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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anerkennung nicht EU Facharzt und Arbeitserlaubnis



Thomas24
15.03.2022, 20:24
Hallo zusammen,

erkundige mich hier für eine Freundin. Sie ist als Univ. Dozentin für Dermatologie tätig, hat aber weder eine EU Staatsbürgerschaft, noch einen EU Facharzt (Studium, Weiterbildung und Berufstätigkeit in der Türkei). Sie spricht fließend Deutsch.

Wie ist derzeit der Ablauf bezüglich Anerkennung von Studium und Facharzt für nicht- EU Absolventen geregelt? Gibt es zwingend noch die Gleichwertigkeitsprüfung zwecks Anerkennung des Studiums? Gibt eine alternative Route für beruflich Hochqualifizierte langjährige Fachärzte, ohne extra die Gleichwertigkeitsprüfung durchlaufen zu müssen (z.B. durch Gutachterliche Stellungnahme)?

Welche Bundesländer sind bekannt dafür "kooperativere" Ansprechpartner und Ämter zu haben bzw. in welchen Bundesländern sind die Hürden höher?

Last, but not least, kann man mittlerweile als nicht- EU Bürger auch direkt eine Approbation erhalten, oder muss man zwingend erst eine "Berufserlaubnis" haben?

Vielen Dank für den Input!

veriko
16.03.2022, 17:00
Thomas, erst zur Begriffsklärung:
Gleichwertigkeitsprüfung = Behörde prüft, ob die Ausbildung etwa dem deutschen Studium inkl PJ entspricht. Entweder
1) anhand der Aktenlage (Zeugnisse, Curriculum der Uni, Praktikumszeugnisse etc), ggf. mit Beauftragung eines externen Gutachters oder
2) durch die mündlichen Kenntnisprüfung.
Die Gleichwertigkeitsprüfung muss immer dann erfolgen, wenn es keine Regelung zur automatischen Anerkennung gibt, nachzulesen in der Approbationsordnung.

Berufserlaubnis heißt, dass nur Sprachkenntnisse und ein abgeschlossenes Studium nachzuweisen sind, sowie ein Arbeitsvertrag mit einer Klinik/Praxis im Zuständigkeitsbereich der Approbationsbehörde. Auf die Sprachprüfung kann nach Ermessen des Sachbearbeiters verzichtet werden, bei mir hat ein kurzes Telefonat geholfen. Dann gibt es die Berufserlaubnis für diese Klinik für einen begrenzten Zeitraum, aber die Anstellung wäre nur als AÄ möglich, weil die Tätigkeit unter Aufsicht eines approbierten Arztes erfolgen muss. Während man so mit der Berufserlaubnis arbeitet, kann dann geklärt werden, ob die vorgelegten Nachweise für eine Feststellung der Gleichwertigkeit reichen, wenn ja, kann die Approbation erteilt werden. Man muss aber nicht unbedingt arbeiten, um die Approbation zu beantragen, dann entscheidet sich die Zuständigkeit nach Wohnsitz in D und schlimmstenfalls steht die Freundin locker 12 Monate ohne Gehalt da.

Brandenburg war bezüglich nicht-EU-Abschlüssen zumindest zu meiner Zeit 2017-2019 eher restriktiv - so ziemlich alle wurden zur mündlichen Kenntnisprüfung einbestellt. War gut zu schaffen, wenn man schon mal echte Patienten gesehen hat, und die Wartezeiten für Prüfungstermine waren nicht arg lange. Problem bei deiner Freundin wäre, dass sie da eher Innere/Chirurgie/Allgemeinmedizin absolvieren müsste und außerdem den FA-Status eher nicht anerkannt bekommen würde. Kenne niemanden, der in Brandenburg seine langjährige Berufserfahrung fachspezifisch in den FA ummünzen konnte, alle mussten bei 0 anfangen (Stichprobe ca 10 Leute, Osteuropa, keine Türkei). Die Ärztekammer sagte nämlich: wer nach Entscheidung der Approbationsbehörde die Kenntnisprüfung machen musste, hat keinen per se gleichwertigen Studienabschluss gehabt und kann deshalb auch keine gleichwertige FA-Weiterbildung gehabt haben.

Fazit für die Freundin: dicke Akte sammeln, mit allem was sie im Studium und Weiterbildung gelernt hat und auf Gleichwertigkeitsprüfung per Gutachten bestehen, eher nicht in Brandenburg.

Viel Erfolg!

Thomas24
16.03.2022, 21:25
Besten Dank für die Infos!

hebdo
17.03.2022, 20:08
Ich habe von einem „Betroffenen“ gehört, dass RLP auch hinsichtlich der Sprachprüfung am schlimmsten sei.

Mukopolysaccharid
17.03.2022, 20:26
Gibt eine alternative Route für beruflich Hochqualifizierte langjährige Fachärzte, ohne extra die Gleichwertigkeitsprüfung durchlaufen zu müssen (z.B. durch Gutachterliche Stellungnahme)?


Ich habe hier mehrere Kollegen mit langjähriger Berufserfahrung aus Nichr- Eu Ländern. Ich frage mich nur regelmäßig, wo diese geblieben ist…