Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nebenjob trotz Teilzeit
ehem-user-20-04-2022-0939
16.03.2022, 19:06
Hallo,
ich möchte einen kleinen Nebenjob (4 Stunden in der Woche an einem festgelegten Tag ca. 12-16 Uhr) sehr ungern aufgeben. Ich bewerbe mich z.ZT. für die Kinder-und Jugendpsychiatrie in mehreren Kleinstädten oder im Speckgürtel. An dem Nebenjob hänge ich sehr, es geht nicht um das Finanzielle. Die Tätigkeit hat nichts mit dem medizinischen Bereich zu tun, und stellt keine Konkurrenzsituation dar.
Gibt es eurer Meinung nach eine Möglichkeit, an einem Tag in der Woche nicht zu arbeiten, wenn man entsprechend reduziert? Selbstverständlich zeige ich dem AG den Nebenjob an und frage nach Genehmigung. Oder geht Teilzeit nur bei eigenen Kindern? In der KJP gibt es ja viele Assistenzärztinnen in Teilzeit.
ehem-user-20-04-2022-0939
16.03.2022, 19:08
Es scheint ja durchaus vorzukommen
https://www.praktischarzt.de/magazin/nebenjob-als-arzt/
Mit Vollzeitarbeit würde ich ja nicht 1 Tag frei bekommen, auch wenn ich dafür mehr Dienste oder ÜS mache
Es gibt für so etwas unterschiedliche Modelle; umsetzbar ist es grundsätzlich. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist die Bewerber-Situation ja (aus Klinik-Sicht) so mager, dass manche Kliniken inzwischen sogar schon Anzeigen in Ärzteblättern anderer Bundesländer schalten in der Hoffnung, dass jemand da anfängt. Kinder- und Jugend-Psychiatrie kenne ich nicht, aber in der Erwachsenen-Psychiatrie und Psychosomatik sind einzelne freie vereinbarte Arbeitstage ja nicht so ungewöhnlich. Ich hatte in der Inneren auch einen Kollegen, der von Beginn an eine 80%-Stelle und immer Mittwochs frei hatte, um da eine psychotherapeutische Weiterbildung zu machen. Und Umständen würden sich manche Kliniken sogar auf 100%-Stelle und Freizeit-Ausgleich für Dienste einlassen, aber das versucht man meiner Erfahrung nach von Arbeitgeberseite zu vermeiden.
Eventuell wäre an dem Tag, an dem man nachmittags was anderes machen will, ja auch möglich, noch morgens zu arbeiten, wenn der Arbeitgeber sich anders nicht darauf einlassen will. Eine Frage ist auch immer, ob man bereit ist, (wenigstens ausnahmsweise) an dem Tag vor dem freien Tag Dienst zu machen oder ob das überhaupt nicht geht.
Es ist immer alles Verhandlungssache. Wichtig ist, dass man sich bei den Verhandlungen nicht zu sehr ins Detail verliert. Die Vereinbarung muß simpel sein, sie sollte möglichst schriftlich festgelegt sein, und bei so Dingen wie geplant freiem Tag sollte man noch kurz ansprechen, wie das mit den Urlaubsregelungen und so ist.
Schwieriger ist immer, wenn man sich Freitag oder Montag frei wünscht; da will eben jeder, der volle Tage in Teilzeit arbeitet, gerne frei haben.
vanilleeis
16.03.2022, 20:01
Wo willst du hin? Bei uns wäre es kein Problem
ehem-user-20-04-2022-0939
16.03.2022, 20:18
aber in der Erwachsenen-Psychiatrie und Psychosomatik sind einzelne freie vereinbarte Arbeitstage ja nicht so ungewöhnlich. Ich hatte in der Inneren auch einen Kollegen, der von Beginn an eine 80%-Stelle und immer Mittwochs frei hatte, um da eine psychotherapeutische Weiterbildung zu machen. Und Umständen würden sich manche Kliniken sogar auf 100%-Stelle und Freizeit-Ausgleich für Dienste einlassen, aber das versucht man meiner Erfahrung nach von Arbeitgeberseite zu vermeiden.
Eventuell wäre an dem Tag, an dem man nachmittags was anderes machen will, ja auch möglich, noch morgens zu arbeiten, wenn der Arbeitgeber sich anders nicht darauf einlassen will. Eine Frage ist auch immer, ob man bereit ist, (wenigstens ausnahmsweise) an dem Tag vor dem freien Tag Dienst zu machen oder ob das überhaupt nicht geht.
Das hört sich gut an. Ich wusste nicht, dass das gar nicht so ungewöhnlich ist. KJP ist je nach Klinik auch nicht so (dienst)intensiv wie z.B. Innere an der Uniklinik. Würde auch opt-out unterschreiben. Vor 12 Uhr kann ich an dem Tag auch arbeiten. Ich habe es aber so verstanden, dass ich in einem "frei nach Dienst" gar nicht arbeiten darf. Wenn ich es z.B. so regele, dass ich immer Donnerstags im "frei nach Dienst" bin, dürfte ich dann arbeiten?
ehem-user-20-04-2022-0939
16.03.2022, 20:19
Wo willst du hin? Bei uns wäre es kein Problem
Das ist noch nicht spruchreif, aber es wäre Ruhrgebiet (NRW)
vanilleeis
16.03.2022, 20:25
Aktivier mal private Nachrichten
Ach so: und Arbeiten im Dienstfrei geht offiziell nicht, zumindest nicht als Angestellte
ehem-user-20-04-2022-0939
16.03.2022, 21:16
Aktivier mal private Nachrichten
Ach so: und Arbeiten im Dienstfrei geht offiziell nicht, zumindest nicht als Angestellte
Hab ich gemacht.
Mir war bis jetzt nicht klar, dass man als ÄiW einen Tag frei nehmen kann, auch wenn man keine Kinder hat. Natürlich wenn man reduziert
Ich habe es aber so verstanden, dass ich in einem "frei nach Dienst" gar nicht arbeiten darf. Wenn ich es z.B. so regele, dass ich immer Donnerstags im "frei nach Dienst" bin, dürfte ich dann arbeiten?Ja, §5 Arbeitszeitgesetz schreibt 11 Stunden Ruhezeit vor. Wäre somit ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz.
Deswegen schrieb ich oben in Klammern "ausnahmsweise" mal Dienste vor dem freien Tag. Würde dann eben bedeuten, dass man den Nachmittag da mal nicht arbeiten kann. Es macht für Dienstplaner (war selbst mal einer) manchmal schon einen Unterschied, ob bei jemandem absolut auf gar keinen Fall Dienstag niemals Dienst möglich oder "naja wenn es alle 2 bis 3 Monate mal vorkommt weil es wegen Urlaub / Stationsplanung / kollidierenden Wünschen anderer Kollegen / was auch immer schwierig umzusetzen wäre dann ist das auch okay da mal zu arbeiten".
Natürlich gibts auch Leute, denen das Arbeitszeitgesetz egal ist und die im Zustand nach Dienst einfach trotzdem noch woanders arbeiten und sich denken "was keiner weiß macht keinen heiß". Aber das ist ein anderes Thema. Wäre mir auch zu riskant.
ehem-user-20-04-2022-0939
16.03.2022, 22:38
Ja, §5 Arbeitszeitgesetz schreibt 11 Stunden Ruhezeit vor. Wäre somit ein Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz.
Deswegen schrieb ich oben in Klammern "ausnahmsweise" mal Dienste vor dem freien Tag. Würde dann eben bedeuten, dass man den Nachmittag da mal nicht arbeiten kann. Es macht für Dienstplaner (war selbst mal einer) manchmal schon einen Unterschied, ob bei jemandem absolut auf gar keinen Fall Dienstag niemals Dienst möglich oder "naja wenn es alle 2 bis 3 Monate mal vorkommt weil es wegen Urlaub / Stationsplanung / kollidierenden Wünschen anderer Kollegen / was auch immer schwierig umzusetzen wäre dann ist das auch okay da mal zu arbeiten".
Natürlich gibts auch Leute, denen das Arbeitszeitgesetz egal ist und die im Zustand nach Dienst einfach trotzdem noch woanders arbeiten und sich denken "was keiner weiß macht keinen heiß". Aber das ist ein anderes Thema. Wäre mir auch zu riskant.
Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn ich nur alle 2 Wochen in meinem Nebenjob arbeite. "Illegal" im frei nach Dienst arbeiten möchte ich auch nicht. Mir geht es nur darum, diesen Nebenjob nicht ein für allemal aufgeben zu müssen, da ich an allen 5 Werktagen arbeiten muss. Wie ich dich verstanden habe, gibt es aber durchaus Kliniken, bei denen man einen oder einen Tag bis 12 Uhr frei bekommen kann?
Ja ein Tag in der Woche frei oder einen Tag in der Woche ab 11 oder 12 Uhr frei müßte auf jeden Fall gehen. Wie gesagt habe ich keine persönliche Erfahrung mit Kinder- und Jugendpsychiatrie und wie weit das umsetzbar ist. Und natürlich ist es den Kliniken lieber, wenn man keine solchen Sonderregelungen möchte. Wie die Stellensituation in der Gegend ist, in der du suchst, weiß ich auch nicht. Aber nach allem, was ich mitbekomme, herrscht in der Kinder- und Jugendpsychiatrie doch ein extremer Bewerber-Mangel.
Ich halte es für unwahrscheinlich, dass in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Modelle mit 1 festen Tag frei nicht umsetzbar sind. Es kann sein, dass da an einem bestimmten Tag immer irgendeine bestimmte Team-Besprechung stattfindet und deswegen ein bestimmter Wochentag nicht geht oder so. Aber grundsätzlich müßte es doch gehen. In der Erwachsenen-Psychiatrie und in der Inneren und in der Chirurgie geht es ja auch.
Ich glaube nicht, dass es besonders schwer wird, das durchzusetzen. Von Anfang an klar kommunizieren, am besten in den Vertrag reinschreiben lassen, aber auf jeden Fall irgendwie im Anschreiben schriftlich bestätigen lassen. Ich würde einfach sagen, du willst das so haben, und dann besprechen, dass zusammen mit der Stelle im Vertrag, in der drin steht, dass man nur 80% arbeitet, auch drin steht, dass Mittwoch frei ist. Dann hat man es schriftlich festgelegt, falls es irgendwann mal Kinkerlitzchen gibt bezüglich Bezahlung oder Krankheit oder irgendwas. Wenn man das so vereinbart, kann man es ja wohl auch in den Vertrag reinschreiben, da wäre ich ganz entspannt und klar in meiner Kommunikation. Mit 80%-Stelle müßte das auf jeden Fall gehen. Mit bißchen Berufs-Erfahrung kann man vielleicht sogar irgendwann eine 100%-Stelle durchsetzen, in der der Bereitschaftsdienst in Freizeit ausgeglichen wird und man auf die Weise auch einen festen Tag in der Woche frei bekommt, wobei das wie gesagt die Kliniken eigentlich nicht wollen. Ich würde nicht versuchen, so etwas direkt als Berufsanfänger durchzusetzen.
Aber wichtig: Laß dich nicht über den Tisch ziehen. So gut wie jeder neue Arzt macht die Erfahrung, dass in den Vorstellungsgesprächen gelogen wird, dass sich die Balken biegen. Die Personal-Abteilungen und die Chefärzte sind auch jahrelang geübt in den Techniken, Wünsche oder Abmachungen so umzubiegen, dass es ihnen besser paßt. Also jetzt mal als Beispiel: Ich habe in meinen aktuellen Vertragsverhandlungen mündlich und per mail ausdrücklich besprochen, dass ich die Stelle nur antrete, wenn mir zugesichert wird, dass ich mindestens 2 Notarzt-Dienste im Monat machen kann. Eigentlich wollte ich gern 4, habe mich auf 2 runterhandeln lassen. In dem Vertrag, den man mir zugeschickt hat, stand dann drin, dass ich ab 1. Mai durch die Klinik für 2 Notarzt-Dienste im Monat "eingesetzt werden kann". Das war nicht das Verhandlungs-Ergebnis. Dass ich zum Notarzt-Dienst der Klinik eingesetzt "werden kann", ist eh klar, das ergibt sich aus meiner Qualifikation und dem Auftrag der Abteilung und steht sogar so schon im Tarifvertrag drin. Darum ging es gar nicht. Dass diese 2 Dienste das Minimum sein sollen, das ich mindestens machen darf, worüber mündlich absolut unmißverständliche Einigkeit herrschte, haben sie einfach im Vertrag so formuliert, dass zwar was von Notarzt-Diensten da steht, aber für mich absolut nutzlos, weil es nur eine Tatsache wiedergibt, die sowieso besteht, und nicht das vereinbarte Minimum an Diensten, das man besprochen hat. So läuft Umgang mit Personal-Abteilungen und Chefs (fast) *immer*. Alles, wo sie so tun können, als wäre das doch das, was man besprochen hat, oder als wäre etwas ein Mißverständnis in der Kommunikation mit der Personalabteilung oder ein Versehen oder als wäre irgendetwas aufgrund nicht beeinflußbarer Gründe so (gern werden auch Betriebsrat, Betriebs-Vereinbarungen oder irgendwelche angeblichen gesetzlichen Anforderungen ins Feld geführt, die es gar nicht gibt), das wird versucht zu machen. Gern genommen sind auch Klauseln wie dass man sich verpflichtet, "seine gesamte Arbeitskraft" dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen, was bei einem Teilzeit-Vertrag oder von Anfang an besprochenem Nebenjob natürlich eine Frechheit ist. Ich würde auch nicht direkt im Vorstellungsgespräch sagen, dass es dir auch reicht, wenn du nur 2mal im Monat den Nebenjob machen kannst, denn dann wird es genau so kommen bzw. im Zweifel wirds dann halt nur noch 1mal im Monat.
Man denkt vielleicht, dass man als Arzt eine starke Verhandlungsposition hat, und die hat man auch - aber nur solange, bis der Vertrag unterschrieben ist. Danach ist man da angestellt, und wenn man nach 3 Monaten wieder geht, fällt es auf einen selbst zurück. Deshalb sollte man, wenn man solche Sonderwünsche will, in der Kommunikation darüber klar, aber entspannt und freundlich sein und es einfach als genau die gleiche Selbstverständlichkeit ansehen / verkaufen, dass das, was man besprochen hat, auch so in den Vertrag reinschreibt, wie die Personalabteilung / Geschäftsführung es als selbstverständlich umsetzt, irgendwelche Unverschämtheiten in den Vertrag reinzuschreiben. Wichtig ist bei den Verhandlungen, nichts unnötig zu verkomplizieren, sondern simpel bestimmte Sachen zu fordern. "Ich brauche einen Tag in der Woche frei und will an dem meinen Nebenjob behalten". Wenn die zustimmen, kann man gleich formulieren, dass das ja schön ist, dass darüber Einigkeit herrscht, und dass man das dann ja gleich vertraglich festlegen kann. Schön sind Formulierungen, die genau die Einigung beschreiben, also wenn im Vertrag konkret drin steht, dass eine 80%-Stelle vereinbart ist mit der festen Vereinbarung Mittwoch frei, um an dem Tag die Fortführung einer bereits bestehenden Nebentätigkeit zu ermöglichen. Wenn das so drin steht, können sie einen auch nicht Dienstags zum Dienst einteilen, so dass man Mittwochs dann doch nicht arbeiten kann wie vereinbart. Das mit der Nebentätigkeit wollen Arbeitgeber aber genau aus solchen Gründen schön regelmäßig nicht in den Vertrag reinschreiben. Gern wird einem der Vertrag zum Unterschreiben vorgelegt und dann, wenn der unterschrieben ist, ein "Antrag auf Nebentätigkeit", den man einreichen soll, aber von dem man dann über Monate hinweg (bzw. wenn man nachhakt, vielleicht sogar nie) wieder was hört, erst recht keine schriftliche Bestätigung darüber, dass die Nebentätigkeit registriert / genehmigt / was auch immer ist. Der Job der Personal-Abteilung ist, dich beim Vertrag über den Tisch zu ziehen. Zu viel streiten und in Einzelheiten verlieren sollte man sich da nicht. Deswegen von Anfang an klare, eindeutige Kommunikation, immer freundlich, aber selbstverständlich. Man hat Einigkeit darüber erzielt, dass man Mittwochs frei bekommt für die Nebentätigkeit, also kann man das auch genau so aufschreiben und nicht anders. Wenn du jetzt schon so genau weißt, an welchem Wochentag und um wieviel Uhr du welchen Nebenjob machen willst, dann würde ich genau den Nebenjob auch konkret reinschreiben lassen. Garantiert kommen so Sprüche wie "geht nicht" oder "wir haben hier Standard-Verträge, die mit dem Betriebsrat abgestimmt sind, das können wir so nicht in den Vertrag reinschreiben". Das ist bullshit. Sie können immer. Sie wollen nicht. Deswegen von Anfang an völlig klar und offen genau so kommunizieren, damit man durchgehend mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Freundlichkeit anbringen kann, dass das genau so besprochen ist.
Eine Frage wäre noch, wieviel du in dem Nebenjob verdienst bzw. wie der organisiert ist. Wenn es eine geringfügige Beschäftigung ist, ist es für die Personalabteilung kein Problem. Wenn es eine sozialversicherungspflichtige Teilzeit-Anstellung ist, wird es für alle Beteiligten komplizierter, weil die Personalabteilungen dann regelmäßig Informationen über den Verdienst in den zwei Jobs austauschen müssen und die Sozialversicherung untereinander aufteilen müssen. Also letzteres wollen Kliniken deutlich weniger gern, wegen des erhöhten Aufwands.
Man muß sagen, dass die meisten Leute, die 1 Tag in der Woche frei wollen bei 80%-Stelle, das nicht für einen Nebenjob wollen, sondern für eine feste Weiterbildung oder für ein festes Hobby. Ein Nebenjob wird grundsätzlich wahrscheinlich etwas weniger gern gesehen. Aber es würde mich wundern, wenn du das nicht bekommen könntest. Eventuell ist die Bewerber-Lage in einer Großstadt anders und sie stellen dann einfach jemanden in Vollzeit ein. Man muß auch damit rechnen, dass erst mal versucht wird, Gründe vorzuschieben, aus denen das nicht geht. Grundsätzlich wird man versuchen, so etwas nur mündlich zu besprechen und sich offen zu halten, sich später doch nicht daran zu halten bzw. neu zur Verhandlungsmasse zu machen. Aber das wird schon machbar sein. Selbst Kliniken in größeren Städten wie Bonn suchen ja völlig verzweifelt Personal.
ehem-user-20-04-2022-0939
17.03.2022, 19:54
Ja ein Tag in der Woche frei oder einen Tag in der Woche ab 11 oder 12 Uhr frei müßte auf jeden Fall gehen. Wie gesagt habe ich keine persönliche Erfahrung mit Kinder- und Jugendpsychiatrie und wie weit das umsetzbar ist. Und natürlich ist es den Kliniken lieber, wenn man keine solchen Sonderregelungen möchte. Wie die Stellensituation in der Gegend ist, in der du suchst, weiß ich auch nicht. Aber nach allem, was ich mitbekomme, herrscht in der Kinder- und Jugendpsychiatrie doch ein extremer Bewerber-Mangel.
Ich halte es für unwahrscheinlich, dass in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Modelle mit 1 festen Tag frei nicht umsetzbar sind. Es kann sein, dass da an einem bestimmten Tag immer irgendeine bestimmte Team-Besprechung stattfindet und deswegen ein bestimmter Wochentag nicht geht oder so. Aber grundsätzlich müßte es doch gehen. In der Erwachsenen-Psychiatrie und in der Inneren und in der Chirurgie geht es ja auch.
Ich glaube nicht, dass es besonders schwer wird, das durchzusetzen. Von Anfang an klar kommunizieren, am besten in den Vertrag reinschreiben lassen, aber auf jeden Fall irgendwie im Anschreiben schriftlich bestätigen lassen. Ich würde einfach sagen, du willst das so haben, und dann besprechen, dass zusammen mit der Stelle im Vertrag, in der drin steht, dass man nur 80% arbeitet, auch drin steht, dass Mittwoch frei ist. Dann hat man es schriftlich festgelegt, falls es irgendwann mal Kinkerlitzchen gibt bezüglich Bezahlung oder Krankheit oder irgendwas. Wenn man das so vereinbart, kann man es ja wohl auch in den Vertrag reinschreiben, da wäre ich ganz entspannt und klar in meiner Kommunikation. Mit 80%-Stelle müßte das auf jeden Fall gehen. Mit bißchen Berufs-Erfahrung kann man vielleicht sogar irgendwann eine 100%-Stelle durchsetzen, in der der Bereitschaftsdienst in Freizeit ausgeglichen wird und man auf die Weise auch einen festen Tag in der Woche frei bekommt, wobei das wie gesagt die Kliniken eigentlich nicht wollen. Ich würde nicht versuchen, so etwas direkt als Berufsanfänger durchzusetzen.
Aber wichtig: Laß dich nicht über den Tisch ziehen. So gut wie jeder neue Arzt macht die Erfahrung, dass in den Vorstellungsgesprächen gelogen wird, dass sich die Balken biegen. Die Personal-Abteilungen und die Chefärzte sind auch jahrelang geübt in den Techniken, Wünsche oder Abmachungen so umzubiegen, dass es ihnen besser paßt. Also jetzt mal als Beispiel: Ich habe in meinen aktuellen Vertragsverhandlungen mündlich und per mail ausdrücklich besprochen, dass ich die Stelle nur antrete, wenn mir zugesichert wird, dass ich mindestens 2 Notarzt-Dienste im Monat machen kann. Eigentlich wollte ich gern 4, habe mich auf 2 runterhandeln lassen. In dem Vertrag, den man mir zugeschickt hat, stand dann drin, dass ich ab 1. Mai durch die Klinik für 2 Notarzt-Dienste im Monat "eingesetzt werden kann". Das war nicht das Verhandlungs-Ergebnis. Dass ich zum Notarzt-Dienst der Klinik eingesetzt "werden kann", ist eh klar, das ergibt sich aus meiner Qualifikation und dem Auftrag der Abteilung und steht sogar so schon im Tarifvertrag drin. Darum ging es gar nicht. Dass diese 2 Dienste das Minimum sein sollen, das ich mindestens machen darf, worüber mündlich absolut unmißverständliche Einigkeit herrschte, haben sie einfach im Vertrag so formuliert, dass zwar was von Notarzt-Diensten da steht, aber für mich absolut nutzlos, weil es nur eine Tatsache wiedergibt, die sowieso besteht, und nicht das vereinbarte Minimum an Diensten, das man besprochen hat. So läuft Umgang mit Personal-Abteilungen und Chefs (fast) *immer*. Alles, wo sie so tun können, als wäre das doch das, was man besprochen hat, oder als wäre etwas ein Mißverständnis in der Kommunikation mit der Personalabteilung oder ein Versehen oder als wäre irgendetwas aufgrund nicht beeinflußbarer Gründe so (gern werden auch Betriebsrat, Betriebs-Vereinbarungen oder irgendwelche angeblichen gesetzlichen Anforderungen ins Feld geführt, die es gar nicht gibt), das wird versucht zu machen. Gern genommen sind auch Klauseln wie dass man sich verpflichtet, "seine gesamte Arbeitskraft" dem Unternehmen zur Verfügung zu stellen, was bei einem Teilzeit-Vertrag oder von Anfang an besprochenem Nebenjob natürlich eine Frechheit ist. Ich würde auch nicht direkt im Vorstellungsgespräch sagen, dass es dir auch reicht, wenn du nur 2mal im Monat den Nebenjob machen kannst, denn dann wird es genau so kommen bzw. im Zweifel wirds dann halt nur noch 1mal im Monat.
Man denkt vielleicht, dass man als Arzt eine starke Verhandlungsposition hat, und die hat man auch - aber nur solange, bis der Vertrag unterschrieben ist. Danach ist man da angestellt, und wenn man nach 3 Monaten wieder geht, fällt es auf einen selbst zurück. Deshalb sollte man, wenn man solche Sonderwünsche will, in der Kommunikation darüber klar, aber entspannt und freundlich sein und es einfach als genau die gleiche Selbstverständlichkeit ansehen / verkaufen, dass das, was man besprochen hat, auch so in den Vertrag reinschreibt, wie die Personalabteilung / Geschäftsführung es als selbstverständlich umsetzt, irgendwelche Unverschämtheiten in den Vertrag reinzuschreiben. Wichtig ist bei den Verhandlungen, nichts unnötig zu verkomplizieren, sondern simpel bestimmte Sachen zu fordern. "Ich brauche einen Tag in der Woche frei und will an dem meinen Nebenjob behalten". Wenn die zustimmen, kann man gleich formulieren, dass das ja schön ist, dass darüber Einigkeit herrscht, und dass man das dann ja gleich vertraglich festlegen kann. Schön sind Formulierungen, die genau die Einigung beschreiben, also wenn im Vertrag konkret drin steht, dass eine 80%-Stelle vereinbart ist mit der festen Vereinbarung Mittwoch frei, um an dem Tag die Fortführung einer bereits bestehenden Nebentätigkeit zu ermöglichen. Wenn das so drin steht, können sie einen auch nicht Dienstags zum Dienst einteilen, so dass man Mittwochs dann doch nicht arbeiten kann wie vereinbart. Das mit der Nebentätigkeit wollen Arbeitgeber aber genau aus solchen Gründen schön regelmäßig nicht in den Vertrag reinschreiben. Gern wird einem der Vertrag zum Unterschreiben vorgelegt und dann, wenn der unterschrieben ist, ein "Antrag auf Nebentätigkeit", den man einreichen soll, aber von dem man dann über Monate hinweg (bzw. wenn man nachhakt, vielleicht sogar nie) wieder was hört, erst recht keine schriftliche Bestätigung darüber, dass die Nebentätigkeit registriert / genehmigt / was auch immer ist. Der Job der Personal-Abteilung ist, dich beim Vertrag über den Tisch zu ziehen. Zu viel streiten und in Einzelheiten verlieren sollte man sich da nicht. Deswegen von Anfang an klare, eindeutige Kommunikation, immer freundlich, aber selbstverständlich. Man hat Einigkeit darüber erzielt, dass man Mittwochs frei bekommt für die Nebentätigkeit, also kann man das auch genau so aufschreiben und nicht anders. Wenn du jetzt schon so genau weißt, an welchem Wochentag und um wieviel Uhr du welchen Nebenjob machen willst, dann würde ich genau den Nebenjob auch konkret reinschreiben lassen. Garantiert kommen so Sprüche wie "geht nicht" oder "wir haben hier Standard-Verträge, die mit dem Betriebsrat abgestimmt sind, das können wir so nicht in den Vertrag reinschreiben". Das ist bullshit. Sie können immer. Sie wollen nicht. Deswegen von Anfang an völlig klar und offen genau so kommunizieren, damit man durchgehend mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Freundlichkeit anbringen kann, dass das genau so besprochen ist.
Eine Frage wäre noch, wieviel du in dem Nebenjob verdienst bzw. wie der organisiert ist. Wenn es eine geringfügige Beschäftigung ist, ist es für die Personalabteilung kein Problem. Wenn es eine sozialversicherungspflichtige Teilzeit-Anstellung ist, wird es für alle Beteiligten komplizierter, weil die Personalabteilungen dann regelmäßig Informationen über den Verdienst in den zwei Jobs austauschen müssen und die Sozialversicherung untereinander aufteilen müssen. Also letzteres wollen Kliniken deutlich weniger gern, wegen des erhöhten Aufwands.
Man muß sagen, dass die meisten Leute, die 1 Tag in der Woche frei wollen bei 80%-Stelle, das nicht für einen Nebenjob wollen, sondern für eine feste Weiterbildung oder für ein festes Hobby. Ein Nebenjob wird grundsätzlich wahrscheinlich etwas weniger gern gesehen. Aber es würde mich wundern, wenn du das nicht bekommen könntest. Eventuell ist die Bewerber-Lage in einer Großstadt anders und sie stellen dann einfach jemanden in Vollzeit ein. Man muß auch damit rechnen, dass erst mal versucht wird, Gründe vorzuschieben, aus denen das nicht geht. Grundsätzlich wird man versuchen, so etwas nur mündlich zu besprechen und sich offen zu halten, sich später doch nicht daran zu halten bzw. neu zur Verhandlungsmasse zu machen. Aber das wird schon machbar sein. Selbst Kliniken in größeren Städten wie Bonn suchen ja völlig verzweifelt Personal.
Vielen Dank erstmal für deine sehr ausführliche Antwort. Da sind sehr viele Dinge bei, die mir helfen. Dass man alles "wasserdicht" im Vertrag festhalten muss ist klar, ich will auch im Vorfeld alles so klären, dass es hinterher kein böses Erwachen gibt. Was manchmal schwer zu händeln ist, da hier ja sehr viele User von sehr schlechten Stellen berichten. Der Nebenjob bei mir ist im Prinzip eher Hobby, es ist eine geringfügige Beschäftigung, das Geld ist nicht Steuer und abgabenpflichtig, da es eine gewissen Grenze nicht überschreitet. Interessant finde ich, dass es wohl mittlerweile auch möglich ist, in der Chirurgie mit 1 Tag frei zu arbeiten. Das hätte ich so nicht gedacht, da gefühlt alle Chirurgen-Freunde eher 120 als 100% arbeiten und eine 80%-Stelle in der Realität eher 100% bedeutet. Muss da an einen Viszeralchirurgischen Chefarzt einer bekannten Uniklinik denken, der bei einer Veranstaltung mit AÄ gesagt hat, er wäre "hinten rüber gefallen", als ein männlicher Chirurg nach Teilzeit gefragt hat. Aber gut, ist Uniklinik. Werde alles auf mich zukommen lassen. Eine Stelle, wo täglich 2-3 undokumentierte ÜS anfallen, werde ich nicht annehmen. Im Vorstellungsgespräch werde ich einfach freundlich und bestimmt darauf hinweisen, was meine Vorstellungen sind und das ich der Klinik dann in anderen Sachen entgegen kommen kann (z.B: mehr Dienste oder kurzfristiges Einspringen etc
Natürlich wird man in der Chirurgie keine Karriere machen, wenn man ne 80%-Stelle mit 1 Tag frei hat.
ehem-user-20-04-2022-0939
17.03.2022, 22:39
Karriere ist mir auch nicht wichtig. Bin mit meinem Leben ganz zufrieden
ehem-user-20-04-2022-0939
17.03.2022, 23:08
Ich denke aber, dass die Arbeitsbelastung in der Chirurgie tendenziell höher ist als in der KJP.
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