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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vorbereitung FA-Prüfung Allgemeinmedizin



tara84
12.03.2022, 18:47
Hallo allerseits,

endlich ist es langsam soweit - Ende Juni werde ich meine WB-Zeit für den FA für Allgemeinmedizin beisammen haben und möchte eigentlich möglichst zeitnah die Prüfung machen.

Nun wollte ich mir einen Lernplan machen und verfalle doch irgendwie grad in Panik.....Ich dachte ich lese die ganzen Deximed Punkte (die Deximed für die FA Prüfung zusammengefasst hat) aber da kommt man gefühlt vom 100el in 1000el...nun hab ich mir noch die 100 wichtigsten Fälle AM gekauft und den Prüfungsguide. DEGAM LL eh klar.
Ich hab das Gefühl ich versinke in der Masse und wenn ich am Ende eines Kapitels bin hab ich den Anfang schon wieder vergessen. (Das Lernen damals im Studium ohne Kinder und Vollzeit Klinik Stelle war doch irgendwie anders...)

Nun wollte ich die fertigen FÄ hier fragen wie ihr das angegangen seid?
Ich arbeite wie gesagt Vollzeit in der Klinik und habe 3 Kinder......also Freizeit gibt es, ist aber ein rares Gut! Ich bin also eigentlich darauf angewiesen möglichst effizient an die Sache ranzugehen. Aber wie oben schon geschrieben, aktuell bin ich von einer Panikwelle überrollt

Ich wäre für ein paar Tipps sehr dankbar.
Wie habt ihr euren Lernplan gestaltet, mit welchen Büchern, wieviel Std am Tag (realistisch!), wieviel Wochen Monate braucht es usw....

Danke! :-)

Tara

Locutus001
13.03.2022, 08:43
Moin,

herzlichen Glückwunsch schonmal, dass Du es dann bald geschafft hast!
Eher allgemeine Tipps und Erfahrungen aus der Nicht-Allgemein-Med. Ecke, ich hoffe das ist genehm.
(Aber mit Kontakt zu einigen Allg.-Meds, denn ich komme aus dem Labor haha... und mein Kumpel hat seine Prüfung gerade diese Woche bestanden in Allg.-Med.).

Wichtigster Tipp (IMMER im Leben quasi): Bleib geschmeidig!

Panikmodus klar check
Vollzeitstelle + 3 Kinder... check

Beste Voraussetzungen also für die Strategie "Mut zur Lücke!"

Verrenn Dich nicht zu sehr in Details. Anderer Leute Lernstrategie wird auf Dich nur schwer klappen, Deine Lebenssituation scheint ja doch etwas anders zu sein ;-) Ich hab im letzten Jahr angefangen die Themen zu rekapitulieren und die letzten 2 Monate vor der Prüfung vollzeit gelernt und in den Kopf gepaukt.

Das wichtigste zuerst: Du hast ein praktisches Fach! Die Prüfer werden also entsprechend fragen.

Hol Dir die Altfragen (je nach Bundesland gibt es da Allg.-Med.Foren, wo die gesammelt worden sind, ansonten beim MLP, bekommst Du allerdings erst wenn Du Deine Prüfer kennst (sind halt dann genau die von den Prüfern... also ca. 2 Wochen vor der Prüfung...).

Mein Kumpel hatte neulich (Potsdam), der wurde bspw. gefragt:
- Herzinsuffizienz (da gibt es wohl ein paar Neuerungen in der Einteilung).

- EKG! (für ihn natürlich unbekannt zu dem Moment: gleicher Patient, drei verschiedene EKGs, war eine Verlaufssehrie, ambulant und Klinik... er hat die ruhig analysiert und - anscheinend jeweils auf das einzelne EKG bezogen korrekt - beschrieben).

- Tumorpatient... tja.. da war der Prüfer wohl sehr schwammig im Fragen und er hat alles mögliche aufgezählt... kam nicht auf "Tumorverdacht" und der Prüfer wurde etwas... unangenehm... war auch noch der Vorsitz... yeay... aber es hat alles nichts geholfen, er hat bestanden ;-P

Persönlich finde ich da Thema "Tumorverdacht" sehr schwammig... kann man quasi fast immer äußern, sollte man aber m.M.n. möglichst zurückhaltend sein, da es ja gilt die häufigeren DD erst einmal rauszufischen.

Es ist natürlich nie verkehrt die aktuellen Geschehnisse zu verfolgen (erstaunlicherweise hat niemanden Corona interessiert in den letzten Prüfungen die ich mitbekommen habe haha).

Dinge die gerne vergessen werden sich anzuschauen, die man m.M.n. aber durchaus gefragt werden kann und sehr schnell einmal gelernt haben kann (allerdings übertrage ich hier von Labormedizin auf Allgemeinmedizin! aber laut Altfragenkatalog von meinem Kumpel nicht ganz zu Unrecht ;-) ):

Präanalytik: Abnahmereihenfolge Röhrchen (vielleicht sogar grob warum). Sicherlich sollte man hohe Kaliumwerte auf unpassende Abnahmebedingungen (Stauung/lange Transportzeit) zurückführen können bevor man in Panik gerät. Die Kombi sehr hohe Kaliumwerte und sehr niedrige Natriumwerte, da darf man auch einmal die Kollegen die abgenommen haben kritisch hinterfragen (ja es kommt vor, dass EDTA-Röhrchen Blut (KALIUM-EDTA ;-) ) in Serummonovetten umgeschüttet wird...

Meldewesen: IfSG §6 und §7 --> 7 ist für die Labore, 6 für die primär zutändigen Ärzte. Hier stehen die Meldepflichtigen Krankheiten. Namentlich vs Nichtnamentlich. Muss man nicht alles auswendig kennen! Aber man sollte wissen wo es steht. Hepatitis-, Herpes- Viren kann man sicherlich im Hinterkopf haben. HIV (nichtnamentlich, immer Einvertändnis für die Diagnostik vom Patienten vorausgesetzt...).

Gendiagnostikgesetz: Aufklärung vom Patienten, Einverständniserklärung notwendig, etc.
Wer darf genetische Untersuchungen durchführen?
1. Nur durch Ärzte
2. Diagnostische genetische Untersuchungen (Abklärung bestehender Erkrankung) durch ALLE Ärzte, aber prädiktive genetische Untersuchung (Anlageträgerschaft für Erkrankung) NUR durch Fachärzte für Humangenetik ODER mit Zusatzbezeichnung im Rahmen des jeweiligen Fachgebietes.

Wichtig: Das sollte man wissen, MEHR würde ich nicht voraussetzen!... mach Dich also nicht verrückt ;-) Ich zähle keine Themengebiete auf, die Du ins Detail wissen musst, sondern wirklich die Stichworte zu den Themengebieten, die ich glaube, die man wissen könnte/sollte. Vermutlich ist das aber bereits schon viel zu speziell, weil die Kollegen sich da selbst häufig nicht auskennen ^.^

Sicherlich auch nicht unwichtig: Gerinnungsdiagnostik. Also Thrombophiliediagnostik z.B. oder Blutungsneigung.
Ich denke die grobe Diagnostik sollte bekannt sein.
Für Detailfragen kann man das Labor seines Vertrauens befragen (und das kann man auch so in der Prüfung sagen) aber so grob ein paar Sachen wie Lupus-Antikoagulans, Antiphospholipidsyndrom, von Willebrandfaktor, Thromobzytopathie, -penie, -ose, Faktor VIII und IX... APC-Resistenz bzw. Faktor V Leiden Mutation.

Für den Praktiker kommen hier bei diesem Themenbereich natürlich noch die Medis, u.a. die "neuen" oralen/direkten Antikoagulanzien hinzu, aber damit kennst Du Dich sicherlich schon bestens aus... Zielbereiche etc.
Und klar Familienanamnese blabla...

Herzinfarktdiagnostik: Labormarker --> welche und welche Aussage haben die. Letztlich dieser Algorithmus der überall steht... m.M.n. kannst Du point of care Tests in der Pfeife rauchen und vielleicht sollte man wissen Troponin T/I hs(high sensitive), CK+CK-MB (über 20% eher Makro-CK dran denken), LDH. --> Troponin wie steigt es an, wann Maximum, wie lange bis es sich normalisiert hat. Hier sind dann CK +CK-MB ggf. für die Diagnostik eines Re-Infarktes noch interessant... oder wenn man einen nicht abgeklärten zurückliegenden Verdachtsfall der länger als 1-2 Wochen zurückliegt abklären möchte noch das LDH... Das sind Fragen und Situationen, die ich so von Kollegen aus der Praxis halt schon hatte.


Ich denke ich würde mir die relevanten Themen nach Wichtigkeit und somit Wahrscheinlichkeit, dass sie rankommen nochmal anschauen. Alles was eher nicht so wahrscheinlich ist, weil nicht sooo wichtig eher grob.
Dann einen Lernplan erstellen, welches Thema wann dran ist und auch ein paar Wiederholungsstündchen einplanen. Ein Thema lesen und vergessen ist immer nicht so toll... ich habe mir Audiodateien auf meinem Smartphone mit einer Diktiergerät-App gemacht. Für Spaziergänge oder Bus/Bahn/Auto-Fahrt prima um Themen zu wiederholen. Das eigentliche Raufsprechen kann man manchmal schon als "Lerntag" für das Thema ansehen.

Als Karteikartenprogramm kann ich wärmstens ANKI empfehlen. Für den Umfang und so wie ich lerne, war es für mich allerdings in dieser Situation ungeeignet und ich habe einfach Word-Dokumente angelegt für meine Themen.

Anhand der Altfragen sieht man auch nochmal gut, welche Sachen eher gefragt werden.

Falls möglich, such Dir jemanden zum gemeinsamen lernen. Mit Vollzeitstelle und 3 Kindern... muss man aber jemanden haben, mit dem das nicht in Zeitverschwendung ausartet, sondern möglichst gezielt ein Thema nach dem nächsten sich abfragen.

Niemand will durchfallen, aber wenn man durchfällt, dann hat man seine WB-Zeit trotzdem fertig hinter sich gebracht und es dauert meistens nicht sehr viel länger um noch einmal in die Prüfung zu gehen. Die Lücken die man da hatte, kann man dann locker schließen. Also das wäre ja der schlimmste Fall... und "so what?"
Die meisten Prüfer wollen einen bestehen lassen (ist auch aufwändiger ein Protokoll anzufertigen, das erklärt warum der Prüfling durchgefallen ist ^.^).

Ganz viel Erfolg beim Lernen und Durchhalten!
Ganz viel Erfolg bei der Prüfung und ein paar nette Fragen natürlich wünsche ich ;-)

Harvey
13.03.2022, 19:28
In der Prüfung Allgemeinmedizin geht es um Allgemeinmedizin und das Vorgehen im hausärztlichen Setting.
Bitte nicht in der Masse verlieren, in erster Linie geht es darum, da kommt ein Patient und was machst du dann mit dem...

Hilfreich sind:
- Altprotokolle (die Prüfer fragen gern immer wieder das gleiche)
- DEGAM Leitlinien – nur die Kurzversion (!)
- Ambulante Diagnostik, Anamnese, Untersuchung, welche nächsten Schritte, wann Überweisen/Krankenhaus –> red flags, abwendbar gefährlicher Verlauf, Abwartendes Offenlassen
- das 100 Fälle Buch von Klein (das du hast) bietet nochmal einen schönen Rundumschlag für Abends vor dem Einschlafen – ein/zwei Fälle geeignet.
- an Bildern wird gern EKG gefragt – zumeist die lebenswichtigen, also eher notfälligen, nicht irgendein Block 6. Grades. Sondern eher Infarkte, relevante Rhythmusstörungen, bei denen stets dann als nächste Frage kommt: Was tun? Schonmal was geben? Einweisen? Zu Fuß oder mit Rettungsdienst oder gar Notarzt?
- Allgemeine Notfälle und Vorgehen
- Hautbilder (gern Gürtelrose) ist auch lohnenswert in einem Dermabuch – durchzublättern ohne groß in den Text zu gehen
- (je nach Bundesland werden ggf. auch Sono Bilder gezeigt)
- Laborwerte deuten im Rahmen einer Kasuistik
- Impfungen – Stiko Kalender, vermutlich auch gern Corona als aktuelles Thema
- DMP
- Die „großen“ Krankheiten KHK, Hypertonie, Asthma/COPD, Diabetes, Rücken, Depression habe ich damals in Deximed bzw. nochmal im Detail gelesen
- Dann ein paar Allgemeinärztliche Handwerkzeuge: Arriba-Rechner, Scores wie Wells, Marburger-Herzscore (müssten im Prüfungsguide drin sein)

- -> hast du kaum Zeit, dann DEGAM Leitlinien (Kurzversion), wichtigste EKGs, Impfungen, die „großen“ Krankheiten im Detail

Viel Erfolg, bitte immer dran denken, du hast schließlich mehrere Jahre ärztlich gearbeitet und da schon einiges gelernt, bitte nicht im Detail verlieren, und wenn möglich Altprotokolle finden.
Allgemeinärztliche Prüferinnen und Prüfer sind zumeist eher freundlicher Natur...

tara84
17.03.2022, 07:00
Ich danke euch wahnsinnig für eure ausführlichen Antworten!
Nun bin ich tatsächlich viel beruhigter!

Ich hab mich nun eher an Amboss gelehnt als an Deximed da Deximed echt ultra ausführlich ist. Ich werde nun auch erstmal alle großen Themen dort ausführlich machen, und dann die kleineren dazu.
EKG und Notfälle machen mir nicht so viel Sorgen da ich (azyklisch) meinen letzten Abschnitt in der Inneren mache und viel in der NA unterwegs bin....

Aber ich bin gefühlt eher die "Arbeiterin" / Praktikerin und echt nicht so theoretisch veranlagt ....

Aber so denke ich dass eine Prüfung im September durchaus realistisch sein kann oder?

locumo123
17.03.2022, 19:48
Ich danke euch wahnsinnig für eure ausführlichen Antworten!
Nun bin ich tatsächlich viel beruhigter!

Ich hab mich nun eher an Amboss gelehnt als an Deximed da Deximed echt ultra ausführlich ist. Ich werde nun auch erstmal alle großen Themen dort ausführlich machen, und dann die kleineren dazu.
EKG und Notfälle machen mir nicht so viel Sorgen da ich (azyklisch) meinen letzten Abschnitt in der Inneren mache und viel in der NA unterwegs bin....

Aber ich bin gefühlt eher die "Arbeiterin" / Praktikerin und echt nicht so theoretisch veranlagt ....

Aber so denke ich dass eine Prüfung im September durchaus realistisch sein kann oder?

Ja, absolut realistisch. Und nicht vergessen, die wichtigsten Differentialdiagnosen z.B zu Thoraxschmerz oder Neuropathie. Keine Details und keine seltenen Erkrankungen lernen oder nennen, die auch das Symptom auslösen können.
Da du in der Notaufnahme auch bist und nicht blind durch die Gegend rennst hast du schon viel für dei Allgemeinmedprüfung gelernt.