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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schwangerschaft in der Klinik verheimlichen?



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HeleneeneleH
16.04.2022, 12:59
Ja , wenn sich das nicht ändert .. naja .

Hat denn jemand Erfahrung , wo man als Arzt anfangen kann zu arbeiten, wenn man bereits schwanger ist ?
Also würde man irgendwo eingestellt werden , wenn man schwanger ist ?

Rettungshase
16.04.2022, 18:51
Ganz ehrlich? Es ist jetzt nicht so, dass sich die Kliniken um schwangere Berufsanfänger reißen.
Es gibt relativ wenige sinnvolle Beschäftigungsmöglichen - je nach Fachgebiet natürlich, aber die aktuelle Situation verschärft leider einiges.

Je nachdem wie weit du mit der Schwangerschaft bist, kannst du das zum Bewerbungsgespräch einfach nicht erwähnen und hast auch hier - weil unzulässig - das Recht zu Lüge, falls du nach einer Schwangerschaft gefragt wirst.
Es kann halt gut sein, dass nach Ablauf der Fristen des Sonderkündigungsrechtes diese Klinik gar nichts mehr mit dir zu tun haben will.

FirebirdUSA
18.04.2022, 12:27
Wenn eine Schwangere nun aber gern arbeiten möchte, empfinde ich es als grobe Ungerechtigkeit, dass man ihr per se jegliche Mitentscheidung abspricht und sie ohne wenn und aber ins Beschäftigungsverbot schicken kann.

Ja das ist juristisch vermutlich sauber. Da Arbeitgeber ansonsten Druck auf Schwangere ausüben könnten "freiwillig" zu arbeiten, ist es nicht erlaubt.
Der Gesetzgeber hat hier auch nicht das Wohl der Schwangeren sondern des Kindes im Blick ...

Miss_H
18.04.2022, 12:43
Der Gesetzgeber hat hier auch nicht das Wohl der Schwangeren sondern des Kindes im Blick ...
Finde ich ziemlich ätzend. Man spricht den Frauen ab, dass sie überlegte Entscheidungen treffen können. Das Leben ist nicht ohne Risiko, aber sobald man schwanger ist, darf man das nicht mehr selbst entscheiden. Extremsportarten ausüben, Rauchen, Saufen, Drogen nehmen kann man, aber Arbeiten ist nicht mehr erlaubt. Das finde ich unverhältnismäßig.

Absolute Arrhythmie
18.04.2022, 13:13
Ja das ist juristisch vermutlich sauber. Da Arbeitgeber ansonsten Druck auf Schwangere ausüben könnten "freiwillig" zu arbeiten, ist es nicht erlaubt.
Der Gesetzgeber hat hier auch nicht das Wohl der Schwangeren sondern des Kindes im Blick ...

War bei mir genau so der Fall. Ich hab "freiwillig" weiter gearbeitet und erst nach einigen Wochen dann für mich entschieden dass es mir zu gefährlich wird mit ansteigender Zahl Covid Patienten (arbeite in einer Internistische Abteilung mit Pneumologie). Hab dafür aber auch "nette" Sprüche vom Chef kassiert ("wenn Sie nicht arbeiten wollen kann ich auch nichts machen"). Andere Kolleginnen haben dem Druck nicht gut Stand gehalten und länger schwanger gearbeitet als sie eigentlich gewollt hätten.
Gibt immer zwei Seiten der Medaille. Und wenn man schwanger ist, hat man auch manchmal plötzlich andere Prioritäten aus man vorher gedacht hat. Ging mir zumindest so.

aschenputtel1977
18.04.2022, 16:02
Ich war froh, als ich dann in der 28. Woche ins komplette BV geschickt wurde... Aber ich war ja auch durch mit der Facharztweiterbildung und ziemlich ausgebrannt nach 10 Jahren Klinik, deswegen fand ich das gar nicht so doof.

Miss_H
18.04.2022, 16:55
Andere Kolleginnen haben dem Druck nicht gut Stand gehalten und länger schwanger gearbeitet als sie eigentlich gewollt hätten.
Was heißt denn wollen?! Wenn es nicht geht, weil man nicht mehr so lange mit Maske einkaeufen kann oder man sonstige Beschwerden bestehen. Dann gibt es das individuelle BV. Da spricht bei Probleme auch überhaupt nichts dagegen, aber jede Schwangere pauschal ins BV zu schicken ist nicht sinnvoll.

Ich war froh, als ich dann in der 28. Woche ins komplette BV geschickt wurde... Aber ich war ja auch durch mit der Facharztweiterbildung und ziemlich ausgebrannt nach 10 Jahren Klinik, deswegen fand ich das gar nicht so doof.
Weil das System scheiße ist und man nach 10 Jahren durch ist, eine Schwangerschaft als willkommene "Ausrede" zu nutzen ist auch nicht Sinn der Sache. Sinnvoller wäre es die Arbeitsbedingungen so zu verbessern, dass man den Job auch über Jahrzehnte machen kann. Und so lange es ein individuelles BV, werden damit der nächsten Schwangeren keine Steine in den Weg gelegt.

Absolute Arrhythmie
18.04.2022, 19:55
@Miss H: die Kolleginnen (und ich auch!) haben einen gewissen Druck verspürt NICHT ins BV zu gehen, obwohl mir zumindest die Arbeit am Patienten aufgrund des Risikos einer Infektion nicht geheuer war und das Arbeiten mit FFP2 auch alles andere als angenehm war, vor allem am Anfang mit der Übelkeit. Nicht jeder kann sich gut für sich und seine Belange einsetzen, da ist es manchmal sinnvoll und im Sinne des Kindes, wenn das von oben entschieden wird.

Miss_H
18.04.2022, 21:32
Ich fände es wichtig, dass man Frauen den Rücken stärkt und sie sich für ihre Rechte einsetzten. Wäre es dann nicht sinnvoller, dass regelmäßig überprüft wird, ob die Regeln eingehalten werden? Ansonsten wird der Arbeitgeber verpflichtet nachzubessern und zwar in kurzer Zeit. Ich kann schon verstehen, dass man sich unwohl fühlt. Allerdings ist man mit Impfung und FFP2 ziemlich gut vor Covid geschützt. Zumindest nicht schlechter als vor den Erkrankungen die es vor Covid auch schon gab.

Rettungshase
18.04.2022, 22:13
Man spricht den Frauen ab, dass sie überlegte Entscheidungen treffen können.

Genau das...

Salzi19
19.04.2022, 08:13
Ich fände es wichtig, dass man Frauen den Rücken stärkt und sie sich für ihre Rechte einsetzten.
Und wer setzt sich dann für die Rechte des Kindes ein? :-nix
Meiner Meinung nach ist es utopisch zu erwarten, dass die Gefährdungslage alle paar Wochen überprüft und angepasst wird von den Verwaltungen bzw. Vom Praxismanagement.

vanilleeis
19.04.2022, 08:36
Wir reden hier von einer Branche, in der selbst Dinge wie eine europäische Arbeitszeitrichtlinie regelmäßig gebrochen wird, bzw. ganze Dienstsysteme auf die Mißachtung dessen aufgebaut werden. Wir wissen doch alle selber, wie der Hase in den Kliniken läuft. Das, was Du schreibst, MissH, wäre wünschenswert, ist aber völlig utopisch

Miss_H
19.04.2022, 09:12
Und wer setzt sich dann für die Rechte des Kindes ein? :-nix

Neues Leben ist schützenswert, daher gibt es Gesetze. Aber hier mit der Moralkeule zu kommen und zu sagen "niemand kümmert sich um das arme schützenswerte Leben" ist auch nicht richtig. Wir sind ein Land in dem wir extrem gut abgesichert sind. Man bekommt im BV sein volles Gehalt (inkl. Dienstausgleich) gezahlt ohne eine Gegenleistung zu erbringen. Außerdem haben wir den Mutterschutz und die Elternzeit. Da muss man den Schwangeren aber nicht jedes Recht auf Selbstbestimmung absprechen. Wie schonmal erwähnt es gibt Frauen die weiter rauchen oder auch Extremsportarten machen. Wieso darf man die Risiken im Berufsalltag nicht selbst abwägen (man darf keine Nachtdienste etc machen, da gibt es schon viele Einschränkungen)? Nur weil man Schwanger ist verliert man doch nicht seine geistigen Fähigkeiten.

Wir reden hier von einer Branche, in der selbst Dinge wie eine europäische Arbeitszeitrichtlinie regelmäßig gebrochen wird, bzw. ganze Dienstsysteme auf die Mißachtung dessen aufgebaut werden. Wir wissen doch alle selber, wie der Hase in den Kliniken läuft.
Ich arbeite nicht in einer solchen Klinik. Bei mir gibt es elektronische Zeiterfassung und auch das Dienstsystem scheint mir rechtlich in Ordnung zu sein. Es steht jedem frei sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Daher arbeite ich auch nicht an meinem Wohnort und muss pendeln.

Endoplasmatisches Reticulum
19.04.2022, 09:28
Es steht jedem frei sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen.
Nach der Logik steht es dir auch frei, dir ein anderes Land zu suchen?

Die Medizinerschaft wird nie müde, mich mit ihrem Eifer zu beeindrucken, die wenigen Gesetze und Regeln brechen zu wollen, die zu ihren Gunsten existieren und tatsächlich mal halbwegs eingehalten werden ...

Miss_H
19.04.2022, 09:52
Nach der Logik steht es dir auch frei, dir ein anderes Land zu suchen?

Die Medizinerschaft wird nie müde, mich mit ihrem Eifer zu beeindrucken, die wenigen Gesetze und Regeln brechen zu wollen, die zu ihren Gunsten existieren und tatsächlich mal halbwegs eingehalten werden ...

Ich habe gar keine Lust in ein anderes Land zu gehen. Ich ziemlich zufrieden in Deutschland. Hohe soziale Absicherung, die ihren Preis kostet (hohe Steuern).
Aber wenn man hier liest, dass man sich nicht für seine Rechte einsetzten kann, weil ja nicht jeder durchsetzungsstark ist, dann muss man eben den Weg des geringsten Widerstandes gehen und einen anderen Arbeitgeber suchen. Ich bevorzuge es mich für meine Rechte einzusetzen (habe zum Spiel meine mit Assistenten dazu gebracht geschlossen opt out zu kündigen und das obwohl ich nicht langfristig dort bleiben wollte und eine der jüngsten Assistentinnnen war). Aber das scheint ja für andere nicht vorstellbar zu sein.
Und als Mann ist es auch leicht zu sagen, dass man doch bitte unverzüglich ins BV geht. Dir entsteht ja kein Nachteil in der Weiterbildung dadurch. Stell dir mal vor es gibt sogar Frauen, die freiwillig weiter operieren wollen, weil sie Spaß daran haben. Und die setzten sich sogar dafür ein. Und es gibt Kliniken in denen das gut funktioniert.

Endoplasmatisches Reticulum
19.04.2022, 09:57
Ich verstehe dich schon. :) Aber Schutzgesetze können eben aus gutem Grund nicht durch Ausnahmekonstellationen für unnötig erklärt werden, die sie "gefühlt" im Einzelfall als nicht gebraucht erscheinen lassen.

Andernfalls könnte man ja z.B. auch das Arbeitsschutzgesetz aufheben, soll doch jedem selbst überlassen sein, ob man freiwillig 80 h in der Woche arbeiten möchte. Oder für weniger als Mindestlohn. Auch da spricht man erwachsenen Menschen das Treffen eigener Entscheidungen ab. Es gibt bestimmt Leute, die das bei entsprechender Bezahlung wollen. Bloß wie schon angesprochen wurde - in unserem System würde das sofort zum Aufbau eines flächendeckenden Zwangs benutzt werden. Und es hat nicht jeder das individuelle Privileg, alle 6 Monate den Arbeitgeber und Wohnort wechseln zu können oder wollen.

HeleneeneleH
19.04.2022, 10:02
Nach der Logik steht es dir auch frei, dir ein anderes Land zu suchen?

Die Medizinerschaft wird nie müde, mich mit ihrem Eifer zu beeindrucken, die wenigen Gesetze und Regeln brechen zu wollen, die zu ihren Gunsten existieren und tatsächlich mal halbwegs eingehalten werden ...


Also zu Gunsten von Studenten ist diese Regel zum Beispiel nicht .
Das Leben des Babys im Bauch der Mutter sollte auch von der Mutter geschützt werden , aber ,,Schwangerschaft ist keine Krankheit " ( außer einem geht es besonders schlecht ) und direkt und ohne Mitspracherecht von der Arbeit ausgeschlossen werden , ist schlicht und ergreifend unfair für alle , die weiter arbeiten möchten ( oder eben im Studium müssen , um irgendwann auch fertig zu werden ) .
Dieses Vorgehen war nicht die Absicht des neuen Mutterschutzgesetzes und es gibt zahlreiche Umfragen , in denen Frauen angeben , seit es dieses neue Gesetz gibt ( das sie schützen soll ) gab es eigentlich nur Probleme und eine negative Entwicklung für Frauen in der Klinik .

Ich finde schon , dass Regeln, die aufgrund der Coronapandemie eingeführt wurden ( schwanger PJ machen unmöglich zu machen zB ) jetzt mit Ende der Pandemie in der Welt überdacht werden muss .

Endoplasmatisches Reticulum
19.04.2022, 10:16
Ich möchte niemandem verbieten, im Krankenhaus weiter zu arbeiten, wenn adäquate Vorkehrungen getroffen und auch eingehalten werden, ohne dass die Durchsetzungspflicht auf die Mutter zurückgeworfen wird. Bloß genau das ist eben der Kackpunkt. Pauschal zu sagen, man sollte es der werdenden Mutter überlassen, ob sie weiterarbeitet, weil sie eine erwachsene Frau ist und selbst Entscheidungen treffen kann, ist aus oben von mir beschriebener Überlegung heraus m.E. eine sehr gefährliche Argumentation und erweist Frauen insgesamt eher einen Bärendienst.

Miss_H
19.04.2022, 11:04
Niemand möchte, dass alle Schwangeren genau so weiter arbeiten wie vorher. (Keine Nachtdienste etc. sind doch schon vorgegeben.) Es geht doch hier viel mehr darum, dass Frauen an der Berufsausübung gehindert werden. Gerade im Fall einer PJlerin ist das doch nicht sinnvoll. Man soll etwas lernen und kann sich jederzeit aus der Situation zurückziehen, weil man nie alleinverantwortlich tätig ist. Und auch als Schwangere sollten sich Aufgaben finden lassen, die man erledigen kann. Und falls nicht, gibt es das individuelle BV. Da muss ja nicht pauschal alle Schwangeren ins BV schicken.

Endoplasmatisches Reticulum
19.04.2022, 11:18
Mal in einer malignen Abteilung PJ gewesen?

Schutzgesetze können nicht schützen, wenn das geschützte Individuum einfach erklären kann, dass sie für es nicht gelten. Das ist richtig und das ist wichtig, denn es kann konzeptuell nicht gewährleistet werden, dass kein unsichtbarer Zwang im Hintergrund wirkt. Siehe das gesamte Opt-out-Fiasko.

Ich verstehe, dass es als PJ doof ist, wenn sich das Studium dadurch verkompliziert oder verlängert. Das ist dann aber eben ein Kollateralschaden, den das Gesetz in Kauf nehmen muss, um nicht praktisch sinn- und wirkungslos zu sein.