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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : HILFE Facharztwahl!!!



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Feuerblick
22.04.2022, 07:50
@WatchMeRise: Besser „Experten“ als User, die offensichtlich nichts zum Thema beitragen können oder wollen. Bitte solche Kommentare unterlassen, danke!

Gruß
Feuerblick
MediLearn-Moderatorin

im86
22.04.2022, 12:30
Frage: Was ist die beste Fachrichtung für faule Menschen? LG von einer verzweifelten PJlerin

anignu
22.04.2022, 12:37
Übrigens Innere ist während der Assistenzarztzeit zeitlich aufwändiger als Chirurgie.
Das sind dann wieder so Sätze wo man sich überlegt "soll ich jetz drauf antworten?". Denn einerseits ist die Aussage einfach ein völliger Schmarrn, sollte daher auch für jeden Außenstehenden einfach als Schmarrn erkennbar sein, andererseits könnte es auch Leute geben die das glauben. Und das wäre dann schlimm. Also antworte ich doch: diese Aussage ist sowohl in ihrer Pauschalität als auch inhaltlich Schmarrn.
Korrekt wäre: Je nach Gegend, Klinik und Abteilung ist die Assistenzarztzeit in Innere oder Chirurgie aufwändiger.

Und eines sollte man auch nicht vergessen: in der Chirurgie gibt es regelmäßig Eingriffe die nicht um 16 Uhr enden. Und ich kenn genug Abteilungen in denen es den Assistenzärzten entsprechend angekreidet wurde, wenn die sich auslösen ließen. Da hieß es sehr schnell "der hat kein Interesse" und die weitere Förderung ging rapide bergab...

Bonnerin
22.04.2022, 13:09
Frage: Was ist die beste Fachrichtung für faule Menschen? LG von einer verzweifelten PJlerin

Ich gehe mal nicht davon aus, dass das ernst gemeint ist, aber mein morbides Interesse lässt mich doch antworten.

Short: Es gibt keine. Punkt.

Long: Kommt halt drauf an, was "faul" bedeutet. Ich bin auch eher faul, aber ich kann mich und die Arbeit extrem gut organisieren. Dementsprechend habe ich durchaus auch mal Leerlauf auf der Arbeit, aber niemand aus dem Team würde behaupten, ich wäre arbeitsscheu, im Gegenteil.

Wenn man aber so wirklich der klassische Slacker ist, der/die am liebsten schon beim Wort Arbeit würgt, wirds schwer. Aus persönlicher Erfahrung kann ich da aber zumindest in der Assistenzarztzeit Anästhesie in einer großen Abteilung empfehlen. Ich hatte ne handvoll dieser "faulen" Kolleg:innen. Mit denen wollte regelhaft die Pflege am liebsten gar nicht arbeiten. Und wenn man mit denen im Dienst-Team war, hatten alle Angst um die Patient:innen, sodass diese Leute auch so gut wie nie nachts rausgeklingelt wurden. Man wird dann durchaus als so jemand auch von allen verachtet, aber hat bis zum FA (da in solchen Abteilungen oft viel Fluktuation herrscht, sind oft Stellen frei) eine Stelle sicher. Behalten wollen wird man so jemanden als FA aber keinesfalls. Wenn man etwas manipulativ ist, kann man sogar noch ein gutes Abschiedszeugnis rausholen, damit man auch ja nie wieder zurückkommen muss... (So leider in einer handvoll Fällen erlebt, daher nur ein eingeschränktes /s).

@Original TE: Ich glaube, der aktuelle Plan mit Gyn zu Beginn ist nicht schlecht, ein Jahr da wird sicherlich für Päd und/oder Allgemeinmedizin nicht schaden!

RussianAngel
22.04.2022, 17:56
Frage: Was ist die beste Fachrichtung für faule Menschen? LG von einer verzweifelten PJlerin

Super Frage :) Ich gehe eigentlich davon aus, dass die ernst gemeint ist...Diese habe ich mir auch manchmal gestellt...

Ich würde mit Sicherheit sagen: Psychiatrie!!!

Ich bin zwar intellektuell mega super ehrgeizig, aber praktisch: der faulste Mensch, den Du Dir vorstellen kannst...Ein Buch von 1000 Seiten für eine Woche lesen/lernen: kein Problem. Visite um 07:00: OMG, bitte, lasst mir jemand die Kugel geben :D Daher müsste man wahrscheinlich differenzieren, aber auch die rein fachliche Psychiatrie-Materie ist ja auch irgendwie überschaubarer als andere Fachrichtungen (Neuro und Innere z.B.), mit viel "Philosophischem" = Interpretationsraum

Körperlich: nicht anstrengend, wenig Praktisches
Fachlich: viel Interpretationsraum, viel "Allgemeinverstand"
Zeitlich: längere Gespräche, viel Zeit (viel längere Liegedauer/Behandlungsdauer der Pat teils über Jahrzehnte), insgesamt deutlich "entschleunigter"; viele Teamsitzungen, Supervisionen, Intervisionen, sehr viele Seminare und Weiterbildungen; viele Patienten kommen immer wieder und man fängt nicht bei 0 an, sondern kennt sein "Klientel" in der Umgebung in paar Jahren
Praktisch: Wenig körperliche Untersuchung, wenig Blutentnahmen, viel Bürokram
Peers: wenig bis keine Konkurrenz, viel gemeinschaftlicher Geist unter den Kollegen (Ausnahmen gibt es natürlich)
Arbeitszeit: humaner mit weniger Dienstbelastung, Arbeitsanfang etwas später als viele andere Fachrichtungen (teilweise um 09:00 im Krankenhaus, Praxis: you name it :)
Niederlassung: 1 Wohnung mieten und einmal shoppen für die beste Couch (natürlich sehr plakativ gesagt, aber eben wenig Aufwand), viele offene Sitze und viel Bedarf= Entfaltungsraum

Panarteriitis nodosa
22.04.2022, 18:16
Frage: Was ist die beste Fachrichtung für faule Menschen? LG von einer verzweifelten PJlerin
So vieles falsch an dieser Frage! Faulheit sollte kaum existieren, wenn man sich für sein Fach interessiert.

Krankhafte Ursache?!

anignu
22.04.2022, 21:20
So vieles falsch an dieser Frage! Faulheit sollte kaum existieren, wenn man sich für sein Fach interessiert.

Krankhafte Ursache?!
So vieles richtig an dieser Frage! Faulheit ist der Antrieb wodurch Industrialisierung und damit letztlich Wohlstand erst ermöglicht wurde. Nur durch Faulheit besteht der Drang zur Optimierung von Arbeitsprozessen.

Krankhafte Ablehnung von Optimierung?!

Panarteriitis nodosa
22.04.2022, 22:03
Mal im Ernst: Faulheit im eigenen Fach sollte im Normalfall nicht auftreten. Denn Begeisterung kann nicht mit Faulheit einhergehen

anignu
22.04.2022, 23:19
Ich bin der Meinung dass die Frage blöd gestellt ist. Denn es wird nicht klar was mit "Faulheit" gemeint ist. Geht es darum wie man mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel verdient? Geht es drum mit möglichst geringem Aufwand super Arbeitszeiten zu haben? Es wird einfach nicht klar um was es genau geht. Also ist eine so pauschale Antwort grundsätzlich falsch ;-)

Ich begeistere mich auch für mein Fach, aber mache keinerlei weltbewegende Forschung. Bin ich faul? In gewisser Weise schon. Aus der Sicht mancher Leute sicherlich. Auch hab ich gern Listen. Warum? Weil ich keinen Bock hab mir immer wieder die gleichen Dinge zu überlegen oder rauszusuchen. Faulheit. Oder Struktur. Wenn manche Leute einfach mal ihr hohes Roß verlassen würden könnte man sinnvoll drüber reden. Wer jemandem gleich "Krankheit" assistiert ohne die Frage genau verstanden zu haben, braucht sich nicht wundern wenn die betreffende Person nicht mehr antwortet. Aber Hauptsache sich selbst moralisch überlegen fühlen...

Was seid ihr doch alles für Vegetarier! ;-)

rafiki
23.04.2022, 06:24
anignu, das nenne ich Effizienz, nicht Faulheit.
In der Psychomedizin kann man sehr faul sein, ohne dass es besonders auffällt, im Gegensatz z. B. zur Chirurgie (übrigens lese ich gerne deine differenzierten und begeisterten Beiträge aus deinem Fachgebiet). Gute Medizin kommt bei dieser Art Faulheit natürlich nicht heraus. Hinter den vielen Besprechungen und "Visionen" steht nämlich oft irgendeine Geschäftigkeit, aber nicht unbedingt Qualitätssuche und schon gar nicht Effizienz.

Anne1970
23.04.2022, 07:52
Denke, an dem Spruch:“finde eine Tätigkeit, die dich begeistert und du wirst nie wieder arbeiten“, ist einiges richtig.
Das ist ein weites Feld. Ich muss herausfinden, was mir wichtig ist, wo ich meinen „Flow“ finde. Dass das auch ( mindestens zeitweilig) sehr anstrengend sein kann, widerspricht dem nicht.
Persönlich halte ich für mich z.B. den Begriff „Work-Life-Balance“ für falsch. Ich möchte den ganzen Tag „leben“. Was für mich heißt zufrieden, glücklich, überwiegend begeistert zu sein.

Oft geht es darum, wo ich „gut aufgehoben“ bin. Dass ein Süßwasser-Fisch nicht ein Salzwasser-Aquarium passt, ist nicht die Schuld des Fisches aber auch nicht des Aquariums.
Um den richtigen Platz für dich zu finden ( und das kann sich im Leben auch ändern, da man sich ja entwickelt- oder die Umgebung sich ändert) braucht es einen gewissen Aufwand.
Was „gute Medizin“ angeht: Mir hat der Gedanke gefallen, dass ich die Ärztin werden wollte, die ich mir für meine geliebten Menschen ( z.B. Familien-Mitglieder ) wünschen würde.

Anne1970
23.04.2022, 08:02
Aus meiner Erfahrung im PSY-Jahr heraus, denke ich, dass das Fach eins der anspruchsvollsten Fächer ist. Man kann es schlecht „messen“ ( heute 5 OPs, 6 LPs,5 Entlassungen), aber wenn man sich einlässt ( bei aller Notwendigkeit der Abgrenzung!) kann man individuell beim Patienten oder Kollegen und Mitarbeitern wirksam sein. Ich hab das als sehr Energie-fordernd empfunden. Den Patienten-Kontakt eigentlich weniger, als die Auseinandersetzung mit mir selbst in Bezug zum Patienten und den Team-Kolleginnen und -Kollegen in den ausführlichen Besprechungen. Das hat mich weiter gebracht. Mir aber auch gezeigt, dass ich das nicht auf Dauer wollte.

Anne1970
23.04.2022, 08:18
Was Effektives und möglicherweise effizientes Arbeiten angeht, so rate ich den Anfänger-Ärztinnen und -Ärzten „Lernen am Modell“, „Best Practice“. Nimm dir jemanden zum Vorbild und mach es zunächst so wie sie/er. Nach und nach wirst du deine Arbeitsweise für dich selbst optimieren und ein angepasstes/eigenes System haben. Und das bringst du dann den Jüngeren bei. :grins: … wenn sie es denn wollen…

cartablanca
23.04.2022, 08:48
Das sind dann wieder so Sätze wo man sich überlegt "soll ich jetz drauf antworten?". Denn einerseits ist die Aussage einfach ein völliger Schmarrn, sollte daher auch für jeden...

Sie ist deiner Meinung nach Schmarrn und meiner Erfahrung nach richtig...

cartablanca
23.04.2022, 08:50
Denke, an dem Spruch:“finde eine Tätigkeit, die dich begeistert und du wirst nie wieder arbeiten“, ist einiges richtig.

Stimme ich vollumfänglich zu.

Endoplasmatisches Reticulum
23.04.2022, 09:07
Ist es faul, nachts schlafen zu wollen?
Ist es faul, keine 24 Stunden am Stück im Krankenhaus angekettet zu sein?
Ist es faul, keine 60-70 Stunden pro Woche arbeiten zu wollen?
Ist es faul, nicht die Aushilfskraft für jede nicht-akademische Berufsgruppe im KH sein zu wollen?
Ist es faul, nicht für jede Stelle in eine neue Stadt ziehen zu wollen?
Ist es faul, keine unbezahlten Überstunden machen zu wollen?
Ist es faul, keine Sonderaufgaben außerhalb der Arbeitszeit machen zu wollen?
Ist es faul, die eigene Wohlfahrt über diejenige des Chefs und der Kollegen zu stellen?
Ist es faul, keine 3 Stunden jeden Tag pendeln zu wollen?

Nein. Und wenn derartige Überlegungen der Fachwahl zu Grunde gelegt werden, ggf. auch über das reine fachliche Interesse hinweg, ist das sehr gesund. Sowas sind in meiner Erfahrung die Dinge, die bei Ärzten als Faulheit ausgelegt werden und eigentlich keine sind. Der Job als begeisternde Tätigkeit, die so toll ist, dass sie gar nicht als Arbeit empfunden wird, existiert doch im Wesentlichen an zwei Orten auf der Welt: Auf dem Schulhof und im Vokabular des Chefs.

cartablanca
23.04.2022, 09:38
Faule bzw. weniger gewissenhafte Menschen sind häufig kreativer. Ist wissenschaftlich belegt.
Natürlich ist nicht jeder Faulpelz Carl Gauss. Die meisten Faulen sind vermutlich tatsächlich einfach faul.
Ist aber auch nicht schlimm. Man stelle sich vor wir wären alle gleich. Das wäre ja langweilig.
Übrigens haben die Menschen vor Beginn der Industrialisierung im Schnitt 6 Stunden am Tag gearbeitet (Max Weber, die protestantische Ethik). Ich kenn kaum noch einen, der weniger als 10 Stunden am Tag arbeitet. Da muss man sich nicht wundern, wenn die Leute mit Burnout in der Psychosomatikklinik landen.

Feuerblick
23.04.2022, 09:45
In welcher Welt lebst du? In meiner Welt arbeiten sehr viele Menschen weniger als 10 Stunden am Tag… Ich übrigens auch. :-nix

im86
23.04.2022, 10:13
Hallo zusammen,
danke für Eure Antworten. Die Frage ist natürlich etwas überspitzt formuliert :). Ich bin momentan in der Chirurgie und ich muss jeden Tag meinen inneren Schweinehund aufs neue überwinden. Das heißt nicht, dass ich keine Arbeit leiste bzw. von jeder OP mich wegducke. Es kostet mich nur sehr viel Überwindung.

1) Arbeitsbeginn vor 7 Uhr finde ich furchtbar.
2) Länger als 2 Stunden im OP Saal mit Bleischürze zu stehen, ist sehr anstrengend für mich.. z.B. wenn ich bei einer OP, die länger als 4 Std. dauert, eingeteilt bin, bin ich für den Rest des Tages physisch ausgelaugt.
3) Die Mit-PJler bleiben regelmäßig länger als die vorgeschriebene Arbeitszeit; angeblich aus Interesse. Ehrlich gesagt, mich interessiert kein Fach der Welt so stark, dass ich freiwillig 1-2 Std. länger pro Tag leiste (und das für 350 Euro pro Monat...). Falls dann später die Zeiten einigermaßen erfasst sind, ok.
4)Ich finde mein privates Leben schöner als die Arbeit im Krankenhaus. Ist das so verwerflich/falsch? Ich glaube, ich finde keine Fachrichtung, die mich soooo begeistert.
5)Ich will nicht mehr als 45 Stunden pro Woche arbeiten.

Also zusammendfassend finde ich den körperlichen Teil anstrengend. Briefe schreiben, rumtelefonieren und klassische Stationsarbeit machen mir sogar Spaß. Operativ oder interventionell kann ich mich leider null begeistern. Das erste Innere Tertial war extrem gut und hat mir theoretisch Spaß gemacht. Die Nachtdienste waren aber für die Assistenzärzte häufig und auch belastend.

Feuerblick
23.04.2022, 10:21
Naja, es gibt ja doch einige Fachrichtungen, die nicht vor 7 Uhr anfangen, nicht regelhaft Überstunden machen (es sei denn, einzelne Kollegen sind so unorganisiert, dass sie nie fertig werden) und sich nicht für ihre Fachrichtung aufopfern. :-nix