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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Zwei feste Termine in der Woche frei aufgrund anderer Verpflichtung, ist das möglich?



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Tulipan
01.05.2022, 01:08
Hallo ihr Lieben!

Ich stehe vor einem ziemlich komplizierten Problem und würde gerne eure Meinungen und Erfahrungswerte hören :-?

Wie der Titel schon sagt werde ich vermutlich über einen längeren Zeitraum aufgrund einer anderen beruflichen Verpflichtung unter der Woche in eine andere Stadt fahren müssen. Mit hin und Rückfahrt und dem Termin würde ich ca. 5-6 Stunden für jeden Termin benötigen, ich denke mit 2 festen Terminen pro Woche komme ich hin. Ich frage mich zur Zeit, ob das mit einer Assistenzarztstelle vereinbar ist und wie ich das kommunizieren könnte.

Das würde bedeuten, dass ich an zwei festen Nachmittagen/Vormittagen nicht im Dienstplan verfügbar wäre. Ist das realistisch?

Weniger anstrengend für mich wäre es, dass ich einen freien Nachmittag + Nacht + freien Vormittag hätte, sodass das ich jeweils nur zwei Fahrten hätte. Aber das würde vermutlich bedeuten, dass ich zwei ganze Tage unter der Woche blockieren müsste... in dem Fall wäre das vielleicht mit einer Teilzeitstelle machbar? Wie seht ihr das?

Oder aber es wäre möglich abzusprechen, dass ich zum Beispiel an Tag 1 immer aus der Nacht kommen könnte, aber keinen anderen Dienst machen kann, und an Tag zwei wiederum immer für einen Spät- oder einen Nachtdienst verfügbar wäre?

Ich bin viel am hin und her überlegen ob ich das alles unter einen Hut bekomme und wie ich meine Termine gestalten kann. Ich denke, mit weniger als zwei Terminen komme ich leider nicht hin. Entschuldigt, dass ich hier nicht mehr preisgebe, ich möchte nicht zu viele persönliche Infos im Netz wissen. Aber vielleicht äußert sich der ein oder andere dennoch.
Vielen Dank schon mal! :-blush

morgoth
01.05.2022, 06:57
Dass das Ganze nebulös ist, hast du ja schon geschrieben.

- Warum die zweite Tätigkeit nicht überwiegend im Homeoffice? Ich gehe davon aus, dass du nicht pendelst, um irgendwo am Band zu stehen oder Haare zu schneiden.
- Warum die zwei Termine nicht auf den gleichen Tag legen? Mit 5-6 Stunden pro Block sollte sich das doch eigentlich gut ausgehen, wenn du jeweils abends hin- und zurückfährst.
- Wie du selbst schon herausgefunden hast, muss das über eine Teilzeitstelle gehen. Du kannst nicht einen Vollzeitvertrag unterschreiben und davon ausgehen, dass du immer dasselbe Dienstfrei hast. Vollzeit im Krankenhaus bedeutet (von Schichtdienst abgesehen), dass du dem Arbeitgeber in aller Regel an den Werktagen vor- und nachmittags zur Verfügung stehst.
- Es kommt darauf an, wo du arbeitest. In meiner psychiatrischen Weiterbildung waren wir je 2 Assistenzärzte auf einer größeren Station. Da kann ich mir dein Modell mit halben freien Tagen ohne Weiteres vorstellen.
- In anderen Modellen (nur 1 Assistenzarzt pro Station, täglich einige Aufnahmen und Entlassungen, viel zeitnah zu regeln) werden die Kollegen/Oberärzte einiges kompensieren müssen.
- Deine Weiterbildung verlängert sich um mindestens ein paar Monate.
- Von einer regelmässigen Verplanung des Dienstfrei für Fahrten/andersweitige Tätigkeiten würde ich persönlich abraten, aber es gibt bestimmt fleissigere Menschen als mich.

Bonnerin
01.05.2022, 07:51
Teilzeitstelle, die entsprechenden beiden Tage schriftlich als frei fixieren und dann den Termin woanders irgendwie mittags hinlegen, sodass du morgens hinfährst und abends dann zurück? Das wäre dann in etwa eine 60% Stelle mit zwangsläufiger Verlängerung der Weiterbildung.

Ansonsten muss aber generell dein Arbeitgeber über das andere Arbeitsverhältnis informiert sein, das solltest du auch auf jeden Fall wissen.
Und du kannst dich auf Fragen einstellen, warum du nicht eine Stelle in der Nähe des dubiosen Nebenjobs haben willst, um das Pendeln zu verringern.

Pflaume
01.05.2022, 08:12
Die Wünsche lassen sich mit einer Tätigkeit in der Patientenversorgung kaum vereinbaren. Selbst Rehakliniken oder Psychosomatiken erlauben meines Wissens im allgemeinen höchstens einen festen freien Tag pro Woche. Da müßte ein Arbeitgeber schon extrem verzweifelt sein, und du kannst egal wo du arbeitest fest davon ausgehen, dass du ganz hinten auf dem Abstellgleis landest, was irgendwelche Weiterbildung angeht. Wenn man dich überhaupt einstellt.

Wenn du mit so einem Ansinnen in irgendeiner Klinik aufschlägt, weiß jeder sofort, dass du im Grunde gar nicht da arbeiten willst. Oder insgesamt gar kein Arzt / keine Ärztin sein willst. Warum sollte man jemanden einstellen, der so dermaßen deutlich macht, dass er eigentlich überhaupt keinen Bock auf den Job hat und seine Priorität ganz klar nicht nur bei Familie oder Freizeit, sondern sogar bei einem anderen Arbeitgeber liegt?

Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht irgendwelche Kliniken gibt, die das auf die Weise darstellen können, dass man eben auch am Wochenende arbeitet mit vollem Freizeitausgleich unter der Woche. In einer Notaufnahme, wenn du dich bereit erklärst, viele Wochenenden und Nächte zu arbeiten. Aber auch das geht nur mit etwas Berufserfahrung und wenn man das Haus immerhin schon kennt. Und es dürfte schnell ziemlich frustrierend sein.

Bist du ärztlicher Berufsanfänger? Klingt so.

Wenn du Glück hast, findest du einen Blutspendedienst oder so etwas, die so etwas umsetzen können, weil sie z.B. noch eine andere Teilzeitkraft haben, die korrespondierend mit dir frei geplant werden kann. Aber dein Wunschmodell ist schon extrem ungewöhnlich. Du kannst nur viele potentielle Arbeitgeber in deiner Umgebung fragen und das Beste hoffen. Dich beruflich ärztlich entwickeln wirst du mit so einem Modell aber sicher nicht.

docdean
01.05.2022, 10:25
Wenn du mit so einem Ansinnen in irgendeiner Klinik aufschlägt, weiß jeder sofort, dass du im Grunde gar nicht da arbeiten willst. Oder insgesamt gar kein Arzt / keine Ärztin sein willst. Warum sollte man jemanden einstellen, der so dermaßen deutlich macht, dass er eigentlich überhaupt keinen Bock auf den Job hat und seine Priorität ganz klar nicht nur bei Familie oder Freizeit, sondern sogar bei einem anderen Arbeitgeber liegt?

Du übertreibst hier aber ganz schön. Je nachdem, wie medizinnah die andere Verpflichtung ist, ist das überhaupt kein Problem. Manche Ärzte lassen sich für die Lehre freistellen, weil sie Vorlesungen oder Seminare an irgendeiner Uni halten oder Erste-Hilfe-Kurse. Oder sie sind in einer Forschungsgruppe aktiv, nach oder während der Doktorarbeit. Auch eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft wär denkbar, z.B. wenn man irgendwas Digitales im Medizinbereich mitentwickelt. Und solange der andere Job nicht überfordert, kann er auch positive Einflüsse bringen.

Am Ende kommt es nur auf den Arbeitgeber, die Kollegen und die Fachrichtung an. Wenn das Team recht groß ist, ist der Dienstplan flexibel genug. Wenn man nicht der einzige Stationsarzt ist, ich man nicht unverzichtbar. Was sein kann, ist, dass man in der Weiterbildung möglicherweise niedriger priorisiert wird oder die Kollegen es "unfair" finden, wenn sich einer die Rosinen aus dem Dienstplan pickt. Aber da ist jedes Team anders, es gibt auch sehr benigne und supportive Teams, solange der Chef für gute Rahmenbedingungen sorgt.

morgoth
01.05.2022, 10:55
Du übertreibst hier aber ganz schön. Je nachdem, wie medizinnah die andere Verpflichtung ist, ist das überhaupt kein Problem. Manche Ärzte lassen sich für die Lehre freistellen, weil sie Vorlesungen oder Seminare an irgendeiner Uni halten oder Erste-Hilfe-Kurse. Oder sie sind in einer Forschungsgruppe aktiv, nach oder während der Doktorarbeit. Auch eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft wär denkbar, z.B. wenn man irgendwas Digitales im Medizinbereich mitentwickelt. Und solange der andere Job nicht überfordert, kann er auch positive Einflüsse bringen.

Am Ende kommt es nur auf den Arbeitgeber, die Kollegen und die Fachrichtung an. Wenn das Team recht groß ist, ist der Dienstplan flexibel genug. Wenn man nicht der einzige Stationsarzt ist, ich man nicht unverzichtbar. Was sein kann, ist, dass man in der Weiterbildung möglicherweise niedriger priorisiert wird oder die Kollegen es "unfair" finden, wenn sich einer die Rosinen aus dem Dienstplan pickt. Aber da ist jedes Team anders, es gibt auch sehr benigne und supportive Teams, solange der Chef für gute Rahmenbedingungen sorgt.

Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.
Du glaubst doch nicht, dass der TE monatelang zweimalwöchentlich wegen eines Erste Hilfe-Kurses oder sonstiger Lehre pendelt?

Milana
01.05.2022, 12:01
Die Wünsche lassen sich mit einer Tätigkeit in der Patientenversorgung kaum vereinbaren. Selbst Rehakliniken oder Psychosomatiken erlauben meines Wissens im allgemeinen höchstens einen festen freien Tag pro Woche. Da müßte ein Arbeitgeber schon extrem verzweifelt sein, und du kannst egal wo du arbeitest fest davon ausgehen, dass du ganz hinten auf dem Abstellgleis landest, was irgendwelche Weiterbildung angeht. Wenn man dich überhaupt einstellt.

Wenn du mit so einem Ansinnen in irgendeiner Klinik aufschlägt, weiß jeder sofort, dass du im Grunde gar nicht da arbeiten willst. Oder insgesamt gar kein Arzt / keine Ärztin sein willst. Warum sollte man jemanden einstellen, der so dermaßen deutlich macht, dass er eigentlich überhaupt keinen Bock auf den Job hat und seine Priorität ganz klar nicht nur bei Familie oder Freizeit, sondern sogar bei einem anderen Arbeitgeber liegt?

Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht irgendwelche Kliniken gibt, die das auf die Weise darstellen können, dass man eben auch am Wochenende arbeitet mit vollem Freizeitausgleich unter der Woche. In einer Notaufnahme, wenn du dich bereit erklärst, viele Wochenenden und Nächte zu arbeiten. Aber auch das geht nur mit etwas Berufserfahrung und wenn man das Haus immerhin schon kennt. Und es dürfte schnell ziemlich frustrierend sein.

Bist du ärztlicher Berufsanfänger? Klingt so.

Wenn du Glück hast, findest du einen Blutspendedienst oder so etwas, die so etwas umsetzen können, weil sie z.B. noch eine andere Teilzeitkraft haben, die korrespondierend mit dir frei geplant werden kann. Aber dein Wunschmodell ist schon extrem ungewöhnlich. Du kannst nur viele potentielle Arbeitgeber in deiner Umgebung fragen und das Beste hoffen. Dich beruflich ärztlich entwickeln wirst du mit so einem Modell aber sicher nicht.

Ohje, na wenn man das mal extrapoliert und als Elternteil eines Kindes, das Teilzeit arbeitet, die gleiche Antwort sogar von Kollegen bekommt, braucht sich echt keiner mehr wundern...

Ich hatte gehofft, solche Ansichten würden mit den alten Chefs aussterben.

Wie wäre es denn, auch Leute in "Teilzeit" anständig weiter zu bilden, damit sie sich ärztlich entwickeln? Meine Vollzeitstelle hatte diese Woche gute 80 Stunden mit Diensten, ich hatte eigentlich vor auch in absehbarer Zeit zu reduzieren, aber da kann ich wohl meine "ärztliche Entwicklung" am den Nagel hängen...
Aber ich bin ja auch nur ein Familie-priorisierender, Freizeit-affiner Gen Y :-))

docdean
01.05.2022, 13:23
Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.
Du glaubst doch nicht, dass der TE monatelang zweimalwöchentlich wegen eines Erste Hilfe-Kurses oder sonstiger Lehre pendelt?

Hat keiner behauptet, geht uns auch nix an, spar dir den Blödsinn einfach.

Nefazodon
01.05.2022, 13:45
Du übertreibst hier aber ganz schön. Je nachdem, wie medizinnah die andere Verpflichtung ist, ist das überhaupt kein Problem. Manche Ärzte lassen sich für die Lehre freistellen, weil sie Vorlesungen oder Seminare an irgendeiner Uni halten oder Erste-Hilfe-Kurse. Oder sie sind in einer Forschungsgruppe aktiv, nach oder während der Doktorarbeit. Auch eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft wär denkbar, z.B. wenn man irgendwas Digitales im Medizinbereich mitentwickelt. Und solange der andere Job nicht überfordert, kann er auch positive Einflüsse bringen.

Am Ende kommt es nur auf den Arbeitgeber, die Kollegen und die Fachrichtung an. Wenn das Team recht groß ist, ist der Dienstplan flexibel genug. Wenn man nicht der einzige Stationsarzt ist, ich man nicht unverzichtbar. Was sein kann, ist, dass man in der Weiterbildung möglicherweise niedriger priorisiert wird oder die Kollegen es "unfair" finden, wenn sich einer die Rosinen aus dem Dienstplan pickt. Aber da ist jedes Team anders, es gibt auch sehr benigne und supportive Teams, solange der Chef für gute Rahmenbedingungen sorgt.

Naja, wenn ich entscheiden müsste, was realistischer ist, würde ich mich eher Pflaumes Tenor anschließen, persönlich.
Wenn ich Chef wäre, wäre es für mich ein Red flag, wenn jemand im Bewerbungsgespräch danach fragte...
Das klingt nämlich so, als wäre der Bewerber gar nicht flexibel, um heldenhaft seine eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen und die Bedürfnisse der Klnik zu erfüllen.
Man darf nicht vergessen, dass oftmals vor allem billige und willige Arbeitskräfte gesucht werden.:-keks

Es soll ja schon vorgekommen sein, dass in Bewerbungsgesprächen nach Hobbies gefragt wurde, aber nicht um Smalltalk zu machen, sondern um die Bewerber mit zeitintensiven Hobbies auszuschließen....:D:D:D

Klar gibt es benigne Abteilungen und Chefs, die supportiv sind. Aber meistens ist das auch eher dann der Fall, wenn jemand schon etabliertes Mitglied im Team ist und sich dann selbstverwirklichen will. Warum sollte man für einen externen, fremden Bewerber diese Mühen auf sich nehmen?

Also, sorry, aber ich halte Pflaumes Darstellung für realistischer.

Aber letztlich wird dem TE eh nichts anderes übrig bleiben, als zu fragen, oder?
Wäre nett, wenn er dann hier seine Erfahrungen posten würde. Vielleicht seh ich ja alles zu negativ.

Nefazodon
01.05.2022, 13:53
Ohje, na wenn man das mal extrapoliert und als Elternteil eines Kindes, das Teilzeit arbeitet, die gleiche Antwort sogar von Kollegen bekommt, braucht sich echt keiner mehr wundern...

Ich hatte gehofft, solche Ansichten würden mit den alten Chefs aussterben.

Wie wäre es denn, auch Leute in "Teilzeit" anständig weiter zu bilden, damit sie sich ärztlich entwickeln? Meine Vollzeitstelle hatte diese Woche gute 80 Stunden mit Diensten, ich hatte eigentlich vor auch in absehbarer Zeit zu reduzieren, aber da kann ich wohl meine "ärztliche Entwicklung" am den Nagel hängen...
Aber ich bin ja auch nur ein Familie-priorisierender, Freizeit-affiner Gen Y :-))

@Milana: Aber da vergleichen wir dann jetzt doch Äpfel mit Birnen oder? Die Situation, die Du beschreibst, ist ganz und gar nicht die, die der TE beschreibt.
Für deine Situation hätte denke ich jeder Verständnis, aber die Situation des TE klingt, ohne Einzelheiten zu kennen, eher nach Sonderwünsche=red flag.

Und selbst Du hast gerade geschrieben, dass die Arbeitsbelastung auf deiner Vollzeitstelle 80h ausmacht...eher nicht vereinbar mit dem, was der TE sich wünscht, oder?
Man muss sich das mal überlegen: Wenn Du auf 50% reduzieren würdest, hättest Du, wenn deine Angabe so stimmt, eine 40h Woche. Also das, was für den Normalsterblichen eine normale Vollzeitstelle ist....
Freilich verlängert sich für dich als Ärztin dadurch die Weiterbildungszeit auf das Doppelte...klar, wenn man nur 40h arbeitet:-wand

Und unter den Bedingungen hältst Du das Ansinnen des TE für realistisch?

docdean
01.05.2022, 14:29
Klar, das macht einen nicht attraktiver. Aber wenn man ein guter Bewerber ist (oder die Klinik verzweifelt), ist das nicht zwangsläufig ein KO-Kriterium, und darum ging es ja. Und in den Abteilungen, in denen es ein KO-Kriterium ist, weil der Chef 200% Engagement bei 80% Bezahlung erwartet, will man eh nicht arbeiten.

][truba][
01.05.2022, 14:47
Manchmal haben hier Leute auch seltsame Vorstellungen was man als Arbeitgeber (und Kollege) alles akzeptieren soll.

Wäre ich Chef und hätte eine Vollzeitstelle frei, stelle ich natürlich jemanden ein der diese auch besetzen kann.
Hab ich eine Teilzeitstelle frei, würde ich vermutlich auch den Ersteller dieses Themas einstellen. Mir ist ja egal wann die Person, die diese Stelle besetzt, da ist und so weiter. Ich würde allerdings auch mein Team fragen. Und auch wenn ich mich unbeliebt mache, würde ich sicherlich keinen Kollegen haben wollen der derart unflexibel ist. Was ist wenn ich mal an dem Tag frei brauch und das geht nicht weil er diesen Tag immer frei haben "muss". Flexibilität und Rücksicht ist keine Einbahnstraße.

Kann mit Sicherheit klappen aber da muss man vermutlich ein wenig suchen bis es für alle Beteiligten passt.

Nefazodon
01.05.2022, 14:59
[truba][;2232787'] Und auch wenn ich mich unbeliebt mache, würde ich sicherlich keinen Kollegen haben wollen der derart unflexibel ist. Was ist wenn ich mal an dem Tag frei brauch und das geht nicht weil er diesen Tag immer frei haben "muss". Flexibilität und Rücksicht ist keine Einbahnstraße.

Richtig. Und genau das ist das Problem....


Oder aber es wäre möglich abzusprechen, dass ich zum Beispiel an Tag 1 immer aus der Nacht kommen könnte, aber keinen anderen Dienst machen kann, und an Tag zwei wiederum immer für einen Spät- oder einen Nachtdienst verfügbar wäre?

Was der TE vorschlägt, klingt erstmal nach nem gangbaren Weg, aber man muss sich klar machen, dass das für den Dienstplanenden dann maximal unflexibel ist.
Was ist denn, wenn an dem Tag jemand anderes gerne den Nachdienst hätte?
Gerade die Nachtdienste am Donnerstag waren auf einer meiner vorherigen Stellen sehr beliebt (=langes Wochenende)...

Es dürfte für Unfrieden im Team sorgen, einen Dienst einfach so fest zu vergeben. Zumindest ist es denkbar, dass es potenziell eher für Unfrieden sorgt...

Ich kann man mich an eine Kollegin von früher erinnern, die auf Teilzeit reduziert hat...Ursprünglich hatte sie jeden Freitag frei....es stellte sich jedoch heraus, dass das schlecht machbar war, weil gerade freitags das Arbeitsaufkommen regelmäßig sehr hoch war...
Resultat war, dass diese Kollegin beinahe regelmäßig gebeten wurde einzuspringen, was sie dann auch tat...
Eher nicht das was der TE sich vorstellt.

Als Chefarzt muss man sich gut überlegen, ob man so jemanden einstellt und solche Wünsche von Beginn an möglich macht. Denn man muss immer bedenken, dass man auch die Wünsche der anderen Teammitglieder bedienen muss, die vielleicht auch, z.B. aus familiären Gründen reduzieren möchten. Solche weitreichenden Zusagen von Anfang an zu machen, könnte für Unfrieden sorgen.
Das System funktioniert nunmal leider oft nicht gut genug, dass alle in Teilzeit gehen und ihre Wunscharbeitszeiten bekommen könnten.
Die Realität in der Klinik sieht doch leider so aus, dass von uns Ärzten oftmals maximale Flexibilität verlangt wird um die Bedürfnisse und Notwendigkeiten des Dienstplans zu erfüllen.

Und klar, Ausnahmen gibt es und kann es geben, gerade auch für etablierte Mitarbeiter, die man halten möchte.

Aber warum sollte man als Chef einen Kandidaten mit solchen Wünschen einstellen, wenn es noch irgendjemanden anderen gibt...?
Selbst wenn es niemanden anderen gäbe, muss man sich doch ernsthaft überlegen, ob man sich mit so einem Bewerber nicht mehr Schwierigkeiten einkauft, als man löst, weil das eben allen anderen maximale Flexibilität abverlangt und daher auch Begehrlichkeiten und Unzufriedenheit weckt...

Ich sage nicht, dass es unmöglich ist eine entsprechende Stelle zu finden. Ich sage nur, dass ich, wenn ich Chef wäre so jemanden eher nicht einstellen würde.:-nix (wohlgemerkt: nicht aus Böswilligkeit oder Anspruchshaltung "früher haben wir sowas nie gemacht" etc, sondern einfach, weil ich darauf achten müsste, dass es in meiner Abteilung "gerecht" zugeht und dass alle zufrieden sind)
Man muss sich halt bewusst machen, dass soetwas bei der Einstellung ein deutlicher Malus ist.

Pflaume
01.05.2022, 16:20
Ohje, na wenn man das mal extrapoliert und als Elternteil eines Kindes, das Teilzeit arbeitet, die gleiche Antwort sogar von Kollegen bekommt, braucht sich echt keiner mehr wundern...
[...]
Wie wäre es denn, auch Leute in "Teilzeit" anständig weiter zu bilden, damit sie sich ärztlich entwickeln? Meine Vollzeitstelle hatte diese Woche gute 80 Stunden mit Diensten, ich hatte eigentlich vor auch in absehbarer Zeit zu reduzieren, aber da kann ich wohl meine "ärztliche Entwicklung" am den Nagel hängen...
Aber ich bin ja auch nur ein Familie-priorisierender, Freizeit-affiner Gen Y :-))
Zwischen einer Vollzeit-Stelle mit 80 Stunden und "ich will als Assistenzarzt anfangen, aber jede Woche zwei feste Tage kann ich auf keinen Fall, da habe ich nämlich wichtigere berufliche Verpflichtungen" liegt aber eine Menge Luft, die man gestalten kann.

Und so etwas wie OP will mit einer Teilzeit-Stelle wegen Kindererziehung zu vergleichen ist bestenfalls Äpfel und Birnen, in der Realität wohl eher Zitrone und Schnitzel. Schon allein die Motivation dahinter ist eine völlig unterschiedliche. Und ich habe noch keinen Kindererzieher getroffen, der eine Teilzeit-Stelle mit zwei festen freien Tagen wollte. Die wollen im allgemeinen täglich arbeiten, aber jeden Tag früher gehen oder eventuell auch später kommen. Vielleicht noch einen Tag die Woche fest frei. Alles mögliche lässt sich leichter in einem Klinik-Dienstplan für einen Berufsanfänger verwirklichen als zwei feste freie Tage jede einzelne Woche.

Vielleicht macht das, was OP will, irgendein Klinik-Arbeitgeber aus irgendeinem Grund tatsächlich, aber es ist doch wohl sonnenklar, dass damit die Bereitschaft auf Entgegenkommen in anderen Dingen weitgehend aufgebraucht ist, erst recht dann, wenn derjenige die zwei freien Tage haben will nicht etwa für etwas typisch Menschliches wie Kindererziehung, die man irgendwie wuppen muß, sondern um an den Tagen *woanders* zu arbeiten. *Selbstverständlich* werde ich mich als Oberarzt mehr um die Ausbildung von jemandem bemühen, der jeden Tag der Woche da ist und irgendeine Form von Perspektive bietet, mich bei meiner Arbeit zu entlasten, und auch mehr um jemanden der wegen Kindererziehung nur in Teilzeit arbeitet, aber hoffentlich langfristig der Klinik erhalten bleibt und auf jeden Fall als Arzt arbeiten will, als um jemanden, der mit "ich brauche auf jeden Fall zwei Tage pro Woche frei für meinen anderen Job in einer anderen Stadt, den will ich nämlich keinesfalls aufgeben, um eine Facharzt-Ausbildung zu beginnen" ankommt. Wird ziemlich schwer, einen Klinik-Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass dieses Arbeitsverhältnis nicht von Beginn an zum Scheitern verurteilt ist.

Man schleift als Arbeitgeber alle möglichen Leute durch. Mangelnde Kenntnisse, vor denen viele Anfänger Angst haben, sind gar nicht so ein Problem wie es von den Bewerbern empfunden wird: Alles nötige bringt man fast jedem schnell bei, und selbst wenn es etwas länger dauert, kann derjenige es dann trotzdem irgendwann und wächst. Das, was ein Arbeitsverhältnis zum Scheitern verurteilt, ist eine unpassende Persönlichkeit und Interessenslage, und, jawohl, "ich hab noch einen anderen Job in einer anderen Stadt und brauche deshalb von Anfang an 2 feste Tage pro Woche frei" ist für mich ein bombiger Indikator dafür, dass das wahrscheinlich nicht paßt. Wir reden hier von einer Bewerbung für eine Tätigkeit als Assistenzarzt in einer Klinik, nicht von einer Bewerbung als Aushilfe bei McDonalds.

Anne1970
01.05.2022, 16:26
80h? Buchstäblich?! Hoffentlich wenigstens mit Zeitausgleich zeitnah? Das Arbeitszeitgesetz gilt auch für Ärztinnen und Ärzte. Europaweit.

Tulipan
01.05.2022, 19:27
Vielen Dank euch allen für eure bisherigen Antworten und die rege Diskussion - ich sehe, dass es die meisten hier ähnlich problematisch sehen wie ich.
Eine offene Kommunikation mit meinem etwaigen Arbeitgeber würde ich ebenfalls anstreben, die Probleme, die das für Dienstpläne und die Stimmung im Team sowie meine eigene Weiterbildung und Flexibilität aufwirft verstehe ich und sehe ich ebenso.



Dass das Ganze nebulös ist, hast du ja schon geschrieben.

- Warum die zweite Tätigkeit nicht überwiegend im Homeoffice? Ich gehe davon aus, dass du nicht pendelst, um irgendwo am Band zu stehen oder Haare zu schneiden.
- Warum die zwei Termine nicht auf den gleichen Tag legen? Mit 5-6 Stunden pro Block sollte sich das doch eigentlich gut ausgehen, wenn du jeweils abends hin- und zurückfährst.
- Wie du selbst schon herausgefunden hast, muss das über eine Teilzeitstelle gehen. (...)
- Deine Weiterbildung verlängert sich um mindestens ein paar Monate.

Gute Punkte. Das wird vermutlich nicht realistisch sein, da gebe ich dir recht. Da es ansonsten vielleicht doch zu nebulös ist folgende Eckpunkte: es handelt sich nicht um eine Tätigkeit in einer medizinverwandten Branche, sondern um eine produzierende Branche, wo man ab und zu Produkte und die Produktion anschauen muss und einfach vor Ort sein muss. Auch, um Kunden zu treffen. Ist eine altmodische Branche, da kann ich niemandem mit home office kommen.
Ich arbeite seit mittlerweile 10 Jahren im Familienunternehmen mit (habe nicht direkt nach dem Abitur studiert sondern erst eine kaufmännische Ausbildung gemacht), das seit drei Generationen besteht... Mein Vater ist kürzlich schwer krank geworden und fällt zur Zeit komplett aus - und ich gehe davon aus für längere Zeit, oder auch für immer, das ist alles zur Zeit nicht absehbar. Manche Mitarbeiter sind seit 30 Jahren dabei... alle haben jetzt verständlicherweise große Sorge.
Es ist ein kleines Unternehmen, an dem aber sehr viel Herzblut hängt, und ich möchte ihn, und die Mitarbeiter, nicht im Stich lassen. Ursprünglich war die Planung, dass ich irgendwann nach meinem eigenen FA wenn ich mich niederlassen kann und freier bin übernehme. Aber wie das Leben so spielt ist jetzt alles anders und ich fühle mich in der Verantwortung. Mir ist das wichtig, aber ich weiß, dass es eigentlich meine Assistenzarztzeit völlig torpediert. Einen Mittelweg zu finden wird schwer.



Die Wünsche lassen sich mit einer Tätigkeit in der Patientenversorgung kaum vereinbaren. Selbst Rehakliniken oder Psychosomatiken erlauben meines Wissens im allgemeinen höchstens einen festen freien Tag pro Woche. Da müßte ein Arbeitgeber schon extrem verzweifelt sein, und du kannst egal wo du arbeitest fest davon ausgehen, dass du ganz hinten auf dem Abstellgleis landest, was irgendwelche Weiterbildung angeht. Wenn man dich überhaupt einstellt.

Wenn du mit so einem Ansinnen in irgendeiner Klinik aufschlägt, weiß jeder sofort, dass du im Grunde gar nicht da arbeiten willst. Oder insgesamt gar kein Arzt / keine Ärztin sein willst. Warum sollte man jemanden einstellen, der so dermaßen deutlich macht, dass er eigentlich überhaupt keinen Bock auf den Job hat und seine Priorität ganz klar nicht nur bei Familie oder Freizeit, sondern sogar bei einem anderen Arbeitgeber liegt?

Ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht irgendwelche Kliniken gibt, die das auf die Weise darstellen können, dass man eben auch am Wochenende arbeitet mit vollem Freizeitausgleich unter der Woche. In einer Notaufnahme, wenn du dich bereit erklärst, viele Wochenenden und Nächte zu arbeiten. Aber auch das geht nur mit etwas Berufserfahrung und wenn man das Haus immerhin schon kennt. Und es dürfte schnell ziemlich frustrierend sein.

Bist du ärztlicher Berufsanfänger? Klingt so.

Danke, die Probleme die du siehst sehe ich auch, wobei ich auf jeden Fall Arzt sein möchte und - unter anderen Umständen - sehr motiviert wäre. Siehe meine Erklärung zu den Hintergründen oben. Ist vielleicht nicht ganz leichtzuvollziehen, aber es ist tatsächlich so, dass mir beide Dinge so verschieden sie sind mir wichtig sind und Freude bereiten. Zu deiner letzten Frage ja, bin ich.


Du übertreibst hier aber ganz schön. Je nachdem, wie medizinnah die andere Verpflichtung ist, ist das überhaupt kein Problem. Manche Ärzte lassen sich für die Lehre freistellen, weil sie Vorlesungen oder Seminare an irgendeiner Uni halten oder Erste-Hilfe-Kurse. Oder sie sind in einer Forschungsgruppe aktiv, nach oder während der Doktorarbeit. Auch eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft wär denkbar, z.B. wenn man irgendwas Digitales im Medizinbereich mitentwickelt. Und solange der andere Job nicht überfordert, kann er auch positive Einflüsse bringen.

Am Ende kommt es nur auf den Arbeitgeber, die Kollegen und die Fachrichtung an. Wenn das Team recht groß ist, ist der Dienstplan flexibel genug. Wenn man nicht der einzige Stationsarzt ist, ich man nicht unverzichtbar. Was sein kann, ist, dass man in der Weiterbildung möglicherweise niedriger priorisiert wird oder die Kollegen es "unfair" finden, wenn sich einer die Rosinen aus dem Dienstplan pickt. Aber da ist jedes Team anders, es gibt auch sehr benigne und supportive Teams, solange der Chef für gute Rahmenbedingungen sorgt.

Danke, ist leider kein medizinischer Hintergrund, wobei es ja immer wieder Ärzte gibt die ein zweites Standbein/Leidenschaft in einem anderen Bereich haben. Aber eben nicht in der Assistenzarztzeit, hier ist das einfach schwer möglich, das sehe ich auch.


Naja, wenn ich entscheiden müsste, was realistischer ist, würde ich mich eher Pflaumes Tenor anschließen, persönlich.
Wenn ich Chef wäre, wäre es für mich ein Red flag, wenn jemand im Bewerbungsgespräch danach fragte...
Das klingt nämlich so, als wäre der Bewerber gar nicht flexibel, um heldenhaft seine eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen und die Bedürfnisse der Klnik zu erfüllen.
Man darf nicht vergessen, dass oftmals vor allem billige und willige Arbeitskräfte gesucht werden.:-keks


Valide Punkte, sehe ich ähnlich.


Richtig. Und genau das ist das Problem....


Was der TE vorschlägt, klingt erstmal nach nem gangbaren Weg, aber man muss sich klar machen, dass das für den Dienstplanenden dann maximal unflexibel ist.
Was ist denn, wenn an dem Tag jemand anderes gerne den Nachdienst hätte?
Gerade die Nachtdienste am Donnerstag waren auf einer meiner vorherigen Stellen sehr beliebt (=langes Wochenende)...

Es dürfte für Unfrieden im Team sorgen, einen Dienst einfach so fest zu vergeben. Zumindest ist es denkbar, dass es potenziell eher für Unfrieden sorgt...

Ich kann man mich an eine Kollegin von früher erinnern, die auf Teilzeit reduziert hat...Ursprünglich hatte sie jeden Freitag frei....es stellte sich jedoch heraus, dass das schlecht machbar war, weil gerade freitags das Arbeitsaufkommen regelmäßig sehr hoch war...
Resultat war, dass diese Kollegin beinahe regelmäßig gebeten wurde einzuspringen, was sie dann auch tat...
Eher nicht das was der TE sich vorstellt.

Als Chefarzt muss man sich gut überlegen, ob man so jemanden einstellt und solche Wünsche von Beginn an möglich macht. Denn man muss immer bedenken, dass man auch die Wünsche der anderen Teammitglieder bedienen muss, die vielleicht auch, z.B. aus familiären Gründen reduzieren möchten. Solche weitreichenden Zusagen von Anfang an zu machen, könnte für Unfrieden sorgen.
Das System funktioniert nunmal leider oft nicht gut genug, dass alle in Teilzeit gehen und ihre Wunscharbeitszeiten bekommen könnten.
Die Realität in der Klinik sieht doch leider so aus, dass von uns Ärzten oftmals maximale Flexibilität verlangt wird um die Bedürfnisse und Notwendigkeiten des Dienstplans zu erfüllen.

Und klar, Ausnahmen gibt es und kann es geben, gerade auch für etablierte Mitarbeiter, die man halten möchte.

Aber warum sollte man als Chef einen Kandidaten mit solchen Wünschen einstellen, wenn es noch irgendjemanden anderen gibt...?
Selbst wenn es niemanden anderen gäbe, muss man sich doch ernsthaft überlegen, ob man sich mit so einem Bewerber nicht mehr Schwierigkeiten einkauft, als man löst, weil das eben allen anderen maximale Flexibilität abverlangt und daher auch Begehrlichkeiten und Unzufriedenheit weckt...

Ich sage nicht, dass es unmöglich ist eine entsprechende Stelle zu finden. Ich sage nur, dass ich, wenn ich Chef wäre so jemanden eher nicht einstellen würde.:-nix (wohlgemerkt: nicht aus Böswilligkeit oder Anspruchshaltung "früher haben wir sowas nie gemacht" etc, sondern einfach, weil ich darauf achten müsste, dass es in meiner Abteilung "gerecht" zugeht und dass alle zufrieden sind)
Man muss sich halt bewusst machen, dass soetwas bei der Einstellung ein deutlicher Malus ist.

Auch dir danke! Die Einschätzungen von euch, dass es relativ schwer oder gar unrealistisch ist, eine geeignete Stelle unter diesen Voraussetzungen zu finden haben mir geholfen, die Bedenken kann ich gut nachvollziehen. Eine schwierige Situation, die in Zukunft bestimmt noch Kopfzerbrechen bereiten wird, aber zunächst vielen Dank für euren Input! :)

Feuerblick
01.05.2022, 19:41
Ich würde an deiner Stelle erst einmal den Familienbetrieb übernehmen und schauen, ob und wie da eine dauerhafte Lösung hermuss. Wenn die gefunden ist, kannst du ohne Altlasten und mit vollem Einsatz deine Facharztweiterbildung machen. Die läuft dir nicht weg. Erfahrungsgemäß ist es am Anfang nicht so sehr der Zeitaufwand des Jobs alleine sondern auch, dass man durch all das Neue und Unbekannte abends fertig ist mit der Welt. Die meisten Newbies schaffen es im ersten halben Jahr nicht mal, abends Dinge nachzulesen. Da würde es erst recht schwierig, die beiden Jobs miteinander zu kombinieren. Du würdest keinem der Jobs gerecht und wärst vermutlich unzufrieden mit beidem.
Die Facharztausbildung läuft dir nicht weg. Natürlich ist es besser, direkt nach dem Studium zu beginnen, wenn das Wissen noch frisch und die Motivation hoch ist. Aber es ist kein Muss. Andere nehmen sich aus anderen Gründen nach dem Studium eine Auszeit von einem Jahr oder mehr und kommen dann doch klar. Ich glaube, ein Bewerber, der dem Chef erzählen kann, dass er während der Lücke im Lebenslauf nicht Urlaub gemacht hat sondern dem Familienbetrieb geholfen, käme nicht schlecht an.

Mein Tipp: Kümmere dich um den Familienbetrieb, organisiere im Verlauf, was eventuell organisiert werden muss und starte dann mit freiem Kopf die Weiterbildung.

_calendula_
01.05.2022, 20:14
Ich sehe es ein kleinwenig anders als Feuerblick: kümmere dich evtl. akut ums Notwendige und fang mit ein bisschen Verzögerung eine machbare Facharzt-Weiterbildung an.
Familiäre Dinge können einen für Jahre in Vollzeit binden. Da verliert man leicht die eigenen Ziele zu sehr aus dem Blick indem man sie "verschiebt". Der TE hat ja bereits verzögert mit dem Studium begonnen. Ein später Einstieg in die WB funktioniert auch, ist aber niemals dasselbe je später es wird.

Nefazodon
01.05.2022, 20:27
Okay, jetzt verstehe ich deine Situation etwas besser @Tulipan.

Trotzdem denke ich, dass es schwierig ist zwei beruflichen Anforderungen gleichzeitig gerecht zu werden.
Gerade zu Beginn der Assistenzarztzeit prasselt soviel neues auf einen ein, dass man kaum Kapazitäten für etwas anderes hat.

Daher würde ich dir, gerade auch wie sich die Situation jetzt darstellt empfehlen, dich erstmal auf den Erhalt des Familienunternehmens zu konzentrieren. Erstens willst und musst Du das gut machen und zweitens brauchst Du für deine Facharztweiterbildung einen freien Kopf.
Also wenn Du nicht finanziell auf den Arztjob angewiesen bist, konzentrier dich erstmal auf das andere.

Vielleicht sieht die Situation in einem halben Jahr dann auch wieder anders aus und Du weißt wie es weitergeht (weitergehen soll).

Ich wünsch dir auf jeden Fall alles Gute!

davo
01.05.2022, 20:38
In einem Fach mit Diensten wird es schwer bis unmöglich. Aber in einem Fach ohne Dienste (je nach Arbeitgeber denke ich da z.B. an Humangenetik, Labormedizin, PMR, o.ä.) könnte so ein Dienstplan schon möglich sein, würde ich vermuten.

Trotzdem stellt sich meines Erachtens die Grundsatzfrage, ob so eine Doppelbelastung sinnvoll ist. Wahrscheinlich wirst du in diesem Familienbetrieb die nächsten Jahre gebunden sein. Vielleicht wird ein Aufstocken auf Vollzeit nötig sein. Etc. Es ist durchaus möglich, dass du, wenn du eine solche Doppelbelastung eingehst, weder im Familienbetrieb die volle Leistung erbringen kannst, noch in der Facharztweiterbildung einen adäquaten Lernfortschritt haben wirst. Für mich spricht das doch eher für das Einsetzen eines angestellten Geschäftsführers.