Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erster Dienst
slettestrand
07.05.2022, 11:35
Bin gerade als Anfänger auf Stellensuche (Viszeralchirurgie) und frage mich, was diensttechnisch hinnehmbar ist. Daher hier ein paar Fragen, besonders an Leute aus operativen Fächern.
1. Wann hattet ihr euren ersten Dienst? Welchen Zeitraum findet ihr vertretbar (in meinem Fall wäre man allein, OP-Spektrum ist klein)
2. Wie wurdet ihr darauf vorbereitet bzw woran wurde das festgemacht?
3. Lieber 24h-Dienste, Nachtdienstwochen oder ...?
4. Wie viele Dienste pro Monat sind machbar?
5. Was euch sonst noch dazu einfällt
War nicht in der Chirurgie, aber in der Urologie an einer Uniklinik.
Zu 1. Nach 1,5 Wochen
Zu 2. Gar nicht. Hatte nicht mal Zugangsdaten zum System. Musste ich mir von einem Kollegen leihen.
Zu 3. Egal, kann alles gut oder schlecht enden
Zu 4. Das hängt von deinen persönlichen Ressourcen ab
1. Ich hatte meinen ersten Dienst in der Regel nach zwei bis drei Wochen - kann man allerdings nicht vergleichen, da in Österreich und somit VIEL mehr fachärztliche Präsenz in den Diensten. In deiner Konstellation würde ich einen ersten Dienst nach sechs Monaten für vertretbar halten, aber da können dir die VCH-Kollegen sicher bessere Infos geben.
2. Ich hab mir dafür entsprechende Literatur organisiert ("Klinikleitfaden Nachtdienst" ist sehr empfehlenswert, "Nachtdienst-Einsatz!" ist auch ganz nett). Es gab immer eine abteilungsinterne Fortbildung zu üblichen Situationen im Dienst. Außerdem haben mich meine assistenzärztlichen Kollegen vorbereitet, haben mir Tipps gegeben, was im Nachtdienst oft vorkommt, wie man da reagiert, etc. Eine IT-Einschulung gab es vom Klinikum zentral organisiert, ebenso wie Einschulungen zu Notfallmedizin, Bluttransfusionen, usw. Vor meinem ersten Chirurgie-Dienst hatte ich einen Spätdienst, um den Dienstbetrieb kennenzulernen. Bei meinem ersten Psychiatrie-Dienst war bis 20 Uhr eine erfahrene Assistenzärztin anwesend. Außerdem hatte ich vor meinem ersten Psychiatrie-Dienst ein einstündiges vorbereitendes Gespräch mit dem Chef. In einem chirurgischen Fach wird darüber hinaus natürlich essentiell sein, vor dem ersten Dienst die entsprechenden praktischen Grundlagen zu erwerben.
3. Ich finde 24-Stunden-Dienste viel, viel angenehmer. Geht glaube ich den meisten Ärzten so. Schichtbetrieb könnte ich mir nur bei ZNA/Intensiv vorstellen.
4. Ich finde, dass fünf noch machbar sind. Darüber wird es unangenehm. Optimal finde ich drei oder vier - besser drei.
5. Du wirst dich ja an mehreren Kliniken bewerben, dann wirst du auch schnell sehen, welche Kliniken im direkten Kopf-an-Kopf-Rennen gute und welche schlechte Rahmenbedingungen bieten. Sprich auch unbedingt immer mit mehreren aktuellen Assistenzärzten, frag sie unter vier Augen, wie sie es finden, wie die Arbeitsbelastung in den Diensten ist, wie oft man einspringen muss, ob Überstunden bezahlt werden, auf wieviele Überstunden man kommt, wie die Atmosphäre ist, wie fair die OPs aufgeteilt werden, ob man genug OPs bekommt, usw.
1. Meinen 1. Dienst hatte ich nach ca. 10 Monaten in der Anästhesie
2. Ich habe vorher meinen Mentor in seinen Diensten begleitet
3. 24h
4. In meinem Team sind es aktuell 3-5 24h Dienste/Monat
][truba][
07.05.2022, 18:30
Moin. Hab mit viszeralchirurgie angefangen. Spektrum war eher größer mit eigener IMC. Intensiv musste ich nicht betreuen aber Stationen+IMC+Rettung.
Dienste glaub ich nach 2 Monaten. Hab aber auch gleich auf der IMC angefangen.
Naja, vorbereitet wurde man nicht wirklich. Nur gesagt, dass es ok ist (auch niederschwellig) anzurufen. Hatte ein tolles Team.
Hatte dort 24h Dienste. 5-7 gehen schon. Spaß ist aber anders und weniger immer besser wenn man nicht die Knete brauch.
7 24h Dienste im Monat wären für mich die Hölle, zumindest bei der üblichen Arbeitsbelastung. 2 sind Luxus, 3 gut, 4 sind noch ok, ab 5 wird es ätzend.
Lakemond
08.05.2022, 09:33
Mit 2 Diensten im Monat wird man echt arm...
Ich habe in meinem ganzen Arztleben noch nie mehr als 2-3 Dienste gemacht (schlimmer noch, die meiste Zeit hab ich Schichtdienst gemacht).
Arm geworden bin ich dabei bisher nicht aber vermutlich ist mir auch nur nicht klar, wie reich ich eigentlich sein könnte… :-nix
Autolyse
08.05.2022, 11:41
Ich habe in meinem ganzen Arztleben noch nie mehr als 2-3 Dienste gemacht (schlimmer noch, die meiste Zeit hab ich Schichtdienst gemacht).
Arm geworden bin ich dabei bisher nicht aber vermutlich ist mir auch nur nicht klar, wie reich ich eigentlich sein könnte… :-nix
Ich hatte eine Zeit lang 6 bis 8. Ehrlicherweise fand ich die 745,2€ brutto für einen Samstag mit nicht selten 24 Stunden durcharbeiten und den zermatschten Sonntag dazu in keiner Weise angemessen. Der Freizeitausgleich im Schichtdienst landet 1:1 bei mir und nicht zu ~60% woanders. Im Übrigen kann ich mir kaum vorstellen, dass man durch Lohnarbeit reich wird.
Heerestorte
08.05.2022, 13:48
Ich hatte nach 3 Monaten meinen ersten Dienst in der VCH. Bei uns ist aber auch immer ein Altassistent da (>2. Jahr) und ein Facharzt
Ich hatte in der Unfallchirurgie angefangen, Dienste hatten wir zusammen mit der VIszeralchirurgie. 1. Dienst hatte ich nach 3 Monaten, vorbereitet wurde bissel durch die Altassis, ich war mal nachmittags mit in der Notaufnahme, hab NA-Dienste geschoben (bei uns war 15.30 bis 18.30 Spätdienst in der NA, am WE 10-20 Uhr; in dieser Zeit war man zu zweit). Eigentlich waren 6 Monate geplant, aber dann war es halt nach 3 Monaten. Im 1. Dienst ist mir auch gleich ein Pat gestorben, der 2. begann mit einem Schlaganfall bei einer Pat... da hatte mir Kollegin noch geholfen, weil direkt zur Überngabe passiert .. danach wollete ich schon nicht mehr, aber man wächst an seinen Aufgaben.
Bei uns gab es auch noch 1 Internisten, 1 Anästhesisten und IMC-Besetzung im Haus, so dass man bei anderweitigen Problemen sich Hilfe holen konnte, ansonsten hat man halt die Hintergründe angerufen, wobei die Allgemeinchirurgen netter und zugänglicher waren, als wenn man unsere Unfallchirurgen gestört hat.
Bis jetzt immer so 3-5 Dienste, alles andere wird auch unschön da wir in der Chirurgie selten schlafen konnten. In meiner jetztigen Reha-KLinik schieben eiinge 7-8 freiwillig pro Monat, aber da isses auch deutlich ruhiger
Mit 2 Diensten im Monat wird man echt arm...
Arm ist, wer als Single-Haushalt weniger als 892 Euro zur Verfügung hat.
So viel zu arm...
Lakemond
08.05.2022, 17:02
Für Ärzte gilt eine andere Definition.
Interessant. Nur für Ärzte? Und warum genau für Ärzte? ab wann sind Ärzte denn arm? Und gibts auch Definitionen für andere Berufsgruppen? Wo kann ich das denn nachlesen, das interessiert mich wirklich…
slettestrand
08.05.2022, 17:09
[truba][;2233355']Moin. Hab mit viszeralchirurgie angefangen. Spektrum war eher größer mit eigener IMC. Intensiv musste ich nicht betreuen aber Stationen+IMC+Rettung.
Dienste glaub ich nach 2 Monaten. Hab aber auch gleich auf der IMC angefangen.
Naja, vorbereitet wurde man nicht wirklich. Nur gesagt, dass es ok ist (auch niederschwellig) anzurufen. Hatte ein tolles Team.
Hatte dort 24h Dienste. 5-7 gehen schon. Spaß ist aber anders und weniger immer besser wenn man nicht die Knete brauch.
Kamen dir 2 Monate arg früh vor im Nachhinein? Das wäre eine meiner aktuellen Optionen, nur kleineres Spektrum.
][truba][
08.05.2022, 17:45
Mir kamen zwei Monate vor allem im Vorfeld zu kurz vor. Rückblickend denke ich, dass 3-4 Monate optimal gewesen wären.
Ich muss dazu sagen, dass ich neben der VCH auch die Gefäßchirurgie betreuen musste, weil die dortigen Assistenten keine Dienste hatten. Unfallchirurgie hatte einen eigenen Arzt.
Es ist letztlich alles nicht so schlimm, wie man vorher immer denkt. Die Angst wird nie weg gehen vor den ersten Diensten und es ist auch gut, dass die da ist. Wenn deine Hintergründe nett sind, ist dass die halbe Miete. Würde vorher einfach mit dem zuständigen Oberarzt sprechen, dass du dir Sorgen machst etc. Meiner hat mir dann von seinem ersten Dienst erzählt und dass ich eben jederzeit anrufen kann. Musste ich dann auch wegen ner inkarzerierten Leistenhernie, dann haben wir halt operiert.
Aber du schaffst das schon. 2 Monate waren ok.
MissNightingale
08.05.2022, 18:32
Ich hänge mich hier mal dran und würde mich freuen, wenn ihr auch ein paar Erfahrungen zu Diensten in der Gyn/Geburtshilfe teilen könntet. Da scheint es riesige Unterschiede zu geben. Von erster Dienst nach drei Wochen bis erster Dienst nach fünf Monaten habe ich mittlerweile alles gehört. Je nach Größe und Spektrum der Klinik, gibt es noch einen anderen (erfahrenen) Assistenten im Haus, einen Oberarzt, der vor Ort schläft und noch einen Neonatologen. In anderen Kliniken ist man völlig alleine mit einem Hintergrund in Rufbereitschaft. Wäre also klasse, dazu ein paar Meinungen zu hören und ab wann ihr was als Anfänger empfehlen würdet.
Lakemond
08.05.2022, 19:51
Ich hab meinen ersten Dienst in der Gyn nach 3 Wochen gemacht. Ich kam frisch aus dem Ausland und es war viel neu für mich. Meine erste Secto habe ich nach 6 Monaten gemacht. Wenn ich jetzt darüber nachdenke.... Heutzutage nicht vorstellbar. War aber eine kleine Abteilung mit 400 Geburten. Ich würde als Hintergrund nie im Leben mit so einem Frischling Dienst machen.
MissNightingale
09.05.2022, 20:14
Drei Wochen ist wirklich heftig. Ich bin durch das PJ mit dem Alltag in der Gyn/Geburtshilfe recht vertraut, aber es ist natürlich was ganz anderes, nachts alleine da zu stehen. Würdest du rückblickend eine Klinik empfehlen, in der der Oberarzt/die Oberärztin und ggf. noch jemand aus der Neo im Haus übernachtet? Auch wenn dann nachts mehr los ist und Risikogeburten dabei sind? Oder lieber kleines Haus ohne Perinatalzentrum und dafür alleine? Oder ist das einfach "Geschmackssache"? Ich finde die Geburtshilfe ist bezüglich der Dienste wirklich ein Sonderfall.
juke5489
09.05.2022, 20:35
ich hatte meinen ersten dienst am 3. tag.
wir sind ein plastisch chirurgischer maximalversorger mit sehr aktiver 24h/365d handtraumaversorgung, schwerbrandverletztenzentrum und regelmäßiger versorgung von fournier gangrän oder nekrotisierender fasziitis.
in den ersten diensten war halt der hintergrund viel mit drin, das war aber überhaupt kein problem. nachdem ich in den ersten diensten gezeigt bekommen hab, wie der übliche kleinkram in der notaufnahme versorgt wird, war ich dann relativ bald recht autonom. alles was in den saal geht brauchte eh den hintergrund in der klinik, insofern war der frühe start ins dienstsystem halb so wild.
bei uns gibts immer noch eine frühe einführung ins dienstsystem, in der regel innerhalb der ersten 14 tage. der erste dienst durch einen zweiten, sehr erfahrenen vordergrund begleitet, danach allein.
da das hintergrund-team sehr hilfreich ist und im dienst eh viel drin ist und einem hilft und beibringt funktioniert das system sehr gut.
gerade in der anfangszeit ist der dienst für die meisten auch schnell die größte quelle von eingriffen als 1. operateur.
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