Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Excel oder doch Statistikprogramm?
Hallo ,
Ich beginne gerade mit meiner Doktorarbeit und werde dafür einen relativ großen Datensatz auswerten etc.
Meine Betreuerin arbeitet selbst mit Graphpad , da sie SPSS nicht mag - zu umständlich/kompliziert :D Aber dafür gibts keine UniLizenz und es ist mir dafür einfach zu teuer. Sie meinte man kann aber auch viel mit Excel machen.
Ich hab schon die 1. statistische Beratung hinter mir & der Statistikprof meinte er selbst arbeitet mit SPSS (dafür gibts auch ne Lizenz an der Uni auf einen Unirechner)
Er meinte warscheinlich würde bei mir auch Excel ausreichen. ich werde vorallem in der deskriptiven Statistik rumwühlen.
Hab mir zu excel mal 2,3 videos angeschaut -> damit geht ja schon recht viel. Der SPSS Kurs findet leider erst/nur statt wenn sich dort auch 10-15 leute angemeldet haben - vor ca. 3 wochen standen 3,4 Leute auf der Liste.. Aber Videos gibts en masse und ein Buch findet man bestimmt auch.Daran soll es jetzt nicht scheitern
Meine Frage : Arbeite ich mich jetzt in SPSS ein und zieh damit durch, weil es eine richtige Statistiksoftware im Gegensatz zu Excel ist?
Oder mache ich einfach alles mit Excel?
Gibt es "Punktabzug" / sind die Ergebnisse minderwertiger wenn man keine Statistiksoftare benutzt?
Mit was habt ihr gearbeitet?
Endoplasmatisches Reticulum
13.04.2022, 10:05
Da wirst du sehr gegenläufige Meinungen hören.
Ich persönlich finde eine statistische Doktorarbeit, bei der keine marktübliche Statistiksoftware auch nur angefasst wurde, mehr als peinlich. Letztlich soll die Arbeit ja etwas über dein Skillset aussagen. Wenn Statistik der erklärte Schwerpunkt der Arbeit ist, dann solltest du zumindest auch Grundkenntnisse in angwandter Statistik erworben haben. Dazu gehört auch die Benutzung einer angemessenen Sofware. Als Vergleich: Einen Biochemiker, der in seinem Leben keinen einzigen Erlenmeyerkolben in der Hand hatte, würde wohl auch niemand ernst nehmen.
Wenn dein Thema aber inhaltlich von vornherein eher als statistischer Bodensatz konzipiert ist, Excel ausreicht und du mit der Dissertation keine persönlichen Ziele verfolgst, die über das reine Mitnehmen des Doktorgrades hinaus gehen, dann kann gemäß Minimalprinzip Excel die ökonomisch sinnvolle Entscheidung sein.
Wenn du Excel und SPSS beides nicht kannst und dich in beides gleichermaßen einarbeiten müsstest, nimm SPSS.
MissNightingale
13.04.2022, 12:12
Wenn du SPSS kostenlos oder günstig über die Uni bekommen kannst, dann würde ich es mal damit versuchen. Ich will hier aber keine SPSS-Werbung machen - bekomme das Programm kostenlos über die Uni und habe noch keinen Cent dafür bezahlt ;)
Ich hatte auch Respekt vor den statistischen Analysen, bin jetzt aber gerade mit meinem Statistikteil fertig geworden und muss sagen, dass das alles halb so wild war. Die Bedienung von SPSS gefällt mir tatsächlich besser als Excel/Word etc. obwohl ich mit diesen Programmen schon viel länger arbeite. Gerade deskriptive Statistik ist super einfach in SPSS und erfordert nur wenige Klicks. Das ist alles andere als kompliziert. Wichtig ist, dass man eine ordentliche Tabelle in Excel baut, die man dann in SPSS einspeist. Wenn da alles stimmt, dann sind die Analysen ein Klacks. Mir hat der SPSS Kurs der Uni schon geholfen, um zu wissen, wie das Programm in Grundzügen funktioniert, aber es geht sicher auch ohne. Habe mir einige YouTube-Videos und Websites angeschaut, da findet man die üblichen Analysen erklärt.
piandorable
13.04.2022, 14:21
Die coolen Leute benutzen R :cool:
Das kannst du einem durchschnittlichen Medizinstudenten nicht anraten. Die Fragestellungen medizinischer Promotionen sind in ihrer Komplexität meist nicht so abgefahren, dass sie die doch eher hohe Einstiegshürde von R rechtfertigen. Das ist das selbe Spiel wie C++ vs Python ;-)
ProximaCentauri
14.04.2022, 11:08
Kommt wirklich auf die Zielsetzung an. Ich kenne GraphPad, Excel, an der Uni haben wir nun meistens mit STATA gearbeitet... Im Endeffekt: Excel ist halt doof wenn was schiefgeht, man klickt schnell mal in eine Zelle und verschiebt was, etc.pp., ohne dass mans gross will. In grossen Datensätzen fällt das dann kaum auf, kann aber eben zu Fehlern führen. Auch mit Formeln, wenns dann doch noch mal etwas komplizierter wird, oder noch eine zusätzliche Frage/Subanalyse gemacht werden soll, ists dann halt blöd, wenn bisher alles in Excel gelaufen ist. Man macht auch beim Formeln erstellen häufiger Fehler, weil man halt auf irgendwelche Zeilen/Spalten verweist, die dann auch schnell mal falsch liegen (v.a. wenn man unterschiedliche Blätter benutzt).
Und: wenn es publiziert werden soll, wirds in der Tat wohl komisch angeschaut, wenn man dann gar kein Statistikprogramm benutzt hat.
Schau doch noch einmal mit deiner Chefin, ob sie dir allenfalls eine Lizenz besorgen kann, bzw. ob du für die Analyse, wenns nur kurz ist, auch mal ihren PC nutzen kannst?
Ansonsten würde ich mir tatsächlich halt SPSS oder so zulegen, insbesondere wenns eben um eine Publikation geht, oder du später einmal mehr Forschung machen möchtest.
Rettungshase
16.04.2022, 00:11
Hm... also eine Doktorarbeit mit Excel zu schreiben erscheint mir qualitativ ähnlich hochwertig wie als Webdesigner die Graphiken ausschließlich mit Paint zu gestalten...
Der wunderbare Andy Field hat ein lesenswertes Buch über SPSS geschrieben: "Discovering Statistics Using IBM SPSS Statistics". 1104 Seiten leichte Kost über Statistik - früher hatte es noch den Untertitel "without killing yourself".
Zum Einstieg ist das prima und glücklicherweise gibt es immer mal schlaue, nette Köpfe auf youtube, die didaktisch gut aufbereitet Video darüber verfassen, was du da mit dem Programm jetzt anstellen sollst. Dann sparst du dir bestenfalls auch den Kurs.
Leider sind die SPSS-Graphiken in der Regel wenig ansehnlich. Hierfür kann man Excel dann tatsächlich wieder gebrauchen.
Endoplasmatisches Reticulum
16.04.2022, 09:21
Von Field ist auch vor einer Woche das allgemeine Statistikbuch in neuer Auflage erschienen (An Adventure in Statistics). Kann ich wie alles von ihm wirklich sehr empfehlen, schaue da auch nach Jahren immer mal wieder gerne rein. Ist kurzweilig, unterhaltsam und vermittelt trotzdem wichtige Basics, die manch ein Professor nicht drauf hat ...
Leider sind die SPSS-Graphiken in der Regel wenig ansehnlich. Hierfür kann man Excel dann tatsächlich wieder gebrauchen.
Dann aber unbedingt auch ein wenig mit den Formatierungen spielen. Mir kräuseln sich die Zähennägel, wenn ich in Dissertationen die Standard-xy-Plots von Excel sehe und da nichtmal Schriftart, Schriftgröße oder Farbgebung vom Office-Standard umgestellt wurden. Die passen dann insgesamt null zur sonstigen Formatierung der Arbeit und das wirkt dann sehr schnell sehr billig.
(Für die Graphiken könnte kann man sich am Ende aber tatsächlich mal ein oder zwei Tage mit R hinsetzen. Da hat man im Zweifel nicht viel verloren, wenn man wirklich nicht damit klar kommt. Von den Abbildungen in meiner Disse wäre kaum eine in Excel machbar gewesen.)
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