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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Retrospektive Publikationspromotion (USA) Karriereaussichten



Unsichtbar
06.04.2022, 23:01
Hallo erstmal!

ich habe eine Doktorarbeit in den USA zu einer retrospektiven Beobachtungsstudie in Aussicht. Der Doktorvater (selber deutsch, ziemlich renommiert) hat viel Erfahrung mit deutschen Doktoranden und man sieht, dass sie in aller Regel an mehreren Publikationen (davon einige als Erstautor) in guten Journals beteiligt sind. Die Promotion würde dann als Publikationspromotion an meiner Heimatuni erfolgen. Nun wäre das ja eine statistische Doktorarbeit, und da ich schon ein magna cum laude anstrebe (würde gern in die Forschung), mache ich mir Gedanken.

Kann man sagen, dass Publikationspromotionen (auch wenn statistisch) eher besser abschneiden als Monographien, die kaut dem, was man so hört häufig mit rite/cum laude bewertet werden?

Und ganz generell: Wie wichtig ist die Note überhaupt bei einer Karriere in der Forschung noch? Im besten Fall hätte ich bei dieser Doktorarbeit ja mehrere Publikationen, Auslandserfahrung und Kontakte gewonnen. Öffnet man sich damit nicht ungefähr genauso viele Türen wie mit einer gut benoteten Promotion, ohne all die "Extras", oder schätze ich das falsch ein?

Wäre cool Mal ein paar Einschätzungen (vielleicht auch von Leuten, die in der Forschung tätig sind) zu bekommen, da für mich die Gegebenheiten in der Forschungsbranche echt nicht so klar sind.

Danke!

davo
07.04.2022, 14:04
Ich bin überzeugt, dass man sich damit VIEL mehr Türen öffnet, als mit einer sehr guten Promotionsnote ohne Publikationen, ohne Auslandserfahrung, ohne Kontakte.

][truba][
07.04.2022, 15:30
Glaub mir, Beziehungen und Kontakte schlagen jede Note. Wenn du wirklich einen renommierten Prof. als Doktorvater haben kannst, der dir eventuell wieder andere "Koryphäen" vorstellt, hast du da sehr viel mehr von als von einem magna/summa.

Autolyse
07.04.2022, 16:10
Es ist genau anders herum. Eine Monographie kratzt keinen und wenn sie noch so toll ist. Die oberen Notenstufen erfordern in den meisten Fakultäten ohnehin eine Publikation. Ein Magna ohne nicht zumindest Koautor zu sein ist eher fernliegend und ein Summa wird es ohne Erstautorenpaper nicht geben.

ProximaCentauri
08.04.2022, 09:14
In der Forschung interessiert kein Schwein die Note deiner Diss. Es geht um Publikationen (Erstautorenschaften, v.A.), Connections und Journalrankings. Das schlägt jede Note. Im Endeffekt ist die Diss halt nice to have wegen dem Titel, aber da interessieren niemanden Details.

Unsichtbar
11.04.2022, 21:42
Es ist genau anders herum. Eine Monographie kratzt keinen und wenn sie noch so toll ist. Die oberen Notenstufen erfordern in den meisten Fakultäten ohnehin eine Publikation. Ein Magna ohne nicht zumindest Koautor zu sein ist eher fernliegend und ein Summa wird es ohne Erstautorenpaper nicht geben.

Danke für die schnellen Antworten, das hilft schon einmal sehr!

Ja, bei meiner Uni ist es wohl auch so, dass es ohne Publikation schwer ist, ein Magna/Summa zu bekommen. Meine Frage war jetzt eher in die Richtung, ob das "andersherum" auch gilt. Also, ob eine Publikation "automatisch" ein Magna/Summa bedeutet.

Autolyse
12.04.2022, 10:12
Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. Schon aus ganz praktischen Gründen. Erst- und Zweitgutachter machen das ja nicht aus Idealismus, sondern weil es eine von vielen Dienstaufgaben ist. Gerade bei Publikationsdissertationen ist es besonders dankbar: Statt 60-100 Seiten Gesalbadere, Excelbildchen und pseudowissenschaftlicher deskriptiver Statistik überfliegt man kurz 3 Seiten Einleitung, liest 3-4 Seiten Paper und 1 Seite Ausblick. Je nach Universität gibt es vom Dekanat sogar explizite Ansagen, dass der Teil der bereits Peer-Reviewed ist, der weitergehenden Kritik der Gutachter (Nachversuche!) entzogen ist. Kurzum: Man hat den Krams schnell abgearbeitet und noch schneller vom Schreibtisch, gerade wenn es für Publikationsdisserationen mittlerweile Ankreuzformulare gibt und man kein detailliertes Votum mehr schreiben muss. Das hebt die Stimmung beim Gutachter und durch Peer-Review ist die Arbeit bereits mindestens einmal - je nachdem wie oft man vorher rejected worden ist - geprüft worden. Und im Vergleich zu dem Schund den man sonst so lesen muss hebt sich das deutlich ab und damit wird man fast automatisch eine hohe Note bekommen, nicht selten sogar ein Summa als Erstautor.

Endoplasmatisches Reticulum
12.04.2022, 10:39
Wobei fürs Summa inzwischen vielerorts sehr hohe Anforderungen gelten. Bei uns müssen Erst- und Zweitgutachter beide Summa vergeben und begründen. Dann muss ein dritter unabhängiger Gutachter hinzugezogen werden und das Summa explizit bestätigen. Das ist ein ziemliches Prozedere. Wie stringent das in der Praxis gehandhabt wird oder wie oft es vorkommt, dass der Drittgutachter von den anderen beiden abweicht, weiß ich mangels Einsicht in den Promotionsapparat nicht. Aber zumindest laut Prüfungsordnung und was man von Kommilitonen und Dozenten bei uns so hört, ist ein Summa bei uns wirklich ein "Summa". Also nur mit irgendeiner Publikation alleine definitiv noch kein Selbstgänger. Für mich persönlich würde sich der Mehraufwand vom Magna kommend eher nicht lohnen.