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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Nachteile durch mehrere Jobs?



Minga30
06.05.2022, 08:41
Hallo ihr Lieben :-)

ich denke gerade darüber nach ggf. zwei Facharzttitel zu erwerben. Oder aber ein Hobby von mir als Nebenjob 1-2x die Woche auszuüben. Es ist ja prinzipiell möglich in jeweils zwei Fachrichtungen/Stellen angestellt zu sein. Welche Nachteile vor allem im Hinblick auf die Bezahlung und aber auch weitere Faktoren könnten sich denn daraus ergeben?

Vielen Dank!

denkstdu
06.05.2022, 19:54
Ich bin in zwei unterschiedlichen Bereichen angestellt.2d so und 3d anders. Aktuell taugt es mir so um in beiden Sachen drin zu sein.Der eine Bereich wäre sicherlich besser 5d/wo und sei es halbtags da zu sein, der andere Bereich geht sich mit ner halben Woche recht gut aus.
Das geringere Gehalt ist steuerlich in der bescheidenen Steuerklasse angegliedert.Was Ich manchmal schwierig finde ist das Zwitschen vorallem am Anfang.Hallo bin der und der unterstütze jene und welche oder arbeite für jenen.Auch wenn man gleichzeitig neu in zwei Bereichen startet ist unterschiedliche Software im Computerprogramm echt anstrengen.Aber mit der Zeit wird alles.

Pflaume
07.05.2022, 13:17
Wenn es zwei richtige feste Stellen sind, ist es langfristig nervig. Man wird als Arbeitnehmer im allgemeinen zwischen den beiden Arbeitgebern / Abteilungen zerrieben, jeder der Arbeitgeber hat das Gefühl, man wird ihm nicht gerecht. Karriere macht man auf die Weise natürlich sowieso nicht.

Das Problem insbesondere in der Krankenversorgung, dass es bei beiden Arbeitgebern / Abteilungen üblicherweise exakt die gleichen Bedürfnisse bezüglich Arbeit an Feiertagen, Nachtarbeit etc. gibt, führt selbst dann, wenn man akzeptiert hat, dass man eben bei beiden Arbeitgebern beruflich "nix wird", dazu, dass man eben von beiden Abteilungen / Arbeitgebern dazu aufgefordert wird, an Weihnachten zu arbeiten, einzuspringen, etc, pp. Feste Grenzen wie z.B. feste Monate in der einen oder der anderen Abteilung oder erste Monatshälfte in der einen, zweite in der anderen können helfen, die Auseinandersetzungen zu vermindern.

Letzten Endes schafft man sich mit zwei Arbeitgebern ähnliche Probleme wie mit Teilzeitstelle + Kinderbetreuung: Es zerren eben zwei verschiedene Berechtigte an einem, und jeder von den beiden will, dass man mehr Zeit mit ihm verbringt.

Moonchen
07.05.2022, 13:32
Also ich habe seit ca 5 Monaten zwei feste Stellen (75% Klinik + 20% Praxis) und bisher finde ich es super so - kann in der Praxis meine Spezialisierung machen was in der Klinik nicht geht und habe aber noch meine gewünschte Klinikaction dabei. Für mich ist es gut so, aber Nachteile die ich im Augenblick sehe sind :
- in der Klinik bekommt man die Verläufe der Patienten nicht mehr so gut mit
- gute Organisation und Kompromissbereitschaft von beiden Arbeitgebern bezüglich Urlaubszeiten ist nötig
- es werden viel zu wenig Steuern abgezogen so dass mir Ende des Jahres eine fette Nachzahlung droht …

Nouseforaname16
07.05.2022, 17:00
Kann nur aus dem ambulanten Bereich berichten: Ich hab mich vor Kurzem entschieden ab dem Herbst in der Praxis, in der ich aktuell angestellt bin zu reduzieren und zusätzlich 20 Stunden die Woche in einer anderen Praxis anzufangen. Ich muss dazu sagen, dass die zwei Praxen in keinerlei Konkurrenz zueinander stehen (Hausärztliche Versorgung und spezielle Schmerztherapie). Wenn man an zwei Stellen dieselbe Leistung erbringt, birgt das mit Sicherheit ein großes Konfliktpotenzial seitens der Praxisinhaber.

Während der Facharztweiterbildung hätte ich Sorge gehabt, dass es insgesamt von der Arbeitsbelastung her mit zwei Arbeitgebern zu viel wird. Da man ja letztendlich doch immer am Kürzeren Hebel sitzt, was Überstunden und Urlaubsplanung angeht.

Ohne diese Abhängigkeit denke ich jedoch, dass man mit zwei Stellen (anders als bei einer Teilzeitstelle aufgrund von Kinderbetreuung oder Freizeit) doch eher seine Position als Arbeitnehmer stärkt. Insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Stellensituation (vor allem in Bezug auf Teilzeitstellen im ambulanten Bereich). Hat man ja doch eine etwas niedrigere Hemmschwelle eine Stelle zu wechseln oder gegen Freizeit einzutauschen, wenn man gleichzeitig noch anderweitig angestellt bleibt.

Ein negativer Punkt ist allerdings, der dass man bei zwei Arbeitgebern einen Lohn in der Steuerklasse 6 versteuert und somit unter Umständen erstmal weniger rausbekommt. Da würden mich allerdings auch die Erfahrungswerte anderer interessieren, wie da der Steuerbescheid aussieht…

Und klar im ambulanten Bereich, hat die kv natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Ansonsten kann ich zum Beispiel nur davon abraten sich während der Weiterbildung in der Klinik auf eine Teilzeitauftteilung Forschung/Klinik einzulassen, sollte man nicht ernsthaft an einer wissenschaftlichen Karriere interessiert sein. Meiner Erfahrung nach erwartet einen da leider sehr viel Missgunst seitens der Kollegen und viele Oberärzte haben relativ wenig Verständnis für eine solche Einteilung. Da ist bei vielen leider immer noch die Überzeugung verankert, dass Wissenschaft in der Freizeit betrieben wird und nicht auf Kosten der restlichen Abteilung…

hebdo
16.03.2024, 07:25
Mir wurde gerade eine interessante Option angeboten: ich könnte zwei Teilzeitstellen jeweils in einer Ambulanz an einer Uniklinik (60%) und in einer Praxis (50%) bei zwei verschiedenen Arbeitgebern antreten. Ich weiß, sind formal 110%.

Bei einer Stelle werde ich ja in Steuerklasse VI rutschen. Meine Frage an Kollegen, die ein ähnliches Modell praktizieren ist, ob es viel weniger Netto am Jahresende mit Berücksichtigung der Steuernachzahlung ist im Vgl. mit einer einzigen Vollzeitstelle.

Konkretes Beispiel: bekomme ich in etwa das gleiche Netto, wenn ich 120.000€ bei einem oder zwei Arbeitgeber erwirtschafte?

Werde sicher noch einen Steuerberater fragen.

Teevee
16.03.2024, 08:31
Das mit den steuerklassen und sozialabgaben würde mich auch interessieren. Ob man am ende (spätestens mit der steuererklärung) auf dem gleichen level rauskommt wie mit nur einer angestelltentätigkeit

ehem-user-19-05-2025-1430
16.03.2024, 09:23
Die Steuerklassen bestimmen nur die Steuervorauszahlung und verändern die Höhe der Nachzahlung bzw. Rückzahlung nach Festsetzung der einkommensteuer durch das Finanzamt.

Kurz und knapp: man zahlt exakt gleich viel einkommensteuer.

Bei den Sozialversicherungen weiß ich es nicht genau aber wird sich auch nicht viel schenken, das hat aber nichts mit der Steuerklasse zu tun.

hebdo
16.03.2024, 09:41
Danke für die Antwort. Das habe ich fast gedacht und passt dann auch. Problem ist dann natürlich bei etwa gleichem Lohn, dass erstmal weniger Netto übrig bleibt.

][truba][
16.03.2024, 11:14
Du kannst einfach in einem Steuerrechner den Verdienst der 60% Stelle mit Steuerklasse 1 und den der 50% mit Steuerklasse 6 ausrechnen.

Dann nimmst du nochmal das gesamtbrutto und verrechnest es erneut unter Steuerklasse 1.

Dann weißt du a) was ungefähr (und stark vereinfacht) deine Nachzahlung wäre und b) ob da viel mehr/weniger netto raus kommt. Meistens nimmt sich das nicht so viel.

MissGarfield83
16.03.2024, 13:58
Interessant wird es bezüglich der Weiterbildung - soweit mir bekannt ist nur eine Weiterbildung zur selben Zeit möglich ( jedenfalls war das die Aussage den LAK Hessen ) - gilt auch für ZWB. Wobei die FA Ausbildung + ZWB Notfallmedizin jedoch gleichzeitig möglich war.

Moonchen
16.03.2024, 16:44
Ich habe so ein Modell (eine Stelle 40%, die andere 60%). Soweit ich weiß kommst du am Jahresende mit den Steuern gleich raus. Allerdings bekommst du recht viel netto ausgezahlt wenn es zwei gutbezahlte Jobs sind und hast dann in den Folgejahren Steuervorauszahlungen (bei mir wird zum Beispiel ca 500€/Monat zuviel ausgezahlt). Mit den 110% musst du aufpassen dass du die gesetzlichen Regelungen bzw Höchstarbeitszeit, Ruhezeiten usw. nicht überschreitest.