespritzt hat, spricht dafür, dass das Gefäß recht oberflächlich lag und die eigentliche Injektion schon i. m., also tiefer stattgefunden hat. Das ist aber Mutmaßen...
Die vermutlich größte Gefahr bei i. a. Injektion ist die schwere Anaphylaxie oder Ausbildung einer Thrombembolie, wobei das bei diesem Imfpstoff so direkt nicht beschrieben ist, aber vor allem die Unwirksamkeit der Impfung.
Ob man aspirieren sollte oder nicht kann ich nicht beurteilen. Ich würde es immer bei i. m. Injektion machen, natürlich laufen da Venen und Arterien. Je nachdem welches Medikament man injeziert ist das ja auch wirklich relevant, bspw. Adrenalin bei Anaphylaxie, Haldol, etc. Da will man sich sicher sein. Bei der Impfung ist das vllt. anders vom Nebenwirkungsprofil. Gibt es dazu eine offizielle Empfehlung?
Feuerblick
22.12.2021, 13:39
Aspirieren bei Impfungen ist, soweit ich das verfolgt habe, absolut out.
Ob man aspirieren sollte oder nicht kann ich nicht beurteilen. Ich würde es immer bei i. m. Injektion machen, natürlich laufen da Venen und Arterien. Je nachdem welches Medikament man injeziert ist das ja auch wirklich relevant, bspw. Adrenalin bei Anaphylaxie, Haldol, etc. Da will man sich sicher sein. Bei der Impfung ist das vllt. anders vom Nebenwirkungsprofil. Gibt es dazu eine offizielle Empfehlung?
Entschuldige, aber du kannst doch nicht erst sagen, dass du immer aspirieren würdest und dann nach einer Empfehlung fragen.
Die Empfehlung nicht zu aspirieren wurde bereits 2016 gegeben (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Stichwortliste/A/Aspiration.html).
Zur konkreten Situation. Bei mir hat es auch gelegentlich geblutet nach der Impfung. Daher kommt auch ein Pflaster auf die Stelle. Du bist dir sicher über den Ort und hast schon viele Impfungen verabreicht. Das wird schon alles so passen. Ansonsten kannst du vor den nächsten Impfungen auch nochmal jemanden bitten dir über die Schulter schauen lassen.
Mr. Pink online
22.12.2021, 18:25
Ich habe mich da auf Medikamenteninjektionen bezogen, tut mir leid wenn es so nicht rüber kam. Da würde ich wie gesagt immer aspirieren, da das Nebenwirkungsprofil deutlich relevanter sein kann als bei der Impfung. Wenn es bei Impfungen nicht empfohlen ist, dann ist das so. Ein Gefäß zu treffen ist definitiv möglich, das wollte ich damit zum Ausdruck bringen.
Ein Gefäß zu treffen ist definitiv möglich, das wollte ich damit zum Ausdruck bringen.
Und welches Gefäß ist dort? Frage mich das schon wenn das RKI sagt:
"Die Blutgefäße an den Körperstellen, die für die Injektion von Impfstoffen empfohlen sind (M. vastus lateralis oder M. deltoideus) und in Reichweite der Nadel liegen, sind zu klein, um eine versehentliche intravenöse Gabe zu ermöglichen."
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5333604/
Bei i.m. und s.c. Injektion Aspiration möglicherweise nicht notwendig.
Mr. Pink online
22.12.2021, 22:06
Muskeln sind gut durchblutet, abgesehen davon, dass die Launen der Natur mal hier, Mal dort atypische Gefäßverläufe hervorbringen. Du wirst am deltoideus keine Gefäße der Größe der A. Brachialis erwarten können, aber für eine versehentliche Injektion, ob nun venös oder arteriell kann es theoretisch reichen. Die Wahrscheinlichkeit ist dennoch sehr gering, so wie fast überall, wenn du blind reinstichst. Rechtfertigt eine so geringe Wahrscheinlichkeit die regelmäßige Aspiration ? Laut dem RKI wohl nicht, zumindest beim impfen. Wie gesagt bei der Applikation von Medis i.m. mache ich es aber. Vor allem bei Adrenalin finde ich es mehr als gerechtfertigt.
Im speziellen Fall der TE hier gehe ich aber davon aus, dass die kleine Arterie oberflächlich war und durchstochen wurde.
Wie gesagt bei der Applikation von Medis i.m. mache ich es aber. Vor allem bei Adrenalin finde ich es mehr als gerechtfertigt.
Im speziellen Fall der TE hier gehe ich aber davon aus, dass die kleine Arterie oberflächlich war und durchstochen wurde.
Wieso hebst du Adrenalin so hervor? Da gibt es schöne Beispiele ohne Aspiration. Jedes Notfallset enthält einen Autoinjektor mit Adrenalin. Aspiration nicht möglich. (In dem verlinkten Artikel so erwähnt. Ich verlinke Artikel nicht zum Spaß, sondern weil ich einen Blick da rein sinnvoll finde.)
Ich finde es durchaus sinnvoll zu aspirieren. Bei Impfungen ist es schon lange nicht mehr empfohlen, daher sollte man einen jungen Menschen in Ausbildung mit einer unüberlegten Aussage nicht verunsichern. Das ist mein Hauptanliegen.
Mr. Pink online
23.12.2021, 10:37
Das ist keine unüberlegte Aussage sondern basiert A) auf gesundem Menschenverstand und B) auf rein anatomischem Grundverständnis.
Empfehlungen, so wie auch die von dir zitierten, basieren auf rationalen Abwägungen von Risiko vs. Nutzen. Offensichtlich ist der Nutzen einer regelmäßigen Aspiration beim Impfen dem möglichen Schaden (Schmerzen, Aspiration von Luft, etc.) unterlegen. Das schließt das geringe Risiko einer versehentlichen i. v. oder i. a. Injektion nicht zu 100% aus.
Autoinjektoren sind für medizinische Laien im Falle des anaphylaktischen Schocks bei nachgewiesener Anaphylaxie in der Vorgeschichte. Es ist besser der Betroffene spritzt sich selbst blind das Adrenalin, als dass er auf den Notarzt wartet. Auch hier klare Abwägungsfrage. Wenn ich allerdings als medizinisch geschultes Personal im Notfall 0,5mg Adrenalin i. m. spritze, selbstaufgezogen in einer Spritze, dann kann ich mir auch die Mühe machen vorher noch zu aspirieren. Bereits kleinere Mengen können i. v. für den Patienten lebensbedrohliche Rhythmusstörungen und ein hypertensives Lungenödem auslösen. Warum ich das weiß? Weil es 1) so beschrieben ist und ich es 2) schon erlebt habe. Zum Glück war nicht ich der Applikateur.
Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, warum wir in einem Medizinerforum darüber diskutieren müssen, dass in einem Muskel Venen und Arterien verlaufen?! :-nix
Gesunder Menschverstand ist für mich spätestens seit der Pandemie kein gutes Argument mehr. Rein anatomisch ist es auch extrem unwahrscheinlich dort auf ein Gefäß zu treffen. Gerade nochmal den Netter aufgeschlagen und zur Erkenntnis gekommen, dass man bis fast auf den Knochen vorschieben muss um die A. circumflexa zu erwischen. Oberflächlich ist da keine Aterie. Die Muskulatur ist auch eher von Ateriolen als von Aterien versorgt und große Gefäße laufen entlang der Muskulatur, aber nicht durch die Muskulatur. (Zumindest so die Erinnerung an meinen Präpkurs.)
Aber wir schweifen ab. Halten wir fest: bei vielen Medikamenten ergibt es Sinn zu aspirieren, bei Impfungen wird es nicht empfohlen.
Der TE hat sich also völlig richtig verhalten. Wenn Zweifel bestehen über die korrekte Applikation, dann einfach nochmal von einem Kollegen über die Schulter schauen lassen.
Wahrscheinlich ist, dass ein oberflächliches Gefäß durchstochen wurde (ich gehe eher von einem venösen Gefäß aus) und es deshalb zur Blutung kam. Eine intravasale Injektion ist sehr unwahrscheinlich und schwerwiegende Folgen hätten sich im Beobachtungsintervall sehr wahrscheinlich gezeigt. Sollte das nochmal passieren und du dir unsicher sein, dann kannst du auch jederzeit nochmal jemanden draufschauen lassen.
Mr. Pink online
24.12.2021, 07:40
Das ist doch genau das, was ich schon seit Beginn gesagt habe :-nix
Naja, du hast das worst-case-Szenario auf gezeichnet, gesagt, dass du immer aspirieren würdest und dann gefragt, ob es eigentlich eine Empfehlung zur Impfung gibt. Eine solche Aussage verunsichert einen Studenten doch?! Daher habe ich betont, dass der TE alles richtig gemacht hat.
(Und so schwer war es nicht herauszufinden, dass eine Aspiration bei Impfung nicht mehr empfohlen wird. Man kann auch als gutes Beispiel voran gehen und 2 Minuten ins googlen investieren.)
Mr. Pink online
24.12.2021, 09:47
Die Frage des TE war, was theoretisch passieren kann und welche Konsequenz daraus erwächst.
Beides habe ich bereits im ersten Post beantwortet und habe dann auch noch mal deutlich den Unterschied zwischen Impfung und Medikamenteninjektion verdeutlicht.
Das ist ein Medizinerforum und wenn dort jemand eine Frage stellt, ist es nur fair dies auch differenziert zu beantworten und auch Empfehlungen von RKI oder sonstwem kritisch einordnen zu können. Die Empfehlung ist nicht zu aspirieren. So sei es. Das schließt eine versehentliche intravasale Injektion im Einzelfall nicht zu 100% aus.
An dieser Stelle mit dem Netter zu argumentieren ignoriert völlig die Realität in der eben doch mal hier und da Arterien und Venen deutlich anders verlaufen.
Schokoflocke
07.02.2022, 19:40
Bei meiner ersten Covid-Impfung hat es auch gespritzt 😁 Das passiert, wenn man eine kleine Haut-Arterie/Arteriole trifft. Beim Aspirieren hättest du wahrscheinlich sowieso kein Blut aspirieren können, da verlaufen eigentlich wirklich nur Hautäste, die demnach deutlich oberflächlicher liegen. Das ist einfach Pech. Ist nicht schlimm und auch durch Aspirieren nicht zu verhindern. Du lagst ja wahrscheinlich nicht im Gefäß, sondern hast es nur durchstochen.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.