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ehem-user-20-04-2022-0939
10.04.2022, 23:05
Auf Anfrage von Panorama teilte das Bundesgesundheitsministerium jedoch mit, eine solche Beschränkung sei rechtlich schwierig. Allein die Feststellung einer Zunahme investorengeführter Praxen reicht dafür aus Sicht des Ministeriums nicht aus.

Vielleicht sollte das Thema mal so publik gemacht werden, dass die Masse der Patienten informiert wird, was die negativen Folgen vor allem für sie als Patienten sind. Das BGM kehrt das ganze unter den Tisch. Auch die KBV tut nichts dagegen. Wenn die Sitze weg sind, sind sie weg.

ehem-user-20-04-2022-0939
10.04.2022, 23:12
Wieso schaffen es die Zahnärzte mit dem TSVG, sich erfolgreich gegen die Investoren durchzusetzen (Begründung drohenden Konzentrationsprozessen der Zahnärzte und Einschränkungen der Versorgungssicherheit), die Humanmediziner aber nicht? Da bestehen doch die gleichen Probleme. Warum sieht der Gesetzgeber nur bei Zahnärzten diese Auswüchse und handelt?

GP1001
10.04.2022, 23:36
Absolut nicht, das ist klar. Ich frage mich aber trotzdem, wer die unzähligen Häuser und Wohnungen, ab 1,5 Mio aufwärts (z.B. München, Freiburg etc.) kauft und mietet?
Es gibt doch prozentual gar nicht so viele Leute, die sich das leisten können/wollen.

Wie Freak sagte..., zb das Haus vom Oligarchen Tegernsee. Ist der oft zu Hause? Nein. Gehört ihm das Haus. Nein, sondern einer Briefkastenfirma aus dem takkatukkaland. Alles legal in München.
in London sind ganze gehobene Stadtviertel quasi abends dunkel. Die Häuser sind Kapitalanlage. Oder die Leute so reich, dass sie nur selten vorbeischauen.
Besonders interessant so Projekte wie die Wohnhochhäuser a la Grand Tower in Frankfurt. Steht zur Hälfte leer. Preise für den Normalbürger unerschwinglich. Also genau für den Bedarf gebaut.

ehem-user-20-04-2022-0939
11.04.2022, 00:46
Wieso schaffen es die Zahnärzte mit dem TSVG, sich erfolgreich gegen die Investoren durchzusetzen (Begründung drohenden Konzentrationsprozessen der Zahnärzte und Einschränkungen der Versorgungssicherheit), die Humanmediziner aber nicht?
Das Argument mit der Berufsfreiheit lässt sich doch auf beide anwendenDa bestehen doch die gleichen Probleme.
Warum sieht (oder will... sehen) der Gesetzgeber nur bei Zahnärzten diese Auswüchse und handelt?

WiWi18
11.04.2022, 13:12
Wieso schaffen es die Zahnärzte mit dem TSVG, sich erfolgreich gegen die Investoren durchzusetzen (Begründung drohenden Konzentrationsprozessen der Zahnärzte und Einschränkungen der Versorgungssicherheit), die Humanmediziner aber nicht?
Das Argument mit der Berufsfreiheit lässt sich doch auf beide anwendenDa bestehen doch die gleichen Probleme.
Warum sieht (oder will... sehen) der Gesetzgeber nur bei Zahnärzten diese Auswüchse und handelt?

Wahrscheinlich, weil Sohn/ Tochter irgendeines politischen Entscheidungsträgers der zweiten Reihe Zahnmedizin studiert :-?

Thomas24
11.04.2022, 20:02
Wahrscheinlich, weil Sohn/ Tochter irgendeines politischen Entscheidungsträgers der zweiten Reihe Zahnmedizin studiert :-?

Herr Lauterbach ist doch kein Entscheidungsträger aus der zweiten Reihe? :-oopss

Nicht vergessen: die Weichen für die aktuelle Situation wurden schon vor Jahrzehnten gelegt. Herr Lauterbach hat sich schon damals sehr für die Aufhebung des Sicherstellungsauftrages durch die KV etc. stark gemacht (böse Zungen behaupten, er wäre Lobbyist für die Rhön Kliniken gewesen). Der Ärzteblatt- Artikel aus dem Jahr 2002 (!!!) zeigte schon damals, wie viel Standing die interessen der bösen Ärzteschaft in politischen Kreisen besaß. Nämlich exakt null. https://www.aerzteblatt.de/archiv/30524/Rhoen-Klinikum-AG-Strategische-Kontakte

"Private Krankenhausträger, wie das Rhön-Klinikum, sind im Aufwind, weil die Kommunen wegen hoher Defizite immer mehr Krankenhäuser veräußern. Ausschlaggebend für den im Vergleich zu Mitbewerbern noch größeren Erfolg von Rhön sind vor allem zwei Faktoren: Einerseits erwirtschaften die Rhön-Krankenhäuser Überschüsse, weil das Konzept der Prozessoptimierung funktioniert. „Arbeitsteilige Fließkonzepte“ nennt Rhön den Ansatz, eine Dienstleistung durch ein reglementiertes Flusssystem herzustellen und durch Spezialisierungen Kosten zu sparen. Andererseits pflegt Eugen Münch, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, exzellente Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern, was dem Geschäft zugute kommt – unter anderem, weil der Übernahme eines kommunalen Krankenhauses in der Regel zähe Verhandlungen mit Politikern, Gewerkschaften und Personalräten vorausgehen....

In einem Thesenpapier beklagte ver.di unter anderem, dass die Krankenhäuser und die Klinikambulanzen weitgehend von der ambulanten fachärztlichen Versorgung ausgeschlossen sind. Es sei „unerträglich“, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung zu einer ausschließlichen Lobbyisten-Organisation der niedergelassenen Ärzte mutiere und ihren Sicherstellungsauftrag für die ambulante ärztliche Versorgung immer mehr aus den Augen verliere, wurde Ulla Derwein in den Medien zitiert. Die doppelte Fachärztestruktur, Mehrfachuntersuchungen und -diagnosen müssten ausgeschaltet werden. Die „wirtschaftliche Monopolstellung“ der Kassenärztlichen Vereinigungen gelte es zu beseitigen. Auch Krankenhäuser und Krankenhausapotheken müssten an einer integrierten Gesamtversorgung teilhaben. Und: Krankenhäuser als weit geöffnete Gesundheitszentren sollten wie ein Gesundheitssupermarkt ein breites Leistungsspektum unter einem Dach anbieten.

"Prof. Dr. med. Dr. sc. Karl W. Lauterbach, enger Berater von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), ist Mitglied des Rhön-Aufsichtsrates und des Beirates. Zusammen mit den Professoren Gerd Glaeske, Bert Rürup und Jürgen Wasem legte Lauterbach im Dezember 2001 das Thesenpapier „Weichenstellung für die Zukunft – Elemente einer neuen Gesundheitspolitik“ vor. Darin wird unter anderem der Übergang des Sicherstellungsauftrags auf die Krankenkassen gefordert."

Herr Lauterbach war lange Aufsichtsratmitglied bei den Rhön Kliniken und ist immerhin Gesundheitsminister geworden.
Und die Abschaffung der doppelten Fachärztestruktur (Fachärzte in Kliniken und niedergelassene Fachärzte) geistert immer noch in den Köpfen vieler Politiker rum.

WiWi18
11.04.2022, 21:53
Herr Lauterbach ist doch kein Entscheidungsträger aus der zweiten Reihe? :-oopss

Nicht vergessen: die Weichen für die aktuelle Situation wurden schon vor Jahrzehnten gelegt. Herr Lauterbach hat sich schon damals sehr für die Aufhebung des Sicherstellungsauftrages durch die KV etc. stark gemacht (böse Zungen behaupten, er wäre Lobbyist für die Rhön Kliniken gewesen). Der Ärzteblatt- Artikel aus dem Jahr 2002 (!!!) zeigte schon damals, wie viel Standing die interessen der bösen Ärzteschaft in politischen Kreisen besaß. Nämlich exakt null. https://www.aerzteblatt.de/archiv/30524/Rhoen-Klinikum-AG-Strategische-Kontakte

"Private Krankenhausträger, wie das Rhön-Klinikum, sind im Aufwind, weil die Kommunen wegen hoher Defizite immer mehr Krankenhäuser veräußern. Ausschlaggebend für den im Vergleich zu Mitbewerbern noch größeren Erfolg von Rhön sind vor allem zwei Faktoren: Einerseits erwirtschaften die Rhön-Krankenhäuser Überschüsse, weil das Konzept der Prozessoptimierung funktioniert. „Arbeitsteilige Fließkonzepte“ nennt Rhön den Ansatz, eine Dienstleistung durch ein reglementiertes Flusssystem herzustellen und durch Spezialisierungen Kosten zu sparen. Andererseits pflegt Eugen Münch, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, exzellente Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern, was dem Geschäft zugute kommt – unter anderem, weil der Übernahme eines kommunalen Krankenhauses in der Regel zähe Verhandlungen mit Politikern, Gewerkschaften und Personalräten vorausgehen....

In einem Thesenpapier beklagte ver.di unter anderem, dass die Krankenhäuser und die Klinikambulanzen weitgehend von der ambulanten fachärztlichen Versorgung ausgeschlossen sind. Es sei „unerträglich“, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung zu einer ausschließlichen Lobbyisten-Organisation der niedergelassenen Ärzte mutiere und ihren Sicherstellungsauftrag für die ambulante ärztliche Versorgung immer mehr aus den Augen verliere, wurde Ulla Derwein in den Medien zitiert. Die doppelte Fachärztestruktur, Mehrfachuntersuchungen und -diagnosen müssten ausgeschaltet werden. Die „wirtschaftliche Monopolstellung“ der Kassenärztlichen Vereinigungen gelte es zu beseitigen. Auch Krankenhäuser und Krankenhausapotheken müssten an einer integrierten Gesamtversorgung teilhaben. Und: Krankenhäuser als weit geöffnete Gesundheitszentren sollten wie ein Gesundheitssupermarkt ein breites Leistungsspektum unter einem Dach anbieten.

"Prof. Dr. med. Dr. sc. Karl W. Lauterbach, enger Berater von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD), ist Mitglied des Rhön-Aufsichtsrates und des Beirates. Zusammen mit den Professoren Gerd Glaeske, Bert Rürup und Jürgen Wasem legte Lauterbach im Dezember 2001 das Thesenpapier „Weichenstellung für die Zukunft – Elemente einer neuen Gesundheitspolitik“ vor. Darin wird unter anderem der Übergang des Sicherstellungsauftrags auf die Krankenkassen gefordert."

Herr Lauterbach war lange Aufsichtsratmitglied bei den Rhön Kliniken und ist immerhin Gesundheitsminister geworden.
Und die Abschaffung der doppelten Fachärztestruktur (Fachärzte in Kliniken und niedergelassene Fachärzte) geistert immer noch in den Köpfen vieler Politiker rum.

Das Kind von Lauterbach ist nicht ernsthaft Zahnmediziner/in? :O

Ansonsten ziemlich erschreckend, was du da beschreibst...

GP1001
12.04.2022, 08:53
Die doppelte Fachärztestruktur, Mehrfachuntersuchungen und -diagnosen müssten ausgeschaltet werden. Die „wirtschaftliche Monopolstellung“ der Kassenärztlichen Vereinigungen gelte es zu beseitigen. Auch Krankenhäuser und Krankenhausapotheken müssten an einer integrierten Gesamtversorgung teilhaben. Und: Krankenhäuser als weit geöffnete Gesundheitszentren sollten wie ein Gesundheitssupermarkt ein breites Leistungsspektum unter einem Dach anbieten.


Mehrfachuntersuchungen und Diagnosen sind nun wirklich nicht sinnvoll. Also da hat er Recht, das sollte vermieden werden. Doppelte Facharztstrukturen (also Fachärzt im ambulanten Bereich und im stationären Bereich) sind ein gewisser Luxus, den wir uns hier (schon lange) leisten. Da kann man lange drüber diskutieren, ob das "gut" oder "schlecht" ist. Man kann argumentieren: Ein selbstständiger Arzt geht mit Resourcen viel effizienter um. Außerdem sei die Tätigkeit als Facharzt in Krankenhäuser hierzulande unattraktiv im internationalen Vergleich, so dass man ihnen die Niederlassung ermöglichen muss.

Wenn er davon spricht die "Wirtschaftliche Monopolstellung" der KV zu beseitigen ist das per Se für die KV-Ärzte und Kassensitzbesitzer schlecht. Ein Monopol möchte man in der Regel behalten.
Allerdings könnte auch die Unterstützung in der Ärzteschaft für die KV bröckeln, wenn insbesondere in Ballungsgebieten es für junge Mediziner kaum mehr möglich ist, sich selbstständig niederzulassen.


Darin wird unter anderem der Übergang des Sicherstellungsauftrags auf die Krankenkassen gefordert."


Es wäre ja ein Wiederhergabe des Sicherstellungsauftrag. Merke initial lag bis 1913 der Sicherstellungsauftrag bei den Krankenkassen. Für Ärzte mit Kassensitz wäre sowas natürlich der Super-Gau. Extrem viel Blut, Schweiß und Geld, was investiert wurde, stände auf dem Spiel. Krankenkassen (und ihre Beiträgszahler) würden sich naturgemäß freuen und versuchen Preise zu drücken.
Es stehen sich zwei Interessengruppen gegenüber, die den Kuchen "Beiträge der KK-Mitglieder" unterschiedlich verteilen wollen. Eine Zwickmühle.

Ich glaube eher, dass man sich im Bundesgesundheitsministerium und im Bundeskartellamt (noch) nicht ausreichend mit dem Thema beschäftigt hat.

Bonnerin
12.04.2022, 09:24
Man möge mich korrigieren, aber ist es nicht in anderen Ländern eher genau andersherum? Also die FÄ arbeiten eher weniger im Krankenhaus, sondern haben eher ein Belegbettensystem mit ambulantem Operieren etc.? Wo ist denn die Tätigkeit im Krankenhaus langfristig attraktiv, von Neurochirurgie etc. mal abgesehen?! Die 24h -Schichten hat man auch in anderen Ländern als FA...

GP1001
12.04.2022, 10:14
Also in GB oder NL als Beispiel gibt es keine ambulanten Fachärzte. Nur die Hausärzte haben ihre Praxis.


Wo ist denn die Tätigkeit im Krankenhaus langfristig attraktiv, von Neurochirurgie etc. mal abgesehen?! Die 24h -Schichten hat man auch in anderen Ländern als FA...

Darum ging's mir garnicht. Ich kenne z.B. einige FÄ oder OÄ und erst Recht Chefärzte in Krankenhäusern, die keine oder sehr wenig sich am Dienstsystem beteiligen. Und dann ist es nochmal ein erheblicher Unterschied, ob man im Hintergrunddienst oder Vordergrunddienst ist.
Es ging darum: Im Krankenhaus hierzulande kannst du maximal Oberarzt werden, oder Chefarzt (aber soviele Stellen gibt's da auch nicht), du bist also fachlich nahezu immer weisungsgebunden. In anderen Ländern steht über dem Consultant niemand fachlich. Und als Praxisinhaber kannst du leicht besser verdienen als im KH.

WiWi18
12.04.2022, 10:48
Also in GB oder NL als Beispiel gibt es keine ambulanten Fachärzte. Nur die Hausärzte haben ihre Praxis.



Darum ging's mir garnicht. Ich kenne z.B. einige FÄ oder OÄ und erst Recht Chefärzte in Krankenhäusern, die keine oder sehr wenig sich am Dienstsystem beteiligen. Und dann ist es nochmal ein erheblicher Unterschied, ob man im Hintergrunddienst oder Vordergrunddienst ist.
Es ging darum: Im Krankenhaus hierzulande kannst du maximal Oberarzt werden, oder Chefarzt (aber soviele Stellen gibt's da auch nicht), du bist also fachlich nahezu immer weisungsgebunden. In anderen Ländern steht über dem Consultant niemand fachlich. Und als Praxisinhaber kannst du leicht besser verdienen als im KH.

Wobei zumindest im UK die Hausärzte auch irgendwie vom NHS angestellt sind, oder?

Alle Systeme haben ihr Vor- und Nachteile. In den Kliniken finde ich das britische System besser; Medizin ist dort eine echte Fachkarriere, und der organisatorische/ betriebswirtschaftliche Aspekt wird an dafür ausgebildete Fachkräfte abgegeben. Die Übernahme von Führungsaufgaben erfolgt dort nur insoweit für die medizinische Versorgung notwendig und die Consultants sind sehr frei in ihrer Arbeit. War zumindest mein subjektiver Eindruck im PJ.

Die (explizite oder implizite) Abschaffung der dualen Versorgung bei gleichzeitiger Weiterführung des bestehenden Hierarchie- und Organisationssystems fände ich für Patienten und Ärzte ziemlich grausam. In manchen unserer Ambulanzen in der Klinik (also in anderen Abteilungen, nicht bei uns) warten die Patienten mit Termin 3-5h, eben weil alles so katastrophal organisiert ist, da niemand sich für die Organisation so richtig verantwortlich fühlt.

ehem-user-20-04-2022-0939
12.04.2022, 14:03
In den Niederlanden sind die Fachärzte aber meist selbstständig und arbeiten in mehreren Kliniken . Ähnlich Honorararzt. Das Einkommen auch deutlich höher. Der Hausarzt hat die Lotsenfunktion. Und wie nicht jeder für die Selbstständigkeit gemacht ist, gibt es auch Leute, die sich keine Angestelltentätigkeit auf Dauer vorstellen können.

GP1001
12.04.2022, 15:43
Die Übernahme von Führungsaufgaben erfolgt dort nur insoweit für die medizinische Versorgung notwendig und die Consultants sind sehr frei in ihrer Arbeit. War zumindest mein subjektiver Eindruck im PJ.

Genau das ist in Deutschland nicht gegeben. Oberarzt ist nicht so frei in seiner Entscheidungsfindung (insb. fachlich) wie Consultant in GB. Der Chefarzt kann dem Oberarzt alles mögliche vorschreiben. Insofern hat man in Deutschland die Option Niederlassung, denn es gibt nicht genug Chefarztposten.
Insgesamt geht es in britischen Krankenhäusern übrigens etwas gesitteter zu. Das ist aber ein anderes Thema. Man kann ja froh sein nicht so Verhältnisse wie in Russland zu haben.

Vom Gehalt her denke ich nicht, dass britische Consultants es mit Praxisinhabern oder Chefärzten in deutschen Kliniken aufnehmen können bis auf ein paar Ausnahmen, die in britischen Zeitungen immer wieder kursieren.


Wobei zumindest im UK die Hausärzte auch irgendwie vom NHS angestellt sind, oder?


Die haben schon ihre eigene Praxis, aber die Kohle wandert natürlich von der großen Einheitskasse NHS rüber. Außerdem muss man da auch mehr anbieten bzw können als GP wie pädiatrische oder gynäkologische Grundversorgung. Wäre bei uns ja unvorstellbar, dass der Hausarzt den PAP Abstrich macht.
Jaja, die Briten, zahlen viel weniger für ihren NHS, aber dafür kriegen sie auch nur Low-Cost, bei uns schwingt doch immer etwas Luxus (noch) mit an manchen Stellen

ehem-user-20-04-2022-0939
12.04.2022, 20:56
Genau das ist in Deutschland nicht gegeben. Oberarzt ist nicht so frei in seiner Entscheidungsfindung (insb. fachlich) wie Consultant in GB. Der Chefarzt kann dem Oberarzt alles mögliche vorschreiben. Insofern hat man in Deutschland die Option Niederlassung, denn es gibt nicht genug Chefarztposten.
Insgesamt geht es in britischen Krankenhäusern übrigens etwas gesitteter zu. Das ist aber ein anderes Thema. Man kann ja froh sein nicht so Verhältnisse wie in Russland zu haben.

Vom Gehalt her denke ich nicht, dass britische Consultants es mit Praxisinhabern oder Chefärzten in deutschen Kliniken aufnehmen können bis auf ein paar Ausnahmen, die in britischen Zeitungen immer wieder kursieren.



Die haben schon ihre eigene Praxis, aber die Kohle wandert natürlich von der großen Einheitskasse NHS rüber. Außerdem muss man da auch mehr anbieten bzw können als GP wie pädiatrische oder gynäkologische Grundversorgung. Wäre bei uns ja unvorstellbar, dass der Hausarzt den PAP Abstrich macht.
Jaja, die Briten, zahlen viel weniger für ihren NHS, aber dafür kriegen sie auch nur Low-Cost, bei uns schwingt doch immer etwas Luxus (noch) mit an manchen Stellen

100%ige Zustimmung

tiw28
13.07.2026, 07:53
Sehr interessant, diesen alten Thread zu lesen. Meine Frage passt jetzt zwar nicht zur Überschrift, ich gehe aber davon aus, dass hier die richtigen Kollegen ansprechen/finden werden:
Wie seht ihr die Auswirkungen des GKV-Stabilisierungsgesetzes auf die nephrologische Praxis? Werden wir nun mit den Nephro-Ziffern in der Sprechstunde budgetiert oder nicht? Die Sachkosten sind ja zum Glück bereits im ersten Entwurf ausgenommen gewesen. Hat sich hier schon jemand damit beschäftigt? Ich finde trotz intensiver Recherche nicht die Infos, die ich suche. Die Stellungsname des DN habe ich gelesen.... LG

Syntax1
22.07.2026, 10:02
Bislang sehe ich ehrlich gesagt kaum Möglichkeiten, sich sinnvoll an das GKV-Stabilisierungsgesetz anzupassen. Wie soll das in der Praxis auch funktionieren? Von der Geschäftsleitung eines großen Konzerns hört man im Wesentlichen nur: mehr arbeiten, mehr Patienten in kürzerer Zeit behandeln und am besten noch mehr sonografieren, damit zusätzliche Leistungen abgerechnet werden können. Wirklich tragfähige Ideen oder Strategien sehe ich dagegen kaum.

Manchmal habe ich den Eindruck, dass Investoren eher ein Mühlstein um den Hals der Ärzte sind. Es wird viel vorgegeben, aber wenig echter Mehrwert geschaffen oder konkrete Unterstützung geleistet.

In der Nephrologie wird das Geld ohnehin überwiegend mit der Dialyse verdient und deutlich weniger mit der ambulanten Sprechstunde. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass auf uns eher magere Zeiten zukommen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wohin sich das System entwickelt.

Auch die Stellungnahme der Verbände wirkt auf mich wenig überzeugend. Am Ende scheint es um ein paar Cent pro Leistung zu gehen und nicht um strukturelle Verbesserungen oder eine wirklich relevante Finanzierung.

Momentan bin ich von der Gesamtsituation ziemlich frustriert: Die Kassen sind leer, gleichzeitig sollen junge Ärztinnen und Ärzte immer mehr leisten ohne angemessene Vergütung. Und manche niedergelassenen Kollegen wirtschaften weiterhin, als gäbe es kein Morgen. Am Ende wird eine seriöse, sorgfältige Medizin eher bestraft als belohnt.

Speranza100
22.07.2026, 18:40
Ich finde der letzte Satz deines Postings fasst es ganz gut zusammen, so geht es mir auch (zunehmend) und es macht mich auch ratlos und frustriert mich. Ein paar kleine Nischen gibt es vielleicht noch, aber ich glaube, die werden immer weniger und enger. Ich gehöre auch eher zu dem Typ, der sich schwer damit abfinden kann, Patienten Leistungen zu verkaufen, weil es anders nicht "lohnt". Ich kann dir leider keine Lösung präsentieren.
Zu deinem vorletzten Satz, dass natürlich auch die Verantwortung bei denen/uns selber liegt, die das System "melken" ohne Sinn und Verstand kann ich nicht gut ertragen.

Syntax1
23.07.2026, 08:58
Manchmal könnte ich mir echt an den Kopf fassen. Zwei Beispiele aus der letzten Zeit:

Ich schicke eine Patientin mit einer auffälligen Nieren-Sono wegen einer komplizierten Zyste zur niedergelassenen Radiologiefabrik. Die macht ein CT-Abdomen mit Kontrastmittel. Im Befund steht dann irgendwas von "sieht komisch aus" und "auffällig", das wusste ich vorher auch schon. Sie stellt sich selbst die Indikation für ein MRT, gibt noch mal Kontrastmittel, rechnet beides ab und schreibt im Befund dann, dass sie die eigentliche Frage nicht beantworten kann, empfiehlt, das Ganze noch mal sonographisch zu korrelieren. Wenn die die Frage nicht beantworten können, wer dann? Frage nicht beantwortet, Geld aus dem System gezogen, Zeit von mehreren Leuten verschwendet. Solche Leute müsste man wirklich mal in die Verantwortung nehmen. Aber so ticken leider viele.

Anderer Fall: Privatversicherter Patient wird ins Krankenhaus geschickt. Kommt zu mir wegen Nierenversagen, hatte Hyperkalzämie, Nierenversagen, schwere Anämie. War drei Monate vorher schon im Krankenhaus: drei Stents und ein Schrittmacher, alles schön abgerechnet. Hatte dort auch ein CT bekommen, um eine Lungenembolie auszuschließen (war wegen Dyspnoe da). Im CT wurden dabei Metastasen in der BWK beschrieben, aber nicht mal in der Epikrise oder im Procedere erwähnt. Befund nicht gewürdigt, Tumor übersehen. Stand alles da, schwarz auf weiß. Ich schicke ihn in ein besseres Krankenhaus, eine Woche später ist der Patient tot.

Das ist einfach eine groteske Fehlversorgung, die wir Ärzte selbst mit zugelassen haben, dass das System so degenerieren konnte. Und das Schlimmste: junge Ärzte lernen das mittlerweile als "normal", einen Herzkatheter wegen einer Influenza zu schieben, weil es sich abrechnungstechnisch lohnt. Thematisiert wird das aber nicht wirklich, sondern alles schön verklausuliert. Am Ende geht's nur ums Geld, damit man selbst überlebt.

Mein alter Chef hat solche Leute, die abrechnen, aber nichts leisten, immer als "Arztdarsteller" bezeichnet. Und die Lösung für das System kann nicht sein, den Zugang zum deutschen Gesundheitssystem für alle möglichen Bewerber aus Nicht-EU-Staaten immer leichter zu gestalten. Wie man hört, haben aktuell schon genug Bewerber mit deutschem Diplom Schwierigkeiten, überhaupt eine Stelle zu finden.

Irgendwie alles krank.

rafiki
23.07.2026, 13:45
Kenne ich, die Psycho-Industrie ist ein sich selbst fütternder Saurier und wundert sich, dass immer weniger Ressourcen zur Verfügung stehen....ganz viel Fehl-(und durchaus auch Über)"versorgung".

tiw28
25.07.2026, 18:50
Danke für deinen Beitrag.


Von der Geschäftsleitung eines großen Konzerns hört man im Wesentlichen nur: mehr arbeiten, mehr Patienten in kürzerer Zeit behandeln und am besten noch mehr sonografieren, damit zusätzliche Leistungen abgerechnet werden können. Wirklich tragfähige Ideen oder Strategien sehe ich dagegen kaum.

Aber gerade die vermehrten Patientenzahlen werden doch in Zukunft budgetiert. Das ist ja gerade das Problem, dass die eh schon wenig lukrative nephrologische Sprechstunde nun auch nicht mehr vollständig vergütet wird. Jetzt ist es ja so, dass die nephrol. Ziffern noch voll bezahlt werden. Sono wird eh nur prozentual ausbezahlt...


In der Nephrologie wird das Geld ohnehin überwiegend mit der Dialyse verdient und deutlich weniger mit der ambulanten Sprechstunde. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass auf uns eher magere Zeiten zukommen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wohin sich das System entwickelt. stimmt. Heit aber nicht dass wir die Sprechstunden nicht auch nutzen sollten. Ich überlege erstmals zu igeln...