tsb001
20.04.2022, 23:12
Ich habe schon ganz viele Threads zu dem Thema Facharztwahl gelesen, und komme trotzdem nicht so richtig weiter.
Ich würde mich wirklich sehr über jeden Rat freuen!! Vielleicht liegt die Antwort ja auf der Hand und ich musste meine Gedanken einfach mal runterschreiben?? Wie auch immer.
ACHTUNG LANGER TEXT :)
Ausgangssituation
Ich bin 26 und habe mein M3 im Dezember 2021 absolviert. Seitdem mache ich eine kurze Pause, die ich einfach auch mental wirklich gebraucht habe. Das Ende des Studiums (M2, PJ, M3) hat einfach so sehr an mir gezehrt.
Ich war mir vor dem PJ eigentlich sicher, dass es die Pädiatrie werden sollte. Meine Doktorarbeit habe ich da übrigens auch gemacht. Mein Wahltertial war also auch die Pädiatrie in einer Uniklinik. Ich war auf der Allgemeinstation, in der Notaufnahme und in der Neonatologie.
Pädiatrie
Zusammengefasst war es in der Pädiatrie ein lehrreiches PJ, in dem ich "viel" machen durfte (insb. Zugänge legen, Patienten wirklich selbst betreuen). Dennoch war es das PJ was mir am wenigsten Spaß gemacht hat und ich oft, trotz theoretisch "gutem PJ", schnell nach Hause wollte.
Warum? Auf der Allgemeinstation haben mich die Abschlussuntersuchungen irgendwann nur noch genervt. Überspitzt gesagt konnte ich nicht das große Interesse dafür aufbringen ständig Gastroenteritiden, Kinder postoperativ nach Appendektomie und Kinder mit Provokationstestungen zu betreuen. Dieser "Generalisten"-Aspekt und die Sekretärsarbeit waren auch lästig.
In der Notaufnahme wars in Ordnung, aber richtige Notfälle waren relativ gesehen auch selten.
Auf der Neonatologie war es theoretisch am interessantesten, aber SO VIEL PAPIERKRAM UND KLIN. STUDIEN habe ich noch NIE gesehen! So viel Dokumentation, über Wochen wirklich jeden Tag die exakt gleiche Routine.
Andere Tertiale
Chirurgie war mein Lieblingstertial. Besonders die Arbeit in der Notaufnahme: Viele verschiedene Patienten, die Anamnese + Körperliche Untersuchung, die Sonos und die kleinen Interventionen (Frakturversorgung, Wundversorgung). OPs waren für mich in Ordnung (UCH, GCH, Allgemein). Station + Briefe fand ich hier auch nicht schlimm. Also, es hat rundum Spaß gemacht.
Die Innere war rundum auch gut. Das allernervigste waren wohl die gefühlt Tausend Blutentnahmen, lag natürlich auch daran dass man PJler ist. Die Notaufnahme hat mir hier auch am meisten Spaß gemacht. Auch hier der hohe Durchlauf an Patienten, Anamnese + KU, etwas Diagnostik. Der stationäre Teil mit anschließend viel Diagnostik war dann doch etwas seeehr langwierig. Und ja, viel Sekretärsarbeit und Versorgungsproblemen Heimen und Co.
Bisheriges Fazit
Ich hab Medizin als Berufung gesehen, habe aber mit großer Ernüchterung spätestens im PJ einsehen müssen, dass das Arzt-Sein auch "nur" ein Beruf ist. Meine Priorität ist Medizin also nicht mehr, sondern eben besonders meine (zukünftige eigene) Familie + Privatleben. Ich habe noch keine Kinder, würde aber schon gerne mehr als 2 Kinder haben wollen.
Nicht falsch verstehen, ich arbeite sehr gerne, und in jungen Jahren etwas mehr zu arbeiten finde ich in Ordnung. Aber meine Grenzen habe ich ziehen müssen.
Man hat glaube ich rauslesen können, dass mir die Akutmedizin, typische Anamnese + KU + kleine Interventionen/Diagnostik gefällt. Meine Priorität ist aber Familie.
Mein "realistischer" Anspruch ist mittlerweile einfach, dass es mir zumindest einbischen Spaß machen und eben mein Privatleben nicht darunter leiden soll. Gut verdienen tun wir sowieso.
Wenn ich einen Kompromiss eingehen müsste, würde ich lieber einen vergleichsweise "langweiligeren" Bereich auswählen, der aber gut mit Familie kombinierbar ist.
Ich würde auch erstmal den Facharzt mit etwas Spaß machen wollen, kann mir danach aber aufgrund meiner Familienvorliebe, auch wenn "langweilige Routinen", vorstellen mich angestellt niederzulassen/einen Alternativberuf (in Organisationen oÄ) auszuüben (Also nicht mehr als praktizierender Arzt).
Ich stell mir momentan einfach die Frage: Was macht mir am meisten Spaß? Könnte ich eine gewisse Routine ggf. mind. 10, 20…Jahre lang machen? Vereinbarkeit mit Familie?
Ich habe eine komplette neue Re-Evaluation gemacht mit Top 5:
- Anästhesie: Akutmedizin, viel machen…bekannt für die eig. vergleichbar gute Vereinbarkeit mit Familie. Aber größtenteils "nur" im OP hinter dem Tuch für einige Jahre? Weiß nicht.
- Chirurgie: Nope. Das PJ hat mir aufgezeigt, dass ich das praktische gerne mag. Aber ich hätte kein spezielles Interesse an einer Unterdisziplin, und ein rein chirurgisches Fach sehe ich gewissenhaft nur schwer vereinbar mit Familie.
- Innere: Ganz gut an sich. Aber oft schlechte Arbeitsbedingungen zu Beginn. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen als niedergelassener Allgemeinem./Gastro/Kardio etc. tätig zu sein. Wenn "internistisch" würde ich glaube ich doch die Pädiatrie bevorzugen.
- Pädiatrie: Sollte ich einfach mind. ein halbes Jahr in der Pädiatrie arbeiten und dort Beginnen? Hab ja mein Tertial + Doktorarbeit in dem Fach, also gute Vorraussetzungen. Hier habe ich auch gute Teilzeitmodelle erlebt und viele Ärzte mit 2+ Kindern. Ich wäre eventuell bereit den Kompromiss einzugehen praktisch nicht viel zu machen, und nicht immer die spannendsten Fälle zu haben. Und wenn es mir dann als Assistentin immer noch nicht gefällt, kann ich das Fach wechseln und mir diese anrechnen lassen.
- NEU: OB/GYN: Ich hatte Gyn als mein 4. Fach im M3 und muss sagen, dass ich mit "Interesse" gelernt habe. Ich habe nur kleine Eindrücke aus der Gyn: Ich selbst als Patientin und eben einmischen aus dem Blockpraktikum.
Es scheint wirklich eine gute Mischung aus etwas Akutmedizin, Anamnese, Untersuchung, Diagnostik und Interventionen zu sein. Also ein für mich ein Alltag, der mir auch Spaß macht.
Ich wäre zwar "Quereinsteigerin", aber denke dass ich es schaffen würde.
Nur frage ich mich schon ob mir so viel OP Spaß macht und ob es, da viel operativ, gut mit Familie vereinbar ist.
Und wenn es mir doch nicht gefällt in die "langweiligere" Pädiatrie und mein Zeit in der Gyn als Fremdjahr anerkennen?
ANY HELP????
Ich würde mich wirklich sehr über jeden Rat freuen!! Vielleicht liegt die Antwort ja auf der Hand und ich musste meine Gedanken einfach mal runterschreiben?? Wie auch immer.
ACHTUNG LANGER TEXT :)
Ausgangssituation
Ich bin 26 und habe mein M3 im Dezember 2021 absolviert. Seitdem mache ich eine kurze Pause, die ich einfach auch mental wirklich gebraucht habe. Das Ende des Studiums (M2, PJ, M3) hat einfach so sehr an mir gezehrt.
Ich war mir vor dem PJ eigentlich sicher, dass es die Pädiatrie werden sollte. Meine Doktorarbeit habe ich da übrigens auch gemacht. Mein Wahltertial war also auch die Pädiatrie in einer Uniklinik. Ich war auf der Allgemeinstation, in der Notaufnahme und in der Neonatologie.
Pädiatrie
Zusammengefasst war es in der Pädiatrie ein lehrreiches PJ, in dem ich "viel" machen durfte (insb. Zugänge legen, Patienten wirklich selbst betreuen). Dennoch war es das PJ was mir am wenigsten Spaß gemacht hat und ich oft, trotz theoretisch "gutem PJ", schnell nach Hause wollte.
Warum? Auf der Allgemeinstation haben mich die Abschlussuntersuchungen irgendwann nur noch genervt. Überspitzt gesagt konnte ich nicht das große Interesse dafür aufbringen ständig Gastroenteritiden, Kinder postoperativ nach Appendektomie und Kinder mit Provokationstestungen zu betreuen. Dieser "Generalisten"-Aspekt und die Sekretärsarbeit waren auch lästig.
In der Notaufnahme wars in Ordnung, aber richtige Notfälle waren relativ gesehen auch selten.
Auf der Neonatologie war es theoretisch am interessantesten, aber SO VIEL PAPIERKRAM UND KLIN. STUDIEN habe ich noch NIE gesehen! So viel Dokumentation, über Wochen wirklich jeden Tag die exakt gleiche Routine.
Andere Tertiale
Chirurgie war mein Lieblingstertial. Besonders die Arbeit in der Notaufnahme: Viele verschiedene Patienten, die Anamnese + Körperliche Untersuchung, die Sonos und die kleinen Interventionen (Frakturversorgung, Wundversorgung). OPs waren für mich in Ordnung (UCH, GCH, Allgemein). Station + Briefe fand ich hier auch nicht schlimm. Also, es hat rundum Spaß gemacht.
Die Innere war rundum auch gut. Das allernervigste waren wohl die gefühlt Tausend Blutentnahmen, lag natürlich auch daran dass man PJler ist. Die Notaufnahme hat mir hier auch am meisten Spaß gemacht. Auch hier der hohe Durchlauf an Patienten, Anamnese + KU, etwas Diagnostik. Der stationäre Teil mit anschließend viel Diagnostik war dann doch etwas seeehr langwierig. Und ja, viel Sekretärsarbeit und Versorgungsproblemen Heimen und Co.
Bisheriges Fazit
Ich hab Medizin als Berufung gesehen, habe aber mit großer Ernüchterung spätestens im PJ einsehen müssen, dass das Arzt-Sein auch "nur" ein Beruf ist. Meine Priorität ist Medizin also nicht mehr, sondern eben besonders meine (zukünftige eigene) Familie + Privatleben. Ich habe noch keine Kinder, würde aber schon gerne mehr als 2 Kinder haben wollen.
Nicht falsch verstehen, ich arbeite sehr gerne, und in jungen Jahren etwas mehr zu arbeiten finde ich in Ordnung. Aber meine Grenzen habe ich ziehen müssen.
Man hat glaube ich rauslesen können, dass mir die Akutmedizin, typische Anamnese + KU + kleine Interventionen/Diagnostik gefällt. Meine Priorität ist aber Familie.
Mein "realistischer" Anspruch ist mittlerweile einfach, dass es mir zumindest einbischen Spaß machen und eben mein Privatleben nicht darunter leiden soll. Gut verdienen tun wir sowieso.
Wenn ich einen Kompromiss eingehen müsste, würde ich lieber einen vergleichsweise "langweiligeren" Bereich auswählen, der aber gut mit Familie kombinierbar ist.
Ich würde auch erstmal den Facharzt mit etwas Spaß machen wollen, kann mir danach aber aufgrund meiner Familienvorliebe, auch wenn "langweilige Routinen", vorstellen mich angestellt niederzulassen/einen Alternativberuf (in Organisationen oÄ) auszuüben (Also nicht mehr als praktizierender Arzt).
Ich stell mir momentan einfach die Frage: Was macht mir am meisten Spaß? Könnte ich eine gewisse Routine ggf. mind. 10, 20…Jahre lang machen? Vereinbarkeit mit Familie?
Ich habe eine komplette neue Re-Evaluation gemacht mit Top 5:
- Anästhesie: Akutmedizin, viel machen…bekannt für die eig. vergleichbar gute Vereinbarkeit mit Familie. Aber größtenteils "nur" im OP hinter dem Tuch für einige Jahre? Weiß nicht.
- Chirurgie: Nope. Das PJ hat mir aufgezeigt, dass ich das praktische gerne mag. Aber ich hätte kein spezielles Interesse an einer Unterdisziplin, und ein rein chirurgisches Fach sehe ich gewissenhaft nur schwer vereinbar mit Familie.
- Innere: Ganz gut an sich. Aber oft schlechte Arbeitsbedingungen zu Beginn. Und irgendwie kann ich mir nicht vorstellen als niedergelassener Allgemeinem./Gastro/Kardio etc. tätig zu sein. Wenn "internistisch" würde ich glaube ich doch die Pädiatrie bevorzugen.
- Pädiatrie: Sollte ich einfach mind. ein halbes Jahr in der Pädiatrie arbeiten und dort Beginnen? Hab ja mein Tertial + Doktorarbeit in dem Fach, also gute Vorraussetzungen. Hier habe ich auch gute Teilzeitmodelle erlebt und viele Ärzte mit 2+ Kindern. Ich wäre eventuell bereit den Kompromiss einzugehen praktisch nicht viel zu machen, und nicht immer die spannendsten Fälle zu haben. Und wenn es mir dann als Assistentin immer noch nicht gefällt, kann ich das Fach wechseln und mir diese anrechnen lassen.
- NEU: OB/GYN: Ich hatte Gyn als mein 4. Fach im M3 und muss sagen, dass ich mit "Interesse" gelernt habe. Ich habe nur kleine Eindrücke aus der Gyn: Ich selbst als Patientin und eben einmischen aus dem Blockpraktikum.
Es scheint wirklich eine gute Mischung aus etwas Akutmedizin, Anamnese, Untersuchung, Diagnostik und Interventionen zu sein. Also ein für mich ein Alltag, der mir auch Spaß macht.
Ich wäre zwar "Quereinsteigerin", aber denke dass ich es schaffen würde.
Nur frage ich mich schon ob mir so viel OP Spaß macht und ob es, da viel operativ, gut mit Familie vereinbar ist.
Und wenn es mir doch nicht gefällt in die "langweiligere" Pädiatrie und mein Zeit in der Gyn als Fremdjahr anerkennen?
ANY HELP????